Ansichten eines Informatikers

Von der Post verarscht…

Manchmal komme ich mir verarscht vor. So als deutscher Kunde und überhaupt. Gerade ist es wieder akut und ganz schlimm.

Kürzlich erst wollte ich einen Brief verschicken. So einen ganz normalen, zwei Blatt Papier drin, gewöhnlicher, leichter Brief. Eine einfache Sache. Dachte ich. Der Brief sollte nämlich noch am gleichen Tag weg. Nun war ich es sowohl von hier in Karlsruhe als auch von Dresden so gewohnt, daß man zum Postamt (oder eben so einer neumodischen Postagentur oder einem Büroartikelladen, in Dresden notfalls auch zum Gemüsehändler) geht, dort eine Briefmarke kauft oder am Automaten zieht (Saudumm, daß die Dinger kein Wechselgeld geben, schon da kam mich mir verarscht vor, wenn der Automat 5 Cent Wechselgeld als zusätzliche Briefmarke ausdruckte, aber seit ich die Geldkarte dafür benutze, kann ich immer passend zahlen), und dann den Brief bis 18.00 Uhr abgibt oder einwirft. Bisher ging das so.

Also fuhr ich zum Postamt im Bärenweg. Da trat das erste Problem auf. Das Postamt war weg. Weg so im Sinne von “nicht mehr da”. Das heißt, das Gebäude war schon noch da. Aber das Postamt mit dem Büroartikel-Laden nicht mehr drin. Zwar standen die beiden Briefkästen noch davor, aber woher eine Briefmarke nehmen? Mir war so, als hätte da mal so ein Briefmarkenautomat gestanden. Genau an der Stelle, an der da jetzt nichts (mehr) steht. Mmmh. Immerhin haben sie einen Zettel an der Tür, die Filiale sei jetzt in der Neureuter Hauptstraße 280. Toll. Wo zum Kuckuck ist die Neureuter Hauptstraße 280, wenn man nicht aus Neureut ist und sich dort nicht auskennt? Das fragten sich auch inzwischen und laut fluchend drei andere Leute, die vor dem geschlossenen Laden standen und ungefähr so dämlich und verärgert guckten wie ich. Nun war ich ja schon immer der Meinung, daß das Navi im Auto die Axt erspart und ließ mich von meinem Aldi-Orakel dorthin bringen. Aber ach.

Der Laden war zu. Es war nämlich Montag. Und die neue, winzige Postfiliale hat Montags nur vormittags auf. Macht nichts, sie haben ja genau den Briefmarkenautomaten, den ich suchte. Flugs die Marke gekauft, auch mit Geldkarte (wegen Wechselgeld und so) und schon beim Entnehmen der Marke gewundert: In der überdimensional breiten Ausgabeklappe des Briefmarkenautomaten steckte ein ganzer Brief. Kein unwichtiger, einer an das Finanzamt. Warum macht man sowas? Hatte da jemand die Klappe für den Briefeinwurf gehalten? Was es für Leute gibt… Nur einen Augenblick später wurde mir klar, warum jemand auf diesen abwegigen Gedanken gekommen war: Meine Suche nach dem richtigen Schlitz ging nämlich ins Leere: Briefmarkenautomat da und funktioniert, nimmt aber keine Briefe an. Postamt da aber zu. Briefkasten: Is nich. Die bauen ein Postamt ohne Briefkasten. Kann eigentlich nicht sein. Nochmal genau geguckt, weil ich ja doch dazu neige, den Briefkasten gerade dann zu übersehen, wenn er genau vor mir steht, aber nein, da ist keiner. Ob dem armen Tropf jemals bewußt werden wird, daß er seinen Brief an das Finanzamt in den falschen Schlitz gesteckt hat? Wird man ihn hart verurteilen, weil er die Frist nicht eingehalten hat?

Spontan fällt mir der alte dumme Witz ein: Was ist gelb, steht vorm Baum und kommt nicht hoch? Ein Briefkasten. Neue Variante: Was ist rot, steht vorm Postamt und kriegt den Brief nicht rein? Ich.

