Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Mathematik in Bayern

Hadmut
8.5.2022 12:18

Ach, guck. Das Abitur.

Wir hatten das ja gerade, dass sich die Abiturienten in Baden-Württemberg über die angeblich schwersten Abi-Aufgaben aller Zeiten beschwert haben (aller Zeiten = letzte 5 Jahre).

In Ermangelung der Kenntnis der Aufgaben Baden-Württembers hatte ich die Aufgaben von Bayern verlinkt. Und bereits geäußert, dass die auf mich eher einfach und straigt forward wirken.

Dazu schreibt mir ein mir persönlich gut bekannter Mathematiker meiner Altersklasse aus Bayern:

Hallo Hadmut,

das Mathe-Abitur war in Bayern 2022 deutlich vereinfacht. Du hattest es ja verlinkt.
Man hat zB alle trigonometrischen Funktionen gestrichen (erzählte mir ein befreundeter Vater eines Abiturienten).
Die Aufgaben erscheinen mir sehr einfach. Allerdings eine Bearbeitungszeit von nur 70 Minuten ist knapp

Viele Grüße

Dazu müsste man wissen, wieviele Aufgaben man bearbeiten und wieviele Aufgabenpunkte man holen muss, um die 1,0 (oder 15 Punkte). Wenn man die nämlich gar nicht alle lösen muss, sondern sich beispielsweise aus jedem Thema eine aussuchen darf, also eine Auswahl treffen kann, wird es dadurch ja leichter und nicht schwerer.

Ich weiß nicht mehr, wie lange wir damals Abi-Prüfungen hatten. Aber bei uns war für jede Prüfung ein ganzer Tag veranschlagt, und ich habe so in Erinnerung, dass wir da jeweils drei oder vier Stunden hatten. Ich weiß zumindest noch, dass wir Getränke mitbringen durften und dass die fachfremden Lehrer, die nicht zur Prüfung selbst eingesetzt wurden, den Weg zum Klo und das Klo selbst bewachten, damit da keine Gespräche stattfinden oder Spickzettel benutzt werden (bei den Jungs stand einer beim Pinkeln in der Nähe, bei den Mädchen ging das nicht.) Es war also auf jeden Fall deutlich länger als 70 Minuten, bei uns gingen ja viele Kursarbeiten schon über eine Doppelstunde, also 90 Minuten.

Die kurze Dauer zeigt schon, dass es um Reproduktion erlernten Wissens und nicht mehr um Nachdenken und Aufgaben lösen geht. Denn bei uns damals waren das wirklich Aufgaben, über die man rätseln und nachdenken musste, um auf eine Lösung – genauer: Einen Lösungsweg – zu kommen, und nicht einfach nur im Unterricht an der richtigen Stelle aufgepasst haben musste.