Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Gucken ist jetzt strafbar

Hadmut
14.5.2022 20:58

In London kann man jetzt ins Gefängnis kommen, wenn man falsch guckt.

Oder: Was kommt nach der Pandemie?

Siehe LBC

A senior police officer has urged everyone who witnesses “intense staring” on the London Underground to report it, amid concerns it could be an early sign of unhealthy sexual behaviour.

Oder auch telegraph:

Staring is sexual harassment, Sadiq Khan tells London commuters

Mayor and police tell passengers not to look at each other in an ‘intrusive manner’, but warning is criticised as ‘extremely vague’

Staring is sexual harassment, London commuters have been warned, as police and the mayor told train passengers not to look at each other in an “intrusive” manner.

Seven new posters have started appearing in stations across the capital as part of a Transport for London campaign against “common examples of sexual harassment” – including cat calling, exposing, pressing, cyber-flashing, upskirting and touching.

Also on the list is “staring”, with one poster telling travellers: “Intrusive staring of a sexual nature is sexual harassment and is not tolerated.”

The poster, which features emblems for the Mayor of London and British Transport Police, tells Londoners to report incidents to the authorities. TfL said that “the strongest possible action will always be taken”.

The poster has faced criticism for being “extremely vague” and potentially incriminating people caught innocently staring.

Aha. Gleich „the strongest possible action will always be taken“. Für’s Gucken.

In australischen ehemaligen Gefängnissen, die man zu Museen umgebaut hat, um die unmenschliche und maßlose Brutalität und Strafexzessivität der Briten zu zeigen, werden Beispiele von Strafurteilen gebracht. In irgendeinem dieser Museen hatten sie einige Fälle, und beim Betreten des Museums bekam man so ein Faltblatt im Stil einer Häftlingsakte, zufällig ausgewählt eines dieser Fälle. Ich hatte das Faltblatt eines Mannes, dem nicht mehr vorgeworfen wurde, als dass ihn jemand beschuldigt hatte, auf der Straße draußen geflucht zu haben. Angehört wurde er nicht, schuldig durch Beschuldigung. Urteil: Lebenslange Verbannung in die Strafkolonie Australien. Weiß nicht mehr, aber ich glaube, die damals obligatorischen Peitschenhiebe mit der neunschwänzigen Katze gab es noch dazu. Wie man überhaupt viel Museumsraum auf das Auspeitschen und Hängen verwendete. Für geringste Vergehen und solche, die man gar nicht als Vergehen wahrnehmen würde.

Vermutlich dürfte es dann die nächste Generation Masken geben. Nach der COVID-Maske dann das Augenvisir, damit man nicht sieht, wohin man guckt.

Mich erinnert das an einen Ratschlag, den ich mal las, den westliche Frauen in arabischen Ländern beherzigen sollten: Verspiegelte Sonnenbrillen tragen. (Kriegt man die noch? Sind doch völlig aus der Mode.) Weil sich der gemeine Sohn der Wüste durch den Augenkontakt einer Frau direkt zum Beischlaf aufgefordert fühle. Deshalb sei die Spiegelbrille ein probates Mittel, den Augenkontakt zu unterbinden, weil er ja nur sich selbst sieht.

Mir ist mal sowas in Boston passiert. Ich saß in der U-Bahn, und mir direkt gegenüber setzte sich ein Schwarzer ein einem überaus seltsamen körperlichen Gesamtzustand. Geradezu grotesk war aber seine Knabberleiste. Offenbar hatte er mehrere Zähne nebeneinander verloren und stattdessen eine Zahnprotese drin, die völlig stümperhaft gefertigt war und aussah, als wäre sie in der Steinzeit entstanden. Sah aus wie aus purem Gold, also sehr auffällig, aber so eine komplette, viel zu große Leiste über die Fehlstelle mehrere Zähne, grotesk unpassend, mehrere Zähne so mit einer Leiste abgedeckt, in die man drei oder vier krumme Rillen geritzt hatte, um die Zahnzwischenräume anzudeuten. Ich habe wohl für den Bruchteil einer Sekunde blöd geguckt, weil ich sowas nie zuvor (und auch seither nie wieder) gesehen habe. Die Kombination aus katastrophalem Murks und purem Gold war einfach unfassbar. Sofort ging der auf mich los und brüllte mich fürchterlich an, ich hätte ihn nicht anzustarren. (Was erwartet der, wenn der mit so einem Goldbalken im Maul rumläuft und das noch weit aufstellt?) Smartphones, auf die man hätte gucken können, gab es noch nicht, als habe ich meine Kappe so weit runtergezogen, dass ich nur noch die Füße anderer sehen konnte (damit ich merke, wenn einer auf mich zukommt), aber da war die Schildmütze schon so eine Art Schutzvisier.

In der Pandemie sind ja, zumindest für Krankenhäuser und Ärzte, ich habe sowas die Tage aber auch noch in einem Krimskramsladen gesehen, diese Gesichtsvisiere aufgekommen, bei denen man die Halterung auf den Kopf setzt, und in die dann eine Plastikfolie eingesetzt wird, die das Gesicht abdeckt. Sowas wird man in der Londoner U-Bahn dann mit Spiegelfolie tragen müssen, um nicht ins Gefängnis zu kommen.

Eigentlich wollte ich mal wieder nach London. Ist mir aber zu gefährlich geworden.

Obwohl: Vielleicht mit Blindenstock? I identify as blind?