Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Tierärztinnen

Hadmut
15.5.2022 10:06

Ein Tierarzt schreibt mir über Tierärztinnen:

Sehr geehrter Herr Danisch,

hiermit möchte ich eine Lanze für die Tiermedizin und Tierärztinnen brechen:

Der Wandel des Geschlechtsverhältnis von einem vorwiegend von Männer ausgeübten zu einem fast reinen “Frauenberuf” hat verschiedene Gründe; eine “Frauenquote” gehört nicht dazu. Zu nennen wären unter anderem:

– Die private Haltung von Haus- und Heimtieren samt Bereitschaft, für diese mehr Geld auszugeben, hat stark zugenommen, was zur Entwicklung nicht gerade unbedeutender Industriezweige (Vitakraft, Fressnapf, Krämer usw.) geführt hat. Gleichzeitig hat sich der Status des Pferdes vom Nutz- zum Haustier / Freizeitvehikel seit ca. den 1950igern gewandelt und die Nutztierhaltung wurde zunehmend industrialisiert (i.e. die sogenannte Massentierhaltung). Letztere sorgt auch aktuell (kommendes Verbot der Anbindehaltung beim Rind) zum Verschwinden kleiner Familienbetriebe und Dominanz großer Agrarunternehmen. Der romantische Landtierarzt a la “Der Doktor und das liebe Vieh” existiert nicht (mehr).
Die Einzeltierbehandlung weicht zunehmend der Bestandsbetreuung.
Dementsprechend studieren immer mehr Menschen Tiermedizin, die eher mit Haus- denn Nutztieren etwas anfangen können.

– Das Studium und der Beruf haben sich immer mehr verändert, um den Wissenszuwachs und bürokratischen Aufgaben gerecht zu werden. Der praktische Teil der Ausbildung weicht zunehmend akademischen Themen. Gemeinsam mit dem NC und den hohen Kosten (die Lehrbücher, Praktika usw. sind nicht billig) schreckt dies die “Bauernsöhne”, die früher das Groß der Nutztierärzte darstellten, ab und fördert eher die Selektion auf fleißig büffelnde Töchter aus dem gehobenen Bürgertum (intern spöttisch auch als “Wendy-Leserinnen” bekannt), deren Hauptmotivation “Tierliebe”, nicht finanzieller Erfolg, ist. Man versucht diese im Studium mit unfairen, schlussendlich sinnlosen Selektionsmaßnahmen anfangs auszuselektieren, aber am Ende kommen die trotzdem irgendwie durch.

