Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Kamera-Marketing

Hadmut
31.7.2021 21:21

Über die Tricks.

Es gibt in Kamera-Kreisen schon seit Jahren ein Phänomen, das immer wieder auftaucht, und das ich schon vor Jahre im Blog beschrieben hatte.

Die Kamerahersteller müssten lausig schlechte IT-Sicherheit haben, denn auf wundersame Weise tauchen bei den immer selben Kameraherstellern immer in den passenden Zeitabständen vor der offiziellen Produktpräsentation einer neue Kamera „Leaks“ auf den einschlägigen Seiten und Social Media auf, auf denen schon Bilder und technische Daten zu finden sind, mal mehr, mal weniger richtig. Als seien die nicht in der Lage, ihre Daten beisammen zu halten, und wären die voller Leute, die ihre Firma verraten. Und zwar immer dann, wenn es passt.

Denn dass das von großem Vorteil ist, hat sich schon lange herumgesprochen, seit sowas wohl mal versehentlich passierte. Stellt man eine Kamera vor, dann hat man ein, zwei Tage Aufmerksamkeit, und das war es. Viele bekommen das nicht einmal mit. Man muss teure Werbung machen.

Rutschen aber – wie bedauerlich – vorher schon ein paar Fotos raus, die meist auch gar nichts sagen und nur zeigen, dass irgendwas kommt, was neu ist, oft nämlich auch immer nur so einzelne Details zeigen, als ob sie genau dafür gemacht wären, dann hat man wochenlang Aufmerksamkeit und die Bilder verbreiten sich wie wild über die Social Media, weil sie den Geruch eines Geheimnisverrats haben, als ob man den Erlkönig fotografiert hat. Das ist mittlerweile eine regelrechte Marketingstrategie geworden.

Dazu gehört auch, dass die großen Review-Plattformen natürlich immer schon Vorserienexemplare zum Testen under non-disclosure hatten und dann am Tag der Veröffentlichung gleich fertige Reviews haben. Das belegt sehr deutlich, dass man da von vornherein mit den Plattformen und Social Media zusammenarbeitet und mit denen – win-win-Situation – in engem Kontakt steht.

Immer wieder gern genommen wird auch, vorab irgendeinen bekannten Profifotografen mit einem Vorserienmodell herumlaufen zu lassen, und zwar irgendwo, wo er garantiert mit dem Ding gesehen und selbst fotografiert wird. Und damit es auch der Dümmste noch mitkriegt, dass da was Geheimnisvolles vor sich geht, werden dann gerne die Bezeichnung und der Herstellername (also nicht sowieso jeder sehen würde, aus welchem Stall die kommt) abgeklebt, und zwar so richtig dilettantisch schlecht und auffällig mit einem lumpigen Fetzen Isolierband. Damit jeder merkt, dass da was abgeklebt ist. Als ob es nicht einfacher und naheliegender wäre, bei Vorserienmodellen einfach erst gar keine Bezeichnung einzufräsen.

Bei der eben beschriebenen Nikon Z fc bin ich neulich über diesen „Leak“ gestolpert:

Und das kann kein Leak sein. Jedenfalls kein unerwünschter. Das Bild ist extra gemacht um geleakt zu werden. Denn nicht nur ist an der Z fc (die auf der rechten Seite) ein altes Objektiv, das an die Kamera nicht passt, weil es ein F-Objektiv ist, also den Adapter dazwischen bräuchte, und mit seiner mechanischen Blendenübertragung selbst dann nicht normal funktionieren würde, das also gerendert oder gephotoshoppt sein muss, weil das Objektiv so nicht an dieser Kamera sein kann, sondern auch weil das Ding links eine Filmrückspulkurbel hat. Was vielen übrigens nicht mal aufgefallen ist. Und wenn man genau hinschaut: Gleich zwei Einstellrädern zur Belichtungskorrektur. Man hat also ganz bewusst – Witzbold – ein Bild gebaut, das teils aus der echten Kamera besteht, also kein völliger Fake sein kann, aber auch Elemente enthält, die das Bild völlig entwerten und verhindern, dass es später für die echte Kamera gehalten werden kann. Das Bild kann nur zum Zweck des Leaks erstellt worden sein. Da die Fotos von Kameras heute ohnehin fast alle gerendert sind (an zwei Details leicht zu erkennen: die Linsen im Objektiv, die nicht gut zu rendern sind, sehen immer gleich aus, und die Kreuzschlitzschrauben sind immer exakt senkrecht ausgerichtet), ist es trivial, aus dem Baukasten da auch mal schnell ein anderes Objektiv oder eine Filmkurbel dranzuklicken. Oder auch nach dem Leak von der Webseite mit Elementen von anderen Kameras verfremdet, um irgendwelche Zusagen einzuhalten. Jedenfalls hat jemand ganz bewusst ein unmögliches Foto erstellt.

So funktioniert Marketing heute.