Als ich gerade wieder zum Auto gehen wollte entdecke ich dann doch den Briefkasten: Schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite, ein Stück weg, so in der jahreszeitbedingten Dunkelheit kaum zu sehen. Für den Postfahrer leicht anzufahren. Für den Kunden nicht so ganz offensichtlich. Also hin. Und wieder geärgert. Der wurde nämlich so am späten Nachmittag und nicht um 18.00 Uhr geleert. Also heute nicht mehr. Mist.

Also wieder zurück zum ehemaligen Postamt gefahren, weil die zwei Briefkastenruinen, die da noch stehen, von sich behaupten, um 18.00 geleert zu werden. Also vertrauen wir denen mal. Welch ein Aufwand um einen 55-Cent-Brief loszuschicken.

Am Samstag war ich nicht da. Es gab aber zwei einschneidende Erlebnisse in meinem Leben: Ich habe wieder einmal ein Paket erhalten, war aber nicht da und wohl auch kein Nachbar (schreibt man das jetzt nicht Packet oder doch wieder Paket? Laut Benachrichtigungskarte habe ich eines ohne c bekommen. Ist mir auch lieber so. ) Wobei ich das mit der Abgabe beim Nachbarn ja auch nicht so uneingeschränkt toll finde. In Dresden haben die das als in einem benachbarten Möbelladen abgegeben, der grundsätzlich nur während meiner normalen Arbeitszeiten geöffnet hatte. Beste Methode, ein Paket dauerhaft vor meinem Zugriff zu schützen. Der Möbelladen wollte meiner Bitte, doch einfach mal damit aufzuhören, meine Pakete entgegenzunehmen, nicht nachkommen. Dafür hat mir dann hier kürzlich ein Versandhausbote eine Hose auf einem Bügel aufgedrängt, die ich auch nur angenommen habe, weil der Kerl anders nicht mehr loszuwerden war. Die Hose hing dann eine Woche bei mir herum, bis der Nachbar sie endlich abholte. Ich hatte also nun eine Abholkarte für mein Paket, das genau in diesem komischen Postamt abzuholen war. In Dresden hatte sich die Post neuerdings angewöhnt, mir Pakete nicht mehr über Nachbarn oder zur Abholung im Amt zuzustellen, sondern sie in einer der neuen Packstationen abzugeben. Eine Sache, die mir gut gefiel, denn die war in der Nähe und rund um die Uhr erreichbar. Außerdem brachte ich den Rechner an dieser Station immer nur beim Versenden von Paketen zum Programmabsturz, während das Abholen immer einwandfrei und bestens funktioniert hat. Hier in Karlsruhe gibt es auch so ein Ding. Nicht wirklich nah, aber näher als das Postamt, nämlich in der Stresemannstraße 28. Steht übrigens vor einem ehemaligen Postamt, in dem jetzt irgendwas anderes ist, ich glaub eine Bäckerei. Sieht immer noch wie ein siebziger-Jahre-Postamt aus. Postamt-Archäologie ist was feines. Warum aber zum Henker benutzen sie das nicht, wenn sie es schon haben? Wäre vielleicht unsportlich.

Das andere einschneidende Erlebnis war, das ich etwas über eBay verkauft habe. Also ein Paket versenden mußte. Ich habe also, weils (scheinbar) bequemer und 1 Euro billiger ist, über die eBay-Verkaufsaktion gleich eine Online-Paketmarke bei der Post gekauft. Um sofort wieder in die Tücken der Informationstechnik zu laufen. Vor ca. einem dreiviertel Jahr hatte ich das schon mal gemacht. Damals ging’s. War zwar nicht einfach, denn man bekommt eine PDF-Datei mit der Paketkarte, die man keineswegs einfach mal so mit dem PDF-Viewer aufmachen und ausdrucken kann. Es muß schon der Acroread mit Javascript oder sowas sein. Dummerweise hab ich damals verpennt mir aufzuschreiben, wie ich das unter Linux zum Laufen bekommen habe. Ich hätt’s ins Blog schreiben sollen. Na, der Rechner ist ja noch derselbe. Dachte ich. Also die Karte runtergeladen, mit dem acroread angezeigt und auf Drucken gedrückt. Dann fragt das Ding, ob der Javascript-Code da auch eine Verbindung zur Post aufmachen dürfe. Die Brüder prüfen nämlich nicht, ob man nur ein Paket damit verschickt hat, sondern ob man die Marke nur einmal ausgedruckt hat. Dazu muß das Ding eine Online-Verbindung aufmachen, sonst weigert sich acroread, das Ding zu drucken. Ganz dumm: Das Ding macht unter diesen Umständen keinen Print-Dialog auf, ohne daß man etwas davon merkt geht das Ding auf den Default-Drucker. Und wenn das gerade ein anderer als der gewollte war…kommt die Paketmarke eben aus dem Hochglanzfotodrucker oder geht gleich ans Fax oder wird vom PDF-Konverter mit einer Fehlermeldung vernichtet. Wer sich so eine Scheiße ausdenkt?

