Ansichten eines Informatikers

Partnersuche per KI

Hadmut
12.2.2024 17:19

Von der Suche nach der Frau.

Ein Leser schreibt:

Anregung für IT-affine Beziehungssuchende

Hallo Hadmut,

da ich viele Nerds kenne, die noch auf der Suche nach einer Beziehung sind und sich auf deiner Seite bestimmt auch viele davon rumtreiben, könnte doch der folgende Artikel recht hilfreich sein:

Jetzt ist er verlobt: Eine KI schrieb für Aleksandr 5000 Frauen an

und da

Aleksandr Zhadan fand seine heutige Verlobte Karina Vyalshakaeva mit der Hilfe einer künstlichen Intelligenz. Am Anfang übernahm die KI die Chats, inzwischen redet das Paar auch im echten Leben miteinander

Stellen Sie sich vor, Sie suchen Ihren Traumpartner und müssen dafür nicht mal mehr etwas tun! Das ist einem Mann in Russland angeblich gelungen: Mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) hat er sich die Frau fürs Leben geangelt – mittlerweile sind die beiden verlobt.

Dem Portal
Gizmodo erzählt Aleksandr Zhadan seine unglaubliche Geschichte. Nach seinem Beziehungsende im Jahr 2021 habe ihn das

Online-Dating zunehmend frustriert: Links wischen, rechts wischen, Matches treffen – doch die paar Dates, die er bei Tinder klarmachte, führten zu nichts.

Also kam der clevere Programmierer auf eine Idee: Um nicht noch mehr unnötige Zeit in belanglosen Chats zu verschwenden, holte er sich künstliche Unterstützung. Aleksandr: „Ich finde wirklich, dass Dating-Apps schwierig und peinlich sein können.“ Da kam dem jungen Mann die Technologie von
ChatGPT ganz gelegen.

Aleksandr nutzte die KI ab sofort als Dating-Assistentin – und hatte die Hände frei, nachdem er ihr eine Reihe von No-Gos bei seiner zukünftigen Frau beigebracht hatte. Nach seinen Vorgaben verhalf ihm die KI zu über 5000 Matches, die sie auch gleich anschrieb. Mehr als 100 Dates bekam er auf diese Weise. Eines davon hatte er mit seiner jetzigen Verlobten, die die KI ebenfalls aus der Flut an interessierten Frauen herausgefischt hatte.

Und das ganz zielsicher, weil Aleksandr seine Assistentin mit den richtigen Informationen gefüttert hatte: Automatisch sortierte die KI Frauen mit alkoholischen Getränken auf ihren Fotos aus, ebenso solche, die Informationen zu ihrem Sternzeichen veröffentlicht hatten. Auch bei anderen Attributen, die Aleksandr nicht attraktiv fand, wurde bei Tinder automatisch nach links gewischt.

Da ist nicht KI. Das ist Rasterfahndung.

Und genauso gefährlich, wie seine Bewerbungsschreiben von der KI erstellen zu lassen:

Bei einem Date habe die KI versprochen, er würde Schokolade und Blumen mitbringen. Doch der ahnungslose Aleksandr tauchte mit leeren Händen auf – ein Patzer gleich beim ersten Date.

Wie, der liest vor dem Date nicht mal, was die KI da vereinbart hat?

Er lernte Karina kennen, und nachdem sie zunächst noch eine Weile mit der Maschine gesprochen hatte, verlagerten die beiden ihre Beziehung ins echte Leben – nur wenige Monate später zogen sie zusammen.

Ja, und am besten gleich noch das Videobild im Videochat per KI fälschen.

Sorry, nee, das ist nichts für mich.

Mal abgesehen davon, dass ich aus dem Alter raus bin, bin ich da altmodisch veranlagt und suche mir Frauen nicht aus Katalog oder Datenbank, sondern begebe mich, wenn überhaupt, so ganz analog und unelektronisch auf die Jagd.

