Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Mehr Plagiatsvorwürfe – oder?

Hadmut
20.8.2021 15:12

Neue Vorwürfe gegen Franziska Giffey. Fragt sich, was sie wert sind.

Gerade geht durch die Medien, dass der Vorwurf erhoben werde, dass Franziska Giffey nicht nur in ihrer Doktorarbeit, sondern auch in ihrer Masterarbeit abgeschrieben habe. Soweit ich jetzt finden konnte, ist die Ur-Quelle t-online, die beanspruchen, das „exklusiv“ zu haben:

“Einfachste Grundsätze des wissenschaftlichen Arbeitens verletzt”

Anatol Stefanowitsch, Professor für Sprachwissenschaften an der Freien Universität Berlin, hat Giffeys Masterarbeit in den letzten Monaten intensiv untersucht. Unterstützt wurde er dabei unter anderem von einem Politikwissenschaftler. Nach Wochen der Sichtung und mühsamer Quellenarbeit fällt Stefanowitschs Urteil hart aus: “Die Masterarbeit ist in großen Teilen ein Flickenteppich aus Plagiaten”, sagte er t-online. “Einfachste Grundsätze des wissenschaftlichen Arbeitens wurden verletzt.”

Bis eben noch hätte ich alles geglaubt, dass Franziska Giffey abgeschrieben hat. Im Text steht, dass sie ihre Masterarbeit noch unter ihrem damaligen Namen “Franziska Süllke” abgegeben hat, und da fragt man sich bei der schon, hat sie wirklich geheiratet oder nur den Nachnamen Giffey irgendwo abgeschrieben. Ich habe die noch nie live erlebt, aber wenn ich die in Interviews sehe oder sowas wie „Gute-KiTa-Gesetz“ lese, nehme ich der Frau nicht mal ohne weiteres ab, dass sie die Kindergartenabschlussprüfung selbst bestanden und es eigener Leistung bis zur Grundschule gebracht hat.

Ich hatte oft beschrieben, dass ich immer wieder den Eindruck habe, dass Mädchen sich zunächst körperlich und geistig schneller entwickeln als Jungs, weil die Natur sie möglichst schnell in gebärfähigem Zustand haben will. Dann bei vielen aber nichts mehr kommt. Während Jungs Spätzünder sind, und dann erst ab 20 loslegen, weil deren biologische Aufgabe nicht nur nicht auf ein Kind pro Jahr beschränkt ist und sie deshalb die Lebenszeit anders nutzen können, sondern vielleicht auch, weil das „Halbstarkentum“ einer gewissen Selektivität dient: Die sollen wohl erst die Rangordnung klären und den stärksten und gesündesten Kerl unter ihnen ausfechten, bevor der sich fortpflanzen darf, das dann aber mit vielen, weshalb unter Männern wohl der biologische Schwerpunkt auf dem Auslesevorgang liegt, bei den Frauen aber auf die sexwillige Frühreife. Unterschiedliche Strategienen aufgrund unterschiedlicher Fortpflanzungskapazitäten: Bei Männern langwierige Bestenauslese, und der Beste befruchtet sie dann alle. Bei Frauen schlicht Masse, Menge, Quantität: Alles, was da ist, soll mit nur geringer Auslese (kurzer Blick: Schönheit? Halbwegs gerade und gesund? muss reichen), aber dafür so früh wie möglich und so viel wie möglich schwanger sein. Wenn man mal drüber nachdenkt: Effektive Optimierungsstrategie. Beschreibt das Geschlechterverhalten sehr gut.

Und Franziska Giffey wirkt auf mich, wie irgendwo zwischen 12 und 13 stehen geblieben. Höchstens wie 14 im ersten Halbjahr.

Dass die abgeschrieben hat, würde ich sofort glauben. Skeptisch und zweifelnd wäre ich erst, wenn einer ankäme und herausgefunden haben will, dass sie eine akademische Arbeit selbst verfasst habe.

Aber muss es denn ausgerechnet Anatol Stefanowitsch sein, der selbst unter dem peinlich schlechten Maßstab linker Berliner Professorenschaft noch ein herausragender Dummschwätzer ist?

