Ansichten eines Informatikers

Çapulcu

Hadmut
12.1.2026 17:07

Aktuelles zum Terror: Warum Marxisten gerade durchdrehen – und warum sie die KI und Social Media für so gefährlich halten.

Wikipedia zur Etymologie:

Çapuling (Aussprache: [t͡ʃapuɫɪŋ]), auch als chapulling oder çapulling geschrieben, ist ein Neologismus, der im Rahmen der Proteste in der Türkei 2013 entstand und auf eine Wortwahl des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan zurückgeht, der den Begriff „çapulcu“ ([t͡ʃapuɫd͡ʒu], türkisch für „Marodeur“ oder „Plünderer“) als Bezeichnung für die Demonstranten verwendete.[1][2][3] Der Begriff wurde von den Protestierenden aufgegriffen und als Geusenwort umgemünzt, indem „çapulcu“ als Selbstbezeichnung benutzt wurde. Çapuling wurde im Kontext der sich ausweitenden Proteste als Wort geprägt, das Erdoğans Benutzung eines negativ konnotierten Begriffs bewusst ein Bild von Demonstrierenden gegenüberstellt, die alles tun, nur nicht plündern.[4] Das Wort „çapuling“ wird von Sympathisanten der Proteste in der Bedeutung „für die eigenen Rechte kämpfen“[5] verwendet.

Was dem Selbstverständnis von „Faschisten“, jenen eigenständig agierenden Kampfgruppen, sehr nahe kommt. Im Prinzip sind das Faschisten, aber man brauchte mal wieder einen Doppelbegriff, eine positive und eine negative Bezeichnung für dasselbe – Faschisten böse, Çapulcu gut.

Verschiedene Leser haben mich auf den Zusammenhang zwischen dem Brandanschlag auf die Berliner Stromversorgung – und weiteren Brandanschlägen – zu einer Gruppe namens „Çapulcu-Kollektiv“ aufmerksam gemacht.

DIE WELT zum Bekennerschreiben auf den Berliner Stromversorgungsanschlag:

WELT AM SONNTAG konnte Ermittlungsunterlagen einsehen, sprach mit Polizisten und Nachrichtendienstlern, wertete Gerichtsurteile aus und analysierte die digitale Datenspur der mutmaßlichen Täter. So werden die Umrisse der neuen Bedrohung klarer. Dabei rückt eine klandestine Bewegung in den Vordergrund, über die bislang kaum gesprochen wurde: eine Szene aus Anarchisten, IT-Experten und Technologiekritikern. Ein Milieu, das Wissenschaft und radikale Ideologie vermengt – und erstaunlich offen zu Widerstand und Sabotage aufruft. Einige dieser selbst ernannten Aktivisten nennen sich „Capulcu“, eine Anspielung auf das türkische Wort für „Marodeure“. Ihre Texte und Aktionen weisen auffällige Parallelen zu den Bekennerschreiben der Täter auf. Was treibt Menschen an, die den Staat brennen sehen wollen?

Das „Antifaschistische Infoblatt“ hat eine eigene Autorenseite für „capulcu – ein technologiekritisches Techkollektiv“, die da vor allem auf Peter Thiel und Elon Musk losgehen.

ChatGPT & Social Media: rechtslastige Hegemonieverstärker

Mit der Ausbreitung sozialer Medien hat die Vernetzung der Bevölkerung in den meisten Gesellschaften in den letzten zehn Jahren enorm zugenommen. Im gleichen Zeitraum ist eine zunehmende Fragmentierung der Gesellschaft in zunehmend isolierte Gruppen zu beobachten.

Echokammerbildung und gesellschaftliche Polarisierung lassen sich in einem stark vereinfachten Modell des sozialen Gleichgewichts reproduzieren: Die Gemeinschaft zerfällt oberhalb einer kritischen Konnektivität (Anzahl an Freund:innen deren Meinung für meine eigene Meinungsbidung relevant ist) in antagonistische Cluster. Diese zeichnen sich intern jeweils durch eine starke Meinungsübereinstimmung aus, während sie nach außen dominant feindschaftlich gesinnt sind.1

Eine Analyse der algorithmischen Reichweitensteuerung sozialer Medien und des Funktionsprinzips großer Sprachmodelle à la ChatGPT prognostiziert eine Dominanz postfaktischer Inhalte im Internet. Die Rückkopplung synthetisch generierter Inhalte über die sozialen Medien in den Trainingsdatensatz der nächsten Generation von Sprachmodellen führt (Hegemonie verstärkend) zu einem Diversitätsverlust und einem politischen Rechtsdrift der Inhalte im Internet.

