Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die bösen Russen sind schuld: „Annalena Baerbock als Nacktmodell“

Hadmut
15.5.2021 20:39

Wie die Grünen und die Medien durch Desinformation und Propaganda Baerbock verteidigen.

Jetzt haben wir geschossen, nun wird es Zeit, sich mal die Wirkung anzusehen.

Bernhard Junginger (Berlin), Fränkischen Tag (Ausgabe Bamberg) vom 15.05.2021

Ein Leser schreibt, dass er heute morgen bei seiner Morgenlektüre der Papierpresse schier sprachlos war und schickt mir dazu ein Handyfoto eines Zeitungsartikel, den man wirklich gesehen haben muss:

(Draufklicken zum Vergrößern)

Das muss man sich wirklich mal durchlesen:

Haben Sie auch gehört, dass Annalena Baerbock in der Vergangenheit als Nacktmodell tätig war? Dass sie gar keinen richtigen Studienabschluss hat und für den Klimaschutz sogar Haustiere verbieten will? All diese Behauptungen sind so hanebüchen wie falsch – doch sie kursierten jüngst im weltweiten Datennetz, wurden massenhaft verbreitet in den sozialen Medien, sorgten für hässliche Kommentare und erregte Diskussionen. Vor der Bundestagswahl im September nehmen Fehlinformation und Propaganda bereits merklich zu.

Das Phänomen ist bekannt, spätetens seit der Debatte um russische Einflussnahme auf die US-Wahl 2016 und ein Jahr später bei der Bundestagswahl 2017. Doch vor dem deutschen Urnengang könnten die digitalen Schmutzkampagnen einen neuen Höhepunkt erreichen. […]

Für Russland stehe viel auf dem Spiel bei der Frage, wer Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nachfolgt. Wie sich der neue Regierungschef zur umstrittenen russischen Gaspipeline Nord Stream 2 stellen, ob seine Politik generell russlandfreundlich sein wird, sei für Moskau von höchster Bedeutung.

Störungen aus Russland?

Wie die Bild-Zeitung aus Sicherheitskreisen erfahren haben will, ist Russland Urheber einer breit angelegten Verleumdungskampagne gegen Annalena Baerbock. Die Grünen-Kanzlerkandidaten gilt als tendenziell russlandkritisch, anders als frühere Grünen-Granden wie Joschka Fischer und Jürgen Trittin. Grünen-Digitalexperte Dieter Janecek nennt die Angriffe „eine ernsthafte Bedrohung für die Demokratie“. Unserer Redation sagte er: „Dass hinter vielen solchen Angriffen Russland steckt, darf ja als gesichert gelten.“ […]

Die Behauptungen über Annalena Baerbock seien zwar „frei erfunden“, um sie zu widerlegen, hätten sich die Grünen aber entschieden, die Uni-Zeugnisse Baerbocks öffentlich zu machen.

Neben Russland gelten China, Iran, Nordkora und einige andere Staaten als regelmäßige Ursprungsländer von Versuchen, öffentliche Meinung und Wahlverhalten in Deutschland zu beeinflussen.

Das Schema Fear-Uncertainty-Doubt, Operative Zersetzung, PsyOp. Es werden einfach Falschinformationen gestreut und dann so getan, als fiele da jegliche Kritik darunter.

Die Frage nach Baerbocks Abschlüssen hatte mit Nacktbildern überhaupt nichts zu tun. Wenn man sucht, findet man, sie hätte mal Nacktbilder gemacht, sieht aber nur einen dummen Spruch, und ein Bild eines russischen Models, das ihr entfernt ähnlich sieht. Nicht unwahrscheinlich, dass das von grünen Propagandastrategen selbst in Umlauf gesetzt wurde, denn die Taktik, leicht zu widerlegende absurde Falschinformationen über sich selbst in Umlauf zu setzen, damit man dann jede andere Kritik in denselben Topf rühren und in einem Aufwasch als Unfug hinstellen kann, ist ja nicht neu, das hatten wir ja schon öfters. Es gab mal ein Schriftstück im Umlauf, das auf den ersten Blick echt aussah, aber einige „Notreißleinen“ drin hatte, als Hinweise und Anspielungen, mit denen man es leicht als Fake enttarnen kann, wenn man die Anspielung aufdeckt. Wenn also Leute leicht auf den Text reinfallen, weil sie die Anspielung nicht erkennen können, kann man dann leicht schreien „Ist der doof, der fällt auf jeden Fake rein!“. Darin ging es darum, dass die SPD die Antifa finanziere. Also eine systematisch aufgestellte Falle, um jeden, der über die Verbindungen zwischen SPD und Antifa schreibt, als Deppen hinstellen zu können, der auf jeden Quatsch reinfällt. Eine Pfadangabe im Dateiheader ließ jedoch den Schluss zu, dass die Falle in einem SPD-Büro erstellt und damit von der SPD selbst in Umlauf gesetzt worden war. Um jeden, der irgendwas zu SPD und Antifa schreibt, damit umnieten zu können.

