Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Zum subtilen Unterschied zwischen Sandokan und Käpt’n Kirk

Hadmut
20.8.2021 18:24

Was Filmisches.

Ein Leser meint, man könne Sandokan weder verstehen noch zitieren, ohne auch auf die Film-Musik der Oliver Onions dazu hinzuweisen:

*Seufz*

An die Musik hätte ich mich jetzt gar nicht mehr erinnert, und dass die von den Oliver Onions kam, wusste ich auch nicht. Aber die Serie ist mir noch gut in Erinnerung. Gemacht zu einer Zeit, als man noch Actionfilme machen konnte, in dem ein Haufen Männer mit Säbeln schreiend durch den Wald rennen.

Die Augen. Die Herzen der Frauen waren seins.

Ich habe es zwar auch geguckt, aber mir ging damals etwas auf den Wecker, was mir durch den Musik-Ausschnitt wieder in Erinnerung kam: Die schwarz geschminkten Augen.

Es war nämlich das Gegenteil von etwas, was mir damals auch auf die Nerven ging. In vielen Hollywood-Filmen der 1950er und 60er Jahre war das üblich, Szenen dramaturgisch zu verstärken, in dem der Protagonist (vertretungsweise im Falle seiner Verhinderung auch der Antagonist) so leicht entsetzt und unheilahnend einen festen, bewegungslosen Blick für die Kamera ablieferte und die dann so ein Augenlicht drauflegten, also einen horizontalen Lichtstreifen, der selektiv die Augen heraus hob. Also ob da einfach irgendwo ein Lichtstreifen genau auf die Augen herumhängt. Ganz entsetzlich. Ist mir nämlich auch immer wieder bei den alten Folgen von Raumschiff Enterprise aufgefallen, immer bei Käpt’n Kirk. Das wusste man immer: Jetzt wird es gefährlich, jetzt kann nur Kirk die Welt retten. Fand ich unheimlich bekloppt, aber der Wechsel von den hellen Augen wie bei Kirk zu den schwarzen Glutaugen bei Sandokan ist mir damals als noch bekloppter aufgefallen. Ganz neu war das allerdings auch nicht, das Prinzip gab es bei Batman schon.

Keine Ahnung, wie lange so ein Alphamann wie Sandokan morgens im Bad braucht, um sich für den Tag zu schminken.

Aber: Die zugehörige Schöne war natürlich weiß und blond, womit die Serie damals das Ideal der Liebe zwischen der tadellos reinen Schönheit und dem glutäugig-mähnigen Wilden setzte. Den ersten Filmkuss zwischen Schwarz und Weiß setzte übrigens Kirk mit Uhura, in den Sechzigern war das aber noch ein Skandal. Bei Sandokan in den Siebzigern war es ein Ideal. Ich überlege immer noch, ob das Einfluss auf die Mädchen untern den Zuschauern gehabt haben könnte, die dann 40 Jahre später mit Teddies und Blumensträußen am Bahnhof stehen, weil sie immer noch auf Sandokan warten.

Wie ich gerade so überlegt habe, wo ich jetzt ein Beispiel für einen Blog-Artikel herbekomme, lief im Fernsehen gerade ein Beitrag zum x.ten Todestag von Rio Reiser, König von Deutschland. Und da brachten sie einen kurzen Aussschnitt aus dem Tatort-Krimi „Im Herzen Eiszeit“ von 1995, in dem die Müncher Kommissare Batic und Leitmayr nicht nur in gruseligen 80er/90er-Klamotten rumlaufen und auf die Billig-Version von Crockett und Tubbs mit Beamtentaktung machen, sondern in der auch Rio Reiser einen Gastauftritt als der Verdächtige hatte und vernommen wird. Ich dachte, ich fall’ vom Stuhl: Just in dem Augenblick, in dem ich überlegte, wo ich ein Beispiel für das Augenlicht herbekomme, kam dieser Tatort-Ausschnitt, in dem sie genau das (noch in den 90ern) einsetzen:

Schrecklich.