ChatGPT hat einen beispiellosen Hype um Künstliche Intelligenz ausgelöst. Innerhalb von zwei Monaten haben mehr als 100 Millionen Menschen weltweit die neue Technik ausprobiert. Der Chatbot2 ChatGPT basiert auf einem sogenannten großen Sprachmodell mit (im aktuellen Fall von GPT-4) einer Billion justierbarer Parameter. Ein Sprachmodell beginnt als unbeschriebenes Blatt und wird mit mehreren Billionen Wörtern Text trainiert. Die Funktionsweise eines solchen Modells besteht darin, das nächste Wort in einer Folge von Wörtern aus dem ‚Erlernten‘ zu erraten. Die Bedeutung von Wörtern ist dabei lediglich die statistische Erfassung des Kontexts, in dem sie auftauchen.

Dieses Imitieren von Text-‚Verständnis’ bzw. ‚Wissen‘ über die Berechnung von Wahrscheinlichkeiten für das Auftauchen einzelner Wörter innerhalb von komplexen Wortmustern klappt teilweise verblüffend gut. Das Generieren von Inhalt ohne jegliches semantisches Verständnis hat natürlich den Nachteil, dass auch sehr viel Unsinn (im engeren Sinn) produziert wird. Sprachmodelle leiden unter einem Phänomen, das „Halluzinieren“ genannt wird3 .

[…]

Angesichts der beachtlichen Geschwindigkeit, mit der ChatGPT neue Nutzer:innen gewinnt, bedeutet dies einen enormen zukünftigen Schub für das Postfaktische, dessen Hauptwirkungsweise nicht darin besteht, dass selbstkonsistente Parallelwelten von Falscherzählungen für sich ‚Wahrheit‘ im Sinne einer Faktizität reklamieren, sondern dass sie die Frage „Was ist wahr und was ist falsch?“ (zumindest in Teilen des öffentlichen Diskursraums) für unwichtig erklären.

Große Sprachmodelle sind geradezu das Ideal des Bullshitters, wie der Philosoph Harry Frankfurt, Autor von „On Bullshit“, den Begriff definierte. Bullshitter, so Frankfurt, sind schlimmer als Lügner. Ihnen ist es egal, ob etwas wahr oder falsch ist. Sie interessieren sich nur für die rhetorische Kraft einer Erzählung. Beide Aspekte, das Ignorieren der Frage nach wahr oder falsch, als auch deren aktive Dekonstruktion haben das Potential, Gewissheiten über das Funktionieren von Gesellschaft zu zerlegen. Selbstorganisiertes politisches Engagement von unten droht zu einem Blindflug entlang falscher Annahmen zu werden. Die darauf folgende Ernüchterung befördert den Rückzug ins Private – ein durchaus gewünschter und geförderter Aspekt10 .

Das ist durchaus lesenswert, denn es ist eine kuriose Mischung aus durchaus richtigen Beobachtungen an Social Media und KI, und ideologieinduziertem Schwachsinn. Dieses ganze „Postfakten“-Geschwätz ausgerechnet von Linken, deren gesamte Ideologie, deren gesamtes Weltbild, deren Hirnstruktur auf frei erfundenen, willkürlichen und ständig wechselnden Behauptungen beruht und die überhaupt keinen Realitätsbezug kennen. Es liest sich eigentlich wie die Tirade eines Eifersüchtigen, der meint, das moralische Monopol auf Lügen zu haben und nicht verknusen kann, dass jetzt ein automatisierter und besserer Lügner auf dem Markt ist als sie selbst.

Linke, Marxisten haben schon immer das Lügen als Werkzeug eingesetzt, verstehen es nur selbst nicht als Lügen, weil sie keinen Realitätsbezug haben. Sie glauben, sie können und dürfen alles behaupten, was in Richtung ihrer Utopie führt, und glauben, dieses Werkzeug stehe nur ihnen zu, alle anderen verbreiteten Unwahrheit. Das hängt auch damit zusammen, dass ihre Ideologie so absurd ist, dass sie mit der Realität nicht zusammenfinden kann, sondern willkürliche Behauptungen als Grundlage braucht. Und die toben jetzt, weil sich das durch KI gerade verselbständigt.

Ich hatte gerade einen sehr passenden Tweet zu so etwas gefunden:

ChatGPT ist ein stochastischer Papagei, der (willkürlich) Sequenzen sprachlicher Formen zusammenfügt, die er in seinen umfangreichen Trainingsdaten beobachtet hat, und zwar auf der Grundlage probabilistischer Informationen darüber, wie sie kombiniert werden, aber ohne jeglichen Bezug zu deren Bedeutung. Ein solcher Papagei reproduziert und verstärkt dabei nicht nur den Bias (Anmerkung AIB: Ein durch falsche Untersuchungsmethoden verursachte Verzerrung des Ergebnisses) von verzerrten Trainingsdaten, sondern auch hegemoniale Weltanschauungen dieser Trainingsdaten.

Das ist zwar richtig. Das gilt für Geisteswissenschaftler und Marxisten aber genauso.

Im Prinzip sind die sauer darüber, dass man mit der KI Marxisten durch Geschwätzroboter ersetzen kann.

Sie sehen darin aber nun eine Gefahr:

Gesellschaftliche Verhältnisse aus der Vergangenheit der Trainingsdaten werden in die Zukunft verstetigt. Die den Sprachmodellen immanente Rekombination statistisch dominanter Wissenseinträge der Trainingsdaten wirkt die Verhältnisse konservierend und stabilisierend – ein sogenannter value lock, das Einrasten von Werten im Sinne einer politischen Stagnation droht.12

Die Bedingungen einer solchen Hegemonieverstärkung werden leider nur marginal gesellschaftlich (mit-)bestimmt.

Und damit versteht man, was diese Leute antreibt, wenn man frühere Blogartikel von mir berücksichtigt:

  • Ich hatte vor über 10 Jahren über den Vortrag dieses – auf mich schon wie wahnsinnig wirkenden – Professors Michael Kimmel bei der Friedrich-Ebert-Stiftung berichtet. Angekündigt war ein feministischer Vortrag, gehalten wurde ein fanatischer Nazi-Jäger-Vortrag.

    Eine wesentliche Aussage darin war, dass alles, egal was, jede beliebige Eigenschaft, die Bestand hat, jede x-beliebige Eingenschaft, die zwei Menschen A und B gemeinsam, ein dritter C aber nicht hat, Nazis macht. Eine völlige, bis ins Theoretische gehende Abstraktion der „Ungleichheit“, die auch erklärt, warum „Geschlecht“, „Nationalität“, „Bildung“ zum Feindbild der Linken gehören: Das sind alles Eigenschaften, die A und B, aber nicht C haben können, was immer dazu führe, dass A und B sich zu Nazis zusammenfänden und C ausgrenzten.

    Deshalb sei ein stetiger, ständiger Wandel erforderlich, müsse ständig alles umgewälzt, und alles, was man als Eigenschaft erkennen könne, umgewälzt werden, um jedes Empfinden einer Eigenschaft zu unterbinden.

    Ich habe das oft beschrieben, dass uns die „diverse Gesellschaft“ vorgegaukelt wird, es in Wirklichkeit aber um das Gegenteil geht, uns „diversitätsblind“ oder „unterschiedsblind“ zu machen.