In letzter Zeit hatte ich etwas weniger von dem gehört, eigentlich länger nichts mehr, aber früher mal sehr viel, als der noch marxistisch-feministische Ansichten zur Sprache als wissenschaftliche Erkenntnis zum Besten gab. Der Typ gibt knalldummen ideologischen Schwachsinn als Sprachwissenschaft aus, und ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, dass der jemals etwas gesagt hätte, was ich für irgendwie brauchbar, richtig, zustimmungsfähig oder belastbar gehalten hätte. Und ausgerechnet dem jetzt einfach glauben? Nein. Das muss man selbst im Falle Giffey mit höchst spitzen Fingern anfassen. Die sind in meiner Wertschätzung beide weit unter Null. Zumal ich einem wie Stefanowitsch sagen würde, dass er erst mal seinen eigenen Mist kärchern sollte, bevor er bei anderen messen geht. Ich glaube nämlich, ohne es geprüft zu haben, nach meiner Einschätzung dieses Typen nicht, dass bei dem irgendetwas an Veröffentlichungen übrig bliebe, wenn man da mal wissenschaftliche Maßstäbe anlegte. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Das Problem daran: Der ist Geisteswissenschaftler. In Berlin. Die haben gar keine wissenschaftlichen Maßstäbe, die man anlegen könnte. Die nehmen alles, solange es weit links ist.

Giffey legte die Arbeit mit dem Titel “Der Europapreis der Parlamentarischen Versammlung des Europarats” 2005 unter ihrem Geburtsnamen “Süllke” an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege vor. Da war sie bereits Europabeauftragte des Berliner Bezirks Neukölln, ein aufsteigender Stern in der Kommunalpolitik.

Die Analyse der Forscher liegt t-online exklusiv vor. Die Masterarbeit wurde außerdem von t-online an der Fachhochschule, die heute Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) heißt, eingesehen. An diesem Freitagmittag wird die Dokumentation der Forscher im Netz veröffentlicht. Noch ist ihre Prüfung nicht vollständig abgeschlossen, manche der von Giffey angegebenen Quellen sind schwer oder gar nicht mehr aufzutreiben. Stefanowitsch und seine Mitstreiter hoffen mit der Veröffentlichung auch auf Hilfe bei der Quellenarbeit.

Ich habe die Motivation dahinter noch nicht ganz verstanden. Was bringt einen Linguistiker dazu, Masterarbeiten an einer Hochschule für Wirtschaft und Recht auf Plagiate zu untersuchen?

Warum greift überhaupt ein stramm Linker eine ebenfalls stramm linke SPD-Politikerin an? Und das kurz vor der Wahl zur regierenden Bürgermeisterin von Berlin?

Irgendwer will da wohl verhindern, dass die Bürgermeisterin wird. Verständnisfrage: Wer sonst? Wer sind da die Konkurrenten? Wer hätte den Nutzen davon, wenn man Giffey absägte? Mit wem hat sie Krach?

Oder ist es vielleicht einfach so, dass dessen bisheriges Thema, Gendersprache, inzwischen jeden so ankotzt, dass er damit keinen Blumentopf mehr holt und sich was anderes sucht?

62 Plagiate auf 91 Seiten

Schon jetzt aber haben die Forscher 62 Stellen in der 91 Seiten (mit Anhang 141 Seiten) langen Arbeit festgestellt, die sie als mehr oder minder schwere Plagiate bewerten. Auf knapp einem Drittel der Seiten haben sie mindestens einen oder gleich mehrere Absätze gefunden, die wörtlich aus anderen Quellen übernommen wurden, aber nicht als wörtliche Übernahmen gekennzeichnet wurden, sagt Stefanowitsch. Manchmal seien die zu den Inhalten passenden Quellen außerdem erst später im Text genannt oder ganz andere Quellen angegeben worden.

Die Dokumentation der Forscher ist 45 Seiten lang. Passagen aus Giffeys Arbeit stellen sie akribisch und in tabellarischer Form den Originalpassagen gegenüber. Mehrfach wurden in die Masterarbeit ganze Absätze hineinkopiert, ohne ein einziges Wort zu ändern. Manchmal stammen die Originalsätze aus wissenschaftlichen Arbeiten, manchmal wurden sie aber auch von städtischen oder touristischen Webseiten kopiert.

