Softlack verbieten!
Ich plädiere dafür, Softlack zu verbieten.
Wisst Ihr, was „Softlack“ ist?
Nein?
Doch, habt Ihr bestimmt schon in der Hand gehabt, nur nicht unter diesem Namen. Kennt ihr Produkte aus Kunststoff – bis hin zum Autolenkrad – die sich so angenehm samtig-hochwertig anfühlen? Über die die Hand so angenehm gleitet? Teile, die nicht aus Gummi, sondern hart wie Plastik sind, sich aber trotzdem irgendwie nach Gummi anfühlen? Habt Ihr bestimmt schon mal gehabt.
Einer der frühesten Artikel in diesem Blog war, dass sich meine Sigma-Objektive aus den 90er Jahren „auflösen“. Genauer gesagt, nicht die Objektive selbst. Wo Sigma-Objektive für Nikon einen Blendenring hatten, hatten die für Minolta nur einen Distanzring ohne Bedienfunktion, weil die Blende bei Minolta an der Kamera eingestellt wird. Deshalb hatte man diese Distanzringe mit Softlack überzogen, damit der sich schön samtig-wertig und nicht nach billigem Distanzring anfühlt. Und nach ein paar Jahren wurde das klebrig wie Kaugummi im Sommer auf Gehweg. Keine Ahnung, wie der Zerfallsprozess aussieht, könnte vielleicht auch eine Hydrolyse sein.
Seither habe ich unzählige Dinge wegwerfen müssen, die eigentlich noch voll funktionsfähig gewesen wären, aber sich durch diesen Softlack-Mist zu klebrigem Schrott verwandelt haben. Selbst im Auto habe ich Probleme damit, weil das Armaturenbrett und das Lenkrad mit Softlack beschichtete Teile enthalten.
Ich habe ein Kiste mit „Powerbanks“.
Das ist so ähnlich wie mit USB-Netzteilen (was sie ja im Prinzip sind): Eigentlich halten die noch, aber man kauft halt immer neue nach, weil man technisch neuere braucht, anderer Stecker, mehr Strom, andere Spannungen, neueres Protokoll, kompatibel mit Handy irgndwas und so weiter und so fort. Die EU-Fiktion ist, dass der USB-Ladestecker „einheitlich“ ist, und doch habe ich je eine Kiste USB-Netzteile und USB-Powerbanks der verschiedenen Generationen dieses einheitlich gleichen.
Wobei mir auch schon aufgefallen ist, dass manche spottbillige Powerbank recht gut ist, weil da auch nach zwei Jahren herumliegen noch alle vier LEDs leuchten und sagen „Ich bin noch voll“, während so manches Markenprodukt (oder das so tut, als ob) nach einem halben Jahr allein durch Selbstentladung und Herumliegen wieder leer ist.
Eben wollte ich was aus der Kiste nehmen, und denke „Uäääh, was ist das denn?“ Ist mir da was ausgelaufen? Warum klebt das so?
Eine Powerbank war mit Softlack beschichtet (Markenprodukt!) und der hat sich in Flüssigkleber verwandelt. Müllreif, obwohl elektrisch noch voll in Ordnung. Die anderen Powerbanks, die damit in Berührung kamen, muss ich mit Benzin putzen.
Mir geht dieser Softlack-Scheiß so auf die Nerven.
Überall gehen sie gegen „geplante Obsoleszenz“ vor, wollen vorschreiben, dass alles reparaturfähig sein muss, dass man Anspruch auf Reparatur hat.
Aber keiner kommt auf die Idee, diesen Softlack zu verbieten, der letztlich auf eine geplante Obsoleszenz durch Selbstvernichtung hinausläuft. Man muss Dinge nur mit diesem Mist einsprühen, schon ist deren Lebensdauer begrenzt.