Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Samoa wechselt die Zeitzone und springt 24 Stunden

Hadmut
30.12.2011 21:08

Kommt schon seit 2 Tagen in den Nachrichten:

Samoa springt um 24 Stunden neben die Datumsgrenze und von Donnerstag auf Samstag, um nicht mehr in der letzten, sondern der ersten Zeitzone zu liegen. Sie lassen einen Tag „ausfallen”. Gleiche Uhrzeit, nur das Datum einen weitergedreht. Kein Jetlag, kein Umgewöhnen beim Aufstehen.

Der Inselstaat Samoa lag bisher in der letzten Zeitzone. Vor einigen Jahrzehnten hatte man sich absichtlich in diese Zeitzone begeben, um bessere Geschäfte mit den USA machen zu können. Inzwischen aber machen die USA nicht mehr so viele Geschäfte und die Haupthandelspartner sind Australien und Neuseeland. Das ist aber unpraktisch, weil sie dann nur 4 statt 5 gemeinsame Werktage pro Woche haben. Ist in Australien Montag, war in Samoa noch Sonntag und keiner da. Ist in Samoa Freitag, hat Australien schon Samstag. Dumme Sache das.

Also haben die sich das überlegt, sind zu dem Ergebnis gekommen, daß das von Vorteil ist, und haben das gemacht. Einfach so. Alle sind happy. Nur ein paar Leute konnten nicht so richtig Geburtstag feiern, aber mehr Probleme hatten sie nicht. (Gibt wohl noch ein paar religiöse Eiferer, die meinten, daß man damit Gott in die Schöpfung und die 7 Tage fuhrwerken würde, aber weder die noch Gott hatten offensichtlich gemerkt, daß Samoa damit wieder in seine ursprüngliche Zeitzone zurückspringt und die ganze Zeit in der falschen war, man also aus religiösen Gründen froh und nicht erzürnt sein müßte. Soweit ich weiß, läßt sich die Bibel auch nicht zu Zeitzonen aus und die Kirche nahm früher an, daß die Erde eine Scheibe ist, während sich das heliozentrische Weltbild und die Sache mit der Kugel sowieso nie so ganz bei den Religionen durchsetzen konnten.) Wie auch immer, sie haben das einfach mal so gemacht und gewuppt. Einfach so, kurz und trocken.

In Deutschland ginge sowas nicht.

Unsere Bedenkenträger und Berufsdagegner sind weitaus schlimmer als die religiösen Eiferer.