Die Sache verschärfte sich, denn ich hatte in der Zwischenzeit meine Debian-Kiste aktualisiert. Der Acroread produziert inzwischen nämlich Postscript-Code, in dem irgendwelche eingebetteten Code-Segmente sind, die eine Nachbearbeitung o.ä. verhindern sollen. Inklusive Strafandrohung. Das sieht dann so aus:


% Removing the following eight lines is illegal, subject to the Digital Copyright Act of 1998.
mark currentfile eexec
54dc5232e897cbaaa7584b7da7c23a6c59e7451851159cdbf40334cc2600
30036a856fabb196b3ddab71514d79106c969797b119ae4379c5ac9b7318
33471fc81a8e4b87bac59f7003cddaebea2a741c4e80818b4b136660994b
18a85d6b60e3c6b57cc0815fe834bc82704ac2caf0b6e228ce1b2218c8c7
67e87aef6db14cd38dda844c855b4e9c46d510cab8fdaa521d67cbb83ee1
af966cc79653b9aca2a5f91f908bbd3f06ecc0c940097ec77e210e6184dc
2f5777aacfc6907d43f1edb490a2a89c9af5b90ff126c0c3c5da9ae99f59
d47040be1c0336205bf3c6169b1b01cd78f922ec384cd0fcab955c0c20de
000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000
cleartomark

Ich hab’s mir noch nicht genauer angesehen. Aber mein CUPS-Drucksystem befand die Sache nur einer Fehlermeldung für wert, der Drucker blieb stumm. Um es vorweg zu nehmen: Man konnte und kann das Ding beliebig oft ausdrucken, indem man die Postscript-Datei einfach aus dem Spool-Verzeichnis rauskopiert. Oder den Ausdruck schlicht und ergreifend auf einen Kopierer legt. Man fragt sich, was dieser ganze Krampf soll. Zumal es nicht 8 sondern 9 Zeilen sind, der Digital Copyright Act hier nicht gilt, und ich mich ernsthaft frage, ob ich jemals wieder in die USA einreisen kann oder gleich von hier nach Guantanamo verschleppt werde. Ob das alles die Ersparnis von einem Euro wert ist?

Allerdings gibt es unter Debian inzwischen auch eine neue Version von ghostscript, und die ist so moralisch sittenstreng, daß sie sich aus irgendwelchen, von mir noch nicht näher untersuchten Gründen von diesen Code-Stücken zum Abbruch und zur Ausgabe einer Fehlermeldung überreden ließe. Versucht man beispielsweise ein ps2pdf erhält man folgenden Tadel:

This PostScript file was created from an encrypted PDF file.
Redistilling encrypted PDF is not permitted.

Das Dumme daran: Aus irgendwelchen Gründen will CUPS mit foomatic selbst dann, wenn man Postscript-Daten an einen Postscript-fähigen Laserdrucker (ich hab verschiedene von HP) schickt, die durch ghostscript jagen, um irgendetwas nachbereiten zu lassen. Fonts einbinden, Seiten zählen oder irgendsowas. Und dabei verschluckt sich ghostscript an dem Code. Verzählt sich irgendwie an den bytes dieses eingebetteten Codes und verhaspelt sich an den nachfolgenden Postscript-Befehlen. Bricht mit einer Fehlermeldung ab. Wie in der IBM-Werbung von vor ein paar Jahren: “Es druckt nicht.” Aber es bucht trotzdem das Porto vom Konto ab. Das funktioniert nämlich.