Außerdem, und das will anmerken, ist mir die Problemstellung als solche fremd. Heute nicht mehr, aber zumindest als ich noch unter 50 war, wurde ich von wesentlich mehr Frauen angemacht, als ich selbst angebaggert habe. Das Problem, das diese KI-Methode lösen soll, hatte ich so nicht. Es reicht völlig, die richtigen Locations zu kennen. Dann trifft man auch realiter auf Frauen, die sich mit ihrer bevorzugten Sex-Stellung vorstellen, bevor sie ihren Vornamen nennen. Oder längere Fernreisen zu buchen. Sobald die länger als zwei Wochen von zuhause weg sind, werden die automatisch, sagen wir mal „aufgeschlossen“, und auf allen meinen Australien- und Neuseelandreisen gab es Frauenüberschuss, teils sogar deutlich.

Dazu kommt, dass mir das Konzept des „Datings“ völlig fremd ist.

Also, was Frauen angeht. Bewerbungsgespräche kenne ich schon, aber nur von der Jobsuche.

Mir ist das auch bei englischen, amerikanischen, australischen Frauen aufgefallen, dass es bei denen (fast) immer um den formalen Weg des „Date“ geht (wie der tenure track bei der Professur), und ich nie herausgefunden habe, was genau da eigentlich zu tun ist und erwartet wird. Es gibt da so ominöse, unausgeprochene Regeln, die genau zu befolgen sind, damit es nicht schief geht, die ich nie durchschaut habe. Irgendwie so beim ersten Date zahlt er, beim zweiten Daten beide oder sie, und beim dritten geht es in die Kiste. Und die Vorgespräche und Verhandlungen machen dann im vergangenen Jahrzehnt die Rechtsanwälte und Notare mit der Unterzeichnung der Beischlafvereinbarung nebst AGB und Ausführungsbestimmungen, und in diesem Jahrzehnt die KI?

Sorry, da bin ich raus.

Ich hatte mich mal auf Reisen mit einer Gruppe von Frauen aus englischsprachigen Ländern etwas über das Thema unterhalten, nämlich dass mir als Deutschem ihre Dating-Regeln undurchschaubar seien, und ich nicht wüsste, was zu tun und zu unterlassen da von mir im anglikanischen Raum erwartet würde. Statt Erklärungen kam die verdutzte Gegenfrage, wie wir das denn in Deutschland machen würden, offenkundig seien wir ja nicht ausgestorben (heute schon, ist ein paar Jahre her). Meine Antwort war, dass wir da keine formalen Abläufe haben und das viel einfacher machen. Wir bumsen einfach, wenn uns danach ist, und essen gehen wir, wenn wir Hunger haben. Ohne feste Reihenfolge. Und zum Anbaggern brauchen wir keine Terminvereinbarung, das machen wir sofort und ad hoc. That’s it. Smart, simple, straight forward. Die Gesichter hättet ihr sehen sollen. Eine sehr ähnliche Wirkung auf das Auditorium bei einer Reise hatte auch eine deutsche Krankenschwester, die im Kreis von englischsprachigen Leuten darüber berichtete, wieviel in deutschen Krankenhäusern zwischen Ärzten und Schwestern rumgevögelt werde, und dass sie die Wäschekammer der Station deshalb niemals betrete ohne vorher anzuklopfen.

Dazu kommen noch ganz andere Aspekte.

Wie ich das schon einige Male erwähnt habe, verhält sich mein Gehirn da auch anders. Irgendwas unterscheidet da bei mir zwischen, ich nenne es mal „statischer“ und „dynamischer“ Schönheit.

Es gibt Frauen, die sehen verdammt schön aus, wären ideal als Model, zum Fotografieren, aber haben einen Bewegungsablauf wie ein Verkehrsunfall und schwätzen nur dummes Zeug.

Und dann gibt es welche, die eigentlich nicht so eine herausragende Schönheit sind, oder eigentlich auch gar nicht so unter den Begriff fallen, die dann aber von der Art, wie sie sich bewegen, wie sie sprechen, wie sie klingen, von Gestik und Mimik der Superbrüller sind. Die ich dann viel attraktiver finde, was man aber niemals in irgendeinem Internetprofil finden würde.

