Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Der 1. und der 15.

Hadmut
28.8.2021 22:02

Beim Einkaufen.

Ich war vorhin im Supermarkt. Komme rein und wundere mich. Die Abteilung für Frischgemüse fast ratzeputz leer. Kaum was da. Leere Regale.

Mmmh.

Hat das vielleicht irgendwie mit dem Eisenbahnstreik zu tun?

Streikt jemand anderes? Die Bauern?

Fachkräftemangel bei den LKW-Fahrern?

Irgendwas mit Corona?

Wieder ein Schritt näher am Sozialismus? So ein schleichendes DDR-Gefühl?

Ich erinnere mich, die Tage irgendwo einen Artikel gelesen zu haben, dass sie in England leere Supermarktregale und massive Versorgungsengpässe hätten. Weil dort gerade Streik und Fahrermangel und Corona und Politikerversagen und Brexit und noch irgendwas alles zusammenkommen.

Ich hatte in Erwägung gezogen, eine Gemüsesuppe zu fertigen. Was ich normalerweise nur im Herbst, Winter und kaltem Frühling mache, das ist bei mir so ein Winter-Essen, aber irgendwie haben wir ja gerade so einen Spät-Herbst-August, ich bin der einzige Kunde in kurzen Hosen. Ich kann mich erinnern, mich vor Jahren im Blog mal darüber aufgeregt zu haben, dass sie im August oder September schon den Weihnachtskram raustun. Diesmal würde es passen. Fridays for Future könnte diesem glatt im August gegen Klimaerwärmung demonstrieren und dabei frieren.

Habe mir aber keine weiteren Gedanken darüber gemacht. Koche ich halt irgendwas anderes. Oder gar nichts.

Hatte das auch schon wieder vergessen. An der Kasse bezahlt. Stand hinter der Kasse und war dabei, mein Zeugs wieder in den Einkaufswagen zu legen. Wie ich mich gerade so runterbeuge, höre ich, wie der nächste Kunde mit der Kassiererin spricht. Ich habe die Frage nicht genau mitbekommen, er schien sie näher zu kennen und fragte irgendwas, wie es ihr gehe, irgendwie sah sie wohl etwas erschöpft aus. Oh, ihr Klagelied. Heute sei es wieder ganz schlimm gewesen. Wahnsinnsumsatz, sie hätten wieder in Horden hemmungslos alles gekauft. Am 1. und am 15. sei es immer so schlimm. Die Hölle. Der nachfolgende Kunde hatte irgendwie signalisiert, dass er ihr nicht folgen könne. Und sie erklärte, dass die Leute am 1. und am 15. ihre Gehaltsüberweisungen bekommen und dann einkaufen gehen wie bekloppt. Und jetzt sei gerade wieder der 1.

Weil ich sie gerade angeguckt hatte, weil ich ein Fläschchen Soja-Sauce vom Kassiertisch angelte, fragte ich verdutzt „Ist denn heute der 1.?“ Mir war nämlich so gewesen, als wäre heute erst der 27. oder 28. Kann ich mich so verschätzt haben? Zeitschwund? Paar Tage nicht mitbekommen?

Nein, aber für sie sei heute eben der Erste.

Ich so Fragezeichen-Gesicht.

Na, erklärt sie mir, wenn man heute einkauft, geht die Lastschrift erst Montag raus und wird frühestens Dienstag gebucht. Und weil heute Samstag ist, kaufen sie ein, was da ist.

Mmmh.

Also, dass einem das Geld knapp ist und man versucht, nicht mehr auszugeben, als man bekommt, ist für mich nachvollziehbar, das ist naheliegend. Und dass man sich etwas zurücknehmen muss, auch.

Aber ist es sinnvoll, am ersten Tag, wenn das Geld da ist, einzukaufen, dass die Schwarte kracht, und dann den Rest des Monats knausern zu müssen, bis das nächste Gehalt kommt?

Wäre es nicht sinnvoller, permanent, gleichmäßig wöchentlich einzukaufen, und sich jedesmal zu überlegen, was man noch hat und was man braucht und wieviel Geld man pro Woche hat?

Es spart vielleicht etwas Zeit und auch Benzin, nur einmal im Monat groß einzukaufen. Aber dann hat man ein paar Tage frische Lebensmittel und ansonsten Zeugs, was einen Monat rumstehen muss.

Mir leuchtet das Konzept nicht sehr ein.