Vom Übertöten aus juristischen Gründen
Ein juristisches Details.
Gerade kochen viele hoch, dass in den USA Alex Pretti mit 10 Schüssen erschossen wurde.
Was ich in den Medien dazu aber nirgends gefunden habe, ist der Grund, warum Polizisten in den USA Leute dann, wenn sie sie erschießen, auch gleich durchsieben und es nicht bei einem Schuss belassen.
Der Grund ist ein juristischer.
Wenn es zu einer Konfrontation zwischen mehreren Polizisten und einem Verdächtigen kommt, und – wie man das in Deutschland machen würde – ein Polizist feuert einen Schuss ab, dann ist dieser Polizist juristisch oft erledigt.
Der Grund ist, dass US-Gerichte, US-Geschworene, US-Ankläger, US-Zivilkläger stets so argumentieren, dass es ja gar keine Gefahr gegeben haben kann und der Polizist grundlos schoss, weil ja x Polizisten vor Ort waren, die anderen aber nicht geschossen haben, sich also nicht bedroht gefühlt haben kann, der Polizist also ohne Gefahr schoss. Mord, Schadensersatz und so weiter.
Deshalb gibt es Abreden und sogar inoffizielle Anordnungen von Vorgesetzten, dass wenn einer schießt, alle schießen. Um den Kollegen juristisch zu retten.
- Man kann bei einer durchlöcherten Leiche nicht mehr feststellen, welcher Schuss genau der ursächlich tödliche war.
- Dann ist sicher, dass er tot ist. Leichen sagen nicht mehr vor Gericht aus und verlangen auch selbst keinen Schadensersatz für medizinische Behandlungen (deren Angehörige allerdings oft schon).
- Man kann dem einzelnen Polizisten keinen Vorwurf der Fehleinschätzung oder grundlosen Schießens machen, denn wenn mehrere Polizisten die Situation so gefährlich fanden, dass man habe schießen müssen, ist das juristisch nicht mehr oder kaum mehr anzugreifen.
- Dazu kommt, den Kollegen auch psychisch zu entlasten, damit er nicht dasteht „ich habe den umgebracht, warum habe ich geschossen und alle anderen nicht?“. Die gleiche Situation wie beim Erschießungskommando.
Viele Leute prangen solche Übertötungen immer als Beweis, dass es um schieß- und mordwütige Spinner gehe. Tatsächlich aber geht es um juristischer Fragen.
Die Regel ist, dass wenn einer schießt, möglichst alle schießen. Und das hat nicht mit Schießwut, sondern mit dem amerikanischen Rechtssystem zu tun.
Kurioserweise würden deshalb mehr Leute Polizeischüsse überleben, wenn man weniger Polizisten anklagen würde.
Den Effekt gibt es in Deutschland übrigens auch, bei Juristen und Professoren. Egal, wie offensichtlich der Mist ist, den sie bauen, wie sehr sie täuschen, es springen ihnen immer die Kollegen zur Seiten, um die Sache unangreifbar zu machen, weil sie dann mehrere vertreten haben, auch wenn die das gar nicht meinten, sondern auf Kollegialität und Gegenseitigkeit eintraten.