Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Wenn der SPIEGEL ganz offiziell „Labern” empfiehlt

Hadmut
25.1.2017 21:49

Eieiei, was ist denn da passiert? Hatte der SPIEGEL in journalistischer Demenz doch einen wachen Augenblick und würde von Selbsterkenntnis geschüttelt?

Nee, die Stokowski schreibt, und ich bin mir bei der ziemlich sicher, dass die am quantitativen und qualitativen Niedergang des SPIEGELS erheblichen Anteil hat.

Sie schlägt vor, Rechte zu bekämpfen, indem man sie von Geistswissenschaftlern totlabern lässt.

Ungefähr die gleiche Liga wie der schwedische Vorschlag, sich vor russischen U-Booten zu schützen, indem man unter Wasser Schwulenbildchen aufhängt.

“Laberfächer” sind Geistes-, Kultur- oder Sozialwissenschaften, von denen oft behauptet wird, man würde da eigentlich nichts lernen, außer eben zu labern. Sie gelten als weltfremd und elitär.

Ja. So isses.

Ein Laberfach studiert zu haben, bedeutet, das Gelaber von anderen zu erkennen.

Nein. So isses nicht. Weil das nämlich einen gewissen Mindestintellekt erfordert, der in Geisteswissenschaften nicht (mehr) vermittelt wird. Ein Dummer kann den Dummen nicht erkennen. Wer selbst nicht rechnen kann, kann die Rechenfehler anderer nicht erkennen. Und wer selbst nicht Schreiben gelernt hat, kann die Schreibfehler anderer nicht erkennen. Wer eine Sprache nicht gelernt hat, erkennt auch die Fehler nicht, wenn ein anderer die Sprache falsch spricht.

Oder anders gesagt: Die Abwesenheit von Wissen ist nicht etwa die Qualifikation, die Abwesenheit von Wissen bei anderen zu erkennen, sondern es ist einfach gar keine Qualifikation.

Zudem sei angemerkt, dass eine Qualifikation nicht mit der Fähigkeit, sie bei anderen festzustellen, identisch ist. Ich kann weder Geige noch Trompete spielen, aber ich höre, ob jemand anderes sie spielen kann. Weil ich Vergleichsstücke gehört habe, ich habe schon Leute gehört, die ordentlich spielen können. Die Ausbildung der Geisteswissenschaftler rechtfertigt jedoch nicht die Annahme, dass sie schon mal jemanden gehört haben, der etwas Sinnvolles sagt. Insbesondere in den Gender Studies, die ich mir ja nun jahrelang angesehen habe, bin ich mir sicher, dass da nichts mit Hirn vorkommt, zumal die Studenten inzwischen ja nachdrücklich unter Beweis stellen, dass sie jeden sofort verprügeln, der irgendwas sagt, was einen Zusammenhang oder Sinn ergibt.

Das Problem mit den Rechten ist meistens nicht, dass sie Logikfehler machen oder dumm sind oder zu wenig Geisteswissenschaften studieren. In den oberen Reihen der AfD hängen haufenweise studierte und promovierte Leute rum.

Vor noch gar nicht allzu langer Zeit war die gesamte Presse auf dem Trip, allen, die anderer Meinung als der linke Mainstream sind, jede Denkfähigkeit abzusprechen und sie irgendwo unterhalb der Säugetiere zu verorten. Gut, wenn sie jetzt schreiben, dass das „studierte und promovierte Leute” seien, heißt das heute auch gar nichts, viel mehr als ein Reptilienhirn wird an manchen Fakultäten nicht mehr verlangt. In der Regel gilt die Promotionsprüfung dort als bestanden, wenn man in drei Versuchen den Raum findet, in dem die Prüfung stattfindet, um zu erscheinen. Außer bei Medizinern, da ist die Promotion ganz leistungsunabhängig.

Wie aber kommt es, dass man den Rechten nun Studium und Promotion attestiert, während man ihnen noch kürzlich den aufrechten Gang absprach und meinte, dass sie auf Bäumen und in Höhlen hausen? Ich meine, ich will letzter Einschätzung nicht mal widersprechen, aber klingt aus dieser Schreibe von Stokowski nicht ein Gefühl intellektueller Unterlegenheit?

Was man in den sogenannten Laberfächern unter anderem lernt, ist auch schlauen Nazis etwas entgegenzusetzen.

So wie gerade in Magdeburg? Schreien, Prügeln, Böller werfen? Oder wie an der Humboldt-Universität mit Wasser kippen? Oder wie bei den Piraten, in denen die Gender-Doktorandinnen alles mit „Kackscheiße” niederbrüllten?

Und das nennen die „was gelernt”?

Naja, sie halten sich ja auch für Journalisten.