Für mich lesen sich die Beispiele, die dann gebracht werden, schon nach sehr eindeutigen Plagiatsnachweisen, da hat Giffey wohl schon ihre Masterarbeit per Copy-and-Paste zusammengeklatscht. Es liest sich aber auch wie: Einfach mal den Text aus deren Masterarbeit bei Google eingeben und gucken, was Google dazu findet.

Ob böser Wille oder Überforderung der Grund war, will Stefanowitsch nicht bewerten. Es wirke allerdings, “als ob gar nicht erst versucht wurde, die Arbeit eigenständig zu formulieren”. Dabei habe Franziska Giffey, damals noch unter dem Namen Süllke, vor der Masterarbeit bereits ein Studium zur Diplom-Verwaltungswirtin abgeschlossen. Auch diesen Abschluss erlangte sie – nach eigenen Angaben von 1998 bis 2001 – an der Fachhochschule, an der sie den Master ablegte. Mit den Regeln des wissenschaftlichen Zitierens hätte sie also bestens vertraut sein müssen, findet Stefanowitsch.

Nein.

Denn wir sind im Zeitalter der Frauenförderung, von Stefanowitsch ja selbst mit betriebem. Frauen können seit den 90er Jahren in allem einen Abschluss bekommen, es bis zur Professorin bringen, ohne mit irgendwas vertraut zu sein. Siehe Baerbock.

Ich habe das ja beschrieben und sogar oft selbst miterlebt: Frauen geben den wirklich allerletzten Mist, offenkundig strunzedoof und durchgehend grob falsch, als Dissertation ab und bekommen dafür den Doktor mit Auszeichnung, einfach weil sie Frau sind und die Fakultät eine Frauenquote zu erfüllen hat. Oder bekommen gleich die Professur für ein Fachgebiet, zu dem sie sich nicht äußern können.

Hat Stefanowitsch hier also ein Plagiat entdeckt oder einfach nur die Auswirkungen der Verblödung, deren Propagandist er selbst ist oder zumindest lange war? Hat er gerade entdeckt, zu welcher Hochschulverblödung der von ihm selbst propagandierte Feminismus führt?

Gar eine Kehrtwende?

Giffey erklärte bei ihrem Rücktritt als Ministerin, dass sie ihre Dissertation “nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben habe”.

Was heißt das schon, wenn man beides nicht hat?

Als “fatales Zeichen” und “Schlag ins Gesicht” wertet der Sprachwissenschaftler eine nun mögliche “Bürgermeisterin Giffey” für den Wissenschaftsstandort Berlin – und für Giffeys Parteikollegen Michael Müller. Müller, der nie selbst studiert hat, genießt in der Wissenschaftslandschaft einen exzellenten Ruf. Der gelernte Drucker und Bürokaufmann hat in den letzten Jahren als Wissenschaftssenator reichlich Gelder für seine Spitzen-Hochschulen eingesammelt. Das Lob für ihn ist in diesem Bereich groß.

Müllers Vermächtnis würde “zerstört”, findet Stefanowitsch, “wenn nun jemand auf ihn folgt, der die Regeln des wissenschaftlichen Arbeitens so mit Füßen getreten hat.”

Ach. Hat man vielleicht Angst, dass dann weniger Geld kommt, wenn Giffey Bürgermeisterin ist, weil die für wissenschaftliches Arbeiten nichts übrig hat?

Ich komme mir bei solchen Diskussionen immer etwas komisch vor.

Weil ich Informatiker bin.

