Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Mehr Abenteuer mit der Sicherheit

Hadmut
28.11.2007 1:44

Um es vorwegzunehmen: Das ist keine Beschwerde über die Londoner Polizei. Ganz im Gegenteil. Alle Londoner Polizisten, mit denen ich bisher zu tun hatte, waren von exzellenter Höflichkeit und ausgesuchter Freundlichkeit, sehr hilfsbereit und haben sich viel Zeit genommen, um allerlei Fragen zu beantworten, mir mehrfach geholfen oder mir sogar zusätzliche Hinweise und Empfehlungen zu Sehenswürdigkeiten gegeben. (Inzwischen habe ich gehört, daß die extra in Freundlichkeit geschult werden.) Zumindest nach meinen bisherigen Beobachtungen ist die Londoner Polizei durchaus eine Zierde des Königreichs. Ob ich das auch von britischen Gesetzen sagen kann, muß ich mir allerdings noch überlegen.

Ich lief heute so durch einen Londoner Stadtteil etwas abseits der Hauptstraßen, in dem es sehr ruhig war und kaum Leute auf der Straße zu sehen. In einer Seitenstraße fand ich typisch britische Reihen identisch gebauter alter Backsteinhäuser. Man könnte vielleicht Oliver Twist da verfilmen, wenn man die Antennen von den Dächern abschraubt. Eigentlich sahen sie eher lieblos aus, von bunt lackierten Haustüren abgesehen schmucklose triste Backsteinquader. Photographisch interessant wegen der Regelmäßigkeit der wiederkehrenden Muster und wegen ein paar bunter Schilder, aber wohnen wollte ich da eigentlich nicht. Zumal jeder, der auf der Straße vorbeiläuft, einem direkt in Wohnzimmer oder Küche glotzt, weshalb fast alle Fenster mit blickdichten Vorhängen verhängt waren. Dummerweise ganz schlecht zu fotographieren weil total zugeparkt. Als ich so das bunte Straßenschild fotographiere, kommt eine Politesse daher und fragt mich, was ich da mache. Ich fotographiere dieses Schild, antworte ich, gerade so, als ob man das nicht sehen könnte, daß ich davor stehe und genau drauf halte. Könnt ja eigentlich nicht verboten sein. Oder? Die Frau war nicht nur Politesse, sondern auch verhinderte Fremdenführerin. Sofort bekam ich eine über zehnminütige Einführung in die Historie dieser Straße. Kann ja nicht angehen daß da einer rumfotographiert ohne zu wissen und zu würdigen, wo er da steht. Daß die Häuser nur von außen hässlich sind, aber innen wahre Schmuckstücke. Daß die Häuser alle etwa 200 Jahre alt sind (was mich dann doch erstaunt hat. Zwar kam mir der Stil gleich nach englischer Industrialisierung vor, aber die Bausubstanz war noch ziemlich gut und sah einfach nicht so alt aus). Und daß diese Häuser überaus beliebt seien. Mindestens eine Million Pfund müßte ich zahlen, wenn ich eines haben wollte. Sie seien so teuer weil sie so alt sind. Und dementsprechend würden hier auch nur Leute wohnen, die sich sowas leisten könnten. (Wobei die Autos teils ziemlich alt waren. Vielleicht konnten die sich dann nichts anderes mehr leisten.) Jedenfalls bedanke ich mich artig bei der freundlichen Politesse und verabschiede mich. Von deutschen Politessen hab ich noch nie ein freundliches Wort gehört. Beim Knöllchenausteilen war sie aber gnadenlos.

Etwas später fahre ich Jubilee Line von London Bridge nach Waterloo. Donnerwetter. Da haben sie neue U-Bahnhöfe, die sich deutlich von den alten unterscheiden. Nicht nur Sicherheitsscheiben vor den Gleisen, sondern auch ganz anders vertäfelt, in grauer Stahl/Guß/Alu-Optik. Gefällt mir gut. Also in Southwark und Waterloo ein bischen rumfotographiert. Und immer gewartet, bis mal keiner im Bild ist, wegen Urheberrecht und Personen nicht ungefragt fotographieren. Sind wohl nichts geworden weil es viel zu dunkel war, ich kein Stativ dabei hatte und ich in anderen U-Bahn-Stationen gelesen hatte, daß man nicht blitzen darf (und Blitzen das Foto sowieso verhunzt hätte). Probieren kann man es ja trotzdem. Kost ja nix bei digital.