Ein Laberfach studiert zu haben, bedeutet auch, das Gelaber von anderen zu erkennen.

Nein. Sonst würden sie sich ja nicht zusammenballen. Denn wenn ein Laberfach studiert zu haben dazu befähigen würde, Gelaber zu erkennen, dann müssten sie sich ja alle gegenseitig als Laberer erkennen und sofort beim Eintritt dieser Fähigkeit davonlaufen. Tun sie aber nicht. Sie halten sich für befähigt.

Oder logisch ausgedrückt: Wenn der Laberer schon sich selbst (bzw. seinesgleichen) nicht als Laberer erkennt, dann kann er nicht die Fähigkeit haben, Laberer zu erkennen. Die Formulierung „das Gelaber von anderen” ist ja schon verräterisch.

Es gibt noch ein zweites logisches Problem: Selbst wenn man annimmt, dass der studierte Laberer in der Lage wäre, Laberer zu erkennen, wäre es nutz- und wertlos. Warum? Weil sein Werturteil nur Gelaber wäre.

(Alle Kreter lügen, sprach der Kreter. Analog dazu: Wenn A behauptet, dass er selbst Lügner sei und deshalb Lügner erkennen könne, und dann über B behaupte, ihn als Lügner erkannt zu haben, könnte B ihm entgegenhalten, ein Lügner zu sein und gerade zu lügen.)

Oder nochmal anders gesagt: Würde jemand durch Studieren eines Laberfaches die konkrete Fähigkeit erwerben, Gelaber zu erkennen, dann wäre es ja kein Laberfach, denn dann hätte er ja wirklich was gelernt. Aussagenlogisch widerspricht sich das schon selbst.

Fehler in der Aussagenlogik zu erkennen ist eine zentrale Fähigkeit beim Erkennen von Gelaber. Und die lernt man in den Laberfächern nicht.

Ich will, dass überall da, wo die Rechten stärker werden, Leute, die die sogenannten Laberfächer studiert haben, sich daran erinnern, was sie da an der Uni eigentlich die ganze Zeit gelernt haben.

Böller zu werfen? Leute niederzuschreien?

Im Ernst: Einen Geisteswissenschaftler aufzufordern, er soll mal darüber nachdenken, was er an der Uni eigentlich die ganze Zeit gelernt hat, ist gefährlich, der könnte spontan implodieren.

Ich klage gerade gegen die Humboldt-Universität um herauszufinden, was die Genderprofessorin Baer eigentlich in den rund 10 Jahren zwischen ihrer Berufung zur Professorin und ihrer Ernennung zur Verfassungsrichterin gemacht hat, Lehrpläne, Skripte, Literaturverzeichnisse und so weiter.

Inzwischen hat die Uni zugegeben: Nichts.

Die hat einfach gar nichts gemacht. Nichts geforscht, nichts gelehrt, nichts geschrieben. Jedenfalls nichts, was die HU irgendwie schriftlich vorlegen könnte. Zehn Jahre Professorin und das Ergebnis ist: Gleich Null. Und die finden das noch nicht mal anstößig, denn die kennen das nicht anders.

Wir haben gelernt, Argumente und Metaphern auseinanderzunehmen, …

Nöh, habt Ihr nicht. Ihr lernt nur, die, die sie äußern, zu beschimpfen. Oder pathologisieren. Inhaltliche Auseinandersetzungen lernt Ihr nicht.

wir wissen, warum Begriffe wichtig sind und nicht Schall und Rauch,

Nöh, wisst Ihr nicht, denn es fehlt an der Semantik.

Nichts daran ist klar, denn es gibt mehr Wahrheitstheorien als Finger an einer Hand.

Ja, für Laberfächer, die sich ihre Wahrheit selbst erfinden.

Faktisch gibt’s nur eine: Die Empirie.

Aber nehmen wir mal an, es wäre so, wie sie schreibt. Warum glauben dann die Linken, sie hätten die einzige Wahrheit und die Rechten lägen falsch? Wenn es doch angeblich so viele Wahrheitstheorien gibt, woher wollt Ihr dann wissen, dass die nicht auch eine Wahrheitstheorie haben?

Vielleicht ist ein Satz wahr, wenn er abbildet, wie die Welt ist, aber vielleicht geht das gar nicht. Vielleicht ist ein Satz wahr, wenn sich sehr viele Leute auf ihn einigen können, aber da kennen wir schlimme Gegenbeispiele. Vielleicht ist ein Satz wahr, wenn man ihn per Erleuchtung geliefert kriegt, aber das passiert selten. Vielleicht ist ein Satz wahr, wenn er sich mit möglichst wenig anderen Sätzen widerspricht, aber Widersprüche kriegt man nie ganz weg aus dem Leben. Der Witz daran ist: Es gibt sehr viele Wahrheitstheorien und in einigen davon ist es möglich, von “meiner Wahrheit” und “deiner Wahrheit” zu sprechen, aber das macht den Bullshit, der mit “alternativen Fakten” gemeint ist, nicht besser.

