Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Religion macht sich bei mir gerade noch unbeliebter

Hadmut
27.12.2011 19:56

Gerade in den ZDF heute-Nachrichten von 19.00 Uhr ein Bericht über Ultraorthodoxe in Israel. Sie protestieren gegen die Gleichberechtigung von Mann und Frau.

Liegt das irgendwie an der Klimaerwärmung? Oder vielleicht was astrologisches? Irgendwie spinnen die jetzt alle zunehmend. Bei den Moslems werden die immer radikaler und führen die Scharia mit Gewalt ein, Terrorismus wird als normal angesehen, in Nigeria ziehen bewaffnete Kriminelle prügelnd und mordend im Namen Allahs durch die Straßen. Bei den Christen kommen immer mehr Mißbrauchsskandale ans Licht. Das nimmt gar kein Ende sondern steigt immer stärker an, wie der Schuldenstand der Republik. Und in Israel drehen die orthodoxen Juden hohl, fangen Schlägereien an, wollen Frauen zum Untermensch degradieren, bauen ein regelrechtes Apartheidssystem auf und bespucken sogar kleine Mädchen, weil sie zur Schule gehen. Und erheben extreme Forderungen, die sie teils sogar mit Gewalt durchsetzen wollen. Dabei hat mir ein Israeli mal erzählt, daß diese Orthodoxen überhaupt nichts arbeiten sondern sich aus öffentlichen Geldern alimentieren lassen. Irgendwie werde ich den Eindruck nicht los, daß sich in allen dreien der biblischen Religionen ein enormer Pöbel angesammelt hat, die einfach nicht (mehr) zum menschlichen Zusammenleben in der Lage sind, sich benehmen wie Dreck und diese ganze Gottesnummer als Ausrede vorschieben, passiert ja alles im Namen Gottes oder mit Bezug auf Koran, Bibel und Thora.

Könnte mir bitte nochmal irgendwer erklären, worin eigentlich das Positive, der Vorteil und Nutzen der Religion liegen soll? Und warum die Religionen (bzw. deren Lobbyisten) immer einfordern, daß man ihnen gegenüber Respekt entgegenbringt? Sowas ist doch jeden Respektes unwürdig.

Ich kriege echt zuviel, wenn einem manchmal die Leute erzählen wollen, daß die Religion der große Heils- und Glücksspender sein solle und man ohne Religion nicht glücklich werden könne. Ich sehe da überhaupt nichts positives dran. Wozu soll das alles gut sein? Ich fühle mich ohne viel glücklicher und friedlicher.

So. Und jetzt bin ich in der richtigen Stimmung, daß mal wieder ein paar Zeugen Jehovas bei mir klingeln könnten. Na, denen würd ich was erzählen…


19 Kommentare (RSS-Feed)

Chris
27.12.2011 20:27
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Wobei man aber auch nicht vergessen sollte, dass diese „Ultraorthodoxe Juden“ mit Religion so viel zu tun haben, wie die CDU mit Demokratie – nämlich gar nix.


Hadmut
27.12.2011 22:15
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@Chris: Ich glaube, da machst Du es Dir zu einfach. Warum sollen die nichts mit Religion zu tun haben? Nur weil Dir dann das Ergebnis nicht gefällt?

Doch, ich glaube, genau das ist Religion.


David
27.12.2011 21:42
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Auch wenn ich das Verhalten der Orthodoxen ebenso verurteilenswert empfinde, eine kleine Korrektur: Das Problem mit dem Mädchen war nicht, dass es zur Schule geht (das gehen orthodoxe Mädchen nämlich auch), sondern dass es angeblich unschicklich gekleidet war. Wie ein siebenjähriges Mädchen unschicklich gekleidet sein kann, versteh ich allerdings auch nicht.


Hadmut
27.12.2011 22:18
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@David: Also wenn erwachsene Männer ein siebenjähriges Kind anspucken, kommt’s eigentlich nicht mehr so auf die Details an. Sowas gehört einfach nicht auf die Straße. Die Leute sind nicht mehr sozialfähig. Solche Leute gehören bestraft und dürfen eigentlich nicht mehr auf die Öffentlichkeit losgelassen werden.