Da komm ich dann die Rolltreppe hoch, fingere nach meinem Geldbeutel um das Ticket zum Verlassen der U-Bahn rauszufummeln, und muß einen Moment vor dem Automaten stehen bleiben, weil sich das verflixte Ticket im Geldbeutel verhakt hat. Da spüre ich was am Ärmel und merke, daß direkt neben mir einige Polizisten im voller Aufmachung und gelben Warnwesten stehen, die man von der Rolltreppe aus noch nicht sehen konnte. Und einer von denen zupft mich am Ärmel zur Seite und sagt irgendwas, was ich bei dem Lärm erstmal nicht richtig verstanden habe. Ich hab nur mitbekommen, daß er wollte, daß ich mal zur Seite Richtung Wand trete, und er mich zur Verdeutlichung und um meine Aufmerksamkeit zu erregen, etwas am Ärmel gezupft hatte. Nicht schlimm oder fest, so wie man es macht, wenn man jemanden anspricht und derjenige sich nicht angesprochen fühlt. Ich dachte, der wollte mich nur aus dem Weg ziehen, weil ich nicht im ortsüblichen Tempo durch den Automaten fegte und wohl jemandem im Weg stand. Zudem war es draußen etwas frisch und ich hatte schon die Mütze über den Ohren, die den
Schall dämpft.

Erst als der dann weiter auf mich einredete merkte ich, daß der was von mir will. Sowas kann heikel enden. Haben die nicht kürzlich mal einen Unschuldigen in der U-Bahn prophylaktisch erschossen nur weil der sich nicht so bewegte wie man es erwartet? Die geben sich nicht mit Tasern ab, die schießen gleich richtig. Ich bitte ihn, daß wir etwas zur Seite gehen können, wo weniger Krach ist, und er möge mir dann noch einmal sagen, was er von mir will. Englisch ist nicht meine Muttersprache und bei dem Krach und weil ich mich nicht gleich angesprochen fühlte hab ich nicht verstanden, was er von mir will. Das macht er geduldig. Ich habe den Eindruck, daß er mich gar nicht angesprochen hätte, wenn er gewußt hätte, daß ich deutscher Tourist bin. Aber jetzt ist es halt mal angefangen.

Er stellt sich mir sehr freundlich und ausführlich vor und weist auch auf seine Nummer auf seiner Weste hin, damit ich weiß, mit wem ich es zu tun habe. Das ist doch schon mal ein positiver Anfang, das kenn ich aus anderen Ländern nicht. (Trotzdem war mir die Sache noch nicht ganz geheuer, ich bin es einfach nicht gewohnt, von der Polizei angehalten zu werden. Freundlichkeit kann auch täuschen. Japanische Soldaten stellten sich ihren Kriegsgefangenen manchmal auch höflich vor, bevor sie ihnen mit dem Schwert den Kopf abschlugen.)

Dann zückt er Stift und eine Art Block mit kleinen Formularen. Hoppla, hab ich was falsch gemacht? Gibt’s jetzt ein Knöllchen? Ich frag mal vorsichtig an, ob ich irgendwas falsch gemacht hätte.

Nein, erklärt er mir, ich hätte überhaupt nichts falsch gemacht, und es gebe auch nichts, was mir vorgeworfen würde, er könne mir hiermit ausdrücklich bestätigen, daß es keinerlei Verdacht oder Tatvorwurf gegen mich gäbe. Sie würden halt einfach verdachtsunabhängige Stichproben machen, ein normaler Vorgang. Er würde mich jetzt durchsuchen, darüber ein Protokoll anfertigen und ich bekäme einen Durchschlag davon. Na prima, da bekommt der Security-Mensch in mir wieder Futter fürs Blog.

