Ansichten eines Informatikers

China Economy: A closed-loop of sleep-work-consume. A Communists wet dream.

Hadmut
16.5.2026 1:08

Der Effekt erscheint seltsam, aber ich habe schon einige Male davon gelesen. [Update]

Das ist mir jetzt schön öfter untergekommen, dass in China die Wirtschaft nicht so gut dasteht, wie man nach außen hin tut, und junge Leute deshalb keinen ordentlichen Job finden, aber in solche kanonischen Dienstleistungsjobs gehen, dass Männer massenweise als Bote – Pakete, Pizza, was auch immer – arbeiten und Frauen enorm viel streamen und Schminktipps bringen und Zeugs verkaufen. Das boomt in den Städten wohl ganz enorm. Es gab ja auch schon Videos der Influencer-Stars, die Kleider vorführen und jedes Kleid nur für eine Sekunde, für eine Drehung anhaben und dann schon wieder wechseln und es wegwerfen.

Gerade das Dienstbotenwesen scheint dort gerade extrem hochzukochen, weil es immer mehr IT-, Forschungs- und Ingenieurstädte gibt, in denen Leute sich Essen und Bestellungen bringen lassen, weil sie keine Zeit haben, Essen oder Einkaufen zu gehen. In irgendeiner Stadt – war das Shenzen? – soll das richtig irre sein, weil es dort überhaupt keinen „Erdgeschoss“-Bezugspunkt gibt, keine Grundhöhe und alles in vielen Etagen übereinander stattfindet. Da gibt es Videos, die einen Platz zeigen, der aussieht, wie vielleicht ein Rathaus- oder Dorfplatz, und wenn man dann über ein Geländer schaut, geht es 20 Stockwerke nach unten, weil der Platz in Wirklichkeit auf dem Dach eines Hauses mit unbekannter Stockwerkzahl liegt, und es eben kein Erdgeschoss, sondern Übergänge zu anderen Häusern gibt, die ihre Stockwerke wieder anders zählen, man also vom x-ten Stockwerk über eine Fußgängerbrücken ins Nachbargbäude geht und dort im y-ten Stockwerk ist, weil die ganz unterschiedliche Ansichten darüber haben, wo Stockwerk 0 liegt. Das muss irre sein und extrem schwer zu navigieren, weil man ja nicht nur zweidimensional, sondern auch in der Höhe navigieren muss. Nur weil man an der Position ist, an der ein Laden oder ein Empfänger sein soll, heißt das noch lange nicht, dass man ihn auch gefunden hat, sondern sich noch überlegen muss, wo der vertikal, in welcher Ebene der ist, und wie man da hin kommt.

Irgendwo hieß es, dass man deshalb viele Boten brauche, die sich jeweils nur auf ein paar Häuser und einen engen Bereich spezialisieren, und die wissen, wie man einen Gegenstand zu einem angegebenen Empfänger bringt.

Beides, das Influencen und das Wissen, wie man wohin kommt, könnte bald durch KI übernommen werden, was aber noch nicht den Transport selbst übernimmt.

Sehr seltsam und dubios erscheint mir an diesem Video aber, dass sie da alle draußen auf der Straße streamen. Warum das? Ich weiß zwar, dass die in beengten Verhältnissen wohnen, aber das ergibt kaum sinn. Woher kommt der Strom? (Akkupack?) Woher Internet? (Mobilfunk?)

Dabei ist es durchaus plausibel, denn es ist ein Effekt der Selbstoptimierung, der sich quasi von alleine einstellt.

Vor einiger Zeit nämlich hat man in Deutschland versucht, die Lieferdienste (Amazon usw.) als klimaschädlich hinzustellen, um sie antikapitalistisch beschimpfen zu können, kam dabei aber zu dem (nur) für Linke überraschenden Ergebnis, dass sie nicht klimaschädlich sind, und dass es deutlich klimaschonender und energiesparender ist, sich Dinge liefern zu lassen, als sich selbst ins Geschäft zu bewegen und sie dort selbst einzukaufen, weil der Bote eben nicht wegen eines Pakets kommt, sondern mit seiner Fahrt sehr viele Pakete auf eng begrenzten Raum bringt und deshalb pro Paket mit wenig Energie und wenig Arbeitszeit auskommt. Das gilt allerdings nicht für diese Motorroller-Boten, sondern wie bei uns DHL- oder Amazonboten, die gleich mit einem ganze Lieferwagen voll Zeugs ankommen und das verteilen.

Außerdem schafft man damit im Prinzip Angestelltenverhältnisse, die man nicht als solche erkennt, weil man damit effektiv solche geteilten Angestellten hat. Wenn man ein Paket vom Boten gebracht bekommt, hat man gerade so eine paar-Cent-Anteil an dessen Job beauftragt. Wie Car-Sharing, nur mit Angestellten. Man kann damit Leuten, die keinen normalen Job finden, einen aus Kleinstaufträgen zusammenstückeln.

Die Frage ist allerdings, wie lange das noch gut geht.

Und welcher Zusammenhang damit besteht, dass wir von China aus mit Waren überschüttet werden. China allerdings technologisch auch rasant besser wird.

Was bleibt für uns?

Was machen wir dann?

Lassen wir weiter in China produzieren, oder machen wir das dann doch irgendwann wieder selbst?

Immerhin entspricht das der kommunstischen oder sozialistischen Idealwelt: A closed-loop of sleep-work-consume. Nur noch drei Dinge tun: Schlafen, Arbeiten, Konsumieren. Keinerlei Individualismus mehr. Keine Hobbys, keine Sonderwünsche. Alle gleich.

Update: Die Stadt, die ich meinte, ist Chongqing: