Schlacht um Gaza
Unbedingt Popcorn und Kartoffelchips für den 17. Januar bereit stellen.
Eigentlich hatte ich das schon längst wieder vergessen: Ich hatte das vor Jahren mal beschrieben, dass es zwei Sorten Linke gibt, obwohl die Trennlinie nicht immer einfach zu erkennen ist. Mal sind es die Stalinisten und die Maoisten. Oder eben auch die Antideutschen und die Antiimperialisten.
Ich weiß gar nicht mehr so genau, worum es da ging und müsste erst meine alten Blogartikel heraussuchen. Zum Beispiel Die gegenseitige Selbstverkloppung der Linken und die Rechtsextremität der Linken.
Die haben wohl einige Zeit halbwegs koexistiert, unterscheiden sich aber u.a. ganz wesentlich in dem Punkt, ob sie für oder gegen Israel sind.
Ich hatte damals schon die Frage „Dienen Queerfeminismus und Klimakrampf als künstlicher Kitt, Emulgator und Sedativum, um die Linke zusammenzuhalten?“ gestellt, weil man offenbar seit Jahren versucht, diese – eigentlich gegensätzlichen – Linken unter einen Hut zu bringen. LGBT und Klima sind vermutlich künstliche Themen, um denen ein gemeinsames Ziel, einen gemeinsamen Gegner zu geben.
Bei Migration funktioniert das dann aber nicht mehr, zumal der Nahost-Konflikt das Thema Israel immer wieder auf die Tagesordnung bringt. Und wenn sich an Israel die Geister scheiden, dann ist eben keine Ruhe, wenn Israel ständig Thema ist.
Laut TAG24 nun droht am 17. Januar in Leipzig Connewitz die „Schlacht um Gaza“.
Zehn Jahre nach dem Neonazi-Überfall auf Connewitz droht dem linksalternativen Stadtteil erneut radikale Gewalt. Nur diesmal stehen sich Linke und Linke gegenüber. Antiimperialisten wollen gegen Antideutsche demonstrieren, eine neu formierte “Migrantifa” die alteingesessene Antifa aus dem Kiez verjagen. Die Polizei bereitet für den 17. Januar einen Großeinsatz vor.
Migrantifa gegen Antifa. Ich sag’ doch, vom Unterhaltungswert her wird 2026 großartig.
Seit dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 zieht sich ein tiefer Riss durch die linke Szene in Sachsen. Der im Szenejargon “Antideutsche” genannte Flügel unterstützt Israel, die andere Fraktion, die sich als “Antiimperialisten” sieht, unterstützt die Anliegen der Paläsinenser.
Für Letztere ist das alte Connewitz mit seiner Kiez-Ikone Juliane Nagel (47) zum Hassobjekt geworden.
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Auch der Szene-Club Conne Island, der die Anerkennung des Existenzrechts Israels zur Bedingung für den Eintritt gemacht hat, steht im Fadenkreuz des neuen linksradikalen Blocks aus Handala-Bewegung, “Migrantifa” und der Vereinigung “Students for Palestine”.
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Für den 17. Januar haben diese Gruppen nun zu einer Großdemo in Connewitz aufgerufen – Motto: “Antifa heißt Free Palestine”. Die Mobilisierung läuft deutschlandweit.
Protestiert werden soll unter anderem vor Nagels LinXXnet-Büro und vor dem Conne Island.
Die Connewitzer Antifa ruft ihrerseits zur Gegendemo auf. Offiziell lautet deren Slogan “Antisemiten raus aus dem Viertel”. Die Graffiti an den Hauswänden lassen erahnen, dass es keine verbale Auseinandersetzung wird – “17.1.: Antisemiten aufs Maul!”, heißt es dort.
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“Wir wissen um die Brisanz der Lage und bereiten uns entsprechend darauf vor”, antwortete Polizei-Sprecher Moritz Peters auf TAG24-Anfrage. […] Erschwerend kommt hinzu, dass die Polizei an diesem Tag auch noch den Bundesliga-Knaller zwischen RB Leipzig und Bayern München abzusichern hat.
Da muss man dann einfach a) etwas Distanz wahren, b) sich da raushalten und c) genügend Popcorn und Kartoffelchips bereit haben. Wie im alten Rom, wenn da die Spiele im Kolosseum stattfanden.
Wie kommt’s, dass die sich so spinnefeind sind?
Die ideologische Konformität vergangener Jahrzehnte, die im “Kampf gegen rechts” ihren verbindenden Spirit hatte, ist durch überwiegend studentischen Zuzug und Zuwanderung einer neuen Heterogenität gewichen.
Der Eisenbahnstraßen-Kiez im Leipziger Osten und die studentischen Quartiere im Westen (Plagwitz, Lindenau) haben sich zu Zentren des neuen Linksextremismus entwickelt, der wesentlich partikularistischer agiert als die Connewitzer Oldschool-Antifa und dabei noch radikalere Ansichten vertritt – bis hin zur Verherrlichung eines totalitären kommunistischen Gesellschaftsmodells.
Die neue Heterogenität.
Da sind wir wieder bei den Doppelbegriffen. Wenn’s gut ist, nennt man es Diversität. Wenn’s Probleme macht, nennt man es Heterogenität. Obwohl es dasselbe bedeutet, nur einmal lateinisch und einmal griechisch.
Was dann wiederum erklärt, warum die Berliner Linke so stark palästinensisch orientiert ist.
Und was belegt, dass die Nazis Linke waren. Denn bis auf den Umstand, dass die Nazis Lesen und Schreiben konnten, unterscheidet diese neue Linke ideologisch eigentlich gar nichts mehr von den Nazis. Die Nazis waren auch für Palästina, gegen Juden und strukturell totalitäre Kommunisten. War mir schon lange verdächtig, dass sich Hakenkreuz- und Antifa-Fahnen so sehr ähneln.
Im Prinzip spielen sie den ideologischen Konflikt von vor hundert Jahren nach: Auf der einen Seite die proisraelischen „Antideutschen“ in der Rolle der russischen Kommunisten, auf der anderen Seite die antijüdischen „Antiimperialisten“ in der Rolle der Nazis. Linke gegen Linke.
Wobei es so ganz nicht passt. Damals waren die russischen Kommunisten durchaus nicht gerade judenfreundlich (vgl. Musical Anatevka/Fiddler on the roof), und es waren die russischen Kommunisten, die einen Weltkommunismus wollten (genauer gesagt, da wiederum die Trotzkisten, Stalin sah das wieder etwas anders), währen die Nazis eben Nationalsozialisten waren.
Im Prinzip muss man sich damit aber nicht vertieft auseinandersetzen.
Es reicht, zuzusehen und was zu Knabbern bereit zu halten. Brot und Spiele.