Ansichten eines Informatikers

Das Bild ist echt?

Hadmut
15.5.2026 13:32

So irreführend kann es sein, Informationen als KI-Fake abzutun.

Leserzuschriften zur Sache mit dem Boot und den Möwen:

Mahlzeit

Die Möwen sind nicht zu groß. Unsere Erwartungshaltung ist zu groß. Wir sehen ein Schiff, dass wie ein großes (200 Meter) Kriegsschiff anmutet und sehen riesige Monstermöwen darauf sitzen. Ich denke, an diesem Bild ist nichts falsch. Das ist kein riesiges Kriegsschiff. Das Schiff ist schätzungsweise 30 Meter lang. Das ist nur ein kleines Begleitschiff. In der Mitte des Bildes sieht man eine offen stehende Tür. Mal angenommen, diese Tür ist etwa einen Meter breit, dann ergibt sich eine Länge zwischen 30 und 40 Metern. Das Bild ist echt

Ich habe auf Schiffen, zumal Kriegsschiffen, selten Türen von 1 Meter Breite gesehen, die sind meist 70 oder 80cm breit. Insofern dürfte die Breite der Tür der Körperlänge der größten Möwen entsprechen.

Ein anderer Leser war sich zuerst sicher, dass die Gitter Fake seien:

Hallo Herr Danisch,

einen Fake hatte ich bei dem Möwenbild bereits unterstellt weil ein Gitter auf einem Schiff doch recht unplausibel ist.

Die Gitter kamen ja im Ukrainekrieg auf, um Panzer gegen die Javellin-Panzerabwehrraketen zu schützen. Die wurden zwar aus der Waagerechten abgefeuert und flogen aus der Waagerechten an, kurz vor dem Panzer stiegen Sie dann aber auf, um von oben den Turm zu treffen.

Die Gitter wurden später noch verbreiteter aufgebaut, als die ersten Quadcopter-Drohnen, als “Lieferdrohnen”, im Einsatz waren und von oben Hand- oder Mörsergranaten auf Mensch und Material abwarfen.

Bei Angriffen auf See kamen dagegen bisher regelmäßig Schnellbootdrohnen zum Einsatz. Gegebenenfalls noch mit Raketen oder ähnlicher Bewaffnung. Andere Langstreckeneinsätze flogen die Ukrainer auch nicht mit Quadcopter-, sondern mit Flügeldrohnen.

Wenn sich nun bei einem Schiff als einziges sinnvolles Ziel für eine Flügeldrohne mit überschaubarer Nutzlast die Kommandobrücke anbietet, dann bietet die von der Seite, wie auf dem Bild zu sehen, eine wunderschöne große Trefferfläche. Ein Gitter auf der Oberseite, zumal über das ganze Schiff hinweg, würde da doch recht wenig Sinn ergeben.

Eine Flügeldrohne, die erst über dem Ziel kreisen müsste, um sich dann irgendwann auf es herabzustürzen, dürfte für die Flugabwehr zudem ein zu leichtes Ziel sein.

Daher halte ich eher das Bild für KI-Fake, als dass ich den Russen unterstelle, ein doch recht kleines Schiff bei recht kleinem Nutzen mit einer ziemlich schweren Metallkonstruktion zu destabilisieren.

Kurz darauf jedoch:

Hallo Herr Danisch,

ich sollte erst googeln dann mutmaßen…

Google Lens meint, es handele sich um ein Patroullienboot der russischen Marine vom Typ Projekt 21980 Grachonok…

https://en.wikipedia.org/wiki/Grachonok-class_patrol_boat

…und verweist auf diesen Artikel:

https://oboronka.mezha.ua/en/rosiyani-vstanovili-antidronovi-sitki-na-kateri-311162/

Also nehme ich alles zurück und meine, dass die Russen schon wissen, was sie tun.

Die haben tatsächlich Gitter – oder nach manchen Fotos Netze – auf ihren Schiffen dieser Klasse. Und auf einem der Fotos sieht man auch einen Menschen, damit man einen Größenmaßstab hat. Dieses Schiff ist nicht groß und die Fenster der Kommandobrücke sind auch nicht alle einen Meter breit, höchstens das in der Mitte.

Wir müssen aufpassen, dass wir nicht überheblich werden und alles als Fake abtun, was nicht in unseren bisherigen Wissensstand passt.