Jabe
27.12.2011 21:57
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Richard Dawkins geht seinem Buch “Gotteswahn” u.A. auf die Sache mit dem Respekt ein. Auf den Fall lesenswert, wie all seine Werke.


Werner
27.12.2011 23:01
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“Dabei hat mir ein Israeli mal erzählt, daß diese Orthodoxen überhaupt nichts arbeiten sondern sich aus öffentlichen Geldern alimentieren lassen.”
Da hat er Dir nur die Hälfte erzählt. Die andere Hälfte: Die Wettbeter sind vom Wehrdienst befreit, der für Männer immerhin drei Jahre dauert.


Hadmut
27.12.2011 23:13
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@Werner: Oh. Das lästige daran ist, daß der nicht nur drei Jahre dauert, sondern daß der Israeli, der mir das erzählt hat, während seines Wehrdienstes mehrfach angeschossen wurde.


Oppi
28.12.2011 3:17
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“Gute Menschen tun Gutes, schlechte Menschen tun Schlechtes. Aber damit gute Menschen Schlechtes tun, braucht es Religion.”

Weiss nicht mehr von wem es ist, aber es trifft ungefähr meine Haltung zu der Frage.

Weshalb deren Glaube an ihren persönlichen unsichtbaren Freund jetzt mehr Respekt verdienen sollte als meine Überzeugung, dass unter meinem Bett ein rosafarbener Elefant wohnt der da nachts Polka tanzt, geht über mein Verständnis. In jedem Fall würde ein säkularer Verein der ähnliche Hassbotschaften verbreitet wie gewisse “Weltreligionen” hierzulande sehr schnell dicht gemacht.


irgendwer
28.12.2011 6:55
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>aus öffentlichen Geldern alimentieren lassen

Daran können wir uns hier auch erfreuen. Unsere Kirchenkasper werden auch aus öffentlichen Geldern (also eben nicht Kirchensteuer!) bezahlt. Zusammen mit sonstigen Zahlungen und Vorteilen (z.B. die Infrastruktur für Kirchensteuereinzug) sind es wohl zweistellige Milliardenbeträge – und das jedes Jahr: http://www.wdr5.de/fileadmin/user_upload/Sendungen/Dok5_das_Feature/2011/August/Manuskript/08_14_Lobbyismus-und-Transzendenz-neu.pdf

Oder hier etwas kürzeres in Bezug nur auf NRW: http://www.wdr.de/tv/westpol/sendungsbeitraege/2011/0918/kirchensteuer.jsp
mit einem sehr schönen Zitat: “Die Kirchen sind für mich die beste Geschäftsidee aller Zeiten – und auch die besten Lobbyisten im politischen Raum. Keiner wagt gegen die Kirchen anzutreten”


klonderer
28.12.2011 9:17
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Irgendwie geht in letzter Zeit alles “den Bach runter”. In allen Bereichen. Ich denke das kommende Jahr hat noch einige Überraschungen für uns. Freuen wir uns darauf


Carsten
28.12.2011 10:04
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@Hadmut: Es kommt auf den Zoomfaktor an: Durch das Mikroskop betrachtet, für den einzelnen, kann Religiosität durchaus positive Effekte haben (z.B. kann die Kontrolle durch “Gott”, die Gemeinde oder die anderen Weightwatchers zu einer gesünderen Lebensweise führen). Makroskopisch betrachtet, wenn man sich ganze Sekten anschaut, gibt es nur noch eine Option: alle auf den Mond schießen.


wider religionen
28.12.2011 10:13
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Mir kommt es so vor als wäre der ganze nahe/mittlere Osten nur von Bekloppten bevölkerkt. Religionsgestörte wohin man sieht, kloppen sich gegenseitig auf die Birne aufgrund zusammenfabulierter Bücher und Legenden, Märchengestalten,…. und das seit Generationen. Die haben doch alle einen massiven Schaden in der Birne der sich schon genetisch gefestigt hat, anders kann ich mir das Dauerchaos dort nicht erklären.

Das sind keine failed states mehr sondern failed continents.