  • Egal wäre an der Regierung oder überhaupt dafür wäre, die Opposition ist aus Prinzip dagegen und fordert den Rücktritt.
  • Demonstranten gehen auf die Straße und ketten sich an öffentlichen Uhren und Datumsanzeigen an.
  • Die Grünen sind dagegen, weil die Auswirkungen auf die Umwelt nicht absehbar sind.
  • Klimaexperten warnen vor den Auswirkungen auf das Weltklima.
  • Zwei EU-Kommissarinnen kündigen Strafzahlungen gegen Deutschland an, weil Deutschland einen Alleingang unternähme um die anderen Staaten wirtschaftlich abzuhängen. Die Briten beklagen, daß Deutschland mit seinem Sprung nach vorne die Machtansprüche auf Europa markieren will. Die Franzosen erklären, daß es ohne sie nicht zu machen wäre. Die Griechen sind zu pleite um auf einen ganzen Tag zu verzichten. Die Niederländer finden es lustig und die Schweiz pocht auf ihre Souveränität in Datumsfragen. Die Amerikaner schicken Aufklärungsdronen, die aber wegen der Datumsänderung über dem Saarland abstürzen und von Lafontaine auf einem Tisch in einer Turnhalle präsentiert werden.
  • Tierschützer beklagen, daß es für Tiere unverständlich und Tierquälerei sei, wenn auf einen Donnerstag ein Samstag folgt. Kühe stehen beim Melken unter unvertretbarem Streß, wenn es plötzlich Samstag statt Freitag ist.
  • Die Linken fordern, daß man Hartz-IV-Empfänger für den Ausfall eines Tages entschädigen müssen, geraten aber untereinander in Streit als einer herausfindet, daß der Monat ja einen Tag weniger und nicht einen mehr hat, man also nicht mehr Geld zum Leben braucht.
  • Vier Supermarktketten nutzen die Gelegenheit für versteckte Preiserhöhungen, indem sie die Preise gleich lassen, den Packungsinhalt aber mit Hinweis auf den verkürzten Monat auf 29/30 reduzieren.
  • Esoteriker warnen vor einer spirituellen Unwucht, wenn durch den Ausfall eines Wochentages die Sache aus dem Gleichgewicht gerät.
  • Die amerikanischen Rating-Agenturen stufen den Euro auf B- herab, weil die europäische Wirtschaftslage so desolat sei, daß wir uns nicht mal mehr alle Tage im Monat leisten können. Die Briten erklären daß sie froh sind, nicht unserem Kalender beigetreten zu sein.
  • Der Mittelstandsverband protestiert, weil ihnen ein Arbeitstag entgeht, sie aber den vollen Monat zahlen müssen. Ein Sonn- oder Feiertag hätte man überspringen müssen.
  • Muslimische Gruppen wettern gegen die Bundesregierung, verbrennen deutsche Flaggen und drohen Vergeltung an. Ganze Bevölkerungsgruppen protestieren, weil es ausländerfeindlich ist, gerade den Freitag ausfallen zu lassen, der im Islam der Ruhetag ist.
  • Die Energiewirtschaft befürchtet Ausfälle und fordert Kompensationszahlungen vom Staat.
  • Vier Politiker erklären, daß das Internet kein rechtsfreier Raum sein dürfe, zeigen sich aber irritiert als man ihnen erklärt, daß das Datum nichts mit dem Internet zu tun hat.
  • Ursula von der Leyen beansprucht den Datumswechsel als Erfolg für ihr Ministerium.
  • Die Wirtschaftsweisen erklären, daß wir in unserer derzeitigen wirtschaftlichen Lage den Ausfall eines Arbeitstages nicht verkraften können.
  • Das Bundesverfassungsgericht lehnt den von 100.000 Leute unterschriebenen Antrag auf Erlaß einer einstweiligen Anordnung ab. Dafür erklärt sich das Landgericht Hamburg für zuständig.
  • Sieben Banken fordern staatliche Unterstützung, weil sie sonst wegen des ausgefallenen Handelstages Pleite gehen.
  • Die Krankenkassen erwarten psychosomatische Erkrankungen und erhöhte Behandlungskosten und erheben Zusatzbeiträge.
  • Tatsächlich entdecken Mediziner drei psychosomatische und fünf organische Erkrankungen, die auf die Datumsumstellung zurückführen lassen. Später stellt sich heraus, daß deren Honorarprofessuren ausgerechnet von den Pharmaunternehmen finanziert werden, die teure Medikamente dagegen anbieten.
  • Vier bei Plagiaten ertappte Doktoranden und zwei Professoren berufen sich darauf, daß ihre Arbeiten die Inhalte in Wirklichkeit früher hatten und das nur wegen der Verwindung der Zeitachse so aussieht, als hätte das woanders zuerst gestanden.
  • Die Presse wittert Skandal und bringt eine Schlagzeile nach der anderen, nachdem ein Journalist aufgedeckt hat, daß führende Politiker zuvor von der Kalenderindustrie bezahlt wurde, weil doch nun alle Kalender neu gekauft werden müssen.
  • Die Bundesländer protestieren und erheben Verfassungsbeschwerde, weil die Vorgabe eines Datums durch den Bund die föderale Struktur verletzt und Sache der Länder sei. Die Kultusminister bilden ein Gremium, das zunächst 15 Jahre darüber streitet und mehrfach aufgelöst werden muß, um nach 15 Jahren ergebnislos einen Unterausschuß zu gründen.
  • Der Zugfahrplan der Bahn gerät völlig durcheinander und Züge bleiben stehen oder haben Verspätung. Klimaanlagen fallen aus. Im Fernsehen kommen Bilder von verletzten Bahnpassagieren, die mit dem Rettungswagen abgeholt werden müssen. Die Lokführer erklären, daß man sie falsch angewiesen habe. Bei der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit müßten sie eine Stunde stehenbleiben, weshalb sie die Anweisung bekamen, einen ganzen Tag auf offener Strecke stehen zu bleiben. In den Zügen kam es zu Panik und zur Dehydrierung der Passagiere, die Türen ließen sich nicht öffnen und die Fenster nicht einschlagen. Ein Untersuchungsausschuß wird eingesetzt.
  • Wegen Fehlern in der Datumssoftware schalten sich vier Kernkraftwerke selbständig ab. Das Stromnetz bricht in Teilen des Landes zusammen.
  • Cobol-Programmierer werden dringend gesucht, die Stundensätze schnellen auf das Tausendfache.
  • Der Chaos Computer Club findet heraus, daß die Software zum Ändern des Datums eine Sicherheitslücke hat und man die Zeit auch eine Woche oder einen Monat nach vorne stellen kann.
  • Irgendwer will herausgefunden haben, daß die Regierung es versäumt hat, Notfallpläne zu machen und die wirtschaftlichen Folgen als zu gering angegeben hat.
  • Große Teile der Bevölkerung fürchten den Ausfall der gesamten Infrastruktur und bunkern Lebensmittel,Klopapier und Taschenlampen für zwei Jahre.
  • Windows stürzt ab.
  • Das Benzin wird teurer.

