Ansichten eines Informatikers

Das teure Auto

Hadmut
11.5.2026 23:54

Warum man sich bald kein Auto mehr leisten kann.

Ich weiß nicht mehr, wo ich das gesehen oder gelesen habe. Neulich hieß es irgendwo, dass europäische Autohersteller immer weniger Kleinwagen produzieren – sowohl in Stückzahlen, als auch in Zahl der Modelle – weil es nicht mehr ginge. Durch die EU-Vorschriften, die immer mehr Assistenz-, Überwachungs- und Alarmsysteme verlangen, die das Auto immer teurer machen und immer mehr Platz und Strom brauchen, steigen die Kosten eines Fahrzeugs, die unabhängig von der Größe und ob es ein Billig- oder Luxusauto ist, so stark an, dass man keinen günstig ausgestatteten Kleinwagen mehr bauen kann, zumindest nicht in Europa. Die Grundkosten und die Grundgröße machen Autos bereits so teuer, dass man sie nicht mehr zu vernünftigen Preisen anbieten kann und große, gut ausgestattete Fahrzeuge nur unwesentlich teurer sind, der Preis für spritsparende Kleinwagen also unverhältnismäßig hoch ist. Das ist ein Grund dafür, dass die Autos immer größer und schwerer werden. Die brauchen dann auch mehr Strom, eine stärkere Batterie, eine stärkere Lichtmaschine, etwas mehr Motor, etwas mehr Benzin, und so weiter. Fahren an sich ist nicht mehr die dominante Hauptfunktion, sondern das Ding wird zu einem Monstrum aus Computern und Überwachungssystemen.

Als ich mit dem Autofahren angefangen habe, auch noch mein Iltis bei der Bundeswehr, bis zu meiner zweiten Studentenkarre, waren Autos, vor allem elektrisch, ganz einfache Gebilde: Mechanischer Zündverteiler, Zündunterbrecher, keinerlei Elektronik oder Bordcomputer, stattdessen ein Choke, Gefühl im Gaspedal. Keine Servolenkung, kein (kam damals gerade so auf) Bremskraftverstärker. Eine Lüftung, die heizen konnte. Statt Klimaanlage ein Schiebedach. Dazu noch Beleuchtung, Scheibenwischer und optional, bei Bedarf und gegen Aufpreis, ein ganz einfaches Autoradio, an 12 Volt angeklemmt, und der absolute Luxus für Angeber eine eletrische Antenne, die ausfuhr, wenn man das Radio einschaltete, damit einem die Vandalen die lange Autoantenne nicht abbrachen oder verbogen. Fertig. Mehr nicht. Ein Schaltplan, der locker und luftig auf eine DIN-A4-Seite passte. Mehr war damals nicht. Dafür konnten die Leute Autofahren.

Ab meinem dritten Auto, das ich damals neu kaufte, fing das an, dass das ein fahrender Computer war. Ich wusste zwar, was und wo die Lambda-Sonde war, aber reparieren konnte ich an dem Auto nichts mehr. Irgendwann hatte ich mal das Problem, dass in bestimmten Situationen beim Gaswegnehmen und Einfahren in die Kreuzung mit Abbiegen der Motor ausging. Werkstatt. Die sagten, sie könnten da auch nichts mehr machen als das Ding an den Diagnosecomputer zu hängen und zu warten, ob der was findet. Der Diagnosecomputer fuhr das Ding auf dem Prüfstand und spuckte als Ergebnis aus, dass die Zündkabel hochohmig geworden sein und ausgetauscht werden müssten. Das war es dann auch, danach ging es wieder.

Bei meinem nächsten eigenen Autos (einige Dienstwagen später) hatte ich mal das Problem, dass mir der Bordcomputer auf der Autobahn verkündete, dass er sich nicht wohl fühle, und deshalb in den Notbetrieb gehe und nur noch 100km/h fahre, bis er eine Werkstatt sehe. Ich kam deshalb zu einem Termin zu spät.

In der Werkstatt haben sie dann den Bordcomputer verhört und gefragt, was er sich herausnehme, und des Rätsels Lösung war, dass ein Schalter unter dem Bremspedal defekt war. Wenn ich auf die Bremse trat, wurde das Auto langsamer, obwohl, wie der Bordcomputer fälschlich meinte, niemand auf die Bremse trete. Das fand er nicht gut und meinte, hier stimme was nicht, und entschied sich für Notbetrieb mit begrenzter Geschwindigkeit. Ich wusste bis dahin nicht einmal, dass ich einen Schalter unter dem Bremspedal hatte – abgesehen freilich von den Bremsleuchten. Warum die dann noch funktionierten traute ich mich nicht zu fragen.

Heute fahre ich ein Fahrzeug, das allein 6 Außenkameras hat, um alle Funktionen abzubilden, und mir beim Einparken enorm hilft, weil der – elektronische – Rückspiegel, der eigentlich ein Bildschirm ist, der den Blick der hinteren oberen Kamera zeigt, beim Einlegen des Rückwärtsganges, beim Alarm eines Abstandssensors oder auch auf schnöden Tastendruck statt dem Blick nach hinten den Blick von oben auf das Auto zeigt, was das Einparken sagenhaft erleichtert. Hätte mir vor 10 oder auch noch vor 5 Jahren jemand gesagt, dass ich mal ein Auto fahre, das sechs Außenkameras hat und mir zum Einparken den Blick von oben aus der Vogelperspektive im Rückspiegel zeigt, hätte ich ihm das schon geglaubt, aber nicht, dass es so schnell kommt. Dabei gab es das vor 8 Jahren schon.

Ich mag das, aber parke seither sehr pedantisch ein, lege seither Wert darauf, dass das Auto auch wirklich ganz gerade im Parplatz steht, dass sowohl links und rechts, als auch vorne und hinten derselbe Abstand bleibt, das Ding also wirklich perfekt in der Mitte steht. Früher hielt man es für gut eingeparkt, wenn dabei keine Kratz- oder Kollisionsgeräusche entstanden.

Klar. Noch mehr Gerümpel und Kram in die Autos, damit daran immer mehr kaputtgehen kann, immer mehr gewartet werden muss.

Schon heute ist der Austausch einer Windschutzscheibe ein größeres Projekt, weil Kameras, Computer, Antennen, jede Menge Sensoren von der alten an die neue Scheibe migriert und neu justiert werden müssen. Wenn man heute eine Anhängerkupplung oder eine Fahrradhalterung an einem Auto anbringt, muss der Bordcomputer umkonfiguriert werden, weil er andere Abstandsalarmsignale nach hinten geben muss.

Irgendwann sind wir an dem Punkt, an dem wir Autos technisch nicht mehr unter Kontrolle haben, und sie zum Fahren viel zu schade und zu teuer sind.

Insofern wird die EU Erfolg damit haben, die verkehrsbedingten Todesfälle zu beseitigen, weil Autos so teuer werden, dass sich keiner mehr trauen wird, mit so einem Ding noch rumzufahren.

Gleichzeitig pumpt uns die EU mit Migranten voll, die mit 300.000-Euro-Schleudern Rennen fahren und sich aufführen wie die Henker.