Er will zunächst mal wissen, wer ich bin, Identity und so. Ich erwidere seine Höflichkeit, indem ich ihm meine Visitenkarte und meinen Personalausweis reiche. Er ist verblüfft und fragt, was das ist. Ich erkläre ihm die Sache mit unseren Personalausweisen und wie wir Deutschen es damit halten. Findet er gut und äußert Bedauern darüber, daß es sowas in England nicht gibt. Ich frage, was denn jetzt gewesen wäre, wenn ich meinen Ausweis nicht dabei gehabt hätte oder eben ein unbeausweister Engländer gewesen wäre. Nichts, antwortet er, dann hätte er eben aufgeschrieben wer ich behaupte zu sein und ich hätte mich eben nicht ausgewiesen. Ach, so funktioniert britische Security? Wer sich
ausweist ist selbst schuld? Er notiert alles, Adresse, Geburtstag usw.

Er bittet mich, die Mütze abzunehmen. Ist nur so eine dünne, ganz eng anliegende Kappe. Da kann nichts drunter versteckt sein. Ich nehme sie also ab und zeige, daß ich keine Bombe drunter habe. Das wollte er gar nicht wissen, sondern er muß für das Protokoll aufschreiben, welchen Haarschnitt ich habe. Nun frage ich doch, wofür das gut sein soll. Und in welchen Datenbanken das landet. Ich hab ja schon allerlei mitgemacht, aber noch nie hat jemand meinen Haarschnitt behördlich protokolliert. (Versteckte Kamera isses jedenfalls nicht, es gibt mindestens 20 Kameras um uns herum, die überhaupt nicht versteckt sind.) Mmmh, er weiß es nicht so genau, aber er muß eben das Formular ausfüllen. Also gut. Meinen Haarschnitt halte ich generell nicht so geheim, was soll’s also. Weiter schreibt er auf, daß ich Blue Jeans trage, eine wasserdichte Jacke und deren Farbe, welche Schuhe ich trage, welche Statur ich habe, wie groß ich bin. Dazu einen PNC ID Code, was auch immer das sein mag. Und eine “Self defined ethnic classification”, Wert W9. Keine Ahnung, was das heißt. Selbst eingestuft hab ich mich jedenfalls nicht, schon gar nicht in die Baureihe W9.

Und als Besondere Merkmale trägt er “German Accent, v. good english”. Eine spontane schriftliche Bestätigung der Londoner Polizei daß mein Englisch gut wäre, ist auch nicht schlecht. Hat nicht jeder. (Hätt ich mich geärgert, wenn da was anderes drin gestanden hätte…)

Was ich denn so fotographieren würde, will er wissen. Aha, daher weht der Wind. Leugnen zwecklos, die Kamera baumelt touristenmäßig vor meinem Bauch und man hat auf mindestens 30 Überwachungskameras sehen können, daß ich in der U-Bahn-Station fotographiert habe. Er sagt aber, daß er mich zufällig ausgesucht habe. Naja, was Touristen eben so fotographieren. Ich biete ihm eine Diashow an. Nee, das wär in Ordnung. Aber, so werde ich belehrt, das Fotographieren sei in der U-Bahn so gar nicht erlaubt, weil man ja damit Terroranschläge vorbereiten könnte. Ich wende ein, daß in den meisten U-Bahn-Stationen Schilder hängen, wonach Flash Photography nicht erlaubt sei, was ja dann irreführenderweise suggeriere, daß es ohne Blitz erlaubt sei. Da hätte ich recht, meint er. Das sei halt so eine Sache. Wenn man es zu explizit verbiete, würden die Terroristen eben mit versteckten Geheimkameras ankommen und man sie nicht mehr entdecken. Ach so? Man schreibt also extra nicht dran, daß fotographieren generell verboten ist, damit die bösen Terroristen glauben, sie könnten mit normalen Kameras fotographieren, damit man Terroristen – schwups – ganz einfach an der Kamera erkennt? Verstehe. Rafiniert. (Tourist und Terrorist bzw. Tourism und Terrorism hört sich im Englischen ja auch zum Verwechseln an.) Nein, meint er, so einfach sei es auch wieder nicht. Sie suchen eher nach denen, die so ganz klammheimlich fotographieren und sich nicht mit der Spiegelreflex mitten in die leere Halle stellen. Sie hängen also Schilder auf, daß nur Flash Photography verboten ist, obwohl eigentlich jegliches Fotographieren verboten ist, und suchen dann die, die heimlich fotographieren obwohl das Schild nur den Blitz verbietet. Und die nehmen sie dann fest, weil es ganz heimlich verboten ist. Es muß dazu aber heimlich verboten sein, weil wenn es offiziell verboten wäre, man sich ja nicht mehr verdächtig machte, wenn man heimlich fotographiert, weil es ja dann folgerichtig und normal wäre, heimlich zu fotographieren. Man könnte die Leute ja aber nicht festnehmen, wenn es nicht mindestens heimlich verboten wäre. Ein teuflischer Plan.

