Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die Causa Andrej Holm

Hadmut
22.1.2017 16:37

Hier geht’s nicht um die Stasi.

Hier geht’s nicht mal um Andrej Holm.

Hier geht’s drum, wie wir von Politik, Presse und Universitäten verarscht werden. [Nachtrag]

Ach, ich hatte gerade mal Lust, ein paar Schritte zu tun, und mal ne Stunde aus der Bude zu kommen. Was liegt da näher, als das Nützliche mit dem Lästigen zu verbinden und sich mal an der Humboldt-Universität umzusehen?

Seit Tagen geht die Causa Andrej Holm durch die Presse, rauf und runter, ist das nun schlimm, wenn man bei der Stasi war oder nicht, und wird es schlimmer, wenn man es nicht sagt, und so weiter. Der Senat will ihn rausschmeißen, wartet auf die Uni, ob die ihn auch rausschmeißt, die ziert sich aber, weil die wieder auf den Senat wartet, und dann drängen sie ihn im Senat zum Rücktritt, woraufhin ihn die Uni rauschmeißt, was wiederum dazu führt, dass die Soziologiestudenten ihr Institut besetzen (als ob das irgendwer anderes außer ihnen noch haben wollte, dem sie es wegnehmen könnten, das stinkt ja schon zu Himmel, man besetzt doch nicht seinen eigenen Laden, eigentlich hätten sie ja das Rektorat besetzen müssen, wenn sie es ernst gemeint hätten), um dagegen zu protestieren.

Und die Presse lullt uns von vorne bis hinten mit der Stasi-Nummer ein.

Ich war gerade eben mal dort. Habe mir das von außen durch die Glasscheiben angesehen. Reingegangen bin ich nicht, weil erstens ohnehin alles von außen zu sehen ist, zweitens ich keinen Grund dafür sah, drittens das ja „Besetzt” sein soll (was ja semantisch irgendwie bedeuten müsste, dass man zumindest irgendwen da nicht reinlässt, was im Zweifel dann ich wäre) und mir viertens Soziologiestudenten viel zu gewaltbereit sind. Das fehlte mir gerade noch, mich von einer Horde Soziologen zusammenschlagen zu lassen.

Mein Eindruck:

Alles Schwindel.

Das ist nie und nimmer eine Besetzung, das ist eine inszenierte und vom Institut stillschweigend gestattete Show zum Berliner Politstreit zwischen Linker und SPD. Studenten als Büttel politischer Intrigen.

(Wundert Euch nicht über die Bilder, die etwas komisch aussehen. Ich hatte nicht daran gedacht, einen Polfilter mitzunehmen, und weil die mit irgendwelchen Textmarkern in Zartblau auf Zettel geschrieben und die von innen an Scheiben geklebt haben, was so schon sehr, sehr kontrastarm war. Wenn man dann von außen gegen die das Tageslicht reflektierenden Scheiben fotografiert, wird das so kontrastarm, dass man es hier kaum lesen könnte. Ich habe deshalb bei zweien den Konstrast so stark verstärkt, wie man es für ordentliche Fotos nie machen würde, weil es nicht um den optischen Eindruck geht, sondern darum, die Texte lesen zu können.)

Ein Punkt ist, dass es in der Presse heißt „auf unbestimmte Zeit”. Stimmt nicht. Dort steht klar „bis Freitag”.

Was soll denn das für eine komische Erpressung sein? Wenn Ihr den bis Freitag nicht wieder eingestellt habt, gehen wir wieder!

Als ob das überhaupt irgendwen ernstlich interessieren würde, ob die den Laden besetzen oder nicht. Ob bis Freitag. Oder bis Juli. Oder bis zur BER-Eröffnung. Das ist doch dem Rest der Welt völlig egal, was die da in ihrer Klapsmühle treiben.

Es war nämlich auch niemand da, den das hätte stören können. Die hockten da in ihrem Foyer (keine Ahnung, was das sonst ist) und hielten da sowas wie ein Seminar ab. Die müssen da schon mit großen rotem Tuch vorne dran schreiben, dass es besetzt ist, sonst merkt man es nicht. Ansonsten sieht’s nur so aus, als hätten sie nicht gemerkt, dass am Freitag abend das Wochenende angefangen hat. Sieht für mich nach genehmigt und reinem Theater aus.

Auch inhaltlich habe ich da gewisse Zweifel. Ich habe mal die Kamera auf ihre Folien gehalten:

Da kommt Holm nur am Rande und pro Forma drin vor. Der Rest geht um politische Themen. (Bemerkenswert: Sie wollen gar nicht für den Arbeitsmarkt ausgebildet werden, sondern nur „Gesellschaftskritik” betreiben, also gar nicht arbeiten. Das soll ein Ideologietempel und kein Ausbildungsort sein. Sag ich ja schon immer, Soziologen wollen nicht arbeiten und dafür von anderen ausgehalten werden. Die wollen nur meckern.)

Was aber auffällt ist, dass sie vor allem gegen die Präsidentin Kunst schießen:

Und das heißt für mich:

Denen geht’s gar nicht um Holm oder die Stasi.

Denen geht’s darum, gegen die Kunst zu schießen, denn die ist SPD-Politikerin. (Wie das mit der Freiheit von Forschung und Lehre zu vereinbaren sein soll, wenn eine Parteipolitikerin Uni-Präsidentin wird, wäre eine andere Frage.)

Da geht’s nur um Linke gegen SPD.

Holm war nur der nützliche Idiot, der gerade gelegen kam, weil es zeitlich und inhaltlich so gut passte. Denn den gleichen Krach (Linke gegen SPD, nur eben Müller statt Kunst) gab’s ja zuvor im Senat, ob sie Holm als Bau-Staatssekretär behalten oder rausschmeißen.

Da hat die Linke versucht, dem Senat ein Ei ins Nest zu legen, indem sie einen erzlinken Hausbesetzer zum Berliner Bau-Staatssekretär macht, und die SPD wollte sich von denen dann wohl nicht verscheißern lassen. Und dann kam die Stasi-Vergangenheit gerade passgelegen, um dagegen zu halten.

Weil sie nun aber auf den Bestand ihrer rot-rot-grün-Regierung in Berlin angewiesen sind und es da nicht gleich in den ersten Tagen zum Kindergarteneklat kommen lassen wollen, haben sie die Auseinandersetzung um dessen Entlassung einfach vom Senat an die HU verlagert und dort einfach nochmal gespielt.

Und nun geht es darum, dass sie die Kunst (als Platzhalter für Müller) öffentlich runtermachen wollen. Und die Presse macht fein artig mit.

Da geht es nicht um Holm.

Da geht es darum, dass SPD und Linke in einer Regierung sitzen müssen, sich aber überhaupt nicht einig sind, was Bau- und Wohnpolitik angeht, und die Linke da so einen Extremlinken da installieren wollte, und die sich jetzt eben mit Dreck bewerfen.

Man sollte da nichts mehr glauben.

(Nur am Rande: Nein, das ist nicht Euer Haus. Das gehört dem Steuerzahler. Arbeitet erst mal was und zahlt Steuern. Wenn man aber schon draußen dran schreibt, dass man es für „sein Haus” hält, dann ist die Glaubwürdigkeit einer Besetzung ohnehin gleich Null.)

Nachtrag: Leben wie bei Mutti: Was man so braucht, soll der Gratis-Lieferservice bringen.