Ich habe auch eine Diplomarbeit geschrieben. Nur war bei uns damals die Diplomarbeit nicht die Leistung, sondern lediglich die schriftliche Dokumentation zur Leistung. Die Leistung bestand darin, irgendwas zu machen. Bei mir: Einen Parallelrechner zu bauen (ich habe da wirklich im Labor gesessen, die Platine debuggt und Fehler korrigiert, das Ding zusammengelötet, getestet, programmiert, zum Laufen gebracht und Leistungsmessungen betrieben, Leistungsbeweise erbracht). Das wäre gar nicht möglich gewesen, da irgendwas zu plagiieren, weil es sowas in der Art vorher noch nie gab, und vor allem: Weil die Diplomarbeit als Text nachrangig war. Was bewertet wurde, worauf es ankam, war, dass die gesehen haben, dass ich da aus Einzelteilen das Ding zusammengebaut, Fehler erkannt, gesucht, behoben, und das Ding zum Laufen gebracht habe. Dass ich da einen funktionsfähigen Rechner als Prototypen und Einzelstück hinstellen, einschalten, vorführen und das Ding erklären und beschreiben konnte. Die Diplomarbeit wurde da nur als die schriftliche Dokumentation der Leistung aufgefasst, nicht als die Leistung selbst. Das Leistungskriterium war: Einschalten – geht.

Das war aber nicht nur bei mir so. Das war, so weit ich das damals überschauen konnte, in allen technischen Fächern so, dass man irgendwas gemacht hat und die Diplomarbeit als Text nur die Dokumentation dazu war. Was war das Problem? Wie bin ich drangegangen? Was ist die Lösung? Was kann die Lösung? Wo ist der Fortschritt? Gut, trennt sich noch etwas in Diplom- und Doktorarbeit, weil die Diplomarbeit eigentlich nichts Neues enthalten muss, sondern nur den Nachweis, dass man das Fach beherrscht. Das Meisterstück in den Handwerken muss ja auch nicht neu, sondern gut sein.

Das ist aber ein Grund für meine Abneigung gegenüber diesen Geisteswissenschaften:

Der Text selbst soll da dann die Leistung sein, nicht mehr nur die Dokumentation der Leistung.

Es gibt keine Tätigkeit mehr, die unabhängig vom abgegebenen Text wahrgenommen, beobachtet werden kann. Da ist keiner im Labor und lötet, mischt, kocht, misst, rührt, macht irgendwas, kein greifbares, messbares, überprüfbares Ergebnis. Sondern einfach nur irgendein Geblubber, von dem man nicht weiß, wo es herkommt, und nicht weiß, was es leistet, das dann völlig willkürlich bewertet wird.

Insofern geht mir die Diskussion, welche Arbeit nun wo welches Plagiat enthielt, so langsam auf die Nerven.

Wir bräuchten viel mehr mal eine Diskussion darüber, was Geisteswissenschaften überhaupt an den Universitäten verloren haben und wieso man überhaupt eine Masterarbeit in Geisteswissenschaften schreiben kann, wenn die keine erbrachte Leistung beschreibt, sondern einfach nur irgendein seitenfüllendes bedeutungsloses Gefasel ist, dass dann irgendein lustloser Prof ohne erkennbare Kritieren nach Lust, Laune und politischer Vorgabe bewertet, wie er gerade will oder soll.

Ich wäre generell dafür, Master- und Doktorarbeiten abzuschaffen, die keine Leistung dokumentieren, sondern als willkürliches Gefasel selbst eine Leistung darstellen sollen.

Denn das eigentliche Problem ist nicht (nur) Giffeys Plagiat, sondern dass man da überhaupt einen Abschluss bekommen kann, ohne dass es erkennbare Leistungskriterien gibt, eine außerhalb der reinen Textmenge greifbare Leistung.

Wie gesagt: Ich stamme aus einer Zeit, als eine Diplomarbeit gar nicht plagiatsfähig gewesen war. Die Aufgabe war bei mir: Bau das Ding, bring es zum Laufen, teste es, schau, was es kann und was nicht, führe es vor und schreibe das dann noch des Faches würdig auf. Da gab es gar nichts, was man irgendwie durch Plagiat hätte ersetzen können.

Weil niemand eingesehen hätte, warum man überhaupt etwas arbeiten sollte, was es schon gibt. Warum nochmal machen?

Ich halte inzwischen nicht mehr nur die plagiierten Arbeiten für Fake.

Ich halte längst die Geisteswissenschaften für Fake.

Das Problem ist nicht die plagiierte Arbeit. Sondern das ganze Fach, in dem man eine plagiierte Arbeit überhaupt als Leistung einreichen kann, weil es nur noch draum geht, pro Forma irgendeinen Text einzureichen.