So werden hier gerade Nacktbilder eingesetzt, die auch völlig belanglos und so gemacht sind, dass sie als Fälschung zu widerlegen sind. Auffällig ist nämlich, dass das alberne Pseudonacktfoto (auf dem die Abgebildete Baerbock zwar ähnlich, aber unverwechselbar besser aussieht, Baerbock taugt nicht zum Nacktfoto) im April rumging, und keine Sau interessierte, aber dann ab 5.5. plötzlich hochkochte, hängt damit zusammen, dass der dämliche Tweet des Ersten nach der Maischberger-Trashshow, in der Baerbock als so hoch gebildet hingestellt wurde, nämlich dass man sich die Ausbildung der Frau doch mal anschauen solle, wie gebildet sie sei, Auslöser des allen war. Also ich hielt Baerbock ja vorher schon für blöd, aber dachte mir dann, also wenn die das schon so twittern und einen dazu auffordern – ja, dann machen wir das halt mal genau so. Und als die ersten Fragen gestellt wurden, fing es plötzlich damit an: Fake-Nacktbilder.

(Hätte Baerbock für 5 Cent Grips, hätte sie gesagt, ja, das bin ich, ich sah wenigstens als ich jung war noch ordentlich und nicht wie ein grinsender Pfannkuchen aus. Die Chance kriegt sie nicht wieder.)

Und damit rührt man nun die Kritik an ihrem komischen Lebenslauf zusammen, um alles, was irgendwer gegen Baerbock sagt, in die Kategorie „Die Russen verbreiten gefälschte Nacktbilder über Baerbock, weil die gegen Nord Stream 2 ist“ zu packen. Typische Desinformation und Propaganda.

Und systematische Falschinformation. Die Grünen haben die Uni-Zeugnisse Baerbocks keineswegs öffentlich gemacht, sondern nur je einen kleinen Streifen abfotografiert, aber alle wichtigen Informationen weggelassen – Datum, Fächer.

Die Behauptungen waren auch nicht „frei erfunden“.

Dass Baer keinen Bachelor haben konnte, ergab sich schon aus den Prüfungsordnungen, weil des den Bachelor damals noch nicht gab.

Und dass die Süddeutsche, die Grünen und auch Baerbock selbst hektisch jede Menge Webseiten ändern und korrigieren mussten, und der Wikipediaartikel massiv umgepflügt wurde, weil nicht die Behauptungen, sondern die Darstellungen Baerbocks und der Grünen unrichtig waren, verschweigt der da völlig. Und soll mir keiner erzählen, Baerbock würde der Süddeutschen ein Riesen-Interview als Wahlkampfpropagndahilfe geben und die Süddeutsche sie groß rausstellen, und sie und die Grünen würden das nicht lesen und nicht merken, dass da ein Bachelor behauptet wurde, den sie nicht hat. Abgesehen davon, dass die Süddeutsche sie ausgiebig befragt und fotografiert, und dann über ihre Abschlüsse schreibt, ohne sie gefragt zu haben, nennt man sowas im Strafrecht „einen Irrtum unterhalten“.

Aber: Durch gezieltes Weglassen jeglicher sachlicher Informationen, die Stellungnahme der Grünen, das Vermischen mit Nacktfotoos und natürlich mit den bösen Russen – und weil das nicht reichte, noch China, Nordkorea und Iran, denn Superbaerbock ist der Hauptfeind der bösen Welt, die versuchen gerade alles, um sich vor Superbaerbock zu retten, die Chinesen schlottern nur so vor Angst und Nordkorea hat gerade auch nichts wichtigeres zu tun, als hier ein Nacktfoto von Baerbock zu verbreiten und die Diplomprüfungsordnung der Uni Hamburg zu überprüfen.

Die nächsthöhere Eskalationsstufe wäre dann auch nur noch mit Atomkrieg, Godzilla und Mars Attacks noch zu erreichen.

Nicht, dass ich mich da jetzt nicht geehrt fühlte, als Blogger im Bedrohungspotential mit China und Iran auf eine Stufe gestellt zu werden.

