Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Netzteile beschriften

Hadmut
27.12.2011 11:38

*Seufz* So ungefähr ein- bis zweimal im Jahr, immer wenn sich die Neuanschaffungen mal wieder angesammelt haben, schmeiße ich das Beschriftungsgerät an und drucke viele kleine Aufkleber für all die externen Netzeile, von denen man beim besten Willen nicht mehr weiß, zu welchem Gerät sie gehören, wenn das Kabel erst einmal raus ist.

Das ist nämlich höllisch, wenn man nicht mehr weiß, wohin es gehört. Bei Fernbedienungen weiß man das manchmal auch nicht mehr, aber da kann man das wenigstens unschädlich einfach ausprobieren. Bei Netzteilen kann das schief gehen.

Ein Bekannter von mir hat sich mal irgendein teures Gerät geschrottet, weil er versehentlich das falsche Netzteil anschloß. Sah genauso aus wie das richtig, war aber das vom Inhaliergerät und hatte deshalb 31 statt 9 Volt. Damit bekommt man ICs, Halbleiter, Kondensatoren usw. ohne weiteres kaputt.

Die Angaben auf den Netzgeräten selbst helfen oft auch nicht weiter. Abgesehen davon, daß sie oft winzig klein und unlesbar gedruckt sind, sagen viele der Hauptgeräte dann nicht, wieviel Spannung, wieviel Strom und welche Polarität sie brauchen. Und selbst das reicht nicht, weil noch solche Aspekte wie Glättung, Stabilisierung, Spitzen dazukommen. 5 Volt und 5 Volt ist noch lange nicht das gleiche. Mein Android-Handy beispielsweise fängt an zu spinnen wenn ich es mit den falschen (heißt: billigen) USB-Ladegeräten lade, obwohl doch eigentlich „USB-Ladegerät” eine hinreichend enge Spezifikation sein sollte – würde man meinen. Die billigen streuen aber offenbar Hochfrequenzanteile über das USB-Kabel ein, die das Handy dann über seinen kapazitiven Touchscreen anscheinend für Eingaben hält. Muß mal eine Ferrit-Drossel probieren.

Jedenfalls habe ich gerade mal wieder jede Menge Aufkleber gedruckt.

Was ich daran nicht verstehe:

Warum ist das nicht Aufgabe des Herstellers, die Netzgeräte ordentlich zu beschriften? Wie kann das angehen, daß diese Netzgeräte alle die ganze Latte von Prüfsiegeln wie GS und CE haben, obwohl man ihnen nicht ansieht, wo sie reingehören? (Von verwechslungssicheren Buchsen mal ganz abgesehen.) Ein falsches Netzteil birgt ja immerhin die Gefahr von Schaden, Zerstörung, am Ende gar Brand oder Stromschlag. Das fällt zwar nicht unter technisch-konstruktive Fehler des Netzgerätes selbst sondern unter Bedienungsfehler, aber auch die Anfälligkeit gegen Bedienungsfehler gehört meines Wissens in den Bereich der Sicherheit von Geräten.

Zumal es den Herstellern durchaus zuzumuten wäre, die Netzteile entsprechend zu beschriften. Wenn sie mir auf meinen Fernseher oder mein Notebook einen Aufkleber mit Modell und Seriennummer pappen können, warum dann nicht auch aufs Netzteil? Und die Netzteilhersteller bringen sowieso eine Vertiefung für ihren eigenen Aufkleber an, warum nicht gleich eine zweite für einen Geräte-Aufkleber in normierter Größe? Es müßte ja nicht mal die genaue Gerätebezeichnung sein, es würde ja schon reichen wenn auf Gerät und Netzteil irgendwas Übereinstimmendes wie „Hersteller X Netzteil Typ Y” stehen würde. Denn ungünstigerweise stellen die wenigensten Gerätehersteller die Netzteile selbst her oder bringen eigene Aufkleber an, weshalb die beigelegten Netzteile oft von anderen Herstellern stammen und nicht den geringsten Hinweis darauf liefern, von welchem Hersteller das Hauptgerät stammt, mit dem sie geliefert wurden.

Ärgerlich, ärgerlich. Ich persönlich würde solchen Geräten künftig die Sicherheitsprüfzeichen nicht mehr vergeben.


9 Kommentare (RSS-Feed)

Dennis
27.12.2011 12:49
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Ich hätte es gern, dass man mit PC-Netzteilen weitere übliche Spannungen nutzen könnte, denn sie sind bereits dafür ausgelegt verschiedene Spannungen zu erzeugen. Sich auf eine gemeinsame Betriebsspannung festzulegen seh ich zwar als unrealistisch an aber ein Schaltnetzteil zu verwenden, um damit mehrere Gleichspannungsgeräte in Betrieb nehmen zu können, finde ich durchaus sinnvoll.


