Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Was macht eigentlich unser Digitalproblembär?

Hadmut
18.5.2021 16:01

Dorothee Bär löst eines der drängendsten und schwierigsten Probleme unserer Zeit:

Den digitalen Hotel-Login. Man kann jetzt im Hotel mit dem Handy einchecken, ohne den Zettel ausfüllen zu müssen.

Wenn ich so drüber nachdenke: Ich fülle eigentlich nie Zettel im Hotel aus, weil ich online buche und die die Daten schon haben und den Zettel gleich drucken. Aber wunderbar, dass unsere Regierung wenigstens das Problem löst.

Natürlich mit einer App.

So, wie sie auch das COVID-19-Problem per App gelöst haben. (Das, was so komisch riecht, ist kein toter Fisch in Eurer Tasche, sondern die Corona-App auf Eurem Handy.)

Der Hotel-Check-in beruht auf zwei digital verifizierbaren Identitätsnachweisen, die auf dem Smartphone des Reisenden gespeichert werden: die Basis-ID als digitales Abbild des elektronischen Personalausweises und eine Arbeitgeberbescheinigung für die korrekte Rechnungsstellung. Diese befinden sich in einer sogenannten Wallet-App, einer Art elektronische Briefbörse. Für das Pilotprojekt wurde deren Funktionalität erweitert, damit die Bundesdruckerei den Nutzer*innen die Basis-ID zur Verfügung stellen kann. Mit der App ist es möglich, schnell und – gerade in Zeiten der Corona-Pandemie – kontaktarm im Hotel einzuchecken.

Oh, das ist wichtig. Ich logiere in Hotels stets kontaktlos. Die Zimmertür öffnet sich kontaktlos. Im Bett liege ich kontaktlos. Auf dem Klo sitze ich kontaktlos. Das Modell heißt Aladdin.

Wusstet Ihr, was in Hotels die meist verkeimten und infektiösesten Stellen sind?

Die Fernbedienung des Fernsehers und die Sessel. Jeder fasst sie an, niemals werden sie geputzt. Untersuchungen haben ergeben, dass unglaublich viele Leute nackt auf den Hotelsesseln rumhocken und auch furzen, und deshalb die Dinger auch voller Darmbakterien und all so einem Zeug sind.

Aber gut, dass wir an der Rezeption nicht mehr den Zettel ausfüllen müssen.

Stellt sich die Frage, wie sie das machen.

Man bekommt so eine Ahnung, dass es nicht ohne ein bestimmtes Wort auskommt:

Die App ermöglicht den Nutzer*innen mittels Blockchain-Technologie einen selbstsouveränen Umgang mit den eigenen Identitätsdaten. Das heißt, sie können ihre Daten selbstbestimmt verwalten und bei Bedarf kontrolliert mit Dritten teilen. Die Nachweise und Daten sind an keiner zentralen Stelle gespeichert, sondern ausschließlich in der persönlichen Wallet-App der Nutzer*innen. Eine spezialisierte Blockchain übernimmt dabei für alle Beteiligten die Funktion des Auskunftsregisters. Durch sie kann geprüft werden, ob vorhandene Nachweise gültig sind, ohne selbst die Nachweise und deren Inhalte im Detail zu kennen. So entsteht maximale und selbstbestimmte Datensicherheit im Einklang mit den rechtlichen Erfordernissen.

Oh yeah!

Yeah, baby!

Mit Blockchain. Und eingebautem Bullshit-enhancer.

„Sie können ihre Daten selbstbestimmt verwalten und bei Bedarf kontrolliert mit Dritten teilen.“ Liest sich wie ein feministische Beischlafmanifest mit Gratis-Vaginalcremeprobe. Und so säuselt man süß zum Nachtportier „Möchtest Du an meinen Daten teilhaben?“ und danach „War es für Dich auch schön?“

„Die Nachweise und Daten sind an keiner zentralen Stelle gespeichert, sondern ausschließlich in der persönlichen Wallet-App der Nutzer*innen. “

An der Stelle nun kommt der typische Männerzweifel in mir auf und fragt, wozu ich die Daten dann überhaupt noch übergeben soll, und wie, wenn sie doch trotzdem „ausschließlich“ in meiner Wallet-App bleiben. Wie wollen die dann an der Rezeption wissen, wer ich bin, wenn die Daten doch ausschließlich in meinem Handy bleiben?

Und woher wissen sie dann, dass die Daten überhaupt stimmen, wenn sie nie zuvor irgendwo zur Prüfung waren?

Neben der BWI sind die Deutsche Bahn, die Lufthansa und Bosch als Pilotpartner beteiligt. Zusammen mit weiteren Technologiepartnern, unter anderem der Bundesdruckerei, betreibt die BWI einen Teil der notwendigen IT-Infrastruktur für den Anwendungsfall. Für das Gelingen des Pilotprojekts war dieses starke Partner-Ökosystem von großer Bedeutung. Der digitale Hotel-Check-in soll deutschlandweit in etwa 120 Betrieben der Hotelketten Motel One, Lindner und Deutsche Hospitality zur Verfügung stehen.

Na, dann kann ja nichts mehr schiefgehen, wenn diese Größen der Digitalisierung mit drin sind.

Ich würde wetten, die Lufthansa fliegt ab Juli dann wieder täglich alle Knoten der Blockchain an.