Ansichten eines Informatikers

Die Vermessung des Südpols

Hadmut
9.8.2026 4:15

Das Thema Südpol, früher Dauerthema, hatten wir hier auch schon lange nicht mehr.

Frauen veranstalten Frauenseminare, auf denen sie ihre Vaginen „ausmessen“.

Und auch „bei den Lehrerinnen reinschauen“.

Und was ist besser? Eng oder weit, lang oder kurz? Size matters?

Warum macht man so etwas?

Ich könnte mir im Leben nicht vorstellen, wäre nicht einmal auf die Idee, auf den Gedanken gekommen, mich mit anderen Männern zum Männerseminar zu treffen, uns gegenseitig die Schwänze zu zeigen und auszumessen.

Aber sie haben einen „Männergruppe“. Die haben sie eingeladen, um auch mal zu „schauen“. Die seien „ganz ehrfürchtig“ gewesen. Vermutlich mussten die sich irgendwas zusammenbeißen, um nicht loszuprusten. Ich könnte nicht dafür garantieren, dass ich nicht vor Lachen am Boden liegen würde.

Das muss irgendwie aus den USA kommen. Ich hatte ja mal von diesem seltsamen Erlebnis berichtet, als ich am Rande einer IETF-Konferenz in irgendeinem Forum zu „was ist gerade los in San Francisco“ auf irgendeinen Vortrag von Professoren von irgendeiner Uni der Bay Area ging, irgendwas mit Sex-Kunde und -Therapie, wo es irgendwie um neue wissenschaftliche Erkenntnisse zum weiblichen Organismus (weiß nicht mehr genau, irgendwas in der Richtung) ging, und ich mich da angemeldet hatte, weil ich dachte, das wäre an der Uni und ich die Uni mal von innen sehen wollte, und dann in so einem privaten Vortragsraum in einer der riesigen US-Garagen landete, und dann tatsächlich zwei Professoren (Mann, Frau) vor einem riesigen, todernst interessierten Publikum vortrugen, alles total ernst, und dann die Professorin blank zog, sie breitbeinig auf den Vortragstisch setzte und das Publikum schön geordnet und einzeln aufgerufen nach Stuhlreihen nach vorne trat, um einer nach dem anderen in ihre weit geöffnete Vagina zu schauen und sich vom Professor irgendwas da drin erklären zu lassen. Ich habe dann halt nicht die Uni, sondern die Professorin von innen gesehen. Ist ja auch was wert.

Ich habe gedacht, mich zerreißt’s schier, so musste ich mir das Lachen verkneifen und auf ernst machen. Weil die das alle so todernst und total wichtig nahmen, überhaupt keien Regung bei den Leuten zu erkennen war, sondern die das als völlig notwendig und wissenschaftlich hinnahmen, das aber gleichzeitig als ihre sexuelle Fortbildung ansahen. Als müsste man Sex mit Todesernst studieren und darauf achten, sich jedes Detail sorgsam einzuprägen. Ich blickte dann auch sehr betroffen drein.

Und das waren wirklich echte Professoren, die genau in diesem Thema an irgendeiner dieser Elite-Universitäten tätig und fest davon überzeugt waren, dass sie da neueste wissenschaftliche Erkenntnisse der breiten Öffentlichkeit vermitteln.

Ich kann mich noch erinnern, dass die erzählten, dass sie einer Frau helfen konnten, die nie einen Orgasmus bekommen hatte und völlig verzweifelt war. Man konnte ihr helfen, denn man fand mit wissenschaftlichen Methoden heraus, dass sie nur dann zum Orgasmus kommen konnte, wenn sie dabei mit beiden Händen an einer Reckstange hing und nicht auf dem Boden stand. Sie konnte nur im Hängen. Und um mich herum lauter Leute, die das mit äußerster Akribie und Sorgfalt in ihre Notizbücher schrieben, damit man weiß, was zu tun ist, wenn es mal irgendwo klemmt.

Deshalb hege ich den Verdacht, dass das eine Sitte aus den USA ist.

Würde mich übrigens mal interessieren: Wie vermessen die eigentlich ihre Vaginas?

Lineal? Zollstock? Laser? Ultraschall? Elektrisch? Oder haben die da geeichte Dildos mit eingravierter Millimeterskala, auf denen sie ablesen, wie tief der rein geht?

Die Sache mit dem Spekulum ist mir ja so entfernt geläufig, und die Dinger werden ja auch außerhalb des Arztbedarfs im freien Handel angeboten, weil das wohl zur Spielzeug-Ausstattung vieler Haushalte gehöre. Aber ich habe noch nie, weder im medizinischen, noch im Spielzeug-Bedarf irgendetwas mit Maßeinheiten gesehen. Von so manchem Fetisch habe ich Kenntnis erlangt, was sich auch kaum vermeiden lässt, wenn man in Berlin durch die Straßen geht, die absurdesten Dinge gibt es. Doch Vermessungstechnik ist mir da noch nicht untergekommen.

Oder sehe ich das vielleicht zu eng?

„Ausmessen“ muss sich ja nicht zwingend auf Längenangaben beziehen.

Volumen?

Temperatur?

Ohmscher Widerstand?

Resonanzfrequenz?

Zuckgeschwindigkeit?

Es gibt ja enorm viel, was man messen kann.

Da fällt mir ein, dass ich vor Jahren mal einen Fernsehbericht über ein deutsches Sexualforschungsinstitut gesehen habe, an dem sie herausgefunden haben wollen, dass bei Frauen die Erregung im Kopf und die im Südpol unabhängig voneinander sind, und das wohl darauf zurückzuführen sei, dass die Frau wohl evolutionär an die Vergewaltigung angepasst wurde, weil es wohl immer noch von Vorteil sei, wenn sie untenrum betriebsbereit ist, auch wenn es ihr obenrum so gar nicht passt. Und da haben sie eben Frauen sowohl den Kopf verkabelt, als auch einen Messdildo reingesteckt, und das war so ein Glasdildo mit vielen Kabeln dran, der jede Menge Sensoren und Kameras und Zeugs drin hatte, und haben den Probandinnen dann Pornos gezeigt, und sie dazu auch befragt. Das Ergebnis sei gewesen, dass in vielen Fällen die Frauen behaupteten, der Porno haben sie gar nicht angesprochen und auch nicht erregt, und sie auch nicht logen, weil die Kopfverkabelung das bestätigte, der Messdildo aber „Jippieh! Auf geht’s!“ meldete. Der Südpol also nach ihren Experimenten völlig ohne den Nordpol erregt und zum Schmelzen gebracht werden kann.

Insofern gibt es durchaus „Messtechnik“ für untenrum, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die im Frauenseminar so etwas einsetzen.

Deshalb bleibt die Frage offen: Wie vermisst man Vaginas im Frauenseminar?

Sollten wir jemals wissen, wie, können wir uns dann vielleicht an das warum und wozu wenden.