    In Wirklichkeit geht es nicht um Diversität, sondern um ein Gemisch, in dem niemand mehr mit irgendwem anderen eine Gemeinsamkeit haben kann, die nicht alle gemeinsam haben. Ich erinnere darin, dass man in der Chinesischen Kulturrevolution Leuten, die Klavier spielen konnten, die Finger brach, weil nicht alle Klavier spielen konnten. Also durfte keiner Klavier spielen können. Ich hatte zu meiner Studienzeit einen chinesischen Gaststudenten auf dem Flur, und der Tischtennis-Crack des Flurs, der keinen würdigen Gegner mehr gefunden hatte, fragte ihn, ob er Ping-Pong spiele. Antwort in verständnislosem Tonfall: „Alle Chinesen spielen Ping-Pong.“

    Es wird mit äußerstem Druck, mit Brutalität, ein System erstellt, in dem es einen völlig struktur- und eigenschaftslosen Menschenbrei gibt. Und um diesen aufrechtzuerhalten, um dieses Gebräu ständig umzurühren, damit sich nichts absetzt, werden Ziel, Werte, Begriffe, Vorgaben, Regeln ständig geändert, ständig aktualisiert. Damit man sich an nichts gewöhnen kann.

    Aydan Özoguz von der SPD hatte ja mal gesagt oder geschrieben,

    • „Unsere Gesellschaft wird weiter vielfältiger werden, das wird auch anstrengend, mitunter schmerzhaft sein. Unser Zusammenleben muss täglich neu ausgehandelt werden.“
    • „Kein Wunder, denn eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.“

    Das ist genau diese marxistische Strategie, den Leuten jede Eigenschaft nehmen zu wollen, die zwei vom Dritten unterscheiden könnte, und die Regeln täglich neu zu setzen.

  • Ich hatte mal beschrieben, dass ich auf einer Netzwerk-Recherche-Konferenz unabsichtlich in eine Veranstaltung geraten war, in der die – soros- und kanzlerbezahlten – „Neuen Deutschen Medienmacher“ Presse und Rundfunk diktierten, was und wie sie zu schreiben hätten, und dass „Hass keine Meinung“ sei, deshalb nicht unter die Meinungsfreiheit falle und auch nicht so zu behandeln, sondern zu sperren sei.

    Als ich dann fragte, was sie unter „Hass“ verstünden und wie das definiert sei, hieß es, das bestimme dann der „Diskurs“ jeweils neu – also ständig wechselnd. Man war stinksauer auf mich, fiel mir aus dem Publikum ins Wort, und nach Ende der Veranstaltung sahen sich viele „Journalisten“ ostentativ mein Namensschild an, und kündigten an, sich bei meiner Redaktion oder meinem Verlag über mich zu beschweren. (Schwierig bei einem Ein-Mann-Blog.)

    Es zeigte mir aber, dass es überhaupt nichts gibt, was als Regel Bestand hat, außer dass sich ständig alles ändern müsse.

  • Auch in den Schriften der „Rechtssoziologie“ (=Marxismus für Richter), etwa bei Susanne Baer, finden sich solche Darstellungen, dass sich Richter nicht mehr an geschriebenes Recht halten sollten, weil das von weißen Männern für weiße Männer gemacht sei, sondern sich nach ihrem „Gerechtigkeitsgefühl“ richten und das Recht durch subversiv veränderte Wiederholungen verändern sollten – es also kein dauerhaftes, bestehendes Recht geben solle.

Und deshalb sind Social Media und KI für Linke so verhängnisvoll, weil sich Social Media-Teilnehmer und KI als mit alten Texten gefüttertes Statistikmodell nicht einfach so von heute auf morgen umprogrammieren lässt wie Politiker, Journalisten, Geisteswissenschaftler. Die arbeiten nach dem Prinzip „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?“ – und genau das funktioniert mit Social Media und KI eben nicht mehr.

Deshalb kämpfen die gegen KI. KI hat ein besseres Gedächtnis als Menschen:

Die intrinsische Hegemonieverstärkung großer Sprachmodelle über ein selbstverstärkendes Wiederverdauen des eigenen Outputs als Input für das nächste Training des Modells bedeutet einen Verlust an Meinungsvielfalt. Zusätzlich führt die zuvor erwähnte Bevorzugung (in Reichweite und Verbreitungsgeschwindigkeit) verschwörerischer und (rechts-)populistischer Inhalte in den sozialen Medien zu einer politisch rechts gerichteten Verzerrung in den Trainingsdaten der nächsten Generation von Sprachmodellen. Dadurch erwarten wir in der Überlagerung beider Effekte einen rechtslastigen Diversitätsverlust.

