Ansichten eines Informatikers

Von Pennsylvania nach Aserbaidschan

Hadmut
11.11.2024 18:40

Leser fragen – Danisch weiß es auch nicht.

Ein Leser fragt dazu an, wie man eigentlich so schnell von Pennsylvania nach Aserbaischan kommt:

Weiß ich nicht.

Segelboot? Paddelboot? Rollschuhe? Lastenfahrrad? Von Wildgänsen getragen?

Ich will’s mal so sagen: Boote würden mich beeindrucken, weil Aserbaidschan am kaspischen Meer liegt, einem Binnensee. Das wären überragende nautische Fähigkeiten.

Während der Corona-Krise wollte ich mir mal was in Georgien anschauen und habe es – damals – nicht geschafft, überhaupt einen passablen Flug nach Georgien an die Küste zu finden. Ich hätte entweder noch fast einen Tag Zug fahren oder mir in der Türkei einen Mietwagen nehmen und mich auf dem Landweg alleine durch gefährliches Gebiet schlagen müssen. Kara ben nemsi durchs wilde Kurdistan wär’n Scheiß dagegen gewesen.

Insofern würde mich das schon interessieren, wie man so schnell und doch klimaneutral von Pennsylvanien nach Aserbaidschanien kommt.

Das Fachblatt für klimaneutrales Reisen, die BILD, berichtet übrigens auch darüber

Hände hoch! Klima-Aktivistin Luisa Neubauer und ihre Mitstreiter im deutschen Pavillon auf der Klimakonferenz in Baku

Vermutlich haben sie in der deutschen Regierung und dem Parteienumfeld sonst niemanden gefunden, der in der Lage wäre, in Aserbaidschan ein Stück Pappe hochzuhalten.

Ich habe zum Beispiel auch nicht verstanden, warum man überhaupt nach Aserbaidschan muss, um Pappe mit deutscher Beschriftung hochzuhalten, wenn das doch außer Deutschen sowieso niemand versteht – hätte man durchaus auch in Berlin machen können, da liegt genug Pappe auf den Straßen herum.

Aber lauschen wir doch weiter der BILD:

Show-Moment im deutschen Pavillon auf der UN-Klimakonferenz in Baku (Aserbaidschan). Angekündigt und orchestriert erschien Klima-Aktivistin Luisa Neubauer („Fridays for Future“) im Kreise von Gefolgsleuten vor den wartenden Journalisten. Es wurden Pappschilder hochgehalten: „KLIMA KRISE WARTET NICHT AUF REGIERUNGS KRISE.“

Hintergrund: Bundeskanzler Olaf Scholz (66, SPD) hatte kurzfristig die Teilnahme an der COP abgesagt, wird durch Klima-Staatssekretärin Jennifer Morgan (58) vertreten. In der kommenden Woche werden dann Außenministerin Annalena Baerbock (43, Grüne) und Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (55, Grüne) in Baku erwartet.

Ach.

Der Kanzler hat gerade keine Lust mehr auf Grün, und die erste Reihe der Grünen hat erst für nächste Woche gebucht, also brauchten sie irgendjemanden, damit wenigstens irgendwer da ist, den man erkennt, und haben deshalb den B-Promi Scholz durch D-Promi Neubauer ersetzt, weil Jennifer Morgan jetzt auch nicht so bekannt ist und so nach CIA und Dems riecht, das kommt gerade nicht mehr so gut an. Die will vielleicht nicht so vor die Kamera.

Das passte auch terminlich, denn eigentlich und ursprünglich hieß es ja, dass Neubauer längere Zeit in den USA bleiben wollte, um mit allen möglichen Leuten und an Universitäten über das Klima zu sprechen und über Kamala Harris zu jubeln. Das ist wohl abgesagt, und ihr Drang, sich in den USA aufzuhalten, dürfte seit der Wahl und ihrer Wahlkampfmitwirkung doch weit deutlicher abgekühlt sein, als sich das Klima erwärmt. Ist vielleicht nicht mehr so das Superland für Harris-Wahlkämpfer. Da hat man dann wohl nicht nur als Ersatz für Scholz ein Kameragesicht gebraucht, sondern auch für Neubauer ein Land, wo sie sich gerade noch blicken lassen kann.

Ist Euch übrigens aufgefallen, dass die BILD bei Scholz, Morgan, Baerbock und Habeck jeweils Alter und Parteizugehörigkeit angibt, bei Neubauer aber nicht?

Und die Moral von der Geschicht’:

Wenn Euch nochmal irgendwer blöd anmacht, weil Ihr zuviel und zu weit mit dem Flieger rumfliegt, sucht Euch irgendwo im Müll ein Stück Pappe, schreibt irgendein Wort drauf, haltet es zum Selfie in die Kamera, postet es irgendwo, und sagt, Ihr hätte da unbedingt demonstrieren müssen, weil ja der Kanzler gerade nicht gekommen sei.