Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Lohnen sich die Kosten für die Olympischen Spiele überhaupt?

Hadmut
9.8.2021 12:49

Ein Kopfkratzen. [Zu den Kosten]

Dass ich von den Olympischen Spielen zweigeteilter Meinung bin, hatte ich ausgeführt. Bisschen Abwechslung von Corona und Klimakrieg war nötig, und Sender wie das ZDF kommen sonst gar nicht mehr aus ihrem Murmeltiersyndrom heraus, dass ständig dasselbe Programm läuft.

Andererseits halte ich das IOC für einen korrupten Sauhaufen, der mit einer künstlichen, aufgesetzten Emotionalshow Milliarden kassiert, während irgendwelche Städte die Kosten tragen, unzählige Freiwillige kostenlos arbeiten und vor allem die Sportler die Showdarsteller geben. Ich bin von der Nummer nicht so begeistert, und natürlich ist das alles auch eine enorme Vergeudung, weil da riesige Gebäude oft neu gebaut und dann nur ein einziges Mal benutzt oder abgerissen werden.

Irgendwo habe ich mal eine Fotostrecke über die olympischen Einrichtungen der Spiele in Griechenland 2004 gesehen, die danach einfach aufgegeben und sich selbst überlassen wurden und vergammelt sind. Andererseits muss man natürlich auch sagen, dass das Olympiastadion von 1972 in München auch 50 Jahre später mit seinem – damals überaus spektakulären – gläsernen Tragdach immer noch der Brüller ist. Ich war mal dort, als ich in München gewohnt habe. Zustand aus Besucher- und Laiensicht einwandfrei. Hätte nicht gedacht, dass dieses Dach 50 Jahre halten kann.

Ein Leser schrieb mir, dass es doch wohl besser wäre, die olympischen Spiele künftig wie in der Antike wieder nur an einem Ort stattfinden zu lassen – in Griechenland. Auch die Griechen wären dem nicht abgeneigt.

Gut, nun sind die da gerade nicht in der wirtschaftlichen und politischen Verfassung, und brennen tut’s da wohl auch, zumindest nicht weit entfernt davon, aber grundsätzlich wäre das vielleicht keine schlechte Idee, die (Sommer-)Spiele nur noch in Griechenland stattfinden zu lassen, und dafür dann dort mal dauerhafte Einrichtungen aufzubauen. Und dann die Einnahmen auch nicht diesem dubiosen IOC, sondern Griechenland zukommen zu lassen. Das hätte auch den Vorteil, dass die ganzen Hersteller von Sportgeräten und Dienstleister den ganzen Krempel nicht um die Welt fliegen und dort auf die Schnelle aufbauen, sondern dort bezeiten aufbauen, justieren, testen und sowas können. Das muss ja dann auch nicht vier Jahre ungenutzt herumstehen, sondern kann für andere Wettbewerbe genutzt werden. Man könnte denen dort lokale dauerhafte Büros, Lager, Werkstätten anbieten, die ja nicht dauerhaft besetzt sein müssen, aber vieles vereinfachen könnten.

Ein IOC in der Schweiz könnte man dann schlicht als überflüssig und Kostenfaktor betrachten.

Die BILD fragt gerade, ob sich die halbe Milliarde Euro für 37 Medaillen überhaupt gelohnt haben:

Es war die schlechteste Medaillen-Ausbeute seit der Wiedervereinigung. Zum Vergleich: Bei Olympia 1992 gab es 82 Medaillen, davon 32-mal Gold.

1. Lohnen sich 503 Millionen Euro Steuergelder für nur 37 deutsche Medaillen?

Nein, das Resultat ist enttäuschend. Das Bundesinnenministerium zahlte von 2017 bis 2021 (davon 2021 der geplante Wert) 317 Mio. Euro an die Spitzensportverbände im Sommer. Das Bundesverteidigungsministerium fördert über die Bundeswehr den Spitzensport mit 186 Mio. Euro von 2017 bis 2021.