Aber: Wenn die Grünen und die Medien schon so austicken und ein Weltkomplott hinstellen wollen, hinter dem die Russen und Chinesen stehen, weil nach ARD-Aufforderung ein Blogger fragt, wie das mit dem Bachelor sein kann, wenn es den damals noch nicht gab, was machen die denn dann bei einem echten Problem?

Leute, wir sind gerade (noch) in einer Pandemie, Wirtschaftskrise, in Nahost geht der Krieg los, wir haben hier Migrantenprobleme, Wohnungsnot.

Und die wollen uns eine Studienabbrecherin ohne Berufserfahrung hinstellen, über jedes Maß überheblich, als Kanzlerin hinstellen, die schon am oberen Rand der Krise ist, wenn man einfach mal nur ihr Uni-Zeugnis sehen will, ein völlig alltäglicher Vorgang, der in jeder Jobbewerbung vorkommt?

Mit der Begründung, dass hinter der Frage nach dem Bachelor die Russen, Chinesen, Nordkorea und der Iran stecken, die alle zusammen ein Nacktbild zustandegebracht haben?

Was macht die denn dann, wenn hier mal eine Bombe hochgeht oder Rakete einschlägt? Oder die Russen kommen? Ist Euch klar, dass der Kanzler im Verteidigungsfall das Oberkommando hat?

Wenn die jetzt schon austickt?

Tut mir leid, dass Ihr es von mir erfahren müsst, aber: Wenn die Russen oder Chinesen hier einmarschieren, werden sie nicht mit Nacktbildern kommen und auch nicht, um nach Uni-Zeugnissen zu fragen.

Man muss schon so jung und doof sein, dass man nur Ereignislos-Merkel als Kanzlerin kennt, um Baerbock zuzutrauen, dass sie als Kanzlerin taugt und sich im Kanzleramt nicht verirrt.

Ich bin ein Stück älter.

Ich habe noch die Anschläge auf die olympischen Spiele 72, die Entführung der Landshut, die RAF-Anschläge miterlebt, zwar als Kind, aber immerhin. Ich habe so eine Vorstellung davon, was ein Willy Brandt oder ein Helmut Schmidt damals als Kanzler noch entscheiden mussten. Und die mussten da sehr schnell und selbst entscheiden.

Das dumme Stück Baerbock kommt damit an, dass die Grünen doch Sachkunde und Regierungserfahrung in den Bundesländern hätten.

Sieht man ja gerade beim Corona-Chaos, jeder sagt und macht was anderes. Bei den Schulen genauso.

Wie will die denn auf einen Kriegsvorgang reagieren?

Mal die Grünen der Länder um Rat fragen, und dann abstimmen?

Anscheinend hat die „Politikwissenschaftlerin“, „Juristin“ und „Völkerrechtlerin“ Baerbock, die es schafft, die soziale Marktwirtschaft als Erfindung der SPD auszugeben, noch nie davon gehört, dass wir hier eine Kompetenztrennung zwischen Bund und Bundesländern haben. Grundgesetz. Die darf deshalb gar nicht die Bundesländer zur Beratung heranziehen, und auch nicht die Länderparteien, weil die nicht gewählt, nicht Bundesregierung, nicht zuständig sind.

Und sonderlich kriegserfahren sind die Grünen auch in Badenwürttemberg noch nicht. Kriege hatten sie in Stuttgart, aber noch keine Siege zu verzeichnen.

Was soll der Blödsinn, wenn die sich da als „Völkerrechtlerin“ ausgibt, und dann nicht mal weiß, dass im Fall eines bewaffneten Konfliktes – eben Völkerrecht – bei uns der Kanzler zuständig wäre?

Wollen wir im Ernst diese trübe Tasse da sitzen haben? Und bei Schwarz-Grün dann noch Annegret Kramp-Karrenbauer als Verteidigungsministerin? Und Katrin Göring-Eckardt als Bundespräsidentin?

Wird der erste Krieg, den die Russen allein aus dem Home-Office per Internet gewinnen.

Die wollen allen Ernstes in einer Phase heraufziehenden Krieges eine dummschwätzende Tussi ohne greifbare Berufserfahrung und als einzigem Berufsabschluss einen Einjahres-Witzmaster über humanitäres Völkerrecht, zwei Studienabbrüche und einen dritten Platz im Kampfhopsen vorzuweisen hat und sich schon im Weltkrieg fühlt, weil jemand ihr Uni-Zeugnis sehen will?

