Single Point of Failure: Das Berliner Modell des Staatsversagens
Warum Meshtastic doch wichtig sein könnte.
Kennt Ihr Meshtastic?
Ein experimentelles Protokoll zum Nachrichtenaustausch auf technischer Grundlage von LoRa (für Long Range), energiesparenden Sendern auf Spread-Spektrum-Technik. Vornehmlich eine elektronische Bastelei, aber auch mit praktischen Anwendungen. Es gibt beispielsweise Funkgeräte für Kampf- oder Feuerwehreinsätze, mit denen man sehen kann, wer gerade wo ist, die aber schwer anzupeilen sind. Es gibt auch Berichte von Familienvätern, die das einsetzen, um Disneyland ohne Verluste von Familienmitgliedern zu überstehen.
Obwohl es auf derselben Technik wie LoRaWAN (Wide Area Network) beruht, unterscheidet sich Meshtastic – zumindest soweit ich das bisher durchschaut habe, so richtig gut ist es nämlich nicht dokumentiert – darin, dass es keine Infrastruktur braucht, sondern die Sender und Empfänger selbst die Struktur aufspannen, indem sie Nachrichten weiterleiten, weil sie Node-to-Node kommunizieren, und per hop count eine begrenzte Zahl von Weiterleitungen (meist limitiert auf 3) reichen, während LoRaWAN (so ganz durchgestiegen bin ich da auch nicht, so richtig stabil hat das bei meinen früheren Experimenten auch nicht) darauf beruht, dass man Node zu Relay sendet, der die Daten dann an einen zentralen Server (ich glaube, per eigenem Protokoll und MQTT, bin mir aber nicht mehr sicher, da gab es auch Protokolländerungen) weiterleitet. Das hat natürlich den Nachteil, dass ohne Strom und Internet nichts mehr geht, weil zwar der Sender – etwa für Sensoren wie Temperatur- oder Bewegungsmelder – sehr wenig Strom benötigt, während diese Relays oder Router halt schon eine permanente Stromversorgung und Internet benötigen. Und wenn, wie gerade in Berlin, die Infrastruktur ausfällt, ist da auch Feierabend.
Meshstastic dagegen ermöglicht infrastrukturlose Kommunikation, und das mit wenig Stromverbrauch, weil Knoten zu Knoten mit Weiterleitung. Natürlich nur ganz kleine Nachrichten, und davon wenige, keine Webseiten oder gar Internet-Verkehr. Man denkt darüber nach, etwa Feuerwehren darüber zu vernetzen, damit sie sich auch bei einem Totalausfall der Infrastruktur noch gegenseitig erreichen können. Obwohl es auch da Knoten gibt, die Nachrichten per Internet an zentrale Server weiterleiten, aber das nur als Bonus. Man braucht sie nicht. Eine ordentliche konzise Dokumentation habe ich bisher aber nicht gefunden.
Der Strombedarf ist gering, lässt sich mit einem Akku und einer ca. A4-großen Solarzelle (je nach Sonnenintensität) dauerhaft erfüllen. Die Reichweite zwischen Knoten hängt vom Gelände und der Bebauung ab. Das fängt bei einige zehn oder hundert Meter an, etwa in der Stadt, und kann zu vielen Kilometern reichen. In einem Forum habe ich gelesen, dass ein interessierter Elektronikbastler im Libanon einen Meshtastic-Knoten auf Zypern (allerdings erhöht, deutlich über Meeresspiegel) erreichen konnte. Mindestens 160km, eher mehr, weil die beiden Punkte ja an der kürzesten Verbindung liegen.
Ich habe neulich mal in Berlin damit herumexperimentiert. Aber mit mäßigem Erfolg. Man muss schon wissen, dass man mit den Standard-Paramentern in Berlin gar nichts empfängt, weil das angeblich damit schon zu viele Knoten wären, obwohl nur eine Handvoll, und sie deshalb andere Parameter verwenden, um die Frequenzen besser zu nutzen. Was dann leider schon sagt, dass das für einen Einsatz im großen Maßstab eh nicht taugen würde, wenn schon ein paar Bastler das Ding an die Kapazitätsgrenze bringen.
Ich konnte auch – über Testzwecke hinaus – keinen Nutzen erkennen. Was sich freilich ändert, wenn man seine eigene Gruppe mit eigenem Schlüssel aufmacht, statt in öffentlichen Netzen mit Fremden zu reden: Freunde, Verwandte, Kollegen. Notfalldienste, Feuerwehrleute und so weiter. Es gab früher mal diese „Pager“, kleine Textempfänger, die dann vom Mobilfunk und von Handys gekillt wurden, mit denen man früher Ärzte, Piloten usw. alarmierte, dafür aber eine zentrale Sendeinfrastruktur brauchte. Meshtastic kann etwas sehr ähnliches, aber eben ohne Infrastruktur, auch bei Stromausfall, sofern man das Gerät selbst geladen bekommt. Ich habe noch überlegt, wofür man so etwas heute noch verwenden würde, und kam eigentlich auch nur auf Kastatrophenkommunikation – Ausfall der digitalen Infrastruktur.