Rein rechnerisch hätte jede Medaille 13,6 Millionen Euro gekostet. Allerdings: Das Gold von Tennis-Olympiasieger Zverev hat den Steuerzahler keinen Cent gekostet. Der Profi war nie in der Sportförderung.

Andere Länder geben vergleichbar viel für den Leistungssport aus, holen aber viel mehr Medaillen.

Dabei machen sie allerdings einen gewissen Fehler, denn darin taucht nicht auf, was wir noch zusätzlich mit den Rundfunkbeiträgen über die Übertragungslizenzen gezahlt haben, obwohl sie das weiter unten grundsätzlich ansprechen:

6. Ist Thomas Bach (67) Gewinner oder Verlierer?

Der IOC-Präsident hat die Spiele durchgepeitscht – gegen Bedenken aus aller Welt. Fast alle Sportler danken es ihm. Sein Wagnis mit 11 000 Olympioniken ging am Ende auf. Das IOC bekommt für den olympischen Zyklus mit den Winterspielen 2018 in Korea und Tokio 2020 rund 4,1 Milliarden Euro TV-Gelder, schüttet davon 90 Prozent u.a. an die Welt-Sportverbände und die Nationalen Olympischen Komitees aus. Dazu kommen 1,9 Mrd. Euro von Sponsoren (u.a. Coca Cola, Visa, Alibaba).

Japan hat fast 100 Milliarden Euro für die Spiele ausgegeben – und am Ende Geisterspiele veranstalten müssen.

Das ist gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Zwangsbeitragsentscheidung des Verfassungsgerichts eine wichtige Frage, ob es Aufgabe des Rundfunkbeitragszahlers ist, riesige Funktionärsorganisationen zu finanzieren. Rundfunkrechtlich gesehen: Nein. Auch nicht beim Fußball.

Meines Erachtens gehören sowohl Fußball, wie auch Olympische Spiele und alle sonstigen teuren Sportübertragungen raus aus dem öffentlichen Rundfunk. Sowas ist eigentlich Sache des Privatfernsehens, die das dann über Werbung oder PayTV anbieten können. Wie es ja in den meisten Ländern auch gehandhabt wird.

Wäre mal zu eruieren, was der Fernsehzirkus uns mit den Übertragungslizenzen und sonstigen Kosten eigentlich gekostet und gebracht hat.

Denn was man auch mal überdenken muss: Der ÖRR, vor allem das ZDF, hat uns zur Causa Annika Schleu auch nur Deppendünnschiss und Zeitgeistmoral geliefert. Die Informationen habe ich dann bei Eurosport gefunden.

Insofern wäre mal zu überlegen, ob man da nicht generell ARD, ZDF, IOC rauswirft, die Spiele dann dauerhaft in Griechenland abhält, und die Übertragung per Eurosport o.ä. betreibt.

Das wäre zwar eine Nummer kleiner. Aber vielleicht besser. Und vor allem billiger. Die alten Griechen haben das auch billiger hinbekommen, da reichte eine einfache Steinarena.

Japan hat fast 100 Milliarden Euro für die Spiele ausgegeben – und am Ende Geisterspiele veranstalten müssen.

Das sollte man dann auch mal berücksichtigen.

Ist das wirklich nötig? 100 Milliarden Euro für zwei Wochen laue naja-Unterhaltung, wenn dann noch solche Ärgernisse dazukommen, dass das IOC es nicht einmal für erforderlich hält, faire Wettkampfbedingungen herzustellen?

Update:

Ein Leser meckert an, ob das wirklich 100 Milliarden Euro waren. Habe ich jetzt mal aus der BILD zitiert und verwendet ohne nachzdenken, das wäre aber wirklich absurd viel Geld, das kann nicht sein.

Wenn ich drüber nachdenke, könnten es wohl 100 Milliarden Yen gewesen sein, was etwa 770 Millionen Euro entspräche.

Das erscheint mir in der Tat sehr viel plausibler.

Nachtrag 2: Stimmt aber auch nicht. Hier steht es genauer.