Dann erklärt er mir, er müsse mich jetzt durchsuchen. Na, dann mal los. Er will wissen, ob ich irgendwas dabei habe, was ich nicht dabei haben sollte. Was ist denn das für eine Frage? Woher soll ich wissen, was ich alles nicht dabei haben soll? Ne Kamera hab ich. Soll ich oder soll ich nicht? Nun, fragt er, ob ich beispielsweise ein Messer dabei hätte. MIST. Ich hatte morgens mein Leatherman Squirt S4 eingesteckt, eine Mini-Klapp-Schere mit einem 3,5 cm langen Minitaschenmesser. Ich hole es raus, zeige es ihm und entschuldige mich damit, daß mir nicht bewußt war, daß man sowas nicht bei sich tragen dürfe. Ach, das kleine Ding sei kein Problem, sagt er. Puuh. Ich reiche ihm den Rucksack, er guckt mal rein, was drinnen ist und ist zufrieden. Zur Erläuterung erklärt er, daß diese Durchsuchungen sehr sinnvoll wären, man würde gar nicht glauben, was sie verdachtsunabhängig so alles fänden. Es sei einfach unglaublich, was die Leute so alles in der U-Bahn mit sich herumschleppten. So gesehen ist es durchaus zu begrüßen und dient auch meiner eigenen Sicherheit, daß sie da mal nachgucken. Das ist nicht zu leugnen. Eine Massenpanik in den zur Hauptverkehrszeit überfüllten Röhren wäre für viele sicherlich tödlich.

Das Durchsuchungsprotokoll vermerkt, daß ich keinerlei Diebesgut, Drogen, Waffen oder Feuerwaffen dabei gehabt habe. Erfreulich. Außerdem daß kein Fahrzeug durchsucht worden wäre, kein Schaden verursacht worden sei, ich meine Kleidung habe anbehalten dürfen und meine “Intimate parts” nicht “exposed” worden seien.

Weil der Mann dabei insgesamt sehr freundlich war und wir uns nebenbei eigentlich prächtig unterhalten habe, hab ich danach noch etwas mit ihm über Security und die U-Bahn geplaudert und mich freundlich verabschiedet. Er sagte noch “You’re free to go whereever you want”.

Ach, das war ich bisher nicht?

Ich spreche daher nochmal einen anderen Polizisten weiter draußen an und frage, was eigentlich passiert wäre, wenn ich mit der Durchsuchung nicht einverstanden gewesen wäre. Dann wäre ich sofort festgenommen worden, erklärt der mir. Weil der aber genauso freundlich war, habe ich etwas weiter gefragt und er hat mir bereitwillig und gerne Auskunft gegeben und alle Fragen beantwortet.

Ihre Anti-Terror-Gesetze erlauben ihnen, jede Person immer und überall verdachtsunabhängig zu durchsuchen. Sich dem zu widersetzen ist illegal, dann ist man gleich fällig. Gefahr im Verzuge oder eine richterliche Anordnung brauchen sie nicht, man kann immer und überall durchsucht werden. Nix Privacy.

Andererseits ist man nicht verpflichtet, seine Adresse anzugeben. Man muß nur den Namen sagen, aber nicht die “Details” (wobei mir nicht ganz klar ist, an welcher Stelle die Details anfangen, immerhin ist mein Name schon Google-eindeutig). Ich hätte mich also gar nicht ausweisen müssen. Namen sagen hätte gereicht.

