Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Der Meinungskampf um Troja

Hadmut
12.8.2021 23:31

Mach’ mir den Odysseus, sprach der Blogger.

Oder andersrum.

Es ist mal wieder so weit.

Ganz viele Leute haben mir ganz viel zu Troja geschrieben.

Vieles lief darauf hinaus, dass das historische Troja doch am Meer und nicht 6km landeinwärts gelegen habe, wie ich das auf Google Maps ausgemessen hatte. Die einen meinen, der Meeresspiegel sei damals höher gewesen. Die anderen meinen, es läge am Vulkanismus. Der habe das alles angehoben. Der dritte meint, Troja, sei doch schon in zehn Schichten übereinander.

Ob sie nun was vom Pferd gefunden haben oder nicht, ist auch nicht klar.

Einer meint, das sei alles Tinnef, denn wir wüssten ja heute nicht mal, was im zweiten Weltkrieg oder in der DDR genau gelaufen sei. Wie wollen wir dann wissen, was da vor 3000 Jahren los war? Alles nur Literatur und keine Geschichtsschreibung.

Nun, da ist was dran. Wir sehen ja heute, wie übel die Presse heute drauf ist und was die alles treiben, um ihren Schund noch los zu werden. Bis hin zu Relotius. Warum soll ausgerechnet der Journalist Homer besser als die anderen gewesen sein?

In der Tat sollte man sich fragen, warum man Homer mehr Wahrheitsgehalt beimisst als etwa dem SPIEGEL oder der ZEIT. Der hat das Zeug sicherlich auch aufgepumpt und geschönt, der wollte sein Geschreibsel schließlich loswerden.

Odysseus, König von Ithaka. Hört sich ja schon so groß an. Habt Ihr Euch Ithaka mal angesehen? Schmale Insel von gerade mal 20km Länge, schwer zu nutzen. In Australien ist man damit ein kleinerer Bauer. Überwiegend PR.

Zumal Homer (nein, nicht der Simpson) wohl auch nicht überall dabei war. War ja kein Reiseblogger. Der hat ja auch nur Hörensagen, zumal er nach herrschender Meinung, falls überhaupt je, erst zwei, drei Hundert Jahre nach der Schlacht um Troja gelebt hatte. Man ist sich nicht mal sicher, ob es den überhaupt gab, oder das eher so ein Hashtag-Homer war, unter dem mehrere geschrieben hatten.

Und nein, ich halte die Story – nur für den Fall, dass mir das irgendwer unterstellt hätte – mit Athene und den anderen Göttern, die da in anderer Gestalt unter den Sterblichen herumwandeln, nicht für wahr. Ich habe es nicht so mit Göttern. Was nichts daran ändert, dass ich die griechisch-römische Mythologie für weitaus unterhaltsamer, spannender, sympathischer halte als die drei Buchreligionen mit ihren unfehlbaren nervigen Einheitsgöttern.

Andererseits: Überlegt mal, wieviele Leute der Bibel oder dem Koran Glauben schenken und das für bare Münze nehmen.

Ich habe mal Zeugen Jehovas gegen mich aufgebracht. (Naja, nicht nur einmal.) Sie hatten wieder mal bei mir geklingelt. Ich hatte sie gefragt, ob sie alles glauben, was in der Zeitung steht. Aber nein, natürlich nicht, so die Antwort. Das wisse man doch, dass da viel Unfug drin stehe. Warum sie es dann aber plötzlich glaubten, wenn die Zeitung 2000 Jahre alt ist. Ob die Zeitung durch herumliegen mit der Zeit irgendwie wahrer werde. Da waren sie richtig sauer.

Oder überlegt mal, wieviele Leute total treu in Harry Potter oder Herr der Ringe drin sind. Obwohl das auch nur Fiktion war, wollte damals jeder wissen, wie es mit Potter weiterging, das nächste Buch haben, und das war dann die Wahrheit.

Der Punkt ist einfach: Macht mir Spaß. Zumal ich in der Schule mal Altgriechisch hatte, auch wenn ich zugeben muss, in Altgriechisch richtig schlecht gewesen zu sein.

Langer Rede kurzer Sinn: Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass es sich nicht vermeiden lassen wird, dass ich da mal hinfahre und mir das mal selbst anschaue. Falls die Türken Blogger noch rein (und wichtiger: auch wieder raus) lassen.

Ich fand es damals aber auch überaus befruchtend, spannend und unterhaltsam, mir in Dallas die Stelle anzuschauen und zu untersuchen, an der sie Kennedy erschossen haben. Natürlich weiß ich auch nicht, was da passiert ist, komme nur an die Informationen, die mir präsentiert werden, und ausgerechnet auf mich wrden sie gerade gewartet haben. (Obwohl: Sie sagen schon jedem, dass gerade er derjenige sei, der das aufklären kann und ganz wichtig sei – wenn man den Eintritt zahlt.) Es wird aber viel interessanter, spannender, wenn man mal dort war.

Irgendwie muss ich irgendwann mal nach Troja und mir das vor Ort anschauen.

Bis dahin empfehle ich die einfach weltbeste Verfilmung der Odyssee mit der allerbesten Musik: O Brother, Where Art Thou?

George Clooney als Ulysses Everett McGill. Natürlich mit dem blinden Seher Teiresias, dem Zyklopen und den Sirenen. Angucken und ein Gefühl dafür bekommen, wie Homer das gemeint hat.

Wenn Odysseus und Homer gewusst hätten, dass sie die Story 3000 Jahre später mal so verfilmen würden…