Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Frisch gemessert: Von Sachsen und Afghanen

Hadmut
6.7.2021 13:11

Geht gerade wieder rund.

Ich verliere gerade etwas den Überblick über die aktuellen Messerleichen.

In Hof ist heute morgen ein Busfahrer erstochen worden, geht auch gerade durch die Presse.

Wenn ich die Presseberichte richtig verstanden und kombiniert habe, war eine Reisegruppe aus Polen in mehreren Bussen unterwegs, hatte am Bahnhof in Hof Pause gemacht und dabei waren mehrere Reiseteilnehmer zum Rauchen vor den Bus gegangen. Daraus hat sich irgendwie ein Streit mit einem Mann entwickelt, der in allen Medien eilig als 43, Deutsch, aus Sachsen, aus dem Vogtlandkreis (der nächstliegende Zipfel dieses Landkreises ist nur 7km von Hof entfernt) beschrieben wurde. Der Busfahrer wollte schlichten und wurde von dem Mann mit einem Taschenmesser tödlich verletzt. Er sei dann geflüchtet, ein Streifenpolizist habe ihn aber festnehmen können.

Allgemeiner Presseplot: Deutscher Sachse gerät mit Rauchern in Streit und bringt den Busfahrer um.

Mmmh.

Da dachte ich noch, mal abwarten, ob Deutscher oder „Deutscher“, den was bedeutet „Deutscher aus Sachsen“ noch in Zeiten, in denen die sächsische SPD fordert, in Männertoiletten Eimer für die Artikel mentruierender Männer aufzustellen und also gar nichts mehr gewiss ist?

Die Junge Freiheit schreibt hier, dass es am Tag vor Würzburg schon ein tödliches Messerattentat durch einen asylabgelehnten Afghanen gegeben habe, das es außer einer kurzen Meldung in der Lokalpresse nicht in die Medien geschafft habe.

Ich hatte neulich auch mal irgendeine tödliche Asylheimmesserei erwähnt, tauchte in den Medien auch nicht auf, ich weiß aber jetzt nicht, ob es dieselbe oder eine andere war, ich habe da den Überblick längst verloren. Nun schreiben die aber:

Doch warum gibt es keine Informationen zur Herkunft des Messerstechers von Seiten der Behörden? Die Nationalität erscheine „für die aktuelle Beurteilung der Sach- und Rechtslage nicht relevant“, teilt die Staatsanwalt der JF mit. Hat die Öffentlichkeit gerade mit Blick auf die Tat in Würzburg kein Recht darauf zu erfahren, welchen Hintergrund der Täter hat? Sind Staatsanwaltschaft und Gericht nicht mehr verpflichtet, Medien jene Auskünft zu geben, die sie zur Erfüllung ihrer öffentlichen Aufgabe benötigen?

Auf eine erneute Nachfrage verweist die Staatsanwaltschaft Ulm auf eine „Interessenabwägung“ und eine im Februar 2021 beschlossene „gemeinsame Verwaltungsvorschrift des Justizministeriums und des Innenministeriums über die Unterrichtung der Öffentlichkeit in Strafverfolgungssachen“. Demnach kann die Staatsangehörigkeit des Tatverdächtigen Erwähnung finden, „sofern im Einzelfall ein sachlich begründetes öffentliches Interesse hieran besteht“.

Doch nach Beurteilung des Staatsanwalts sei dies in Munderkingen „nicht der Fall und kann auch nicht mit anderen schwerwiegenden Fällen wie dem tragischen Vorfall in Würzburg generalisierend begründet werden“. Diese Einschätzung könne sich natürlich ändern, teilt die Staatsanwaltschaft mit.

Warum ist es dann aber jetzt so wichtig, gleich als erstes breit durch die Presse zu drücken, dass der, der gerade den Busfahrer abgestochen hat, ein Deutscher aus Sachsen gewesen sei?

Warum ist der Sachse eine Nachricht, der Afghane aber nicht?