Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

DIE ZEIT über Baerbock

Hadmut
26.5.2021 12:27

Wenn sogar linke feministische Propagandablätter ins Grübeln und Zweifeln kommen.

Die ZEIT schreibt gerade etwas, was sich wie eine ernüchterte verkaterte Version der Jubelhymnen auf Annalena Baerbock anhört, die Begeisterung scheint selbst linksaußen deutlich abgekühlt zu sein.

Mit der grünen Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock weht ein feministischer Sturm durchs Land. Und nun scheinen beinahe alle, die nicht ganz rechts außen stehen, Feministen sein zu wollen. Alle außer Friedrich Merz, versteht sich. Die Frage ist: Was bedeutet das? Droht der Feminismus damit zu einer leeren Floskel zu werden? Zu einem Lippenbekenntnis, das man pflichtschuldig aufsagt, um keinen Shitstorm zu kassieren?

Im Moment sieht es jedenfalls danach aus. Und man kann sich fragen, ob der altmodische Umgang Merkels mit dieser Thematik nicht doch eleganter, weil ehrlicher war.

Man merkt, das für ein hohles Ding der Feminismus ist, und sich der Feminismus mit dem Hochjubeln sogar noch einer Baerbock gerade richtig lächerlich macht. Es stellt sich so ein Gefühl wie ein Pyrrhussieg ein, weil man erst dachte, dass alle jetzt die Frauen bejubeln, und jetzt merkt, dass das alles nur falsch und aufgesetzt ist, weil man mit der Technik des Shitstorms arbeitete und nun merkt, dass die das alle nur sagen, um nicht geshitstormt zu werden, man es aber nicht ehrlich meint. Eine sozialistisch-verlogene Gesellschaft eben. Die Konsequenz aus dem Marxismus, der die Meinungsfreiheit tötet. Ohne Meinungsfreiheit eben keine ehrliche Meinung mehr.

Selbst gegenseitige Medienkritik ist jetzt drin:

Oder wie die Süddeutsche Zeitung jüngst schrieb: “Es ist vor allem Baerbocks Geschlecht, das provoziert. Eine Frau, 40 Jahre alt, traut sich höchste Regierungsmacht zu, dazu Wirtschaftskompetenz und internationales Weltendeutertum. Das ist nichts für Männer mit kränkelndem Selbstbewusstsein und ebensolche Parteien.” An dieser Stelle sei noch einmal auf Angela Merkel verwiesen. Diese Frau hat Deutschland 16 Jahre lang regiert und hatte zuletzt beinahe astronomische Beliebtheitswerte. Will man wirklich so tun, als hätten die Deutschen mit einer Frau an der Spitze ihres Landes ein unüberwindbares Problem?

Das Problem ist eben: Ja, Baerbock traut es sich zu. Dunning-Kruger. Das reicht aber nicht. Denn nicht nur zu wenige andere trauen es ihr zu, Zutrauen alleine genügt dann halt nicht. Merkel ist 16 Jahre mit Wenig-und-meistens-gar-nichts-tun durchgekommen, weil sie eine relativ einfache Zeit erwischt hat. Corona mal abgesehen, aber da kam ja dann auch nichts mehr von ihr. Die nächsten 4 Jahre werden aber nicht so merkel-einfach.

Und zu glauben, dass es eine Kanzlerin allein mit dem kränkelnden Selbstbewusstsein von Männern zu tun habe, dass ist selbst für Journalistenverhältnisse so dumm, dass es manchen anderen Journlisten eben auffällt. Und so werden dann doch leichte Zweifel am links-grün-journalistischen Dummenkult erkennbar:

In den Augen der Grünen soll vor allem die Tatsache, dass sie jung, relativ unerfahren und eine Frau ist, Aufbruch erzeugen und einen Neuanfang bedeuten. Gründe freilich, die man, auch wenn man feministisch denkt, nicht unbedingt teilen muss.

Ich schlage ein Denkmodell vor: Stellt Euch vor, es brennt. Und statt der Feuerwehr mit 20 Jahren Berufserfahrung kommt eine, jung, unerfahren, Frau, die das noch nie gemacht hat, und sagt, man wolle mal einen Neuanfang wagen. Und immerhin kenne sie ja welche, die schon mal was mit Schläuchen gemacht haben, die sie fragen könne.

Und das ist offenbar selbst einem feministisch-linksextremistischen Ideologieblatt wie der ZEIT nicht mehr geheuer:

Es muss diskutiert werden dürfen, ob Annalena Baerbock in der Lage ist, dieses Land auf ihren Schultern zu tragen. Und vor allem darf hinterfragt werden, worin genau sich in ihrem Politikverständnis nun ein neuer Stil offenbaren soll.

Anstatt aber diese Argumente offen und sportlich zu wägen, zeigte sich in den vergangenen Wochen folgende Lage: Während ihre Unterstützer versuchen, Baerbock mit feministischen Argumenten gegen beinahe jede kritische Frage zu verteidigen, lassen ihre radikaleren Gegner kaum eine Gelegenheit aus, sie mit beinahe jedem verrutschten Halbsatz einem Shitstorm in den sozialen Netzwerken auszuliefern. So beispielsweise geschehen, als sie irrtümlicherweise die soziale Marktwirtschaft Ludwig Erhards den Sozialdemokraten zuschlug. Einerseits war das natürlich ein handfester Schnitzer, andererseits trug der anschließende Spott ihr so ziemlich alle frauenfeindlichen Stereotype ein, die es gibt.

Das Problem Baerbocks sind nicht mal so sehr die verrutschten Halbsätze.

Das Problem Baerbocks ist, dass von ihr keine Halb- oder gar Ganzsätze überliefert sind, die sitzen. Die Frau hat noch nichts Schlaues gesagt.

Und dann das:

Nachdem es Zweifel an Baerbocks Universitätsabschlüssen gegeben hatte, twitterte die Hamburger Justizsenatorin Anna Gallina: “Was wir an der Debatte um @ABaerbock gerade sehen, ist die versuchte Dekonstruktion der Qualifikation von Frauen. Es ist eine perfide, frauenfeindliche Strategie, um Frauen zu verhindern und ‘auf ihren Platz’ zu verweisen. Viele erleben das. Umso wichtiger, dass sich das ändert.” Zur Wahrheit aber gehört auch, dass Baerbock sich selbst in Interviews gern einmal zur Juristin erklärt hat, obwohl sie trotz respektabler Abschlüsse nicht über die dafür hierzulande notwendige Ausbildung verfügt. Zuletzt tat sie das noch einmal in dem gerade erschienenen ZEIT-ONLINE-Podcast Alles gesagt?.

Begeisterung sieht anders aus.

Respektable Abschlüsse sehen auch anders aus.

Wobei sich die Frage stellt, worauf die ZEIT da eigentlich den Plural gründet, denn das einzige, was sich an Baerbock überhaupt als Abschluss darstellen lässt, ist der Master aus London. Singular. Einzahl. Bei dem noch nicht mal geklärt ist, ob sie den überhaupt rechtswirksam hat, weil sie ziemlich offensichtlich die Zulassungsvoraussetzungen nicht erfüllt und die LSE dazu gar nichts mehr sagt.

Und so hat die Diskussion um Baerbocks Abschlüsse nicht nur dazu geführt, dass ihre Gegner sie nicht mehr ernst nehmen, sondern auch, dass selbst feministische, linke Blätter anfangen, zu zweifeln. Ob es wirklich ausreicht, Frau zu sein, sich etwas zuzutrauen, als Juristin auszugeben und einen aufgeblasenen Lebenslauf vorzulegen.