Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Datenschutz

Hadmut
17.8.2021 13:51

Ein Patient schreibt mir:

Neulich beim Arzt bekam ich so ein Plastikteil, welches vibriert, blinkt und trötet sobald man an der Reihe ist. Das kennt man vom Schnellimbiss. Auf Nachfrage bei der Arzthelferin wurde mir erklärt dass sie die Patienten nicht mehr mit Namen aufrufen dürften.

Aus datenschutzrechtlichen Gründen !!

Es wird immer idiotischer.

Im Internet habe ich allerdings gelesen dass dies nur auf Wunsch des Patienten geschehen solle.

Sind die einfach nur übervorsichtig, oder wird man in Zukunft bei keinem Arzt mehr namentlich aufgerufen ?

[…]
P.S.: Auf der Rückseite des Piepers stand, dass man sich sein Essen abholen könne sobald der Alarm ertönt. 😄

Weiß ich nicht. Bin mir auch nicht sicher, ob das so hygienisch ist.

Nachvollziehen kann ich das aber schon. Ich habe auch schon mal auf einer Behörde, wo sie den Namen des Nächsten im Wartesaal laut rumbrüllen, untersagt, dass man meinen Namen laut rumbrülle, worauf wir uns auf irgendeine willkürlich ausgedachte Zahl einigten und die dann einfach „Nr. xyz“ aufriefen.

Und das ist auch beim Arzt so eine Sache. Facharzt für Geschlechtskrankheiten. Oder irgendwas, was die Berufsfähigkeit einschränken kann.

Ich hatte mal, da habe ich noch in/bei München gewohnt, irgendeinen Unfall. Weiß nicht mehr genau. Ich glaube, das war, als beim Nachtskaten einer in mich reingefahren war, den ich nicht kommen gesehen habe, und ich dabei seitlich gefallen bin, auf die Hand. Trotz Handschutz irgendwie gestaucht. Ich hatte die Tage danach ein etwas komisches Gefühl in der Hand und der Hausarzt meinte, da müsse man mal die Nervenleitung nachmessen, um auszuschließen, dass da der Nerv beschädigt ist. Leider sei das dazu erforderliche Gerät sehr teuer und würde nur selten gebraucht, weshalb das nicht jeder Arzt hat. Er müsste mich zum Neurologen schicken, damit der mal sein Messgerät an die Hand hält. Die hatten da auch eine Liste mit Fachärzten, die sie kennen, und haben mir da Name, Adresse, Telefonnummer eines Neurologen gegeben, der so ein Gerät hat. Telefonisch Termin gemacht, hingegangen. Wie ich dort so hinkomme, denke ich mir so „Ach, Du liebe Zeit, hoffentlich sieht mich hier niemand.“ Großes Schild: Nervenarzt, Psychiater, Psychotherapie. Weiß nicht mehr, irgendwas mit Geisteskrankheiten. Nicht abwegig, weil Großraum Neurologie. Hirn ist ja auch nur ein Klumpen Nerven, und es wird ja schon lange die Auffassung vertreten, dass viele psychische Krankheiten schlicht und einfach hirnorganische Erkrankungen sind. Insofern logisch, dass sich so einer um das ganze Thema Nerven kümmert. Aber es ist halt einfach blöd, wenn man gesehen wird, dass man zum Klapsdoktor geht. Und drin im Wartezimmer sahen auch nicht alle unbedingt so geradeaus aus. Was soll man da machen? Verkünden „Wissen Sie, ich bin ja nur wegen meiner Hand hier…“? Dann weiß ich, was als Antwort kommt „Klar, und ich wegen meiner Regenrinne“. Ich habe mir dann so leicht betont wie im Schmerz die Hand gehalten und so getan, als ob sie weh tat, obwohl sie nicht weh tat und das nichts brachte, um wenigstens symbolisch sichtbar zu machen „Ich bin wegen der Hand hier, ich hab’s nicht an der Birne.“

Der wollte dann auch nichts von meinem Kopf, außer Guten Tag zu ihm zu sagen, hat mir die Hand verkabelt, irgendwelche Messimpulse durchgejagt, hat ein paarmal gezuckt, und mir dann gesagt, wäre alles in Ordnung, würde alles ordentlich funktionieren, das komische Gefühl müsste in ein paar Tagen weg sein. War es dann auch.

Ich kann mir das aber schon gut vorstellen, dass es Leute gibt, die ihren Namen nicht gern im Wartezimmer hören. Prominente.

Ich war hier in Berlin vor einigen Jahren schon mal auf einem Bürgeramt, und da muss man ja immer das nehmen, wo man gerade einen Termin bekommt (wenn überhaupt) und war deshalb so in einem der Vorstadtbezirke. Vorne die Anmeldung, rings herum die Sitze zum Warten.

Wie ich da so sitze und warte, kommt eine an mir vorbei, da dachte ich noch, holla, die sieht verblüffend aus wie die [ehemals sehr hübsche] Schauspielerin X, nur jetzt doppelt so breit wie aus Fernsehen und Kino bekannt. Weil ich in Hörreichweite der Anmeldung saß: Sie war es tatsächlich. Das ist durchaus nicht jedem so angenehm, da namentlich in der Öffentlichkeit genannt zu werden, vor allem nicht in Zeiten der Social Media, wo wirklich jeder sofort die Öffentlichkeit informieren kann, dass der X beim Y-Doktor ist.

So albern und bekloppt es erscheinen mag, und so fragwürdig es mir in hygienischer Hinsicht vorkommt: Es findet zumindest in Sachen Datenschutz meine Billigung und Zustimmung.

Wird wohl früher oder später durch eine App ersetzt.