Ob das nicht ein Widerspruch in sich wäre, will ich wissen. Einerseits haben sie keine Ausweise und können behaupten zu sein, wer sie wollen, andererseits können sie einen ständig durchsuchen. Er stimmt mir zu. Die Londoner Polizei hätte auch gerne Personalausweise, auch wegen EU und so, aber diese seien politisch nicht durchsetzbar. Die Bürger bestünden eben auf “Privacy”. Zumal ja erst kürzlich die Regierung zwei CDROMs mit Bürgerdaten verschlampt hätte, das brächte die Bürger auf die Palme. Aha, frage ich, und eine Durchsuchung oder das ständige Beobachtet-werden durch Tausende von Überwachungskameras hätte nichts mit Privacy zu tun? Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten, lautet die Antwort. Ach, meine Adresse ist geheim und persönlich, aber der Inhalt meiner Taschen öffentlich? Damit kann ich mich nicht recht anfreunden. Aber gehe erstmal. Und sehe, daß sie wirklich mehrere Leute am oberen Ende der Rolltreppe herausgreifen und
nicht nur mich.

Die britische Polizei hat nun alle Informationen über mich, die sie braucht um mich zu indentifizieren und auf Video-Aufnahmen von diesem Tage wiederzufinden. Wahrscheinlich hat man bei der Gelegenheit gleich meine Gesichtsgeometrie oder sonstwas vermessen und registriert mich vermutlich fürderhin automatisiert wo ich gehe und stehe. Einfach so. Verdachtsunabhängig.

Anekdote am Rande dazu:

Einige Stunden später komme ich am Parlament (Big Ben und so) vorbei und bestaune den hinteren Turm. Sieht heute noch sehr beindruckend aus, wenn man davor steht. Muß enorm ehrfurchtgebietend auf die Leute damals gewirkt haben, die keine Hochhäuser kannten. Wann wurde das eigentlich gebaut? Ich frage einen Polizisten, der da rumsteht. Und bekomme eine ausführliche Erklärung über das wann, wie und warum, und wo noch Reste des abgebrannten früheren Gebäuse zu finden sind. Und die Empfehlung, daß ich doch da vorne durch den Eingang gehen sollte, da könne ich mir das mal von innen ansehen. Da waren gerade Sitzungen des Unter- und des Oberhauses, und die lassen da Besucher zu.

Also gehe ich hin und sehe schon von außen die Röntgengeräte und die Metallsonden. Und ich habe immer noch das Leatherman’s in der Tasche. Also frage ich drei Polizisten, die davor stehen, ob das Ding ein Problem wäre. Wenn ja, käme ich ein anderes mal wieder. Sie begutachten das Ding, beratschlagen und meinen, ich soll es einfach bei ihnen lassen und mir wieder abholen, wenn ich wieder rauskomme. Auch gut. Ich gehe also ohne das Messerchen durch die Sicherheitsschleuse. Als ich gerade in das Parlamentsgebäude gehe, kommt einer der Polizisten auf mich zu. Ich sei doch der Typ mit dem Leatherman’s. Hier, ich soll’s wieder einstecken, damit es nicht verloren geht. Ich völlig verdutzt, ich dachte ich bekäme es erst wieder, wenn ich aus dem Parlament wieder
herauskäme??? Nöh, meinte der, wenn ich aus der Sicherheitsschleuse herauskomme. Er hat eben da mit der obersten verantwortlichen Stelle telefoniert, das ginge in Ordnung, daß ich das Taschenmesser da mit reinnehme, ich dürfte das. Nur in die Sicherheitsschleuse dürfte ich es nicht reinnehmen, weil die da drin leicht durchdrehen und Panik bekommen. Und das wollten wir ja alle nicht. Leuchtet mir ein.

Und so geschah es, daß mir die Londoner Polizei mit telefonischer Sondergenehmigung irgendeiner ganz hohen Dienststelle mein Taschenmesserchen an der Sicherheitsschleuse des Parlaments vorbei trug, damit ich es mit reinnehmen konnte.

Aufgefallen ist mir, daß man im Unterhaus (House of Commons) eine beeindruckende Wand aus Panzerglasscheiben zwischen der Besuchertribüne und den Abgeordneten installiert hat. Sinnvoll.

Im Oberhaus (House of Lords) aber nicht, da ist nichts zwischen Besucher und Abgeordneten. Ich frage mal, wieso. Mir wird erklärt, daß man zu dem Zeitpunkt, als man die Scheibe im Unterhaus installierte, gerade übertriebene Panik vor Anschlägen hatte. Als die damit fertig waren und mit dem Oberhaus weitermachen wollten, hatte sich die Panik aber schon wieder gelegt. Deshalb haben die einen eine Scheibe und die anderen nicht. Verstehe.

