Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Oh. Jetzt bin ich “sexualpolitscher Meinungsführer” und habe Angst vor Holzpenissen

Hadmut
3.8.2016 20:44

Seltsame Karriere.

Die „Frankfurter Rundschau” schreibt: “Die Mythen der Rechten – Genderwahn”: Die rechte Angst vorm Holzpenis

Und darin:

Mit den Publizistinnen Gabriele Kuby und Eva Herman, der Journalistin Birgit Kelle und dem Blogger Hadmut Danisch hat die sexualpolitische Bewegung ihre Meinungsführer.

Oha.

Nicht dass der Autor da irgendwie wüsste, worum es hier geht, worüber ich schreibe und was Thema meines Blogs ist (Nämlich ausgehend von Kryptographie die Sache mit der Hochschulkriminalität. Eigentlich habe ich mit Gender/rechts/links nämlich überhaupt nichts zu tun und schreibe nur darüber, weil die Korrupten, über die ich schreibe, tief darin verstrickt sind. Und ich bin auch niemandes Meinungsführer, sondern strikt Einzelkämpfer. Und habe mit den genannten Personen überhaupt nichts zu tun, kenne sie auch nicht.)

Da könnt Ihr mal sehen, wie hoch die journalistsche Qualität heute so ist.

Da wird einfach irgendwas zusammengedichtet und dann losgewettert. Schaun wir mal, was der noch so schreibt:

Zwei Mütter wurden ins Gefängnis gesteckt, weil sie sich weigerten, ihre Kinder dem Sexualunterricht auszusetzen.

Dürfen nicht auch liberale Zeitgenossen zweifeln, ob es sinnvoll ist, Achtjährige im Onanieren zu unterrichten oder sie Kondome über Holzpenisse streifen zu lassen? Regine Schwarzhoff vom Elternverein NRW hört da am „Nottelefon“ ihrer Organisation jedenfalls immer wieder schreckliche Geschichten, und so schaffte es die engagierte Mutter, die Geschehnisse über die Grenzen des Lipper Landes hinaus bekannt zu machen.

Die eingesperrten Salzkottenerinnen stießen auf eine vorbereitete Öffentlichkeit. Sexualisierung von Kindern hat als Problem in jüngster Zeit eine große Karriere gemacht. In Baden-Württemberg und in der Schweiz führten Elternproteste gegen Lehrpläne schon zu Parlamentsdebatten. Wer kann da wissen, was sich irgendwo ein progressistischer Provinzamtsleiter in seinem Überschwang alles ausdenkt?

Ah, darum geht’s.

Sie greifen die an, die damit nicht einverstanden sind, dass sie Achtjährige zu Sexspielzeugen abrichten wollen.

Und behaupten der Einfachheit halber, dass es nicht viele Gegner gäbe, sondern die alle zusammen unter einer Decke steckten, nach dem Motto, ist ja nur ne einzelne Sippe, die das kritisiert.

Damit nicht genug der Ungereimtheiten: Die Beschwerdeführer in Salzkotten waren russlanddeutsche Angehörige einer christlich-fundamentalistischen Gemeinde. Bundesweit in Schutz genommen wurden sie aber ausgerechnet von einer Szene, die Zuwanderern aus fremden Kulturkreisen ein mittelalterliches Verhältnis zur Sexualität unterstellt. Muslimischen Eltern wird der Schwimmunterricht für ihre Töchter zum Prüfstein für Integrationswilligkeit. Auch die Geschichte mit den Holzpenissen, die aus der Schweiz kommt, erwies sich als grob verdreht. Geht es um Sex, werden Widersprüche nicht als störend empfunden. Nur emotional muss alles passen.

Also dass ich was dagegen habe, Achtjährigen Holzdildos und Analverkehr anzudrehen und Kindergärtner an Kindern rumfummeln zu lassen, ist richtig.