Die Unzulänglichkeit der sich neu ergebenden Informationsinfrastruktur bestehend aus großen Sprachmodellen + Social Media-Plattformen + Suchalgorithmen wird sich wohl kaum durch eine gesellschaftlich legitimierte, besser ausbalancierte Inhalte-Moderation abfedern lassen. Eine emanzipatorische Technologiekritik darf nicht auf der Ebene kosmetischer Korrekturen einer zahnlosen „Technikfolgenabschätzung“ verharren.

Oder kurz gesagt: Die Kombination aus Social Media und KI bricht die Hegemonie der Kommunistischen Partei und der Linken, weil sie schnelle Änderungen und Positionswechsel nicht mitmacht.

Die langfristigen gesellschaftlichen Folgen dieser Modelle innerhalb einer dominanten KI-Empfehlungs- und Entscheidungs-Assistenz insbesondere für den Prozess der politischen Willensbildung, tauchen in einer nun allseits geforderten technischen Sicherheitsforschung von KI-Systemen als „schwer zu quantifizieren“ gar nicht auf.13

Das Problem ist, dass Linke die KI nicht unterwandern können wie Universitäten, Parteien und Redaktionen, und dort nicht im Hinterzimmer die Inhalte diktieren können, wie ich das im NDR miterlebt hatte. Und deshalb müssen sie KI und Social Media zerstören: Sie macht die ständigen Umwälzungen und Änderungen nicht mit, führt daher zum Bestand alter Ansichten und Eigenschaften, und erzeugt damit „Nazis“ – Leute, die sich der kommunistischen Veränderung, dem „Progressiven“ verschließen.

Anstatt große Sprachmodelle unkritisch als unausweichlichen technologischen Fortschritt hinzunehmen, sollten wir die Frage aufwerfen, ob, und nicht wie, diese Technologie zur Anwendung kommen sollte. Die zentrale Machtposition eines Technologie-Oligopols, welches die beschriebene Diskursverzerrung algorithmisch codiert, muss aus einer progressiven Position als Rückschritt und als politische Sackgasse zurückgewiesen werden.

Es darf keinen „Diskurs“ geben, den die Partei nicht steuern kann. Die Diskurshoheit muss bei der Partei liegen. Und damit gleichen sie nicht nur methodisch, sondern auch Strukturell den Faschisten.

Auch bei „Digitalcourage“ findet man etwas dazu:

Wir sind eine Gruppe von technologie-kritischen Aktivist*innen und Hacktivist*innen, die sich in dieser Zeit gegründet hat und stellen unsere Arbeit solidarisch in diesen Kontext. Wir veröffentlichen Texte in verschiedenen linken Medien, bringen regelmäßig Broschüren heraus und bieten Diskussionsveranstaltungen, Seminare und Schlungen an.

Und wo Linke und Technik zusammentreffen, darf auch netzpolitik nicht fehlen: Widerstand gegen den digitalen Zugriff: Capulcu verrät wie

Das linke Internet- und Technik-Kollektiv „Capulcu“ veröffentlichte kürzlich zwei Broschüren, die sich zum einen mit dem Schutz eigener Daten vor dem Zugriff Dritter und zum anderen mit der politischen Dimension des Angriffs auf unsere Privatsphären auseinandersetzen.

Dabei soll der erste Band „Anleitung zur Nutzung des Tails Live-Betriebssystems für sichere Kommunikation, Recherche, Bearbeitung und Veröffentlichung sensibler Dokumente“, wie der Titel schon verrät, einen Leitfaden dazu liefern, um sich vor Angriffen der Geheimdienste zu schützen, etwa dann, wenn man sensible Dokumente bearbeitet oder sich mit vertraulichen Quellen austauschen möchte. Um nicht in die Fänge des automatisierten Spionageprogramms Turbine zu geraten, empfiehlt das Kollektiv das Live-Betriebssystem Tails. Die Anleitung erhebt den Anspruch, auch für Computer-Laien verständlich und hilfreich zu sein.

