Ansichten eines Informatikers

KI-Fake-Flutung als inszenierte Social-Media-Brunnenvergiftung?

Hadmut
28.1.2026 16:32

Zerstörung der letzten Gewissheiten?

Dass es ein zentrales Ziel der Marxisten ist, den Leuten jegliche Gewissheiten, jeglichen Orientierungspunkt, jede Verlässlichkeit auszutreiben und alles in Zweifel zu stellen, nichts mehr glauben zu lassen, ist bekannt. Hat Orwell schon beschrieben.

Geschlecht, Hautfarbe, Mathematik – völlig egal. Alles wird in Abrede gestellt, alles einer allgemeinen Verunsicherung unterzogen. Judith Butler: „Gender Trouble“. Und so.

Und die Zersetzungsmethode der Brunnenvergiftung hatte ich auch schon oft als Thema: False-Flag-Lügen. Untergejubelte Fakes mit eingebauten Sollbruchstellen, die man leicht als Fake auffliegen lassen kann, und die man dem Gegner unterjubelt, bis ihm keiner mehr glaubt. Gehörte schon zu den Zersetzungsmethoden der Stasi.

Schon lange fällt mir auf, auch im Blog schon angesprochen, dass es eine neue Sorte Besserwisser gibt: Es gab mal Leute, die sich gut und überlegen darin vorkamen, jegliche Information, die auch nur irgendeinen neuen Informationsgehalt hatte, als „Fake News“ abzutun. Ich hatte das mal beschrieben, die Leute machen einen auf Besserwisser, und versuchen in Wirklichkeit nur, ihr Blamage-Risiko zu minimieren, weil der, der etwas für Fake hält, als vorsichtig und umsichtig gilt, und sich weit weniger blamiert, wenn er etwas fälschlich für Fake hält, als andersherum.

Dabei ist das nicht einmal neu. Früher gab es schon Leute, die immer alles für gephotoshopped hielten.

Kennt Ihr „Die Spinne aus der Yucca-Palme“, das legendäre Buch über Urban Legends? Ganze Bataillone aus Idioten hat das hervorgebracht, die einfach alles, was sie hörten, als „Urban Legend“ wegwischten und sich dabei noch schlau und überlegen vorkamen, weil sie meinten, alles besser erkennen zu können als andere Leute. Wissenschaftler hatten die Erzählungen untersucht und herausgefunden, dass fast alle auf einem wahren, nachprüfbaren Kern beruhten – wie übrigens auch viele unserer Märchen.

Gibt den Leuten ein paar Fälschungen, und es finden sich mit Sicherheit Horden von Leuten, die sich gut und überlegen darin vorkommen, künftig alles für eine solche Fälschung zu halten. Dabei ist der, der alles für eine Fälschung hält, eigentlich genauso dumm, oder wohl noch dümmer als der, der alles glaubt. Urteilsfähig sind sie beide nicht.

Und so ist in den Social Media längst zu beobachten, dass es unzählige Leute gibt, die alles, was nicht exakt ihrem Weltbild entspricht, als „Certified AI Bullshit“ bezeichnen.

Sicher, KI-Fake gibt es viel. Das Problem daran ist, dass es sich verselbständigt hat, alles für KI-Fake zu halten.

Ich hatte eigentlich vor, mein Blog in den nächsten Jahren mit Fotos aus meinem Fotoarchiv zu bestücken. Aber ich bin mir jetzt schon sicher, dass das schief gehen wird, weil die Leute entweder sagen „Das ist ein KI-Fake, das taugt nichts!“ oder „Das kann die KI besser, warum nimmst Du nicht KI?“

Das Sekundär-Problem daran: Noch mehr Leute als die, die alles für Fake halten, sind die, die nicht zwischen Fake der Nachricht und Fake des Inhalts unterscheiden können. Wenn etwa ein Foto als Fake entlarvt ist, weil irgendetwas darin nicht stimmt und typische KI-Fehler aufweist, halten die Leute nicht nur das Foto, sondern auch dessen Aussage für Fake.

Das eröffnet die Methode zur Brunnenvergiftung: Wenn man will, dass die Leute eine wahre, aber unerwünschte Behauptung für Fake halten, bestreitet man sie nicht, sondern verbreitet sie selbst – aber in einer offensichtlichen Fälschung. Die Leute erkennen die Fälschung – und halten automatisch auch die Behauptung darin für falsch.

Genau so ist man vor einigen Jahren gegen das Gerücht vorgegangen, die Antifa würde von der Regierung bezahlt. Man setzte leicht als Fälschung zu enttarnende Fälschungen von Gehaltsabrechnungen, Verträgen usw. in Umlauf. Manche Leute nahmen das auf. Dann „entlarvte“ man das und nie wieder war jemand bereit, sich lächerlich zu machen, indem er glaubte oder behauptete, dass die Antifa von der Regierung bezahlt wird. Thema erledigt und „aus dem Diskurs“. Die Antifa wird aber von der Regierung bezahlt.