Nachtrag 1: Ich bitte zu entschuldigen, daß in dem Text so unglaublich viele Schreib-, Satzbau- und Grammatikfehler waren. Ich bin erst nach ein Uhr morgens ins Hotel zurückgekommen, war hundemüde, und hab den Text noch schnell ins Notebook gehackt, weil ich bis zum nächsten Morgen die Hälfte der Feinheiten wieder vergessen hätte. Deshalb auch nicht mit Sorgfalt geschrieben und nicht kontrollgelesen. Ich habe ihn dann am nächsten Tag schnell ins Blog kopiert, hatte aber keine Zeit mehr zum Korrekturlesen. Ich dachte nicht, daß so viele Leute den Text lesen werden.

Nachtrag 2: Obwohl aus Sicht eines Touristen geschrieben, bin ich nicht zum Spaß in London, sondern um zwei Vorträge über Sicherheit zu halten. Natürlich habe ich das U-Bahn-Abenteuer gleich dynamisch in die Vorträge eingeflochten um die unterschiedlichen Auffassungen von “Privacy” zu illustrieren. Sogar viele der Engländer unter den Zuhörern waren über die Durchsuchung sehr erstaunt und wußten nicht, daß das so ablaufen kann.

7 Kommentare (RSS-Feed)

[…] eigenen Stil mit Sicherheit umzugehen. Man kann sicher trefflich drüber streiten. Aber seine Erfahrungen in London mit Sicherheit sind auf jeden Fall lesenswert… Geschrieben von rince in CCCS um 09:39 | Kommentare (0) | […]


[…] Mehr Abenteuer mit der Sicherheit […]


Stefan
28.11.2007 21:22
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“You’re free to go whereever you want” – würde ich jetzt weniger als politisches Statement sondern eher als feststehende Redewendung interpretieren. Ich bin vor zwei Monaten in Heathrow zwischengelandet und hatte dort 8 Stunden Aufenthalt. Auf die Frage, ob ich das Flughafengelände verlassen könnte, vergewisserte man sich, daß ich EU-Bürger bin; dann bekam ich eben dieselbe Antwort: “You’re free to go whereever you want”.

Ansonsten bestätigt mein subjektiver Eindruck, daß in England die Polizisten bedeutend freundlicher und zuvorkommender sind als in deutschen Landen. Die einzige Änderung, die mir bei meiner Londonexkursion aufgefallen ist: Harrods verlangte früher immer nur, daß Rucksäcke abzunehmen und in der Hand zu tragen seien; dieses Mal hatte ich einen etwas größeren Rucksack dabei (eigentlich gedacht für Tagestouren, eben ein klein wenig größer als der typische Stadtrucksack) – wenn ich den Laden hätte betreten wollen, hätte ich ihn (kostenpflichtig: afair 2 Pfund) durch ein Röntgengerät schicken müssen, wie man sie vom Flughafen kennt. Ob des Preises habe ich dankend abgelehnt und anderswo eingekauft.


Flush | F!XMBR
29.11.2007 12:07
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[…] Mehr Abenteuer mit der Sicherheit Ein London-Tourist berichtet. Mich hat allerdings der Artikel eher abgeschreckt. Der totalitäre Überwachungsstaat wird als Happening dargestellt. Erschreckend, dass sowas als Normalität hingenommen wird… […]


[…] Danisch.de » Blog Archive » Mehr Abenteuer mit der Sicherheit (tags: privacy security überwachung) Tags: Linktipps von Finkregh Permalink • drucken • E-Mail • Spuren im Schnee [Kommentare] […]


[…] die zur ‘Terrorismusbekämpfung’ vermehrt auftauche, heute lese ich eine überraschende Erklärung dazu aus London: Aber, so werde ich belehrt, das Fotographieren sei in der U-Bahn so gar nicht erlaubt, weil man ja […]


[…] Abschluss möchte ich noch den Bericht eines Bloggers über seinen Aufenthalt in London und seine dortigen Erlebnisse mit den Sicherheitsbehörden erwähnen. Der Bericht zeigt, wie […]