Und diese Capulcu hängen nun beim Anschlag irgendwie mit drin.

NiUS: Linksradikaler Unrast-Verlag, in welchem Anarchisten zu Öko-Terrorismus aufrufen, erhielt Steuergeld

  • Linksextremistisches Treffen in Basel: Die Gruppe Çapulcu diskutierte bei einem konspirativen Treffen den Berliner Stromanschlag als „symbolisch, aber nicht schlecht“ und erörtete weitere Terror-Anschläge auf Einrichtungen von Elon Musk oder pro-männliche Influencer-Veranstaltungen. Anleitungen zum Vernichten von DNA-Spuren liegen herum.
  • Investigativreporter von NIUS geben Einblick in eine Szene, die offenkundig direkte Verbindungen zu den „Vulkangruppen“ hat. Diese zeichnen sich für den Anschlag in Berlin verantwortlich, der vergangene Woche einen viereinhalbtägigen Blackout verursachte.
  • Die Szene wird mit Steuergeld gefördert: Der Arbeitgeber des Çapulcu-Kollektiv-Anführers Guido Arnold erhielt 145.000 Euro vom Bildungsministerium unter Ex-Ministerin Lisa Paus (Grüne).
  • Der Verlag, in welchem das Çapulcu-Kollektiv publiziert, wird mit Kanzleramt-Geldern gefördert: Arnold veröffentlichte Bücher im Unrast-Verlag, in welchem zu Linksterrorismus aufgerufen wird – und der 50.000 Euro von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (CDU) erhielt.

Und wie es der Zufall so will, hat mir der Amazon-Bote gerade vor 20 Minuten ein Bändchen dieses Verlages hereingereicht: „Feministisch morden – Kleine Abhandlung über anti-patriarchale Gewalt“. Kapitel u.a.

  • Gewalt als Mittel zum Überleben
  • Gewalt als politische Strategie des Feminismus

Gefördert von der Bundesregierung. Wie hübsch.

Am Samstagabend ist es in Basel auf vier Grad Außentemperatur abgekühlt, in einem Hinterhof im Stadtteil Klybeck weht ein kalter Wind. Im Halbdunkel einer unscheinbaren Tür, die in das Hinterhaus des „neuen kinos“ führt, versammeln sich Personen in schwarzer Kleidung, Turnschuhen und Kapuzenpullis. An dem Abend soll um „Big Tech goes MAGA – eine faschistische Allianz“ gehen, so kündigt ein linker Blog den Abend an. Das Çapulcu-Kollektiv, eine Anarchisten-Gruppierung aus Deutschland, das sich selbst als „Kollektiv“ beschreibt, ist dafür extra in die Schweiz angereist. In Basel werden die Aktivisten stundenlang erörtern, weshalb Techgiganten ein gesellschaftliches Übel darstellen – und wie man sie mittels Anschlägen schwächen könnte.

[…]

Etwa dreißig Personen finden sich an dem Abend in Basel ein, darunter Linksradikale aus der Region. Die Stimmung ist gedämpft und geheimniskrämerisch. Auf einem Tisch liegen Hefte aus: „Tails“, „Disrupt“ und „Disconnect“, aber auch andere Publikationen, die ins Auge fallen. Ein Heft trägt den Titel „Wie verwische ich meine DNA-Spuren?“, mit expliziten Tipps zur „Vermeidung“ und „Entfernung“ von DNA an Tatorten, etwa durch Chemikalien wie Natriumhypochlorit, Formaldehyd, Ethylenoxid oder Peressigsäure. Ein anderes Heft zeigt einen Strommast auf dem Cover, der Titel lautet: „Erhobenen Hauptes. Flammenden Herzens“. Es handelt sich um eine Sammlung von Texten über einen Anschlag auf auf die Enegerieinfrastruktur, veröffentlicht auf der linksextremen Plattform Indymedia, wo sich Linksradikale regelmäßig zu Anschlägen bekennen.