Vielleicht sollte ich nach Samoa auwandern.

27 Kommentare (RSS-Feed)

Maximilian
30.12.2011 21:35
Kommentarlink

Ja, man sollte besser einen Feiertag ausfallen lassen.


...
30.12.2011 21:42
Kommentarlink

Der Beitrag ist ganz lustig. ABER nach dem zehnten Punkt wurde es langweilig. Jeder einzelne Punkte würde aber tatsächlich so oder ähnlich vorkommen. 😉

Danke


Hadmut
30.12.2011 21:54
Kommentarlink

@…: Du sollst sie ja auch überspringen…


Christian
30.12.2011 21:57
Kommentarlink

Man könnte ja mit etwas einfacherem anfangen und z.B. versuchen, ab 2012 die Sommerzeit abzuschaffen… *schnell duck*


Hadmut
30.12.2011 22:00
Kommentarlink

Und wie willst Du das den Kühen erklären?


Chris
30.12.2011 22:09
Kommentarlink

Für die Kühe ist das ja nicht mal ein Problem. Für die Kühe ist eher ein Problem, dass es überhaupt eine Zeitumstellung gibt.
Oder meinst du die Kühe im übertragenen Sinne?^^
Aber IT-mäßig gäbe das schon ein ziemliches Durcheinander. Man könnte aber auch einfach hergehen und jetzt die Umstellung für 2020 beschließen (Ich weiß, bis dahin ist der Weltuntergang…). Aber so langfristig scheint man in Berlin ja nicht zu planen (siehe Bundeswehrreform, …)


Stefan W.
30.12.2011 23:21
Kommentarlink

Man sollte nicht einen Tag, sondern 4 Vormittage überspringen. Vormittage braucht kein Mensch.


Hadmut
30.12.2011 23:26
Kommentarlink

Oh, ich brauche Vormittage. Zum Ausschlafen.


Hanz Moser
31.12.2011 0:13
Kommentarlink

Ich wäre dafür, einen Regentag zu überspringen. Dann kommen aber wieder die Landwirte…


Johnny
31.12.2011 0:41
Kommentarlink

Eben in den RTL Nachrichten kam, dass Samoa nur 3 gemeinsame Werktage mit Australien/Neuseeland hat.

Ich bin mir ziemlich sicher ich habe die Nachrichten zum ersten mal dieses Jahr gesehen.

Und für nächstes Jahr nehm ich mir vor, es nicht zu tun!!!!

Guten Rutsch an alle!