– Der Beruf ist eine der am schlechtesten bezahlten akademischen Ausbildungen. Betriebswirtschaft Finanzmanagement, Verhandlungsgeschick, Personalführung etc. werden bewusst im Studium ausgeklammert, die Tierärztekammern sind als Ständevertretung ein teurer Witz und Spielball der Lobbyisten von Industrie, Agrarverbänden und Politik. Seit Jahrzehnten galt: der Anfänger ist der schlecht bezahlte Depp vom Dienst, der die ungeliebten Nacht- und Notdienste schiebt und dafür dankbar sein soll, hierbei zu lernen. Seitens der Chefs wird erwartet, dass deutlich mehr als die reguläre Arbeitszeit (60h+) gearbeitet (100% Stelle bei 50% Bezahlung) und dem Kunden nicht widersprochen wird (und Tierschutzprobleme möglichst nicht nach außen gemeldet werden). Irgendwann hat der junge TA dann keine Lust mehr, wechselt zu einer besseren Stelle (oder übernimmt die Praxis) und der nächste naive Anfänger rückt nach. Dieses System funktioniert aber nicht mehr. “Früher konnte ein Tierarzt eine Familie finanzieren; heute muss eine Familie den Tierarzt ernähren”, meinte spöttisch ein junger Kollege.
Männliche Studienanfänger bzw. -absolventen kriegen das schnell mit und wandern zu lukraktiveren Ausbildungen & Jobs ab. Die Tierarzt-Ehefrau, die Familie und Haushalt schmeisst, während der Mann von früh bis spät Bauernhöfe abfährt oder in der Praxis werkelt, ist ein Auslaufmodell. Die Partner der Tierärztinnen sind meist selbst berufstätig, sodass die Vereinbarung von Beruf und Familie hier tatsächlich alles andere als leicht ist.
Vor allem die jungen Frauen wollen die Praxis nicht übernehmen, sehen keinen Sinn in stumpfer Maloche bzw. pochen auf das Arbeitszeitgesetz. Was ihnen jeder, der das hinter sich hat, auch nicht verübeln kann. Die Praxen werden dementsprechend von Konzernen wie Mars und Nestlé übernommen, was langfristig den Tierhaltern und dem tierärztlichen Beruf teuer zu stehen kommt.
Und um mit Vorurteilen aufzuräumen: es gibt genügend weibliche Tierärzte, die in der Nutztierpraxis, deren Anforderungen die meisten urbanen Männer überfordern würden, ihren Mann stehen. Und die Kleintiermedizin ist auch nicht ohne; das merkt man spätestens, wenn man nach Stunden im OP kaum mehr gerade stehen kann oder spät nachts noch mit einem unterzogenen Pitbull und dessen Assi-Besitzer kämpfen muss. Von geistig kranken oder chronisch pleiten Tierbesitzern, die kein Tier halten sollten, gar nicht erst zu reden…Wenn man dafür aber nicht anständig verdient, findet sich keiner bzw. keine.
Für Diplom- bzw. Doktorarbeiten, aber auch Internships und Residencies für den Fachtierarzt werden die Anfänger verheizt und mies bezahlt. Die vereinzelten Whistleblower werden schnell mundtot gemacht; die Professoren und die Praxisinhaber kommen damit bislang noch durch, klagen aber sofort über Faulheit, wenn der Nachwuchs ihr Spiel nicht mehr mitspielt.

Die Anspruchshaltung vieler Tierbesitzer ist zum Kotzen. Wie bei allen anderen Dienstleistern werden die Leute immer fordender, aggressiver und unverschämter, bis hin zu tätlichen Übergriffen auf TÄ und deren Personal.
Der Trend zu mehr privat gehaltenen Haus- und Heimtieren hat in der Pandemie noch zugenommen; die Leute hatten mehr Zeit und schafften sich noch mehr Tiere an. Es gilt: “Geiz ist geil”. Die Behandlung des 4000 € – Qualzucht – Mops, des unerzogenen, illegal eingeschmuggelten hochaggressiven Kangals oder des aus Südosteuropa “geretteten” Straßenköters (mit gefälschtem Impfpass) soll aber bitte nichts kosten; der Tierarzt soll gefälligst aus Tierliebe behandeln und 24/7/ 365 Tage im Jahr da sein, sonst kommt der virtuelle Lynchmob samt Shitstorm und Morddrohungen. Man kauft sozusagen einen Ferrari, hat aber dann kein Geld mehr für die Reifen und verlangt von der Werkstatt, dass sie diese verschenkt.
“Dank” dieser Zustände, fehlender gesellschaftlicher Anerkennung und nicht zuletzt Zugang zu Pentobarbital verwundert es nicht, dass die Suizidrate bei TÄ besonders hoch ist. Erst diese Woche hat sich eine kaum 30jährige mir bekannte TÄ so das Leben genommen.

Ich habe früher auch geglaubt, dass die Probleme des Berufsstands vor allem auf den erhöhten Frauenanteil zurückzuführen sind. Unter anderem auch wegen Kolleginnen, die ohne Vorankündigung das OP-Besteck fallen und den Männern die Arbeit überlassen, nur um ihre Nachzucht abzuholen. Diese “Damen” samt der “Berufsopfer*:,Innen” sind allerdings in der Minderheit. Die meisten Tierärztinnen sind pragmatisch denkende Frauen, die mit Feminismus und “Wokismus” wenig anfangen können. Die Schwätzer an den Unis, die sich diesbezüglich während des Studiums an die jungen Leute heranwanzen, finden unter angehenden Tiermedizinern daher meist wenig Gehör – allein schon weil man dafür zu wenig Zeit hat und Tieren / Krankheiten Gender, Identitätspolitik usw. herzlich egal sind.