Jetzt hätten wir in Berlin genau so einen Anwendungsfall – der große Stomausfall.
Familien- oder Kollegenkommunikation: Bist Du OK? Brauchst Du was? Alarmierung X.
Ich hatte ja vor einiger Zeit schon mal den Vorschlag gemacht, dass man jedes Haus, jede Wohnung, mit einer elementaren Notfallinfastruktur ausstatten sollte: Bisschen Solarzelle, bisschen Akku, genug, um im Notfall etwas Licht zu haben, Radio zu hören, Handy zu laden. Und dazu vielleicht eben auch eine Notfallkommunikationseinrichtung. Per LoRa und/oder per Satellit. Es gibt ja durchaus GPS-Geräte mit eingebautem Satelliten-Pager, aber Satelliten sind eben auch wieder eine Infrastruktursache. Und was nutzt es einem, wenn die in den USA den Notruf sehen, aber den Rettungsdienst hier nicht anrufen können, weil das Telefon da nicht geht.
Das Erschreckende daran ist aber, dass wir uns gerade wie ein zweite- oder dritte-Welt-Land aufführen: Linker Terror – Stromausfall in Berlin: Totales Staatsversagen
Der Stromausfall im Berliner Süden ist ein Skandal. Wie kann es sein, dass wegen eines Brandes an einer einzigen Kabelverbindung der Strom für einen ganzen Stadtteil für fünf Tage ausfällt? Was ist das für ein Umgang mit der kritischen Infrastruktur? Gibt es keine Redundanzen und Ersatzsysteme? Es ist der zweite Vorfall innerhalb weniger Monate in Berlin. Die Aufrechterhaltung der Stromversorgung gehört, so würde man meinen, zu den staatlichen Kernaufgaben. Das betrifft ein vorausschauendes Konzept, die Abschätzung von Sicherheitsrisiken und die Zusammenarbeit mit kompetenten Firmen aus dem privaten Sektor für Notfallpläne. Im Notfall muss es schließlich mindestens einen Informationsfluss geben, der die Betroffenen nicht völlig auf sich selbst zurückwirft.
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Der Mann hat keine Ahnung, was da läuft, geschweige denn, wie das Problem behoben werden könnte. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey ließ sich am späten Samstagabend mit dem „Krisenstab“ fotografieren. Zuvor hatte sie gesagt, dass der Stromausfall noch schlimmer sei als der im Südosten im September. Warum das so sei und was man zu tun gedenke – dazu gab es keine Aussage. Ein SPD-Politiker sagte in der RBB-Sondersendung, die Leute sollten sich nicht aufregen, sondern lieber rechtzeitig Kerzen kaufen. Nicht nur der Staat habe Verantwortung, sondern auch der Einzelne, der sich auf große Krisen vorbereiten müsse. Bis vor kurzem galten „Prepper“ als Reichsbürger, und nun soll das erste Bürgerpflicht sein?
Warum ist eine Franziska Giffey für Infrastruktur zuständig?
Sie begann zum Wintersemester 1997/98 an der Humboldt-Universität zu Berlin ein Lehramtsstudium in den Fächern Englisch und Französisch. Wegen einer aufgetretenen Dysphonie (Stimmstörung durch Kehlkopfmuskelschwäche) rieten Ärzte ihr davon ab, Lehrerin zu werden, und sie brach ihr Lehramtsstudium nach dem zweiten Semester 1998 ab.[2] Aufgrund der Stimmprobleme entschied sich Giffey, Verwaltungsrecht an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege (FHVR) in Berlin zu studieren. 2001 erwarb sie den akademischen Grad Diplom-Verwaltungswirtin (FH).
Was qualifiziert die Frau für diesen Posten?
Ich habe heute irgendwo ein Aussage von der dazu gehört. Da fiel wieder ganz oft das neodeutsche Politikzauberwort „Resilienz“. Unsere Stromversorgung bräuchte mehr „Resilienz“. Sie hatte nach dem letzten Anschlag schon ein „Resilienzkonzept“ angekündigt. Und sie redet auch sonst ständig von der Resilienz des Stromnetzes.