Es gibt welche, die sehen brüllermäßig aus, die 12 auf der Skala bis 10, und ich denke mir nur „Gute Güte, ist die dämlich“ oder frage mich, wie die es unfallfrei von der Küche ins Wohnzimmer schafft. Ich habe auf Journalisten- und Feministinnenkonferenzen zwar sehr selten, aber doch immerhin auch Frauen gesehen, die sowas von umwerfend aussahen, so supergut. Und dann kommt bald der Punkt, an dem man sich denkt „Oh, hätte sie doch nie den Mund aufgemacht.“ Außen schön, innen Sondermüll. Und dann gibt es welche, die erst wenig hermachen, aber man dann „Wow“ denkt, wenn man sie in Aktion erlebt, die sich einfach toll bewegen, toll sprechen, toll denken. Die so dieses gewisse Etwas haben.

Ich hatte da auch mal so ein Schlüsselerlebnis. Vor vielen, vielen, vielen Jahren war ich mal bei einem Akt-Shooting-Workshop über ein Wochenende, einem sogenannten „Model-Sharing“, ohne vorher so genau zu wissen, was das war. Habe mich auch blamiert, weil ich keine „Model-Releases“ (Model-Verträge) dabei hatte, weil ich nicht wusste, dass man die selbst mitbringen muss. Das ging so: Der Veranstalter hatte eine Burg mit Jugendherbsähnlicher Übernachtungsmöglichkeit für ein Wochenende gemietet, und dazu kamen ein Haufen Frauen im Studentinnenalter und ein Haufen Fotografen so in gleicher Anzahl, und dann gab es einen Zeitplan, der immer 90 Minuten Arbeiten und 30 Minuten Pause und Zusammenkunft vorsah, und dann sollte man sich einfach selbst zusammenfinden, sich irgendeine Stelle an der Burg (schön eingerichtet mit Rittersaal, Türmen, Wassergraben und so weiter) suchen, und das Burgfräulein, das man ergattert hatte, und mit dem man dann Honorar, Stil, Grad der Nacktheit ausgehandelt hatte, eben 90 Minuten fotografieren und dann in bar bezahlen. Das hat einen großen Spaß gemacht, war aber auch sehr anstrengend (da lief am Samstag abend nichts mehr, da sind alle totmüde ins Bett gefallen), und ich sage mal, dass der Lerneffekt weit größer als die eigentliche Bildausbeute war. Und zu dem, was ich da gelernt habe, gehörte folgendes: Ich hatte gleich am ersten Tag – vermeintlich – Glück, weil ich es schaffte, Termine mit den beiden mit Abstand schönsten Frauen zu haben. Nur: Die konnten nichts. Die konnten kein Posing, die standen da, wie Pik 7, die konnten kein Gesicht machen, und man konnte sich mit denen auch nicht unterhalten. Das war einfach nichts. So schön die waren, da kam überhaupt nichts an. Das war einfach nichts für die. Das waren auch so inhaltslose Typen, mit denen man überhaupt nichts anfangen konnte. Solche Nullpersonen.

Einige Wechsel später war ich zwischendurch mal weg, weiß nicht mehr, Geldautomat oder sowas, und kam zu spät zurück, als die anderen schon alle gepaart und weg waren, und für mich war dann nur noch eine übrig, mit der wohl keiner wollte, weil die schon etwas kartoffelig rüberkam. Keine so auffällige Schönheit, vornehm ausgedrückt. Ich dachte mir, lässt Dir nichts anmerken, ziehst das jetzt professionell durch, kannst ja jetzt nicht absagen, schlimmer als die anderen kann es auch nicht werden. Und dann ging es rund. Die packte nicht nur Piercings aus, die bis zu jugendgefährdend waren, sondern war richtig gut in Posing, und vor allem, die konnte in die Kamera gucken wie ein Flammenwerfer, sich bewegen, hatte ein Körper- und Proportionsgefühl, eine sehr beindruckende Mähne, wenn sie die erst mal aufgemacht hatte, und ich habe mich mit der dabei auch noch blendend unterhalten. Und kein äh, das mach ich nicht, und das will ich nicht, und da seh’ ich nicht gut aus, sondern mit Hurra dabei, alles geliefert wie bestellt. Meine besten Fotos dieses Wochenendes, und nachdem, was ich bei anderen gesehen habe, auch besser als deren. Die hat alle anderen schlicht weggepustet, aber sah vorher wirklich nicht danach aus. Auf der Rückfahrt dachte ich mir, wenn ich mir aus denen jetzt eine aussuchen könnte und müsste, dann würde ich genau die nehmen. Die, die sonst keiner wollte und die wie ein Restposten wirkte, bis man bei der den Schalter um- und die loslegte.