Werner
31.12.2011 0:43
Kommentarlink

“Der Zugfahrplan der Bahn gerät völlig durcheinander usw.” Den Punkt unter Folgen einer Datumsumstellung aufzuführen ist natürlich Unsinn. Denn es ist schon heute so. 🙂 Die Bahn ist sozusagen ihrer Zeit voraus. (Ich saß mal eine Stunde in einem eiskalten Zug, weil die Lok nicht angelassen werden konnte, datumsmäßig weit entfernt von Sommer-Winterzeit-Umstellung.)

“spirituelle Unwucht” findet dagegen meinen besonderen Beifall. Sowas braucht die Welt!


Johnny
31.12.2011 0:44
Kommentarlink

Leider gibt es das noch nicht in der RTL Mediathek. Kommt aber bestimmt noch.


_Josh @ _[°|°]_
31.12.2011 1:16
Kommentarlink

https://www.youtube.com/watch?v=0yoPb-amgbs&t=5m18s
🙂
Danke Hadmut — für Dein Blog, Dein unermütliches Werken in Sachen Forschungsmafia, Deine besonnene Art, Deinen Langmut und Deine Toleranz. Komm’ gut in ‘s neue Jahr, und _bitte_: Weiter so.


Anmibe
31.12.2011 1:35
Kommentarlink

Zur Behandlung der gesundheitlichen Umstellungsprobleme werden die Kassen verpflichtet die Behandlung mit Temporalglobuli dauerhaft zu übernehmen.

Temporalglobuli:
Ein Astralchronometer ohne Zeitumstellung wird in Wasser geschüttelt und auf C200 gebracht. Die Globuli erinnern sich dann an die alte Zeit. Leider muß die Behandlung lebenslänglich durchgeführt werden.


klonderer
31.12.2011 7:23
Kommentarlink

danke,
habe selten morgens so gelacht.
danke


joe
31.12.2011 11:50
Kommentarlink

Von der Kugelgestalt der Erde ging man schon in der Antike aus, im Mittelalter sah man das genauso, auch die Kirche. Dass die Menschen des Mittelalters die Erde angeblich für flach hielten, ist eine Unterstellung der Neuzeit, die bis heute gepflegt wird und einer der am weitesten verbreiteten historischer Irrtümer ist.

Keine Ahnung, ob man diese Unterstellung heute auch noch in der Schule so lernt. Ich kenne jedenfalls Leute, die sind noch fest davon überzeugt.

Dass die Kirche im Mittelalter bezüglich des heliozentrischen Weltbildes etwas störrisch war, ist natürlich richtig. Sturheit ist allerdings kein Privileg der Kirche. Fred Hoyle beharrte ja auch zeitlebens auf der Hypothese des Steady State-Universums.


Hadmut
31.12.2011 13:33
Kommentarlink

@joe: Das stimmt so nicht. Denn die Kirche und auch andere Religionen gingen durchaus von einem „unten” und „oben” aus, was sich beispielsweise in der Auffasung von Himmel und Hölle oder von Olymp und Unterwelt niederschlägt, also einer vertikal geordneten und von oben nach unten abgewerteten Welt. Eine solche Weltordnung ist mit der Kugelgestalt unvereinbar, denn auf einer Kugel gibt es keine ausgezeichnete Richtung, die das „oben” einrichten würde.

Davon abgesehen gab es damals durchaus die Vorstellung, daß die Welt irgendwo zu Ende ist und man da herunterfallen könnte. Was ebenfalls mit der Kugel unvereinbar ist.

Zudem setzt die Vorstellung von der Erde als Kugel voraus, daß man das Wesen der Schwerkraft als Anziehung von Massen und nicht dem Befolgen einer naturgegebenen Richtung verstanden hat, was die Menschen damals auch nicht kannten.

Und wenn ich mich recht an den Geschichtsunterricht erinnere, hat sich die Ansicht mit der Kugel auch erst so um 1500 in der Breite durchgesetzt. Das war zwar durchaus Mittelalter, aber von Mittelalter habe ich oben nichts geschrieben. Ich habe von „Kirche” geschrieben, insofern geht Deine Kritik hier fehl.