[…]

Im Zentrum der Veranstaltung steht ein Mann namens Guido Arnold. Der Mann gilt als zentrale Figur des Çapulcu-Kollektivs, das an diesem Abend im „neuen kino“ gastiert. Ob es überhaupt andere Mitglieder gibt, ist unklar. Bei öffentlichen Auftritten tritt ausschließlich Arnold in Erscheinung. Auch heute ist er allein für das „Kollektiv“ vor Ort.

Arnold referiert neunzig Minuten lang und trägt dieselben Inhalten vor, die seine Gedankenwelt seit Jahren prägen – und die sich auch bei der „Vulkangruppe“ wiederfinden werden: Technik sei intrinsisch feindlich, entwickelt von Figuren wie Elon Musk oder Peter Thiel, die „protofaschistische“ Ideen vertreten würden. Der hagere Mann mit Funktionsmütze und Nickelbrille warnt vor einer „Schieflage“ in der Tech-Branche, die Faschismus fördere: „In welcher Relation das zu einer faschistischen Bewegung in den USA steht, das würde ich gerne ein bisschen genauer analysieren.“

[…]

Als nur nach vier Stunden nur noch etwa fünfzehn Personen übrig geblieben sind, rückt der Kreis enger zusammen. Und: Arnold spricht von „konkreten Angriffspunkten“. Er nennt Institutionen der „Tech-Faschisten“ wie beispielsweise Elon Musk: „Ich würde in den USA gucken: Wo ist denn das Institut, das genau diese Forschung von Elon Musk betreibt? Wo werden Kandidaten für künstliche Gebärmütter durchgetestet? Das wäre für einen physischen Angriff natürlich geradezu ausgezeichnet.“

Was haben die gegen künstliche Gebärmütter?

Weil die die Auslöschung der Weißen durch feministische Geburtenverweigerung und Abtreibung unterlaufen?

Eine junge Frau kommt auf neue positiv konnotierte Männlichkeit in sozialen Medien zu sprechen und dass das ein Problem wäre. Arnold lenkt das Gespräch geschickt zum „physischen Angriff“: „Ich sehe darin mögliche Angriffspunkte“, erklärt er, „die Leute treffen sich nicht nur im Netz. Es gibt Veranstaltungen. Ich sehe sie als Örtlichkeiten, bei denen man aus feministischer Perspektive einen Angriff machen kann. Das wäre eine klassische Praxis an den Orten, an denen sich diese Menschen physisch treffen.“

Und von denen habe ich gerade das Buch „Feministisch morden“ auf dem Tisch liegen.

Nun stellt sich heraus: Bei den Antifa- und Antira-Anleitungen handelt sich nicht um die einzigen Schriften im Unrast-Verlag, die Linksextremismus glorifizieren. Auch Çapulcus Anleitungen zu Sabotageakten und Ökoterrorismus, die die „Vulkangruppen“ zumindest maßgeblich inspiriert haben dürften, finden sich im prämierten Verlag.

Toll.

Eine weitere Teilnehmerin kommt auf ein etwaig geplantes Register für sogenannte queere Personen zu sprechen: Sollten Rechte an die Macht kommen, müsse man so ein staatliches Register angreifen. Arnold pflichtet bei: „Das ist natürlich auch je nach politischer Entwicklung ein unglaublich sensibles Feld. Und das ist natürlich auch eine alte Geschichte, dass solche Register quasi zur Identifizierung dienen, gegen die man vorgehen muss.“

Wie dumm kann man eigentlich sein?

Erst setzt man durch, dass „Queere“ einen dritten Geschlechtseintrag im Pass bekommen, und dann fürchtet man, dass man die als queer identifizieren könnte, dass es ein Register geben könnte?

Die Vorgänge in Basel sind deshalb so interessant, weil sie Einblicke in eine konspirativ agierende Szene ermöglichen. Und weil sie die bisher heißeste Spur in ein Milieu darstellen, das Schnittmengen mit der „Vulkangruppe“, also den Linksterroristen von Berlin, aufweist.

Die Frage wäre also, was die unter „pro-männliche Influencer-Veranstaltungen“ verstehen – und welche Art von Anschlägen die da beabsichtigen.

Ihren Buchtiteln nach dürften Morde bevorstehen.