Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Hilfe – Meine Foto-Objektive lösen sich auf…

Hadmut
20.7.2007 19:53

Kürzlich ist mir etwas seltsames aufgefallen: Meine Objektive lösen sich auf. Einfach so.

Ich habe mir während des Studiums zu meiner damaligen Minolta 7000i einige Objektive gekauft. Weil der Geldbeutel bei Studenten doch eher schmal ist, habe ich statt der Minolta-Objektive einige Objektive von Sigma gekauft. Die 7000i benutze ich längst nicht mehr, aber die Objektive habe ich noch in Gebrauch. Eigentlich hatte ich schon überlegt, auf Nikon umzusteigen, weil aber die Objektive einen gewissen Wert darstellen, habe ich zunächst eine Minolta D5D verwendet, mit der ich nicht so zufrieden war. Als Minolta dann aufgegeben hat, bin ich widerwillig auf eine Sony Alpha-100 umgestiegen, weil die eben das Minolta-Bajonett übernommen haben. Ich hatte ja so viele Objektive dafür herumliegen.

Nun war ich kürzlich mal verreist und hatte sonst einiges zu tun, und hatte deshalb einige Objektive im Schrank, andere in einer Fototasche gelagert (Markenprodukt, kein Billig-Mist). Kürzlich wollte ich ein Objektiv rausholen und wundere mich, daß das Objektiv an der Tasche klebte. Es zeigte sich, daß am Sigma-Objektiv etwas weich geworden und an der Tasche kleben geblieben ist, da hat der Kunststoff aufgegeben, sich durch Alterung zersetzt. So sieht das an der Tasche aus:

Fototasche

Was war passiert?

So sieht es am Objektiv aus:

Objektiv

Daß es etwas zerkratzt ist liegt daran, daß ich (erfolglos) versucht habe, den weichgewordenen Kunststoff abzukratzen (absichtlich etwas überbelichtet, damit man es besser sieht).

Sigma hat seine Objektive mit verschiedenen Bajonett-Anschlüssen für die verschiedenen Kamera-Hersteller herausgebracht. Am Nikon-Bajonett ist beispielsweise der typische Blendenring. Weil bei Minolta aber alles an der Kamera eingestellt wird, ist da am Objektiv einfach gar nichts. Zwar ist das Objektiv selbst aus Metall, aber ebe diesen Minolta-Adapter-Ring, der eigentlich auch aus Metall ist, hat Sigma mit einem Kunststoff beschichtet, der sich (als er neu war) samtig-edel anfühlte. Das lies die Sache etwas edler aussehen und paßte besser zu den Minolta-Kameras, die ebenfalls aus mattem (aber eben hartem) Kunststoff gemacht sind. Und diese Kunststoff-Beschichtung hat sich eben als nicht alterungsbeständig erwiesen. Die löst sich gerade auf.

Und weil ich noch mehr Sigma-Objektive besitze, habe ich die natürlich alle untersucht. Verdammt! Fast alle zeigen am Bajonett mehr oder weniger deutliche Materialalterung und Erweichung, obwohl es nur bei diesem einen Objektiv wirklich dazu kam, daß es weich und klebrig wie Kaugummi wurde. Die anderen fühlen sich noch fest und trocken an, lassen sich aber schon mit dem Fingernagel einkerben oder sogar abschaben.

Der Taschenhersteller war kulant und sandte mir kostenlos ein Ersatzteil, erklärte sich aber ansonsten für unschuldig, weil sie wert darauf legen, lösungsmittelfreie Materialien zu verwenden. Erscheint plausibel, denn auch die anderen Objektive, die nicht in der Tasche waren, zeigen das Problem, sind hat etwas jünger und lagerten besser belüftet.

Sigma fiel dazu allerdings nichts positives ein. Keine Bestätigung, kein Dementi. Nur die Aussage, daß ich das Objektiv zum Kostenvoranschlag einschicken könnte. Die Reparaturaussichten seien gering, weil sie für diese Baureihe kaum noch Ersatzteile haben. Ob sie für das Objektiv etwas haben wollen sie aber erst klären, wenn ich das Objektiv (und was ist mit den anderen?) eingesandt habe. Das erfrischende Angebot der Firma Sigma: Wenn sie dann wirklich kein Ersatzteil haben, könnten sie mir das Objektiv gegen einen gewissen Betrag zurückschicken. Wenn ich es nicht zurückhaben wollte, würde Sigma das Objektiv für mich aber auch kostenlos “entsorgen”.

Ich bin restlos begeistert, wie man sich vorstellen kann. Immerhin habe ich Objektive für mehrere tausend DM und kürzlich über eBay noch einige gebrauchte hinzugekauft.

Übrigens: Meine – teilweise deutlich älteren – Original-Minolta-Objektive zeigen keinerlei Ermüdungs- oder Alterungserscheinungen und funktionieren (bis auf den fehlenden Abstandsencoder für die Blitzmessung) auch an den neuen Minoltas und selbst der Sony Alpha-100 einwandfrei. Und das, obwohl sie teilweise aus einer Zeit sind, als andere Hersteller noch gar keine Autofokus-Systeme im Angebot hatten.

Ich kenne jemanden, der alte Kameras sammelt und einige hundert davon hat. Früher habe ich damit mal ziemlich viel herumgespielt und hatte sie alle schon in der Hand und ausprobiert. Die Kameras sind teilweise vom Anfang des 20. Jahrhunderts, einige wenige sogar älter.

Keine einzige davon löst sich auf. Zugegeben: Bei manchen ist das Fett verharzt, weshalb einiges träge wird, und die Belichtungszeiten nicht mehr stimmen. Manchmal hat das Leder etwas Schimmel angesetzt, das läßt sich nicht immer vermeiden. Aber nichts löst sich auf. Auch die erste Plastikteile an den Kameras so etwa aus den 50er/60er Jahren sind noch alle in Ordnung. Manche nicht mehr ganz so flexibel, aber ich wüßte jetzt kein einziges Stück, das solche Auflösungserscheinungen wie meine Sigma-Objektive aus den späten 80er und frühen 90er Jahren zeigt.

Das überleg ich mir, bevor ich nochmal Sigma kaufe.

An sich brauchen die Objektive keine Reparatur im eigentlichen Sinne. Ich bräuchte nur irgendein Lösungsmittel, mit dem ich den weichen Kunststoff ganz ablösen kann, ohne den Rest des Objektives zu beschädigen. Wer so etwas weiß – bin für jeden Hinweis dankbar. Obwohl das Objektiv an sich noch funktioniert, ist es unbrauchbar, solange es klebt und Kunststoff absondert.

Ein Kommentar (RSS-Feed)

Stefan
20.7.2007 23:35
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Ich habe eine Super-8 Kamera aus den späten 70ern von Rolei, die ich nicht mehr verwende, bei der ein weicher Kunststoffaufsatz am Sucher ist, wo man es an die Augehöhle drücken konnte, bevor es sich aufzulösen begann.

Eher wie fester Honig, als Kaugummi, würde ich sagen.
Oder erwärmtes Lakritz, schon wegen der Farbe, glänzend im meinen Fall.

Keine Ahnung, wie man es los wird – sie liegt ohnhin nur noch rum.

Das scheint mir darauf hinzudeuten, daß man Alterungssimulation nicht zuverlässig betreiben kann, vielleicht aber auch nur nicht betrieben hat.