Hadmut
27.12.2011 13:47
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@Dennis: Das ist Murks. Denn PC-Netzteile sind nicht darauf ausgelegt, beliebige Spannungen zu erzeugen sondern haben verschiedene Komponenten, die auf die jeweilige Spannung optimiert sind. Und nur so können sie sparsam arbeiten. Ein PC-Netzteil ist eben ein PC- und kein Universalnetzteil.


anonym
27.12.2011 13:27
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“Ich persönlich würde solchen Geräten künftig die Sicherheitsprüfzeichen nicht mehr vergeben.”

Dann wärst Du als zuständiger Manager beim TÜV aber ganz schnell entlassen, denn dann verdienst Du auch kein Geld mehr.


Stefan W.
27.12.2011 13:41
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Ja, schwarze Prägeschrift auf schwarzem Grund – das ist irre gut lesbar, besonders unter einem Schreibtisch, hinter dem Sofa oder wo sonst diese Teile meist ihr schattiges Dasein fristen.

Ich frage mich was es die Hersteller kosten würde das in einer anderen Farbe mit hohem Kontrast herzustellen. Manchmal hilft es mit einem Stück Kreide drüberzufahren, um die Schrift besser lesbar zu machen, aber meist fertige ich aus Papier ein kl. Fähnchen, und klebe es mit Tesa auf das Netzteil oder nahe dem Netzteil ans Kabel. Wenn man das richtige Teil aus der Mehrfachdose ziehen will ist das sehr hilfreich.


Michi
27.12.2011 19:20
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Wird da nicht andersrum ein Schuh draus? Die Hersteller machen die Netzteile doch nur deshalb separat extern, weil unsere lieben, idiotischen Politiker den Zulassungsaufwand für Geräte mit internen Netzteilen so hoch gemacht haben. Hätten die das nicht verbockt, hätte jedes Gerät ein internes Netzteil und wir nur viele, gleiche Stromkabel, die wir gefahrlos irgendwo rein stecken können.


energist
28.12.2011 22:38
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Hallo Hadmud, Du adelst das CE-Zeichen da so eben zum Prüfzeichen – das ist es aber nicht. Jeder Hersteller kann das draufkleben und -prägen wie er will, unabhängig überprüft wird da garnichts.

Und mit dem voranschreitenden Siegeszug der Chinanetzteile wird auch immer deutlicher, daß viele Hersteller sich nicht an die Normen und Regeln halten – wir Funkamateure können ein Lied davon singen: die Schaltfrequenzen stören unsere Kurzwellenbänder. Für den Hersteller ist es billiger, die paar Beschwerden zu ignorieren oder Austauschgeräte zu stellen, als sauber zu entwerfen.

Ich habe bei mir die Problematik mit den vielen Netzteilen übrigens ganz einfach gelöst: bei mir auf dem Schreibtisch steht sowieso ein (recht hochwertiges) Labornetzteil. Daran kommt je nach Bedarf der nötige Stecker, die passende Spannung wird eingestellt und gut is 😉


cookie
31.12.2011 6:44
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Das Problem kann ich nachvollziehen, da mir persönlich zwar noch kein Netzteil begegnet ist, auf dem die Angaben zu Ausgangsspannung und Belastbarkeit gefehlt hätten, aber diese sind ja gern mal in gefühlter Microfiche Schriftgröße aufgedruckt und im typischen Netzteilbiotop mangels guter Beleuchtung entsprechend unleserlich.

Außerdem kann´s knifflig werden, wenn zwei sagen wir mal 9V 800mA Netzteile verschiedener Hersteller einen ungefähr gleichen Stecker haben, aber jeweils verschieden gepolt sind.

Deswegen neige ich auch zum Etikettieren und gehe sogar soweit, die ganz normalen Kaltgerätekabel an beiden Enden zu beschriften, damit ich an der Steckerleiste direkt weiss, WELCHES Kabel ich ziehen sollte und welches nicht (das kann ich bei dem Vollchaos unterm Schreibtisch nämlich nicht einfach so erkennen).


Hadmut
31.12.2011 9:42
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@cookie: Das erinnert mich an was. Weißt Du, wie man im Garten erkennt, was Unkraut ist? Alles rausreißen und was im nächsten Jahr wieder da ist, ist Unkraut.


Jens
21.1.2012 13:50
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Gerade auf einem Telekom Speedport 700 W gesehen: “Nur mit Netzteil xyz-abc” verwenden. Damit hat man die Zuordnung schonmal in eine Richtung, selbst man auf dem Netzteil nur die Typenbezeichnung, aber kein “vorgesehen für Speedport 700 W” steht.