Der wesentliche Knackpunkt ist, daß noch immer ziemlich viele Leute an der alttestamentarischen Sichtweise (und altes Testament war weit vor dem Mittelalter, weshalb Dein Einwand nicht verfängt) der Schöpfung der Erde in 7 Tagen festhalten und das mit den 7 Tagen wörtlich nehmen, weshalb der siebte Tag heilig und geschützt sein soll. Was aber nicht mit dem Modell der Zeitzonen und einer rotierenden Sonne zusammenpaßt. Da Gott das Licht, den Tag und die Nacht schon am ersten Tag geschaffen haben soll, müßte er notwendigerweise auch am ersten Tag die Erdrotation in Gang gesetzt haben. Dann klappt das aber nicht mehr mit der festen Einteilung, daß am siebten Tage Ruhe gewesen sein sollte. Ergo ist die alttestamentarische Schöpfungsgeschichte mit der Sicht der Erde als Kugel unvereinbar.


Oppi
31.12.2011 12:48
Kommentarlink

Das ginge ja nun allein deswegen nicht weil wir geographisch nicht an der Grenze zwischen der ersten und letzten Zeitzone liegen 😉

Aber ansonsten klingen deine Vorhersagen alle verdächtig realistisch ^^


Hadmut
31.12.2011 13:33
Kommentarlink

@Oppi: Bist Du auch einer dieser spießigen Bedenkenträger und Einwände-Erheber?


Henning
31.12.2011 15:02
Kommentarlink

Hallo Hadmut,

ich habe bezügliche Joes Kommentar ähnliches schon mal bei Spiegel-Online gelesen, was aber natürlich nicht bedeutet, dass der dort dargestellte Sachverhalt richtig sein muss.

Siehe http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,381627,00.html

Ich wünsche allen einen guten Rutsch! Und ein gutes neues Jahr 2012.
Henning


xwolf
31.12.2011 15:10
Kommentarlink

In der Aufzählung was passiert, fehlt IMHO ein Punkt:

– Der CDU-Politiker Kauder erklärt, daß mit der seiner Meinung nach längst überfälligen Einführung der Vorratsdatenspeicherungen die negativen Folgen der Zeitumstellung verhindert worden wären.


joe
31.12.2011 16:36
Kommentarlink

Zur Kugelgestalt der Erde: Ist nun mal Stand der Geschichtswissenschaft, auch wenn’s in der Schule falsch unterricht werden mag. Das ist auch keine Kritik, es ist der Stand der Forschung. Die Neuzeit war dann stärker geprägt durch den Kampf zwischen dem geozentrischen und dem heliozentrischen Weltbild. Klar gab es damals die Ansicht, man könne vom Rand der Erde fallen. Es ist eben nicht das Konzept, das sich durchgesetzt hat. Klar kann man eine Flat Earth Society gründen. Ändert letztendlich nichts daran, was sich durchsetzt und allgemein akzeptiert wird.

Die Vorstellung von der Erde als Kugel setzt nicht Kenntnisse moderner Physik voraus. Man kann sie einfach behaupten und mit Argumenten unterfüttern, die aus unserer heutigen, naturwissenschaftlich geprägten Sicht unsinnig und absurd erscheinen können. Wie die Kugelgestalt der Erde dann theologisch bewertet wird, ist dann noch mal eine ganz andere Frage. Theologisch bin ich nicht bewandert. Ich bin mir sicher, dass so manches theologische Konzept bezüglich unseres Planeten bei mir Erstaunen hervorrufen würde.

Ist schon richtig, das dass Weltbild des Alten Testaments mit der Kugelgestalt nicht vereinbar ist. Was für die Menschen früherer Zeiten aber nur bedeutet, dass sie eben mit Widersprüchen lebten – so wie wir heute auch. Schließlich habe die Christen auch das Neue Testament, das mir zum Alten Testament etwas widersprüchlich zu sein scheint. Man kann davon ausgehen, dass die Menschen früher in mancher Hinsicht in anderen Maßstäben dachten als wir heute.

