Es ist beängstigend
Das kann so nicht angehen.
Damit bin ich nicht einverstanden.
Nicht mit mir!
Leute, das geht so nicht.
Ich war gerade – ich habe nicht auf die Uhr gesehen – so etwas über drei Stunden außer Haus, unterwegs. Was erledigen. Frische Lebensmittel kaufen. Nach Dingen sehen, die ich nicht gekauft habe. Bei einem Billigmarkt Klopapier kaufen. Ich zwar zwar gestern schon einkaufen, hatte aber nicht daran gedacht, dass das Klopapier zur Neige geht. Ich kenne hier so einen Supermarkt, der eigentlich eine etwas unschöne bis leicht schäbige Lagerhalle ist und so gut wie nichts Frisches hat, aber bei allem anderen recht günstig ist, Säfte, Kekse, Getränke, all so ein Kram. Die Kassiererinnen mussten einen Lachanfall unterdrücken, als ich da ohne Einkaufswagen, mit nichts als einer geschulterten Riesenpackung (48 Rollen) Klopapier zur Kasse kam. „Der Mann hat etwas vor“? Oder „Die Deutschen wieder …“?
Naja … so ging eben der Nachmittag herum, und ich kam eben nach Hause, um aus altem Reflex drei Dinge zu tun: Gekühlte Lebensmittel in den Kühlschrank. Außerhaus-Hose gegen Zuhause-Hose tauschen. Am Rechner gucken, welche Neuigkeiten es gibt, die sofortigen Bebloggens bedürfen.
Aber, ach.
Nichts.
Es ist nichts passiert. Die Nachrichtenlage hat sich nicht verändert.
Nicht nur, seit ich vorhin das Haus verlassen habe, sondern seit heute morgen ist nichts passiert. Eigentlich ist seit gestern nichts passiert.
Ich hatte heute schon festgestellt, dass es Journalisten noch schlechter geht, als dem sprichwortlichen Teufel, der in der Not Fliegen frisst. Irgendwo wurde groß mit Riesen-Bild darüber berichtet, dass irgendwo die Ex irgendeines ehemaligen E-Promis schwanger sei. Wen, außer dem Alimente-Zahler, interessiert das?
Neulich hatte ich schon die Nachrichtenflaute beklagt. Da ermahnte mich ein Leser „Bedenke, worum Du bittest, es könnte Dir gewährt werden…“ und erinnerte mich daran, dass ich noch vor einigen Jahren, als die Nachrichtendichte sehr hoch war, darum gebeten hatte, dass mal ein paar Wochen Ruhe einkehren mögen und nichts passieren dürfe, weil ich nicht mehr hinterher komme. Ich bräuchte mal ein paar Monate, in denen nichts passiert, damit ich meine Rückstände aufarbeiten kann. Und nun: Bitte, da hast Du, wie gewollt, und wieder ist es Dir nicht recht.
Aber so ist es nicht.
Recht wäre mir das schon, wenn mal ein Vierteljahr oder ein halbes Jahr Ruhe wäre und ich meinen Krempel aufräumen könnte.
Ich glaube aber nicht, dass das so ist. Das Problem liegt nicht in der Ruhe, sondern darin, dass ich sie nicht für wahr, nicht für echt halte.
24 Stunden, ohne dass die SPD irgendeine Steuererhöhung fordert? Das glaubt Ihr doch selbst nicht.
Krieg, Wirtschaftskrise, Pleitewelle, und das ohne Nachrichten? Nie im Leben.
Vor 10 Jahren, oder damals, als ich das geschrieben habe, da hätte ich das noch geglaubt. Kanzlerin Merkel beruhte ja darauf, dass es nichts zu regieren gab und alles von alleine lief. Da hätte ich das geglaubt, dass jeder Tag ist wie der andere. Aber jetzt glaube ich das nicht.
Jetzt halte ich das für eine politische Strategie. Die medienkontrollierenden linken Parteien werden gemerkt haben, dass ihre Politik so schlecht ankommt, dass jegliche Nachricht, ganz egal welche, schlecht für sie ist. Und sie werden gemerkt haben, dass sie auch gar keine guten Nachrichten mehr zustandebringen, nicht mal gute Nachrichten, die nur schlecht ankommen, sondern alles so den Bach runter geht, dass es wirklich nur noch schlechte Nachrichten gibt. Deshalb habe ich den Eindruck, dass wir so eine Art pauschale Nachrichtensperre haben.
Auf Twitter sehe ich fast nur noch Bullshit und Musikvideos, KI-Quatsch und andere Belanglosigkeiten.
Würde man jetzt sagen, dass man beschlossen habe, dass bis zum 15. August keine Nachrichten gebe und jeder in Urlaub fahren kann oder so etwas, wäre ich damit zufrieden. Aber es ist so eine trügerische Stille. Die Sorte von Stille, in der ich vor meinem geistigen Auge die Mundharmonika aus Spiel mir das Lied vom Tod höre, und sogar meine Ohren sehen, dass da wie im Westernklischee ein paar ausgetrocknete Sträucher vorbeirollen. Wie die Anfangsszene von Spiel mir das Lied vom Tod. Oder die Endszene von The Good, the bad, and the ugly.
Irgendwas ist hier faul.