Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Deep Throat

Hadmut
28.8.2021 20:32

So von wegen kulturell-historische Pornos.

Zum Blog-Artikel von vorhin:

Also so ganz als lächerlich würde ich das mit den historischen Pornos nicht einstufen.

Zum einen, weil Pornos immer wieder Technologieschübe gebracht haben. Nicht nur die VHS-Kassette, die DVD und auch der Streaming-Bereich wurden von der Pornographie vorangetrieben, und ich weiß nicht mehr, wieviel, aber ein erstaunlich großer Teil des Internet-Verkehrs soll aus Pornos bestehen.

Auch die Frühzeit der Fotografie war unbestreitbar stark pornographisch geprägt. Kaum dass das Zeug halbwegs funktionierte, sind aus der Zeit so vor und um 1900 massenweise Bilder der Kategorie deftiger Schweinkram überliefert. Vieles noch experimentell früh, aber manches auch richtig toll. Wobei man doch sehr häufig merkt, dass da der Hausherr das Dienstmädchen ausgezogen und eingespannt hat.

Auch die großen klassischen Werke, Renaissance, Rubens, und so weiter und so fort, waren ja letztlich auch oft Wandpornos im Rahmen des damals möglichen. Jede Menge Schlösser mit Schweinkram in Öl an der Wand. Neulich war in doch in Sanssouci. Weiß nicht mehr genau. Hatte der nicht in der großen Halle geradeaus hinter der Eingangshalle oben im Rondell so kleine Schweinereien auf dem Rand rumsitzen?

Naja, und dann eben die alten Griechen mit ihren Vasen, die Römer mit ihren Bordellen in Pompeiji, Kamasutra und so weiter und so fort. Es gibt Zoos, die ihren Menschenaffen Pornos zeigen, um sie auf produktive Ideen zu bringen.

Mindestens zwei Elemente der Pornogeschichte halte ich für beachtlich.

Einmal den Hustler. Obwohl das wirklich der letzte Schund war, aber den Doku-Film The People vs. Larry Flynt (deutsch: Die nackte Wahrheit) sollte man gesehen haben, wenn man die Krankheit der amerikanischen Gesellschaft und den ganzen feministischen Schwachsinn halbwegs verstehen will. Flint war ein lausiger Pornograph, ein Dummschwätzer obendrein, aber gerade deshalb sehr wichtig und wertvoll für Bürgerrechte.

Und: Deep Throat. Ein amerikanischer Porno von enormem Einfluss auf die amerikanische Gesellschaft.

Ich habe mal vor einigen Jahren auf der Berlinale einen Film über Deep Throat gesehen, in dem es um die Schauspieler und das Tohuwabohu um die Aufführung ging, wer sich alles aufregte. Auch das gehört mit in diesen Handlungsstrang, den auch die Story um Hustler/Larry Flynt anspricht, diese unsägliche Bigotterie und Verlogenheit der amerikanischen Gesellschaft.

Ich hatte damals mal versucht, irgendwo den Film Deep Throat selbst aufzutrauben. Nicht, dass ich einem Porno von 1972 irgendeinen Wert beimäße oder erwarten würde, darin irgendwas zu sehen, was ich würde sehen wollen. Vermutlich Schamhaare vom Volumen des damals angesagten Afro-Looks.

Oder der beknackte Plot, der von Wikipedia so beschrieben wird:

Linda, etwa 20 Jahre alt, hat sexuelle Probleme. Laut ihrer Aussage hatte sie noch nie einen Orgasmus. Auch ihre Freundin Helen kann ihr nicht weiterhelfen, und der von ihr für Linda organisierte Gruppensex befriedigt nur sie selbst. Daraufhin wird Linda von Helen zu Dr. Young geschickt, der unter Zuhilfenahme eines Fernrohrs feststellt, dass Linda keine Klitoris hat – zumindest nicht da, wo Frauen sie normalerweise haben. Er findet den verschollenen Kitzler aber bald darauf in Lindas Kehle, woraufhin sie ihre Erfüllung per Oralsex sucht und auch findet.

Daraufhin beginnt sie als Dr. Youngs Assistentin zu arbeiten und beglückt damit nicht nur sich selbst, sondern auch dessen Patienten. Die Handlung endet damit, dass sie mit einem Mann schläft, der ihr kurz zuvor einen Heiratsantrag gemacht hat.

Au weia.

Aber einfach mal um zu verstehen, worüber die sich daran so aufgeregt haben. War es der Inhalt? Die Darstellung? Oder der Umstand eines Einstünders, der in Kinosälen lief?

Es hieß ja, es sei einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten, gemessen im Verhältnis von Produktionskosten zu Ertrag. 25.000 Dollar Produktionskosten, 600 Millionen Dollar Einspielergebnis. Dollars von 1972, wohlgemerkt. Daraus hätte man Apple und Microsoft gründen und zu 100% besitzen können.

Der Film scheint im freien Handel nicht mehr zu haben zu sein. Kam aber 2008 in den Niederlanden im normalen Fernsehen in einem Themenabend Pornographie.

Man kann die Krämpfe des Feminismus nicht völlig verstehen, ohne diese Elemente zu berücksichtigen.