Wie viele Leute heute an der wörtlichen Schöpfungsgeschichte festhalten, habe ich nicht gezählt. Ich denke, diese Leute sind auch nicht die Zielgruppe säkularer Naturwissenschaften. Abgesehen davon sind unsere sieben Tage Beleg der Macht der Tradition und haben auch ganz pragmatische Gründe. Die Sieben-Tage-Woche ist älter als das Christentum.

Der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches hatte als eine der Reichsinsignien übrigens den Reichsapfel und nicht die Reichsscheibe. Der Reichsapfel ist ein Symbol für die Erdkugel.


Knut Grunwald
31.12.2011 20:52
Kommentarlink

Die flache Erde ist tatsächlich ein Neuzeitmythos.

Die Probleme, die du herausstellst wurden damals einfach ignoriert. Der Pragmatismus war im Mittelalter schon recht ausgeprägt. Falls du eine Quelle für den Glauben über den Rand der Welt fallen zu können hast, wäre das natürlich cool. Asterixhefte zählen übrigens nicht.

Ansonsten ist die Zusammenstellung länglich, aber zutreffend. Das Problem ist allerdings nicht das Anreissen einer langen Punkteliste, sondern das es unmöglich ist über diese Punkte eine Einigung herbeizuführen. Derzeit ist hier alles umstritten, was irgendeiner nicht versteht. Folglich werden wir vom größsten Deppen regiert.

Na denn Prost ! Guten Rusch und frohes Neues Jahr!


Stefan W.
1.1.2012 4:05
Kommentarlink

Richtig ist, dass in der Antike bekannt war, dass die Erde eine Kugel ist – in Ägypten berechnete man gar die Größe genauer als auf 10% genau (Eratosthenes etwa 300 v.Chr.).

Allerdings war das Wissen in der Antike nicht homogen verteilt, und so wußten es andere, beispielsweise die Juden, noch nicht.

Ich glaube es ist Jesus der Dickere gewesen, der vom Leibhaftigen auf einen Berg geführt wird, der so hoch gewesen sein soll, dass der Sohn Gottes von dort die ganze Welt sehen konnte.

Andererseits lag der sprichwörtliche Dogmatismus der Kirche in der Idee die Erde sei das Zentrum des Universums, nicht in ihrer Flachheit.


@ joe: Die Reichsscheibe – besser bekannt als Reichsflugscheibe “Haunebu” – kam später! *grins*


Jens der Andere
1.1.2012 11:23
Kommentarlink

Nun… eigentlich steht natürlich alles in der Bibel. Hier in einem, bei den meisten Kirchen apokrypischen Buch, dem Buch Henoch.
Das hat ein sogenanntes Astronimisches Buch.

Um uns das Leben mit der Zählung von Kapiteln usw. einfacher zu machen, beziehe ich mich hier auf http://www.gutenberg.org/cache/epub/4013/pg4013.html
(Von diesem Buch existieren mindestens drei Varianten und etliche Übersetzungen, daher der Aufwand…)

Da haben wir beispielsweise Kap. 75, Sect. XV:

“1. Und an den Enden der Erde sah ich zwölf Tore geöffnet für alle Winde, aus welchen hervorgehen die Winde und wehen über die Erde.”

Die Erde ist also hiernach endlich, dafür aber überwölbt von einer Himmelskugel.

Durch ähnliche Tore fahren auch Sonne und Mond (auf Karren?) auf und ab.

Man kann wohl davon ausgehen, daß den hauptberuflichen Angehörigen der Kirche im Mittelalter auch solche Bücher gut bekannt waren.


Andreas
1.1.2012 21:31
Kommentarlink

Ich bin ja der Meinung, dass wir Silvester opfern könnten.
Einerseits wären wir einen Tag nach vorne gesprungen, von Freitag auf Sonntag. Andererseits wären wir wieder im Jahr 2011, weil es keinen Jahreswechsel gegeben hätte. Somit wären wir auch dem Weltuntergang in 2012 entgangen und könnten ein Jahr länger glücklich und zufrieden leben…