Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Wie man die Strafverfolgung von der Arbeit abhält

Hadmut
6.1.2017 21:10

Manche Leute scheinen wirklich nichts Wichtiges zu tun zu haben.

Ständig schreien sie herum, dass wir zuwenig Polizei haben, Tausende Polizisten fehlen, die Staatsanwaltschaften unterbesetzt sind, die Justiz überlastet, und, und, und, selbst Schwerkriminalität können wir nicht mehr bekämpfen, Straftäter müssen freigelassen werden, weil kein zügiges Verfahren möglich ist. Die Aufklärungsquote bei Raub, Diebstahl, Einbruch, Drogenhandel ist erbärmlich, und wenn sie doch einen erwischen, passiert dem auch nicht viel.

Man muss sich aber mal anschauen, womit die sich herumschlagen müssen. Erste Meldung ist wohl diese hier.

Im Mai 2015 (also vor eineinhalb Jahren) hatten zwei Menschen in Frankfurt am Main Sex.

Keine Vergewaltigung oder sowas, nicht mal nachträglich als solche ausgegeben, da haben einfach nur zwei gevögelt, sonst nichts.

Naja, also fast nichts.

Die Frau fiel dabei in Ohnmacht.

Kann vorkommen. Gibt welche, die gehen so ab, dass das passiert. Oder werfen was ein. Oder haben schräge Praktiken. Kann auch ernsthafte Gründe haben. Gibt aber auch Frauen, denen fliegt beim Orgasmus einfach für einen Moment die Sicherung raus.

Jedenfalls rief der Mann den Notarzt. Und die Feuerwehr schickte einen.

Das wäre es eigentlich gewesen. Fast.

Bei der Feuerwehr wird für einen Einsatz ein Zettel ausgedruckt, auf dem steht, worum es geht. Und da stand drauf:

In diesem Fall jedoch wurde notiert: „Im 1. OG Patientin nach Geschlechtsverkehr nun bewusstlos (Respekt), braucht nun RTW.“ Die Bemerkung „Respekt“ sorgt seitdem für Ärger.

Ich persönlich hätte das nicht weiter bewertet. Es gibt Jobs, wie eben Rettungsdienst, die kann man nur mit derbem Humor überstehen, zumal es den Effekt, dass die Frau in Ohnmacht fällt, wenn der Mann sehr gut war, ja auch wirklich gibt.

Man hat dem Mann gesagt, er soll’s nicht wieder tun.

Damit wäre es das eigentlich gewesen. Fast.

Irgendwer hat das Ding fotografiert und das Foto ins Internet gepackt.

Dann kam die Ex-Grüne Jutta Ditfurth, jetzt bei der Öko-Linken Ökolinx, und brachte das Ding in die Zeitung.

Diese Woche wurde die Frankfurter Stadtverordnete Jutta Ditfurth (Ökolinx) auf den Fall aufmerksam, die sofort dazu twitterte. „Hättet Ihr gern, dass jemand von der @feuerwehrffm sowas über euch schreibt?“, fragte Ditfurth und wandte sich direkt an die Feuerwehr und die Lokalredaktion. Daraufhin griffen die „Bild“-Zeitung als auch die österreichische „Krone“ die Geschichte auf.

Jetzt schlagen sich Polizei und Staatsanwaltschaft damit herum, weil sie wegen Geheimnisverrat ermitteln.

Das hat zwar eine gewisse Ironie, weil der, der das fotografiert und veröffentlicht hat, und Ditfurth, zweifellos dem, der das geschrieben hat, eine reindrücken und den an den Pranger stellen wollten, und die Ermittlungen jetzt stattdessen gegen den laufen, der das veröffentlicht hat, der Schuss also nach hinten losging.

Die Frage ist aber schon, was eigentlich schief läuft, wenn sich Polizei und Staatsanwaltschaft mit so einem Scheiß herumschlagen müssen. Manchmal meint man, die wollen da bewusst sabotieren.

Und um die Frage zu beantworten:

Jemand, der sowas schreibt, wäre mir immer noch weit lieber als irgendeinen Gender-Spacko da sitzen zu haben, der nach Gender-Kriterien auswählt oder sich erst mal über Wortwahl aufregt.

Und so jemand wäre mir auch lieber als jemand, der vertrauliche Meldungen abfotografiert und ins Internet stellt. Irgendwie sind da die Maßstäbe verrutscht. Da zeigen die großen Idioten auf den kleinen.

Wer das geschrieben hat, gehört verwarnt.

Wer das fotografiert und veröffentlicht hat, gehört gefeuert.

Denn medizinische Notfälle unterliegen auch der Privat- und hier der Intimsphäre und der Schweigepflicht.