Ich halte es da mit den Frauen wie Loriot.

Loriot sagte mal in einer Laudatio auf Evelyn Hamann zu irgendeinem hohen Geburtstag von ihr, dass er bei der Künstleragentur eine kleine, dicke, lustige Brünette bestellt und sie ihm eine große, dürre, ernste Blonde geschickt hatten: „Sie war perfekt!“

Der Witz liegt darin, dass man mit dem, was man so sucht, oftmals gar nicht so glücklich wird und das Unerwartete manchmal einfach mehr bringt.

Ich weiß nicht mehr, wer das war, aber irgendeine prominente alte Schachtel (Brigitte Mira?) hatte mal irgendwo gesagt, dass der „Richtige“, auf den sie ihr Leben lang gewartet habe, nie gekommen, dass sie deshalb aber nun rückblickend sehr froh darüber sei, beim Warten immer viel Spaß mit den „Falschen“ gehabt zu haben.

Vielleicht liegt der Fehler schon im Suchen und Warten, im Selektieren. Und nicht im Beobachten dessen, was einem begegnet.

Ich für meinen Teil habe gar nicht (und hatte nie) das Interesse, mir ein Modell nach Katalog von Eigenschaften auszusuchen. Genausowenig, wie ich im Ausland deutsches Essen erwarte. Sowas mache ich nur, wenn ich mir ein Auto oder eine Kamera kaufe oder eine Wohnung suche. Da mache ich mir eine Liste, was alles sein muss.

Und anders als bei Auto oder Wohnung war ich bei Frauen auch nie der Meinung, das sich zum nächsten Ersten eine brauche, also einfach die Günstigste nehme, die ich gerade finde. Es gibt zwar solche Situationen, wenn man irgendwo eingeladen wird und gerade keine zum Mitbringen hat, und auf manche Posten kommt man erst gar nicht ohne „Gattin“, aber ich habe da nie Handlungsdruck verspürt. Ein einziges Mal habe ich auf einer Reise in Australien, um ein paar dumme Leute in der eigenen Reisegruppe zu ärgern, eine wildfremde Frau, die ich nur ein paar Minuten kannte, weil sie im Ausflugsboot zufällig neben mir saß, mit der ich mich gut verstand, ob sie bei der Ankunft am Steg und beim Aussteigen, wo die anderen der Gruppe warteten, mal für ein paar Sekunden meine Freundin spielen könnte, damit die blöd gucken. Sie fand das so absurd, so grotesk, so unmöglich, so geht gar nicht – dass sie da sofort mitmachte und das grandios spielte. Sie musste dann leider mit ihrer Reisegruppe in eine andere Richtung, aber das ist so die von mir präferierte Weise, Leute kennenzulernen. Ich schaue mir viel lieber an, wer auf der Ausflugstour neben mir sitzt, als mir jemanden aus dem Katalog zu bestellen. Ich bevorzuge das Situative über das Bewerbungsschreiben. Letzteres stimmt sowieso nie.

Ehrlich gesagt, genieße ich es, da ungebunden zu sein, keine Verpflichtungen zu haben, und rundheraus jeder hinterhergucken zu können, bei der mir gerade danach ist. Und in jeder Situation ungebunden und ohne Gefahr, aufzufliegen, das tun zu können, was die Situation mir bietet.

Carpe diem.