Beste Grüße und einen schönen Sonntag

Dr. […]

Ja und Nein.

Das mag sicherlich stimmen, aber was er beschreibt, um das Problem bei den Kunden und nicht bei den Ärztinnen zu sehen, gerade auch diese unverschämte Gratis-Mentalität, ist eben doch sehr stark mit dem Feminismus und der Gesellschaftsdrift ins Linke verbandelt.

Ich würde das gerne nochmal aus Sicht eines Landwirts mit Viehzucht hören.

Und dass Tierärztinnen erhöht zur Selbsteinschläferung neigen, ist für mich zwar neu, aber überhaupt nicht überraschend, weil mir ähnliche Zuschriften aus anderen Berufsbereichen vorliegen – nicht gleich bis zum Suizid, aber bis zur suizidnahen Verzweiflung, weil der Feminismus den Frauen seit mindestens 40 Jahren vorgaukelt, dass das alles gleichzeitig gehen muss und kann: Frau, Mutter, Gattin, Sexkonsumentin, Karrierefrau und und und.

Ich höre das inzwischen aus vielen Richtungen, dass viele Frauen gerade am Feminismus und seinen Erwartungshaltungen zerbrechen. Das, als was der Feminismus-Genderismus die Frau glorifiziert, kann man eigentlich nicht schaffen. Dementsprechend habe ich in meinem Bekanntenkreis eigentlich auch keine Frauen, die dem entsprechen. Die haben sich allesamt entweder für das Muttersein mit Kindern oder für die Berufstätigkeit entschieden. Und die, die berufstätig sind, haben alle keine Karriereambitionen, sondern haben sich irgendwas gesucht, wo sie eher unauffällig vor sich hin arbeiten können und mehr oder weniger in Ruhe gelassen werden.

Allerdings sehe ich für den Beruf des Tierarztes gerade ohnehin keine so rosigen Aussichten. Denn Fleisch wird teuer, die Grünen wollen uns auf vegan umstellen, und die Nutztierhaltung zum Zweck der Fleisch- und Milchproduktion drastisch reduzieren, wenn nicht gar abschaffen. (Irgendwo hat mal ein Landwirt berichtet, dass er manchmal Schulklassen auf Klassenausflug zu Besuch hat, und dass viele Kinder nicht wissen, dass Milch aus der Kuh und das Schnitzel aus dem Schwein kommt, oder überhaupt je welche gesehen hätten.)

Gleichzeitig werden die Städte mit Menschen vollgedrückt bei unzureichender Wohnraumproduktion, und die Wohnverhältnisse immer stärker verdichtet. Viel mehr als ein einsamer Kanarienvogel, ein psychotischer Wellensittich oder ein verzweifelter Goldfisch mit Wunsch sich zu ertränken wird da nicht mehr gehen. Dazu ein paar Kampfhunde.

Es ist eine Frage der Zeit, bis grüne Politik von den Tierärzten fordert, mit der Zeit zu gehen und sich vom Zoologischen abzuwenden und vegan zu denken, sich der Botanik zuzuwenden. Künftig werden wir sicherlich Kartoffeldoktoren und Rübenärzte brauchen, wenn man den Grünen so zuhört.

Im Ernst:

Die Innung sollte sich schleunigst mal Gedanken darüber machen, wohin eigentlich ihr Berufsbild gehen sollte und wohin es gerade trudelt. Die Durchfeminisierung ist normalerweise ein Untergangsindiz. Siehe Lehrer.