Ansichten eines Informatikers

Markusilli Lanzilli

Hadmut
5.2.2024 19:22

Fake aufgeflogen?

Ich hatte schon einige Bemerkungen über Markus Lanz im Blog.

Etwas ambivalent.

Mir fällt immer wieder auf, dass Markus Lanz kein gebildeter Mensch ist, dass der nicht viel in der Birne, nicht viel gelernt hat, und auf mich so wirkt, als hätte der so eine Zeitungsschlagzeilenbildung. Was nicht überraschend wäre, denn über eine andere Talkshowtante im Berliner Raum wurde mir berichtet, dass die sich zwar die Millionen einsteckt, aber letztlich nur zwei Stunden pro Woche arbeitete – wenn die Sendung überhaupt kam. Die lasse sich alles von Mitarbeitern vorbereiten, kommt kurz vor der Sendung reingeschneit, liest sich die vorbereiteten Pappkärchten mit ein paar Fragen durch, macht die Sendung und geht wieder. Die Arbeit machen die Mitarbeiter. Sie hält nur das Gesicht in die Kamera.

Insofern hatte ich damit gerechnet, dass das bei allen deutschen Talkshows so ist. (Die einzige Talkshow, bei der ich die Moderatorin für echt halte, ist Inas Nacht, weil die sich selbst vorbereitet, leidenschaftlich gern dreckige Witze macht, und erst gar keinen Anspruch hat, den sie erfüllen müsste oder an dem sie scheitern könnte, weshalb das die einzige Talkshow im ÖRR ist, die ich für gut halte.) Mir war klar, dass Lanz sich das auch nicht alles vorbereitet, sondern machen lässt.

Seinen Diskussionsstil halte ich für miserabel, er fällt den Leuten immer wieder ins Wort, wenn es nicht läuft, wie er das will, auch weil er darauf nicht reagieren kann. Und wenn er Gegner hat, setzt er die in den Zangengriff zwischen zwei Sekundanten, die die Geistesarbeit für ihn übernehmen (sollen).

Andererseits aber, und das hatte ich oft beschrieben, fällt mir immer wieder auf, dass Lanz ab und zu mal sehr gute Fragen stellt. Woher ich mir immer überlegt habe, wie das zu seiner sonstigen Bildungsarmut passt. Mir war aber auch aufgefallen, und das hatte ich auch schon oft erwähnt, dass Lanz sich darin gefällt und oft darin genug ist, die Frage gestellt zu haben, aber nicht oder nur so ein bisschen pro forma nach der Antwort nachbohrt. Der probiert das dann vielleicht einmal, nachzufragen, und dann ist die Sache schon wieder erledigt und vergessen. Was ich nicht verstehe, denn wenn mir ein solcher einhakenswerter Fehler beim Gegner auffällt, dann setze ich doch nach und lassen den nicht einfach laufen.

Nun scheint es eine plausible Erklärung für dieses Verhalten zu geben: Der FOCUS behauptet Markus Lanz hat einen Knopf im Ohr, um seine Gäste besser grillen zu können

Über die Gabe von Lanz, im richtigen Moment nachzuhaken und Schwachstellen zu finden, habe ich kürzlich mit einem guten Bekannten gesprochen. Er meinte nur: „Kein Wunder, der Lanz hat ja auch einen Redakteur im Hintergrund, der ihm was ins Ohr flüstert“. Lanz hat was? Einen Souffleur, der ihm hilft? Ist mir neu.

Bei „Markus Lanz“ bleibt die linke Gesichtshälfte verborgen

Ein Blick in die Talkshow zeigt: Wer nur die Sendung „Markus Lanz“ sieht, weiß nicht, wie seine linke Gesichtshälfte aussieht. Auch sein linkes Ohr bleibt verborgen. Also stimmt das mit dem „Knopf im Ohr“?

Der heutige Intendant und damalige Programmdirektor des ZDF, Norbert Himmler, dementiert dies bereits 2014 in einem Interview mit dem „Spiegel“ nicht. Und auch Publizist Hajo Schumacher thematisierte dies kurz vor Weihnachten in seinem Beitrag „Wie der Mann in seinem Ohr Markus Lanz zum Erfolg führte“ bei der „Berliner Morgenpost“.