Vielleicht ist es auch einfach so, dass jemand, der nur dieses Vielleicht-Gelaber studiert hat, am Ende zu gar nichts mehr in der Lage ist?

Wenn doch angeblich so vieles „vielleicht” wahr sein könnte, sollte, dürfte, und Verifikation lehnen Geisteswissenschaftler ja rundheraus ab, wie kommt es dann, dass es angeblich so unüberschaubar viele Wahrheiten gibt, aber die Rechten offenkundigen „Bullshit” liefern sollen?

Das müsste man ja mal begründen, wenn man sagt, dass es unbegrenzt viele Wahrheiten gibt, woraus man dann erkennen will, dass das dann keine dieser Wahrheiten sein kann.

Gerade wird wieder diskutiert, ob man Nazis verprügeln kann oder sogar sollte.

Was man in Geisteswissenschaften heute halt so lernt.

Die logische Frage wäre, was dann eigentlich noch der Unterschied zwischen Geisteswissenschaftlern und Nazis sein soll, und ob die sich dann nicht schon selbst verprügeln müssten.

Wenn wir es aber gerade so von den geistigen Fähigkeiten der Geisteswissenschaftler so haben:

Vor knapp elf Jahren habe ich an der Uni eine Klausur in Logik geschrieben, in der man unter anderem folgendes Problem erklären sollte: “Keine Katze hat zwei Schwänze. Eine Katze hat einen Schwanz mehr als keine Katze. Also hat eine Katze drei Schwänze.” Die Aufgabe war, aufzuschreiben, warum das eine Schlussfolgerung ist, die nicht funktioniert.

Schönes Beispiel dafür, wie man durch Gelaber nicht nur an der Problemstellung scheitert, sondern durch Sprachpfusch Probleme halluziniert, die gar nicht da sind.

Sowas ordentlich hinzuschreiben lernt man in den ersten 2 Wochen eines (vorfeministischen) Informatikstudiums. Es ist auch nicht Logik, es ist Mengenlehre.

Sei K die Menge aller Katzen.

Sei s(k) , s : K ⟼ ℕ0 die Funktion, die zu einer beliebigen Katze die Zahl der Schwänze angibt (wir unterstellen mal, die Zahl der Schwänze sei ganzzahlig, und lassen gebrochene, reelle und imaginäre Schwänze hier mal weg, was dem Leser zur leichten Übung überlassen wird).

Keine Katze hat zwei Schwänze.

Das ist soweit noch OK. Aber es ist eine Aussage, keine Funktionsangabe. Es heißt:

{k ∈ K | s(k) = 2} = ∅ (Leere Menge, es gibt keine Katze, die diese Anforderung erfüllt.)

Sprachlich hört es sich aber so an und wir dann so verwendet, als hätte man gesagt s(∅)=2. Als wäre die Zahl der Schwänze einer leeren Menge von Katzen gleich zwei. Dabei ist die Funktion s für Mengen von Katzen noch nicht definiert.

Danach geht’s nämlich weiter mit

Eine Katze hat einen Schwanz mehr als keine Katze.

Will heißen: ∀ k ∈ K : s(k) = s(∅) + 1

Auch da besteht wieder das Problem, dass s nur für Katzen, aber nicht für Mengen von Katzen definiert ist. Um das zu tun müsste man s auf die Mengen von Katzen erweitern. Was jetzt leider nicht sauber geht, weil der Browser das Unicode-Zeichen für das Potenzmengen-P nicht richtig anzeigt. Ich schreib’s jetzt halt mit einem normalen P.

s : P(K) ⟼ ℕ0

s(∅) := 0

s(x ⋃ {k}) := s(x \ {k}) + s(k)

Kurz, die Summe der Schwänze der Katzen in der Menge.

Das wäre es dann soweit, nur dass sie eben durch die sprachliche Verwechslung die Aussage {k ∈ K | s(k) = 2 } = ∅ fälschlich als s(∅)=2 darstellen und daraus in

∃ k ∈ K : s(k) = s(∅) + 1 , wo eigentlich s(∅)=0 gilt, s(∅)=2 einsetzen und daraus s(k)=3 folgern wollen.

Oder einfach gesagt: Es ist einfach nur blödes Geschwätz, das von Informatikern und Mathematikern in der zweiten Semesterwoche überholt wird. Und mit so einem Krampf verbringen die ihre Zeit und ihre Klausuren, und werden damit Autoren beim SPIEGEL.

Wisst Ihr jetzt, warum es mit dem SPIEGEL bergab geht?

Geisteswissenschaftler.