Ansichten eines Informatikers

Schneesturm im Kamtschatka

Hadmut
20.1.2026 1:08

Mir geht eine Frage durch den Kopf.

Es gehen ja gerade irrsinnige Bilder aus Kamtschatka durch Medien und Netz – wobei viele auch KI-Fälschungen sind, oder zumindest dafür gehalten werden.

Halbwegs vertrauenswürdig sind aber wohl doch Bilder, in denen der Schnee in Straßenschluchten von Haus zu Haus bis in den vierten, fünften Stock geht, oder bei einem geschätzt 6 bis 8-stöckigen Plattenbau die Schneewehe bis hoch zum Dach geht und die Kinder mit dem Schlitten von ganz oben vom Dach runterrutschen. (Was machen die eigentlich, wenn der Schnee nachgibt und ein Kind metertief im Schnee versinkt und Erwachsene nicht mehr dran kommen können?)

Mir geht dabei durch den Kopf, dass hier in Berlin schon seit mehreren Tagen Tauwetter ist und der Schnee auf dem Boden längst weg ist, aber an einzelnen Stellen, wo die Leute den Schnee zusammengekehrt oder geschaufelt hatten, der Schneehaufen noch Tage länger lag.

Als ich Kind war, hatten wir noch so richtig deftige Schneewinter und Straßenräumpflicht, und ich kann mich an Tage und Abende erinnern, an denen ich mit meinem Vater stundenlang wie blöde Schnee geschippt haben, weil es so stark schneite, dass wenn wir an einem Ende angekommen waren, wie am anderen Ende gerade wieder von neuem anfangen mussten. Wir haben – weil wir nicht mehr wussten, wohin mit all dem Schnee – das Zeug über den Zaun in den Vorgarten geschaufelt, und da lag der dann – teilweise so rund einen Monat oder mehr, wenn herum schon alles weg war.

Ich hatte mal als Knabe, wenn so die Säfte sprießen und man gar nicht weiß, wohin mit all seiner Kraft, und genau der richtige Schnee dafür lag, einen Schneemann gebaut.

Aber so einen richtig tollen. Drei Kugeln. Das ging recht gut, weil man mit einem Schneeball anfangen konnte und den nur zu rollen brauchte, der Schnee so gut pappte, dass der prima zusammenhielt und die Kugel alles aufsammelte, worüber man sie rollte.

Das Ding wurde schwerer und schwerer, und größer und größer, und ich war ständig damit beschäftigt, die Drehrichtung zu ändern, damit der wirklich schön kugelrund wurde, und hatte dann eine richtig schöne Kugel, die ich irgendwann dann auch nicht weiter rollen konnte, weil zu schwer. So einen Meter, vielleicht eher 1,20 Durchmesser wird sie gehabt haben, also so ein dreiviertel Kubikmeter an Volumen und Gewicht durchaus möglich eine halbe Tonne. Ich habe das Ding auch nur noch rollen können, weil es völlig eben war und ich mir Mühe gegeben hatte, dass das Ding nahezu perfekt kugelrund war. Das Ding war durch sein eigenes Gewicht immer fester geworden und hart fast wie Beton. Ich habe mal mit voller Kraft draufgeboxt, und es passierte gar nichts. Total fest.

Also dachte ich mir, was tun? Wie kriege ich das Ding jetzt wieder weg? Ich kriege doch Ärger, wenn ich da so eine Kugel in den Weg stelle, die keiner mehr wegbekommt.

Also dachte ich mir, da hilft nur Kunst, so tun, als gehörte das so, und habe einen Schneemann draus gebaut, indem ich noch zwei kleinere Kugeln gemacht hatte, die ich gerade noch so heben konnte, die draufgesetzt und dann noch mit Schnee aufgepeppt und dann zwei Steine als Augen und eine Karotte aus der Küche als Nase reingesteckt habe, und noch einen Putzlumpen als Mütze, der aber nicht hielt und vom Wind schnell runterfiel.

Künstlerisch bekam ich Lob. Aber auch den Tadel, dass kein Mensch mehr das Ding weg bekäme. Jetzt steht das Ding da im Weg.

Natürlich ist er geschmolzen. Ich weiß nicht mehr, bis wann, aber ich glaube, es war Mai, bis die letzten Reste weg waren. Jedenfalls Frühling. Das Ding hat verdammt lange gehalten, wir haben gestaunt. Rundherum hat alles gegrünt, die Käfer flogen, und da war immer noch eine Eiskugel.

Nun frag ich mich: Wenn der Schnee bis zum vierten Stock steht – wie lange hält der dann? Bleibt etwas davon bis zum nächsten Winter übrig?

Gibt es eine kritische Masse, nämlich wenn beim nächsten Schnee noch Schnee vom letzten Jahr übrig ist, an der das dann kumulativ wächst? So sind ja wohl Arktis, Antarktis und die Gletscher entstanden.

Könnte es also sein, dass zwischen den Häuserreihen, in den Straßen, plötzlich Gletscher wachsen?

Dass letztlich ganze Häuser unbewohnbar werden und in Gletschern eingeschlossen werden?

Hat man nicht neulich an der Stelle eines abgetauten Gletschers eine alte Römerstraße gefunden? Also den Beweis, dass da nicht schon immer Gletscher waren, sondern die noch gar nicht so alt sind?

Erleben wir also gerade das Entstehen, zumindest die nicht immer erfolgreiche Initialzündung des Enstehens von Gletschern? Nur eben nicht zwischen Bergwänden, sondern in Felsschluchten?

Wenn also

  • Schnee so hoch, dicht und schwer wird, dass er sich vom eigenen Gewicht verdichtet und zu Eis oder einer Zwischenstufe verfestigt und stabil wird,
  • und das Volumen reicht, dass der den Sommer übersteht und im nächsten Winter weiter wachsen kann?

Könnten dann in zweitausend Jahren Archäologen in Gletschern Häuser, Autos unserer Zeit finden? So etwas wie Pompeji, nur mit Kälte statt Hitze?