Auf die Idee, dass es ja gerade die Absicht einer Fälschung sein könnte, für eine Fälschung gehalten zu werden und damit auch die Aussage als falsch hinzustellen, kommen die Leute nicht mehr.

Es gab neulich mal irgendwo Anzeigen von einem chinesischen Hersteller von Plastik-Fingern zum Ankleben. Die waren auch noch schief und krumm, zu lang, hatten zu viele oder zu wenige Fingerglieder, zu dick, zu dünn, waren auffällig schlecht. Zweck: Wenn man irgendwas macht, was andere nicht glauben sollen, pappt man sich so einen Finger an die Hand. Oder zwei. Wird man dabei fotografiert und geht das Bild in die Öffentlichkeit, sagt jeder „Guck mal auf die Finger, das ist ein KI-Fake!“

Mit Verweis auf t-online: Massenhafter Betrug in ganz Deutschland

Willkommen in der neuen Wirklichkeit, in der nichts mehr ist, was es scheint. Was hier geschieht, ist kein harmloser Spaß. Es ist der Beginn eines Tsunamis aus Fälschungen, der das Fundament unserer Gesellschaft wegzuspülen droht: den Konsens darüber, was real ist und was nicht. Und natürlich entrechtet er all jene, deren Körper er für Fälschungen missbraucht.

Das Problem ist tückisch, weil es auf zwei Säulen thront. Die erste steht in unserem Kopf: Unser Gehirn hat einen uralten Pakt mit unseren Augen geschlossen, der seit Anbeginn der Menschheit gilt: Was wir sehen, ist wahr. Dieser Instinkt war ein Überlebensvorteil in einer Welt aus Bäumen und Steinen. In der digitalen Welt wird er zu unserer größten Schwachstelle. Wir sind nicht darauf trainiert, hinter jedem Bild eine Lüge zu wittern, jede visuelle Information wie ein potenzielles Beweisstück in einem Kriminalfall zu betrachten.

Die zweite Säule ist das Internet selbst. Vor wenigen Monaten hat die Menschheit einen Kipppunkt überschritten, nur nahm kaum jemand Notiz davon: An diesem Tag hat die Zahl der künstlich erzeugten Inhalte die Zahl der menschlichen Beiträge im Web überflügelt – und stündlich werden es mehr. Nun ist das Internet nicht länger ein Abbild der realen Welt. Nun gleicht es einem rasant wachsenden Spiegellabyrinth, in dem die meisten Spiegel lügen, erbaut von Algorithmen, die nur ein Ziel kennen: unsere Aufmerksamkeit zu kapern.

[…]

Bilder wie diese sind mehr als nur digitale Streiche. Sie werden gezielt eingesetzt, denn Klicks im Internet bringen Geld; und mit massenhaft verbreiteten Botschaften lassen sich Menschen lenken, lässt sich Politik machen. KI-Bilder sind die Vorboten einer neuen Ära, in der die Grenze zwischen Schein und Sein zerfließt. Wir erleben den Generalangriff auf das letzte verbliebene Vertrauen, das unsere Zivilisation zusammenhält: den Glauben an unsere eigenen Augen. Das Problem ist deshalb so fundamental, weil es ein evolutionäres Erbe zur fatalen Schwäche degradiert. Unser Gehirn, über Jahrtausende darauf geeicht, Gesehenes für wahr zu halten, wird zum unverteidigten Einfallstor in einer Welt, die zu immer größeren Teilen aus Simulationen besteht.

Auch das fotografische und filmische Zeugnis, einst der Goldstandard der Dokumentation in Journalismus, Wissenschaft und Justiz, droht seinen Wert zu verlieren. Wenn jedes Bild manipuliert sein kann, stirbt der Beweis. Was bedeutet ein Überwachungsvideo vor Gericht, wenn es auch eine Fälschung sein könnte? Was ist der Bericht eines Reporters vor Ort noch wert, wenn sich jeder an jeden Ort der Welt halluzinieren kann? Wir erfahren die systematische Enteignung des menschlichen Ichs – nur zieht kaum jemand Konsequenzen daraus.

Das ist sehr richtig – und doch zu kurz gedacht.

Denn man unterstellt, dass es um Klicks, um Aufmerksamkeit, um Umsatz geht.

Aber was, wenn es gerade das Ziel ist, alles für Fälschung zu halten?

Was ist, wenn die Regierungen merken, dass sie Macht verlieren, weil ihre Propagandamedien nicht mehr wirken und ihnen die Social Media den Rang ablaufen?

Sie werden ihre Berater fragen. Was kann man tun gegen die Macht der Social Media?

Und dann werden die Berater auf die alten Ideen kommen. Hier, die hat schon bei der Stasi gut funktioniert: Der vergiftete Brunnen. Wir kippen einfach so lange Fakes in die Social Media, bis jeder wieder zurück zu unseren Propaganda-Medien will.

Man sollte sich sehr gut überlegen, ob in der Welle von KI-Fakes nicht ein Großangriff auf Social Media liegt. Und das Ziel ist, dass wir wieder der Partei glauben sollen. Und nur der Partei.