Ansichten eines Informatikers

Saure Gurken, Ablaufdatum 2022

Hadmut
9.1.2026 0:55

Eine unbeachtliche, unwichtige Seitenanmerkung.

Nur weil das Thema abgelaufene Lebensmittel gemessen an den Zuschriften immer ein Thema ist, das die Leser interessiert:

Ich habe heute etwas an meiner Küche aufgeräumt und die Vorratsregale zumindest teilweise mal durchgewischt, und bin dabei noch auf einige letzte Trümmer meiner Corona-Vorräte gestoßen, die ich längst gefuttert hätte, wenn mir Zypern nicht dazwischen gekommen wäre.

Ich hatte ja neulich schon mal berichtet, dass ich systematisch alle Konservendosen – auch schon alle über Ablaufdatum – weggegessen hatte, und bei denen keine Verschlechterung festgestellt hatte – eine Verbesserung aber auch nicht. Man kann von dem Dosenzeug überleben, aber es schmeckt schon relativ schnell nach Dosenfutter, und nach dreimal hintereinander verliert man sehr schnell den Appetit. Das ist nicht schlimm, wenn man gelegentlich mal eine isst, um die Vorräte aufzubrauchen, aber schlimm, wenn man sich vorstellt, dass man zwei, drei, mehr Wochen darauf angewiesen ist.

Deshalb hatte ich mir noch Gewürze und verschiedene Beilagen auf Vorrat gekauft, darunter saure Gurken („Gurkensticks“). Weil ich die halt gerne esse, die kann man auch mal nebenbei naschen, und auch wenn das Dosenzeig vielleicht keine Vitamine mehr hat, wirken die zumindest etwas frisch und sind ein Ausgleich zu dem Dosenfuttergeschmack.

Eingelegte Gurkensticks

Ich habe beim Aufräumen – ich habe noch mehrere Gläse Gurkensticks – auch noch eins mit Ablaufdatum 2020 und zwei mit 2022 gefunden. Und das interessiert mich ja immer, was daraus geworden ist.

Also:

Nein.

Ich habe sie mit bloßen Händen (und dem Willen, es mit der Gewalt nicht zu übertreiben und einen Unfall mit Glas zu riskieren) nicht mehr aufbekommen. Ich habe so einen seltsamen Deckelöffner vom Chinaversand, Vertrauenswürdigkeit Null, mit dem die aber ordentlich aufgingen.

Geruch: Tadellos.

Konsistenz: Nee, nicht mehr. Einige wenige sind mir beim Rausziehen mit der Gabel schon zerfallen. Und man merkt, dass die Struktur nicht mehr stabil ist. Das ist dann auch nicht mehr angenehm auf der Zunge, zu glibberig. Da merkt man, dass das nicht mehr fit ist. Das geht schon so wie in Leiche lutschen.

Geschmack: Erstaunlicherweise nicht schlecht, aber der typische Gurkengeschmack ist deutlich reduziert, das schmeckt fast nur noch sauer.

Ich glaube nicht, dass es gesundheitsschädlich gewesen wäre, die noch zu essen. Die haben nicht verdorben gewirkt, aber irgendwie zerfallen. In erheblicher Not hätte ich sie noch gegessen.

Gewürze

Wenn man sich Konservendosen hinstellt, sollte man sich unbedingt auch ein paar Gewürze dazu stellen, weil der Dosenfuttergeschmack sonst sehr schnell aufs Gemüt schlägt. Wann man da noch ein paar Gewürze drüberstreuen kann (Universalwaffe: Kräuter der Provence, eine Gewürzmischung, und für Suppen auch sehr gut ist Muskat).

Auch die habe ich nicht in dem Umfang verbraucht, den ich erwartet hätte, weil ich – vorher nicht erwartet – viel Zeit auf Zypern verbracht habe. Ich hatte mir damals, weil vergleichsweise preisgünstig, die Gewerbepackungen bei Metro geholt, die es in kleineren und größeren Plastrikstreudosen gibt. Fast alle Gewürze (und auch ganz andere) bekommt man natürlich auf Zypern im Supermarkt, das ist ja auch ein Grill-Paradies, weshalb ich nur eine Dose „Kräuter der Provence“ mit nach Zypern genommen und den Rest dort gekauft habe, denn diese Mischung gibt es dort nicht.

Alte Gewürze ist so eine Sache, vor allem bei angebrochenen Dosen. Die können schimmeln, oder auch Feuchtigkeit ziehen und klumpen, und ich hatte das auch schon mal, dass sich da irgendwelche Motten eingenistet haben und die Kräuter einer Streudose alle mit irgendwelche Weben zusammenhingen und da irgendwelche Larven drin waren. Bei angebrochenen Gewürzen rate ich zu großer Vorsicht, zumal die auch oxidieren.

Noch versiegelte Gewürze sind aber auch nicht der Brüller.

Die zerfallen auch, werden bröselig, stauben.
Und sie verlieren an Geschmacksintensität, und werden, wenn sie Licht abbekommen oder auch so, hell, verlieren ihre Farbe.

Auch da hatte ich nicht den Eindruck, dass es gesundheitsschädlich wäre, sie zu essen. Aber Spaß macht es auch nicht mehr. Die Konsistenz leidet, das Aussehen ist nichts mehr und der Geschmack einfach reduziert, vergangen.

Was mich erinnert, dass ich ja vor ein paar Jahren schon das Experiment machte, eine uralte Packung Miracoli-Spaghetti zu kochen. Die Nudeln völlig in Ordnung. Der Parmesan schwer zu beurteilen. Die Kräuter aber verklumpt und teigig geworden, eklig. Und das Tomatenmark sehr dunkel und nicht mehr gut im Geschmack.