Spannend dabei, dass es sich bei dem Lanz-Flüsterer um den Produzenten Markus Heidemanns handeln soll. Zitat aus dem Artikel: „ Über einen Knopf im Ohr versorgt Heidemanns seinen Moderator während der Sendung mit Anregungen, Hinweisen, Zahlen. Macht Lanz eine Kunstpause, googelt Heidemanns vermutlich gerade fieberhaft nach einem Zitat, das hilft, den Gast zu grillen.“

Kurzer Abstecher zur Morgenpost:

Der Erfolg ist ohne einen weiteren Markus nicht zu erklären: Produzent Markus Heidemanns, 59, einer der gewieftesten Fernsehmacher der Republik. Er hat bei Harald Schmidt gelernt, bei Lanz-Vorgänger Kerner die Redaktion geleitet und ist besessen wie am ersten Tag. Der liberale Dortmunder und der bodenständige Südtiroler sehen sich privat fast nie, aber für jede Show wachsen sie symbiotisch zusammen.

Über einen Knopf im Ohr versorgt Heidemanns seinen Moderator während der Sendung mit Anregungen, Hinweisen, Zahlen. Macht Lanz eine Kunstpause, googelt Heidemanns vermutlich gerade fieberhaft nach einem Zitat, das hilft, den Gast zu grillen.

2024 läuft die 2000. Sendung. Und nur eine hat Heidemanns verpasst. Da lag er nach einer Nasen-OP verbeult in der Klinik. Er entließ sich selbst, schaffte von zwei Sendungen aber nur eine. Das wurmt ihn bis heute.

Millionen verfolgen Lanz‘ Podcast mit Philosoph Richard David Precht

Heidemanns passt zum ZDF wie Dirty Harry in den Rundfunkrat; vielleicht eine unterschätzte Bedingung für guten, also immer wieder überraschenden, Talk. So haben Heidelanz das Kunststück fertiggebracht, vom Banal-TV ins Relevanzfernsehen aufzusteigen.

Als Lanz 2008 von Johannes B. Kerner übernahm, waren meist Leichtgewichte oder Leichtbekleidete zu Gast. Im Flüchtlingswinter 2015/16 wagte das Duo den Schwenk. Plötzlich waren unbekannte Experten zu sehen; die Show wurde Pflicht. Und die Quote hielt. Die Stärke der Marke Lanz beweist auch der Podcast „Lanz&Precht“ mit wöchentlich bis zu einer Million Abrufen. Die stolze Jahresgage von 1,5 Millionen Euro hat das ZDF gut angelegt.

Stimmt. Das war früher so eine reine Unterhaltungslabershow mit Kellys und Blondinen. Und irgendwann mittendrin machte der auf einmal auf wichtig und seriös.

Zurück zu FOCUS:

Was ich mich frage: Warum machen die Gäste bei Lanz das Spiel mit? Ein Aiwanger könnte sich ja auch verkabeln, mit einem Staatssekretär zum Beispiel, ein mediales Wettrüsten sozusagen. Oder mit dem Laptop auf dem Schoß sitzen: „Moment, Herr Lanz, das muss ich erst einmal gegenchecken, ob das wirklich jemand aus meiner Partei gesagt hat.“

Das Ganze hat ein Geschmäckle, wie man im Südwesten der Republik sagen würde. Aber wenn das seit Jahren Usus ist, dann haben die Gäste auch kein Mitleid verdient, wenn sie wie Lang in die Falle tappen.

Bleibt die Frage: Passiert das nur bei „Markus Lanz“? Mein guter Bekannter sagte mir am Ende: „Der Knopf im Ohr ist gang und gäbe. Maybrit Illner hat ihn zum Beispiel auch.“ Aber mit ihrer Frisur kann sie anscheinend mitten im Studio sitzen, die Haare verdecken die Ohren.

Wenn das so stimmt, würde genau das genau erklären, was ich an Markus Lanz so oft beobachtet und im Blog beschrieben habe.

Der hat eigentlich nichts in der Birne, dann kommen urplötzlich aus dem Nichts gute Fragen, aber er ist nicht in der Lage, nachzuhaken, sie zu verarbeiten. Er stellt die Fragen, plappert sie nach, und ist damit zufrieden, weil das reicht, damit die Millionen in der Kasse klingeln. Und wenn schwierige, gegnerische, aber wehrfähige Gäste kommen, braucht er den Zangengriff, um sie zwischen zwei Helfer zu setzen, die den für ihn weichkloppen und ihm sekundieren.

Das wäre so ähnlich wie bei Milli Vanilli. Das Denken macht jemand anderes und Lanz steht nur zum Tanzen und Aussehen auf der Bühne.

Es wird nicht lange dauern, und man wird Lanz durch KI ersetzen können, die einen Avatar vorgaukelt.