Aber was die Russlanddeutschen einer christlich-fundamentalistischen Gemeinde mit mir zu tun hätten, versteh ich nun gar nicht. Und wo die Logik darin liegen soll, dass muslimische Mädchen nicht schwimmen gehen, aber doch bitteschön mit Holzdildos üben sollen, erschließt sich mir irgendwie auch nicht.

Geschlechtlichkeit nimmt seit etwa 2005 in Europas neuen rechten Organisationen und Parteien hinter der Zuwanderung den zweiten Platz ein. Religion ist dabei nicht das Thema: Radikale Baptisten wie die aus Salzkotten werden von einer Mehrheit auch der Rechten eher beargwöhnt. Von der „Sexualisierung“ führt vielmehr eine gefühlsmäßige Brücke über die Homosexualität zum Gender Mainstreaming.

Äh – was soll ich mit rechten Organisationen und Parteien zu tun haben?

Da war ich nie, habe noch nie irgendeinen Kontakt mit denen gehabt, kenne niemanden, war nie auf irgendeiner Demo oder Veranstaltung, habe mit denen weder tatsächlich noch gedanklich irgendetwas zu tun. Und trotzdem wird man hier in die rechte Ecke gestellt?

Fallen biologisches und soziales Geschlecht nicht zusammen, kann man auf den Gedanken kommen, beide hätten nichts miteinander zu tun. Dann kann man sich, so legt es die US-Philosophin Judith Butler nahe, selber aussuchen, ob man Mann, Frau oder etwas Drittes sein möchte.

Ja. Mehr ist es auch nicht. Ein Gedanke. Ein ungeprüfter und längst widerlegter Gedanke. Und nur weil eine Philosophin es nahelegt, ist es noch lange nicht wahr. Philosophen behaupten alles und prüfen nichts. Das ist deren Sportart, irgendwas zu behaupten.

Sogar die Unterscheidung zwischen biologischem und sozialem Geschlecht ist eigentlich Unfug. Das das biologische Geschlecht findet an den Geschlechtsorganen, den Drüsen, den Hormonen statt, das „soziale Geschlecht” im Gehirn. Biologie ist beides. Das Gehirn ist kein von Geburt an neutrales, leeres, weißes Blatt Papier, das dann sozial beschrieben wird. Die sexuelle Ausrichtung wird vor der Geburt geprägt und damit lange, bevor es irgendeinen sozialen Einfluss geben kann.

Alles was auf der Unterscheidung zwischen biologischem und sozialem Geschlecht aufbaut, wird unter dem Schlagwort „Genderwahn“ attackiert – ein Wort, das es zusammen mit dem verwandten „Genderwahnsinn“ im deutschen Google auf mehr als 100 000 Treffer bringt. Der Bann trifft Genderforschung und dafür vorgesehene Lehrstühle, vor allem aber das „Gender Mainstreaming“, die Gleichstellungspolitik, die sich die meisten liberalen Staaten auf die Fahne geschrieben haben.

Wieder die Hate-Speech-Rhetorik: Man zeigt auf Hate Speech, um jede Kritik als solche zu kategorisieren und zu entwerten. Dass aber keinerlei Beleg für den Gender-Humbug, jedoch jede Menge medizinischer und biologischer Gegenbeweise gibt (ich erinnere nur an das von mir schon oft beschriebene Hühner-Experiment) schreibt er nicht. So sieht heute Lügenpresse aus.

Wer schreibt so einen Unsinn und warum?

Und die noch wichtigere Frage: Was schreibt der da eigentlich?

Lest mal den Text.

Was ist die Aussage des Textes? Was ist das Thema?

Außer Diffamierung von bestimmten Personen und Genderismus-Kritikern im Allgemeinen hat das Ding keinen Inhalt, keine Aussage. Wenn man es genau liest, will er die Genderthese nicht mal richtig vertreten, sondern verklausuliert das und schiebt andere vor. Das wirkt auf mich nicht mal, als wäre der Autor auch der gedankliche Urheber. Das liest sich wie von anderen diktiert. Offenbar kennt der mein Blog auch nicht.

