Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Pflanzenmarxismus

Hadmut
14.4.2018 10:00

Ein Blick in linksideologische Pseudowissenschaft und die Soziologie der Pflanze.

Ein Leser weist mich gerade auf den sogenannten Lyssenkoismus hin, eine von Trofim Denissowitsch Lyssenko entwickelte, Marxismus-ähnliche Theorie über Pflanzen. Hab ich zwar noch nie gehört (oder zumindest konnte ich mich spontan nicht daran erinnern, eine Suche zeigt aber, dass das schon in vieren meiner Blog-Artikel als Leserkommentar auftauchte, 1,2,3,4).

Er war nämlich der Überzeugung, dass es zwischen den Pflanzen gar keine genetischen Unterschiede, keine Gene gebe und Pflanzen nur durch die Umweltbedingungen beeinflusst und dadurch unterschiedlich würden. Man könne unterschiedliche Getreidearten durch die Kulturbedingungen ineinander umwandeln.

Gänzlich falsch ist das nicht, weil sich Pflanzen natürlich an die Bedingungen anpassen (Evolution), aber das passiert eben langfristig über die Gene (und bei Tieren, möglicherweise auch bei Pflanzen, da habe ich aber noch nichts dazu gelesen, durch Epigenetik). Ist die Pflanze erst mal da (nach der „Geburt”), geht da nicht mehr viel.

Stalin fand es aber ganz toll. Weil es unzweifelhaft marxistischen Postulaten entspricht. Biologen denunzierte Lyssenko laut Wikipedia als „Fliegen-Liebhaber und Menschenhasser“. Wissenschaftler, die es mit Biologie und Genen hatten, wurden verhaftet und liquidiert.

Zahlreiche Forscher nehmen an, dass Lyssenkos Erfolg in der Sowjetunion darauf beruhte, dass nach marxistischer Auffassung erbliche Einflüsse auf die menschliche Entwicklung minimal seien.

Der Leser schreibt dazu, dass infolgedessen Millionen Menschen verhungert wäre. Kann ich jetzt nicht nachprüfen.

Die Sache ähnelt aber ganz extrem dem Genderismus. Dazu findet sich auf Wikipedia zwei Satz, den man sich schon merken sollte:

Der Lyssenkoismus war – wie die Japhetitentheorie Nikolai Jakowlewitsch Marrs in der Linguistik – ein Auswuchs des Umstandes, dass ein pseudowissenschaftlicher Ansatz aus ideologischen Gründen in einer totalitären Diktatur mit allen Mitteln gefördert wurde.

und

Heute bezeichnet man mit dem Begriff „Lyssenkoismus“ in einem breiteren Sinn auch allgemein die politische Förderung pseudo- oder unwissenschaftlicher Thesen und die Behinderung der freien Wissenschaftsentfaltung durch die Politik.

Ist das nicht exakt der Zustand, in dem wir uns befinden?