Hadmut
28.12.2011 10:30
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failed mankind ?


georgi
28.12.2011 20:12
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Atheismus finde ich gut. Einseitigkeit nicht. Da gibt es ja noch Politik, revoltierende Volksmassen, die frauenfeindliche Fanatiker finanzierenden Saudis, den Westen, der gerade dabei ist, genau die antireligiösen (Syrien) und gemäßigt-religiösen Diktaturen (Gaddafi-Libyen) mit Gewalt durch von Qatar und Saudi-Arabien unterstützte islamistisch-integralistische salafistische und wahabitische Herrschaftsformen zu ersetzen. Es bleibt spannend. Übrigens bestimmt bald auch in Europa, so etwa in Griechenland oder Ungarn. Auf Zivilisation, Aufklärung und dergl. glauben ja krisenbewältigende Mächte in der Regel verzichten zu müssen.


J.Schiffmann
28.12.2011 22:32
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Tja – “In der Geburtskirche in Betlehem ist es zu einem Streit zwischen armenischen und griechischen Orthodoxen gekommen. Die Männer warfen sich gegenseitig vor, ihre Grenzen zwischen den jeweiligen Abschnitten überschritten zu haben – und schlugen mit Besenstielen aufeinander ein.”

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,806113,00.html


Hadmut
28.12.2011 22:45
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@J. Schiffmann: Vielleicht wäre es gar nicht so doof, ihnen bessere Waffen zu reichen…


Mephane
29.12.2011 21:30
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“Könnte mir bitte nochmal irgendwer erklären, worin eigentlich das Positive, der Vorteil und Nutzen der Religion liegen soll?”

Nix. Ist ein Relikt aus der Geschichte, ald die Menschen es vermutlich noch nicht besser wussten. Genauso wie das von dir neulich beschriebene Verhalten bezüglich Vorurteilen ein jetzt schädliches biologisches Überbleibsel aus der Vergangenheit ist, ist Religion ein kulturelles Überbleibsel, genauso hartnäckig wie anachronistisch.


quarc
30.12.2011 16:49
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Das ist in dieser Siedlung, nicht wahr?

So etwas ist in Israel nichts neues, auch wenn es in unseren Medien nur selten
erwähnt wird, weil es nicht in das Wunschbild des säkular-westlichen Israel
passt.

Die Mehrheit der säkularen Israelis ist mit Recht sauer, weil die Orthodoxen
mit vielen Vorrechten versorgt werden, vorgeblich um sie zu integrieren und
zu besänftigen. Der Staat Israel ist da in einer Zwickmühle: einerseits stehen
viele der Orthdoxen der Idee eines jüdischen *Staates* skeptisch bis anlehnend
gegenüber, andererseits begründet Israel den fortgesetzten Raub fremden Landes
ausgerechnet mit der Bibel. Da scheint man sich immer wieder die Solidarität
der Orthodoxen kaufen zu müssen.

Solange es wirtschaftlich gut läuft, fällt es noch nicht so auf, aber weil die
wirtschaftliche und soziale Situation in Israel mittlerweile ziemlich desolat
ist, stört es mehr als vorher.


m2u
31.12.2011 16:36
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Hallo Hadmut,

ich glaube du vermutest richtig, dass sie die Gottesnummer als Ausrede (oder als Vorwand) benutzen, um sich derart verhalten zu können. Das nimmt offensichtlich immer mehr zu (nicht nur bei den “Religiösen”), und ich vermute, keiner kann sie davon abhalten. Die Folgen werden wir wohl noch drastisch erleben …

Wenn es etwas Gutes haben sollte, dann eventuell, dass wir uns diese als Spiegel vorhalten können und uns selber fragen, wo wir persönlich zu solchem Verhalten neigen (wenn auch nicht in derselben Radikalität, aber als Tendenz). Mir gefällt der Spruch: “Wer frei von Gewalt ist, der werfe den ersten Stein.” Wenn ich also geneigt bin, einen Stein (evtl. auch nur wörtlich) zu werfen, dann bin ich es, der werfen möchte, und das äußere Motiv ist nur der Vorwand. So, wie wir es in diesen Beispielen gut sehen können.

Ich hoffe, damit meine Sicht auf die Dinge im Positiven beigetragen zu haben. Mir hilft diese Erinnerung immer sehr, ich lerne etwas über mich selber und darf friedlicher leben. Hunderte Millionen gewalttätige Irrer werden wir nicht stoppen können.