Die Autorenseite benennt einen Norbert Mappes-Niediek, der für die ZEIT schreibt und bei der österreichischen Universitätenkonferenz ein Profil hat, in dem es heißt

Journalist, Jahrgang 1953, berichtet seit 1991/92 für Tageszeitungen aus Südosteuropa, Autor mehrerer Bücher zu südosteuropäischen Themen (zuletzt: Arme Roma, böse Zigeuner, Was an den Vorurteilen über die Zuwanderer stimmt). 1994/94 Berater im Stab des Uno-Sonderbeauftragten für das ehemalige Jugoslawien, 2004/05 Sprecher des Deutschen Bundestages.

Sprecher des Deutschen Bundestags?

Wikipedia will zur Frankfurter Rundschau – der Verlag war ja mal pleite, dann sind die verkauft worden – wissen, dass sie ihre überregionalen Artikel größtenteils von der DuMont-Hauptstadtredaktion bezöge.

Und tatsächlich hat jeder Norbert Mappes-Niediek eine Autorenseite bei der DuMont-Redaktionsgemeinschaft, mit so erhellenden Details wie

Jahrgang 1953, seit 1992 Korrespondent für Österreich und Südosteuropa. Er spricht Serbisch, Kroatisch und Bosnisch fließend, ist Autor mehrerer Bücher zu Österreich, Ex-Jugoslawien, zuletzt „Arme Roma, böse Zigeuner“. In den 80er-Jahren Redakteur in Bonn. Studium der Germanistik und Niederlandistik, gelernter Fachkrankenpfleger für Psychiatrie.

Was befähigt den denn, über Gender zu urteilen?

Und wie kommt der überhaupt zu dem Thema? Passt doch sonst gar nicht in sein Portfolio.

Und was schert es die Österreicher, was wir hier in Deutschland so treiben?

Wieder Wikipedia:

Die DuMont Hauptstadtredaktion wurde Anfang 2010 als DuMont Redaktionsgemeinschaft GmbH gegründet. Gesellschafter sind zu gleichen Teilen die Verlage der vier Abonnementszeitungen Berliner Zeitung, Frankfurter Rundschau, Kölner Stadtanzeiger und Mitteldeutsche Zeitung mit je einer Einlage von jeweils 7000 Euro. Die Firma ist mit Nr HRB 124611 beim Amtsgericht Berlin (Charlottenburg) eingetragen. Die insolvente Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main GmbH ist immer noch als einer der vier Gesellschafter eingetragen. Sitz der Hauptstadtredaktion ist das Haus der Mediengruppe Berliner Verlag am Alexanderplatz (Karl-Liebknecht-Str. 29).

Die DuMont Hauptstadtredaktion beliefert zurzeit fünf deutsche Zeitungen und deren Digitalauftritte mit politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Inhalten.[24] Die sechzehn Reporter in Berlin und der Wirtschaftsredaktion in Frankfurt am Main schreiben für die DuMont-Zeitungen Kölner Stadt-Anzeiger, Berliner Zeitung und Mitteldeutsche Zeitung sowie für die Kunden Frankfurter Rundschau und den Weserkurier in Bremen.[25]

Irgend bekomme ich da den Eindruck, das war eine Auftragsarbeit, ein Strohmann-Artikel, der in Wirklichkeit aus Berlin kam.

Und das so just in dem Augenblick, als ich gerade verstärkt am Thema Gender-Studies bohre.

Wer glaubt eigentlich der Presse noch irgendwas?

Nachtrag: Oh, was sehen meine leidgeprüften Augen? In der Chefredaktion sitzt Bascha Mika, mit der mal in Leipzig auf einem Podium aneinandergerasselt war, und die auch sonst schon in meinem Blog kritische Erwähnung fand.

Weht der Wind daher?