Nimmt man sich jedoch die Postscript-Datei aus dem Printer-Spool und schickt sie direkt mit ptal-print auf die USB-Schnittstelle des Druckers, dann druckt’s auch. Und zwar so oft man will. Dieser ganze Pseudosicherheitskrampf ist also für die Katz und bringt gar nichts, außer eben Ärger, Verdruß und Probleme. Da waren Strategen am Werk.

Weil der Käufer meines eBay-Auktionsgutes schon gezahlt hatte und natürlich auf die Lieferung wartet, bin ich vorhin gleich zur Post gefahren. Da wo auch mein Paket zur Abholung warten soll. Kurz vor Feierabend, also mittags um zwölf (ich erwähnte eingangs, daß die Montags schon um 12.30 schließen), war ich dort. Zu meinem Erstaunen funktionierte die Abgabe des eBay-Online-Drucker-frankierten Pakets problemlos, einfach so. Nichts stürzte ab, keine Nachzahlungen, einfach so.

Dafür ging dann die Abholung meines Paketes schief. Das sei noch nicht da. Der Fahrer sei noch nicht da gewesen und habe das Paket noch im Auto. Erst morgen.

“Moment!”, sage ich, da steht “Abholung am nächsten Werktag…”, doch werde belehrt, daß bei einer Samstagszustellung der nächste Werktag eben nicht der Sonntag sei. Ich erwidere gerade, daß ich mir dessen bewußt und mir ziemlich sicher sei, daß heute Montag ist, und ich den Montag (im Gegensatz zu den hiesigen Friseuren) traditionell für einen Werktag halte. Vielleicht war ich zulange im Osten, aber ich stehe zu meiner Überzeugung. Da fällt mir auf, daß ich die Karte hätte genauer lesen sollen: Was ich beim Überfliegen für eine 10 hielt war eine 16:

Abholung am nächsten Werktag, ab 16.00 Uhr!

Ich fragte irritiert, was das zu bedeuten habe, daß man mir eine Karte einwirft, auf der gleichzeitig steht, daß ich das Paket am nächsten Werktag ab 16.00 Uhr abholen könnte und die Postfiliale an diesem Tag nur bis 12.30 offen hat. Das wüßten sie auch nicht. Ich frage, warum man die andere Postfiliale geschlossen hat. Wissen sie nicht. Hat die Post so entschieden. Es würden noch mehr geschlossen. Warum der Bote mir das Paket nicht einfach in die Packstation zur Abholung legt, das habe sich in Dresden bewährt. Wüßten sie auch nicht, damit hätte sie nichts zu tun.

Also zog ich halbverrichteter Dinge von dannen und werde morgen mein Glück erneut auf die Probe stellen.

Ich frage mich, was ich irgendwann einmal in dieses Blog schreiben werde, wenn sie diese Filiale dann auch noch dichtmachen.

Fazit: Es bleibt schwierig.

2 Kommentare (RSS-Feed)

yasar
13.11.2007 9:50
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Klein Tip für Dich:

Ziehe in einen kleinen Ort um, z.B. Waibstadt.

Da haste zwar auch nur eine kleine Postagentur, die einige Arbeitnehmerunfreundliche Zeiten hat, aber die Anfahrtswege zum Briefkasten sind sehr kurz (amx 10 Minuten zu Fuß aus dem gesamten Ortsbereich). Die Zusteller kennt man alle persönlich und die betreiber der Filiale auch. Daher ist es kein Problem, z.B. Pakete die mein Schwiegervater bekommt während er im Urlaub ist, bei mir abgeben zu lassen, obwohl wir an ganz verschiedenen Ecken von Waibstadrt wohnen. Oder dei Pakete die nicht zugestellt werden konnten außerhaöb der Öffnungszeiten abzuholen.

Du siehts, hat nur Vorteile.

PS: Der Quatsch mit dem pseudosicheren Briefmarken oder Paktemarkenausdruck war auch schon vor Jahren in diversen Blogs zu finden. Die Post scheint imemr noch nichts dazugelernt zu haben. Auf irgendeiner Messe vor 3 oder vier Jahren hatte ich mal auf einer Messe (ich weiß nicht mehr welche es war) mit einem Postler der das vorführte über diese Thema gesprochen. Er war vermutlich vom Marketing und hat überhaupt nicht begriffen, was das Problem an der Vorgehensweise der Post ist.


yasar
3.12.2007 17:23
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