Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Frau = Alarm

Hadmut
31.5.2021 21:12

Ein Arzt schreibt mir:

Sehr geehrter Herr Danisch,

es ist tatsächlich so: hohe, kreischende Stimmen signalisieren dem menschlichen Gehirn seit Urzeiten Gefahr und werden als unangenehm wahrgenommen! Das kommt wohl noch aus der Savanne und dem Beginn des aufrechten Ganges! Die Affen in den Bäumen warnten mit diesen Schreien vor herannahenden wilden Tieren.

Diese tiefe, evolutionäre Prägung in unserem Gehirn lässt sich auch daran erkennen, dass viele Leute z.B das Geräusch von Kreide auf der Tafel oder vom Nägelfeilen nicht hören mögen.

Ein befreundeter Hubschrauberpilot hat mir neulich sogar erzählt, dass die wichtigen Alarmmeldungen über die Kopfhörer der Piloten (z.B „Low Attitude“ oder „Engine One: Fire!“) ausschließlich von Frauen gesprochen werden. Frauen gab es ursprünglich in der Luftfahrt nicht. Eine Frauenstimme mit ihrer hohen Frequenz fällt aus dem üblichen Raster und signalisiert höchste Gefahr!

Das mit den Cockpit-Meldungen wusste ich nicht.

Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass das Evolutionspsychologisch mit einer Schutzfunktion zu tun hat: Frauengeschrei = Frauen und Kinder in Gefahr, sofort zur Verteidigung. Nicht umsonst kommt das Wort Alarm von à l’arme – an die Waffen! (Glaube ich zumindest, ich kann kein Französisch.)

Ein Leser hat übrigens aufgrund meines Hinweises, dass ich mal etwas zur Verdrahtung des Gehörs mit den Gehirnarealen eine Studie gefunden, die zwar nicht exakt das ist, was ich gelesen habe, aber inhatlich gleich gelangert ist:

Male and female voices activate distinct regions in the male brain

Eigentlich keine Überraschung. Spürt ja jeder Mann.

In schizophrenia, auditory verbal hallucinations (AVHs) are likely to beperceived as gender-specific. Given that functional neuro-imagingcorrelates of AVHs involve multiple brain regions principally includingauditory cortex, it is likely that those brain regions responsible forattribution of gender to speech are invoked during AVHs. We usedfunctional magnetic resonance imaging (fMRI) and a paradigmutilisingFgender-apparent_(unaltered) andFgender-ambiguous_(pitch-scaled) male and female voice stimuli to test the hypothesis thatmale and female voices activate distinct brain areas during genderattribution. The perception of female voices, when compared with malevoices, affected greater activation of the right anterior superiortemporal gyrus, near the superior temporal sulcus. Similarly, malevoice perception activated the mesio-parietal precuneus area. Thesedifferent gender associations could not be explained by either simplepitch perception or behavioural response because the activations thatwe observed were conjointly activated by bothFgender-apparent_andFgender-ambiguous_voices. The results of this study demonstrate that,in the male brain, the perception of male and female voices activatesdistinct brain regions.

Der ganze Gender-Studies-Soziologen-Schwachsinn von der Sozialisierung ist: Eben Schwachsinn.

Ich hatte es schon ein paarmal erzählt, aber weil es hier perfekt passt, noch einmal:

Vor ein paar Jahren, genauer gesagt 2016, rief mich mal ein Leser an, weil ich einige Artikel zu Transsexualität hatte und dazu, dass sie nicht das ist, als was die Genderschwurbler sie hinstellen. Die Person war eine intersexuelle Person, legte großen Wert darauf, nichts mit transsexuellen Personen zu tun zu haben, und hielt von dem ganzen Gender-Gehampel überhaupt nichts. Sie bezeichnete sich selbst als „Zwitter“. Politisch nicht korrekt, aber ihr egal. sie lässt sich von niemandem vorschreiben, wie sie sich nennt und halte das für das richtige Wort. Irgendwie müsste man es ja auch nennen. Der Gender-Zirkus, der Substantive vermeidet und Leute attributiert, passt nicht. War ein längeres Telefonat über eine Reihe von Themen, sehr interessant.

Der springende Punkt dabei: Ich empfand das Gespräch als sehr anstrengend, weil ich Mühe hatte, das eigene Gehirn im Zaum zu halten. Denn ich merkte, dass das Gehirn erhebliche Rechenleistung und Mühe darauf verwandte, sich einig zu werden, ob ich mit einem Mann oder einer Frau spreche. Rein rational gesehen wusste ich ja, dass weder das eine noch das andere, denn die Person hatte mir das ja gleich zu Anfang erklärt. Zwitter, beide Geschlechtsmerkmale. Nichts unklar gelassen.

Und trotzdem hatte ich ständig das Gefühl, als würden zwei Menschen, ein Mann und eine Frau, exakt synchron zu mir sprechen, als hätte man das mit dem Computer gemorpht, weibliche und männliche Eigenschaften übereinander gelegt. Die Person war nicht nur körperlich beides. Sie war auch von der Art zu sprechen permanent beides. Obwohl etwas stimmungsabhängig. Manches, vor allem Kritik, sagte sie männlich. Anders klang dann plötzlich sehr weiblich.

Ich fand das vor allem im Nachhinein hochinteressant. Weil ich gemerkt habe, dass mein eigenes Gehirn ständig damit beschäftigt ist, einen Gesprächspartner nach dem Geschlecht zu identifizieren, und das fiel halt dann besonders auf, als das eben nicht ging und das Gehirn nicht zu einem eindeutigen Ergebnis kommen konnte. Ich habe das förmlich im Kopf gespürt, wie die pattern matcher für die Stimmmuster in Konkurrenz triggerten und wie seltsam sich das anfühlt, wenn man sich nicht schlüssig wird, ob man mit einem Mann oder einer Frau spricht. Ein überaus wichtiges und interessantes Telefonat. Nicht nur, weil ich gemerkt habe, wie das Gehirn versucht, die Person einzuordnen, sondern auch, weil es nicht gelingt, durch das bewusste, rationale Wissen, mit wem ich telefonierte, die Sache zu beenden. Es passiert unwillkürlich und unabhängig vom rationalen Wissen.

Es ist ja auch ein Riesen-Unterschied, und das haben mir auch schon viele Frauen bestätigt, ob in ein Büro ein Mann oder eine Frau reinkommt. Das ist immer überaus wichtig, das schnell wahrzunehmen.

Und sowohl von Reisen in die Kontinente, als auch aus der Aktfotografie ist mir gut bekannt, dass es immer sehr wichtig ist, durch Kleidung, Schmuck, Schminke, Farben, was auch immer, die Geschlechtszugehörigkeit eindeutig klarzustellen und zu erkennen zu geben. Kommt mir vor wie eine Höflichkeit gegenüber dem Gehirn des anderen.

Es spricht einiges dafür, dass die unterschiedlichen Stimmlagen und Sprechweisen von Frauen und Männern auch oder sogar vorrangig dem Zweck dienen, sofort zu erkennen zu geben, ob man Mann oder Frau ist, um beim Gegenüber die entsprechenden Verhaltensweisen auszulösen.

Ich übrigen möchte ich ausdrücklich betonen, dass ich Soziologen und Gender-Studies-Leute für Schwätzer halte, die frei erfundenen Blödsinn verbreiten. Man kann das durch empirische Beobachtungen widerlegen.