Ergebnis

Viele vertreten ja die Auffassung, dass das Haltbarkeitsdatum nur Schwindel ist und das alles einfach ewig hält, man das immer essen kann.

Nein, das ist so nicht.

Ich will zwar gerne bestätigen, dass von allen Lebensmitteln, die Jahre abgelaufen waren und die ich testweise geöffnet oder zubereitet habe, nichts dabei war (außer die erwähnten Gewürze, die schon mal geöffnet gewesen waren), was gesundheitsschädlich wirkte.

Aber Geschmack, Konsistenz, teils das Aussehen hatten merklich gelitten, und es ist nicht mehr angenehm, schmeckt nicht mehr sehr gut. Unter Kriegsbedingungen, Hungersnöten, dem, was mir mein Vater über den Weltkrieg erzählt hat, hätte ich das zweifellos gegessen, bevor ich schweren Hunger gelitten hätte. Aber nicht in Reichweite geöffneter Supermärkte.

Es ist sicherlich sinnvoll, Sachen nicht sofort wegzuwerfen, und ich hatte schon viele Dinge, die längst abgelaufen und noch tadellos waren.

Aber es ist eben auch nicht so, wie viele Leute behaupten, dass das Zeug ewig hält. Das tut es wirklich nicht. Und je nachdem, was es ist, geht das Zeug wirklich kaputt, in dem Sinne, dass es sich merklich verschlechtert.

Man muss sich also einen Kreislauf einrichten. Vorräte für gewisse Zeit für die ganze Familie, so zwei, drei Wochen sollten es schon sein. Konserven, aber dazu Gewürze und irgendwas Obst, Süßes, Abwechselndes, um diese Konservendosengeschmacksmonotonie zu unterbrechen.

Und das eben nicht hinstellen und Schema habe-ich-jetzt, sondern umwälzen. Das abgelaufene Zeug dann einfach auch mal essen, solange es noch gut ist, und nachkaufen.

Und schließlich bekommt man dann auch ein Gefühl dafür, ob man davon eigentlich ein paar Tage aggressionsfrei leben könnte. Und was man dazu tun muss, damit es schmeckt.

Also: Macht mal mit Euren Familien das Experiment und esst mal eine Woche lang nur Sachen, die zwei, drei Jahre haltbar wären. Probiert aus, wie man es abwechselt, und was man dazu gibt, damit es besser schmeckt.

Und: Überlegt Euch mal, was man davon wie und worauf erhitzen kann, beispielsweise auf dem Gaskocher. Überlegt Euch mal, wie Ihr eine Woche ohne Strom überlebt. Vielleicht eine Schaufel, um im Garten das Gegenteil von Essen zu erledigen?

Bonusfrage

Habt Ihr eigentlich für jedes Familienmitglied (auch den Hund und alle anderen Haustiere entsprechendes Gerät) unkaputtbare

  • Becher
  • Flaschen und Wasserbehälter
  • Campingbesteck
  • Campinggeschirr
  • Thermoessensbehälter
  • usw.

griffbereit? Was macht Ihr, wenn die Küche keinen Strom und kein Wasser mehr hat, und es irgendwo – wie jetzt gerade in Berlin – von THW oder Bundeswehr warme Suppe ausgegeben wird – aber die kein Geschirr für so etwas in ausreichender Menge haben? Wollt Ihr dann mit den Porzellantellern aus der Küche ein, zwei Kilometer zur Gulaschkanone gehen?

Ist mir übrigens letzte Ostern auf Zypern passiert: Dort wird in den Straßen gefeiert, und sie geben da sogar zypriotische Spezialitäten kostenlos aus. Aber sie hatten nicht genug Pappteller und Besteck, und ich habe dann versuch, so etwas ähnliches wie Suppe von einer Serviette zu lutschen. Nächstes Mal habe ich Campingbesteck und ein Campingschüsselchen mit dabei. Mal ganz abgesehen davon, dass ich auf Zypern sowieso ein Campingbesteck im Auto liegen habe, weil die EU ja Plastikwegwerfbesteck verboten hat und man dann oft nur noch das dämliche Holzbesteck bekommt, das kein Fleisch schneidet und übel schmeckt. Deshalb verkauft der Baumarkt dort Campingbestecke für die Tasche.

Nehmt Euch mal Berlin als Negativ-Beispiel und bereitet Euch darauf vor. Stromausfall kann überall passieren, und die Vulkan-Gruppe hat angeblich schon den nächsten angedroht.

Was ich noch vorhabe

Mir ist aufgefallen, dass es unheimlich schwer ist, den Überblick über die Ablaufdaten zu behalten, weil die kaum zu finden und zu lesen sind. Manchmal so auf den Deckelrand oder Boden gedruckt, eingeprägt, oder als Einritzung im Etikett, dass man es nur mit Suchen und bei gutem Licht sehen kann. Unter Katastrophen- und Stressbedingungen oder im Alltagsleben nicht praktikabel.

Ich habe Aufkleberbögen für den Laserdrucker. Auch so ganz kleine, also mit ganz vielen Aufklebern pro A4-Seite. Die muss ich mir mal bedrucken mit Jahreszahlen mit je einer Spalte für jedes Jahr, also eine Spalte „2025“, eine „2026“, eine „2027“ usw., und die dann auf die Sachen pappen, damit man von oben sofort sehen kann, was in welchem Jahr abläuft.