Ansichten eines Informatikers

Stell Dir vor, es ist der Notausgang, und keiner geht hin …

Hadmut
3.1.2026 16:12

Man denkt, es ist schon die größte Menge an Versagen aufgehäuft, da setzen sie noch einen drauf.

Bei diesem Brand in dieser Schweizer Bar hieß es doch, es habe nur ein einzigen Ausgang gegeben: Diese Treppe. Von der man inzwischen anhand von Fotos der Bauarbeiten weiß, dass die ursprünglich breiter war und der Betreiber, der die Bar selbst umgebaut hat (und wegen Freiheitsberaubung, Entführung und Betrug vorbestraft, wegen Zuhälterei polizeibekannt und früher der organisierten Kriminalität zugerechnet worden sei), die Treppe künstlich schmaler gemacht hat. Man sieht auf manchen Fotos unten einen breiteren Treppenabsatz, und ursprünglich war die ganze Treppe so breit. Das Ding war künstlich so gebaut, dass man da kaum noch raus kam.

Und viele, frühere Gäste und Überlebende, sagen, das sei der einzige Ausgang gewesen. Man fragt, wie der eine Zulassung für das Etablissement bekam, ohne zweiten Notausgang, weil das ab 100 Personen vorgeschrieben sei.

Nun stellt sich heraus: Es gab tatsächlich einen zweiten Notausgang. Nur wusste von dem niemand, was auch egal ist, weil der sowieso versperrt war.

Mehrere Medien berichten darüber, dass ein Insider (irgendwo stand was von einem Barkeeper in einer anderen Bar, der da früher gearbeitet habe) von diesem zweiten Notausgang berichtet habe. Zuerst wohl das Fachblatt für Brandschutz und Katastrophenvorsorge, die BILD hinter paywall, OE24 schreibt daraus ab. Die BILD:

Überlebende berichten, dass es bloß diesen einen Weg aus dem brennenden Keller gab. In der Pressekonferenz am Freitag sagte Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud hingegen, es habe Notausgänge gegeben. Sie führte diese jedoch nicht näher aus. Vermutlich hätten die Menschen sie im Chaos und dem Rauch nicht gesehen, so die Ermittlerin.

Andrea C. (31) ist Profi-Barkeeper aus Crans-Montana und Stammgast der Bar „Le Constellation“. Zu den BILD-Reportern vor Ort sagt er: „Es gab einen Eingang, der zugleich auch Ausgang war. Und dann gab es noch einen Notausgang. Aber wenn ich dort zu Gast war, war der immer versperrt. Alle im Ort wussten, das läuft irgendwann schief.“ Aus Furcht vor Anfeindungen in Crans-Montana möchte Andrea C. weitestgehend anonym bleiben.

Offenbar war den meisten Gästen nicht bewusst, dass es einen Notausgang gab: „Der Notausgang war in einem eigenen Raucherzimmer, das auch noch mal durch eine Tür vom Rest abgetrennt war. Den hat aber kaum jemand genutzt, die meisten gingen hoch zum Wintergarten. Der Raucherraum wurde als Art Abstellkammer genutzt.“

Und selbst der, der es bis zum Notausgang geschafft hätte, wäre laut Stammgast Andrea C. angeblich nicht herausgekommen: „Innen vor der Tür stand ein Sofa, außen lagen achtlos hingeworfene Gegenstände.“ Wäre der Notausgang tatsächlich blockiert gewesen, wäre den Gästen also kaum etwas anderes übrig geblieben, als über die enge Treppe zu flüchten.

So gesehen ist es sogar besser, wenn die Leute nicht wissen, dass es da einen Notausgang gibt, wenn der versperrt ist und das zur Falle wird.

Auch unter den Angestellten der Bar habe es Opfer gegeben, so Andrea C.: „Von den Beschäftigten dort sind vier gestorben, dazu ein Security-Mann. Kontinuierlich hat da kaum jemand gearbeitet. Der Betreiber holte Saisonarbeitskräfte aus Korsika.“ Das Betreiber-Ehepaar stammt ebenfalls aus Korsika.

Wenn nicht einmal die, die dort arbeiten, wissen, wie sie rauskommen …

Ich habe mir das übrigens mal auf Google Maps angesehen. Nicht ganz einfach. Das Gebäude hat zwar eine frei stehende Rückseite, aber ist in den Hang gebaut, da geht es steil aufwärts. Um nach hinten rauszukommen, müsste man vermutlich, selbst wenn ein Ausgang nach hinten hin frei gewesen wäre, zwei Stockwerke nach oben gemusst.

An Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte denkt da auch keiner.

Immer, wenn man denkt, so einen Haufen Mist gibt es doch gar nicht, setzen sie noch einen drauf.

Noch einer oben drauf

Barbetreiber aus Crans-Montana: „Die von der Gemeinde sagten: Es gibt keine Strafen“

Anscheinend war das nicht einfach nur Schlamperei, sondern bewusste und gewollte Entscheidung, dass die da praktisch nichts geprüft und das alles „im Vertrauen“ den Betreibern überlassen haben.