Resilienz (von lateinisch resilire: zurückspringen, abprallen, nicht anhaften), auch Anpassungsfähigkeit, ist der Prozess, in dem Personen auf Probleme und Veränderungen mit Anpassung ihres Verhaltens reagieren.
Und die Google-KI fasst das alles so zusammen:
Resilienz ist die psychische Widerstandsfähigkeit einer Person, schwierige Lebenssituationen, Krisen und Rückschläge zu bewältigen, sich anzupassen und sogar gestärkt daraus hervorgehen zu können, ähnlich wie ein Körper, der nach extremer Spannung in seinen Ursprungszustand zurückkehrt. Sie ist eine Mischung aus angeborenen Faktoren und erlernten Fähigkeiten, die trainiert werden kann, indem man Schutzfaktoren wie Optimismus, Selbstwirksamkeit, soziale Unterstützung und Problemlösungsstrategien stärkt
Wir müssen die Kabel also psychisch widerstandsfähig machen. Das heißt nicht, dass er Strom nicht ausfällt, sondern dass die Stromkabel optimistisch bleiben und nicht in Depressionen verfallen.
Richtig wären Resistenz und Redundanz. Keinen Single Point of Failure – den man noch dazu bei Minusgraden und im Freien nicht reparieren kann.
Wie kann das sein, dass so eine Faselboje für so einen Bereich zuständig ist?
Auch die Medien wurden nur unzureichend mit wirklich konkreten Informationen versorgt. Einige Journalisten wichen daher ins Ungefähre aus: Ein vom Stromausfall betroffener Reporter schrieb, er wolle positiv bleiben und nicht argwöhnen, dass ein „Wegwerfagent“ Putins mit einem Anschlag das ganze Chaos verursacht hätte. Eine andere Zeitung schrieb, nun könne man die Ukrainer besser verstehen. Andere Medien gaben nützliche Tipps, wie den Hinweis, „Kurbelradios“ würden noch funktionieren. Kritik an den Verantwortlichen war kaum zu hören, die mediale Begleitung erinnerte an die Corona-Berichterstattung: Es geht um „höhere Gewalt“, wir sitzen alle im selben Boot, wir wollen brave und solidarische Bürger sein.
Es gab auch ein Video von Polizeiautos mit Lautsprecherdurchsagen, die durch die betroffenen Straßen fuhren und empfahlen, bei Dunkelheit Taschenlampen einzusetzen.
Oder schriftlich:
Auch die Tonalität der polizeilichen Mitteilung trug volkspädagogischen Charakter: Bereiten Sie Taschenlampen und Batterien für die Nacht vor, suchen Sie sich ein warmes Bett an einem anderen Ort als an jenem, für den Sie nicht zu knapp Grundsteuer bezahlen. Einzig ein Experte im RBB legte den Finger in die Wunde und sagte: Der Schutz der kritischen Infrastruktur ist seit Jahren ein Thema. Ein Unternehmer sagte bereits nach dem Stromausfall im September, er sei gezwungen, nach Dresden zu gehen, weil die Lage in Berlin zu unsicher sei.
Könnte ein Fehler gewesen sein. Die Brücken von Berlin sind zwar marode, und müssen auch gesperrt werden, aber bei Brückeneinstürzen liegt Berlin – noch – vor Dresden.
Auf die Peer-to-Peer-Kommunikation konnten die in Dunkelheit und Kälte Herumirrenden nicht zurückgreifen: Die Handynetze funktionieren ohne Strom nicht. Hilflos richteten Hilfsorganisationen und die Bezirksbürgermeisterin Ladestationen ein – eine gut gemeinte, aber sinnlose Aktion, wenn es keinen Empfang gibt. Es gibt auch für die Mobilfunktelefonie kein Notsystem.
Und plötzlich ist man dann doch an dem Punkt, an dem Meshtastic-Knoten aus Bastelrechnern noch die beste verfügbare Lösung sind – oder Satellitenfunk, der im Kriegsfall aber wohl zuerst abgeschossen würde.
Ich hatte vorhin den Hinweis, dass das THW 470 Notstromgeneratoren an die Ukraine verschenkt habe.
Mir ging die Frage durch den Kopf, ob das nicht nur Naivität und Dummheit war, sondern vielleicht sogar der Versuch, alles mit Verbrennermotor loszuwerden. Denn eigentlich müsste das alles so gebaut sein, dass so ungefähr jeder Straßenzug einen Notstromanschluss hat und man dann einfach einen Generator hinstellt, und anschließt, und den Leuten sagt, dass sie nur das Nötigste treiben sollen, Licht, Kommunikation und – soweit tragbar – Betrieb vom Pumpen für Heizung und Wasser. Wärmepumpen freilich ein Problem.