Über Eddy the Eagle sagte man damals, dass der sich auch nur auf die Rampe wagt, weil er so schlecht sieht, dass er nicht weiß, worauf er sich einlässt. Ich glaube nicht, dass die überhaupt weiß, worauf sie sich da bewirbt.

Kompetenzmäßig wäre sie mit Nacktfotos schon ziemlich gut bedient gewesen.

Tagesschau, Christian Feld, ARD-Hauptstadtstudio

Der Bundestagswahlkampf soll ein fairer werden, dazu verpflichten sich die Grünen. Noch sind sie mit einem solchen Vorstoß allein. Aber kann das – in Anbetracht etwa der Gefahren im Netz – reichen?

Die vergangenen Wochen haben gezeigt, auf was sich Annalena Baerbock einstellen muss: Seit ihrer Nominierung zur grünen Kanzlerkandidatin ist die Beobachtung intensiver geworden, der Ton rauer. Dass Baerbock frühere Aussagen zum Beispiel zu Waffenexporten nach Israel vorgehalten werden, gehört zum normalen Geschäft – die Archive vergessen nichts.

Die grüne Spitzenkandidatin war jüngst aber auch mit falschen Nacktfotos und Gerüchten über ihre Hochschulabschlüsse konfrontiert. Auf die Zweifel an ihrer akademischen Ausbildung reagierte die Partei, indem sie Baerbocks Uni-Zeugnisse ins Netz stellte. Der Diskurs in den sozialen Medien – aber auch analog – habe sich in den letzten Wochen und Monaten spürbar verschärft, sagt Michael Kellner, Bundesgeschäftsführer der Grünen. “Das haben wir erwartet, das Ausmaß ist aber schockierend.”

Auch die sagen nur, wie schockierend es sei, aber nicht, was passiert ist, und nicht, was Grüne, Baerbock, Süddeutsche, Wikipedia alles korrigieren mussten, weil es nicht stimmt.

Und es ist schlicht falsch und gelogen, wenn die da behaupten, sie hätten die „Zeugnisse“ ins Netz gestellt. Nur kleine Ausschnitte der jeweils ersten Seite, auf denen Datum und Fächer fehlen.

Für den beginnenden Kampf um das Kanzleramt haben sich die Grünen jetzt eigene Spielregeln gegeben, eine “Selbstverpflichtung für einen fairen Bundestagswahlkampf 2021”. Der entsprechende Beschluss des Parteirats liegt dem ARD-Hauptstadtstudio exklusiv vor. Darin heißt es: “In den vergangenen vier Jahren gab es leider nur geringe Fortschritte, was die Absicherung fairer, transparenter und unbeeinflusster digitaler Wahlkämpfe angeht.” Zu gesetzlichen Verpflichtungen sei die Große Koalition nicht bereit gewesen. Das wollen die Grünen in der kommenden Legislaturperiode ändern und sich in Deutschland und Europa für klare Regeln und eine bessere Kontrolle stark machen, “Monitoring-Stellen” unterstützen.

Die Grünen werden ein Gesetz machen, nachdem man die Lebensläufe und Abschlüsse ihrer Politiker nicht mehr nachprüfen darf.

Christoph Bieber, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Duisburg-Essen, bezeichnet die Verhältnisse in Deutschland als noch immer gesittet. Besonders von den Zuständen in den USA, wo sich eine ganze Beraterindustrie auf Negativ-Kampagnen spezialisiert habe, sei man “meilenweit” entfernt. Aber: “Die Einschläge kommen näher.”

Julian Jaursch leitet das Projekt “Stärkung digitaler Öffentlichkeit” bei der “Stiftung Neue Verantwortung”. Er beschreibt sehr klar die Probleme: “Zuletzt war sehr deutlich erkennbar, wie schnell sich in sozialen Netzwerken Desinformation zum Beispiel über Kandidierende verbreitet.” Umso wichtiger scheint es, zu wissen, wer da eigentlich in den sozialen Netzwerken postet. Ist es ein Mensch? Oder ein Computer-Programm? Die Grünen kritisieren, dass durch sogenannte Social Bots die öffentliche Meinung “künstlich verzerrt” werde.

Anmerkung: Wer ich bin, steht im Impressum, und ich bin echt.

Michael Kellner von den Grünen beunruhigen Hinweise auf Versuche ausländischer Geheimdienste, die Wahl zu manipulieren, sehr. Auch aus rechtsextremen Kreisen würden Lügen und gefälschte Zitate verbreitet. “Auch stelle ich fest, dass die Grenze zwischen Zuspitzung und falschen Behauptungen nicht immer von allen demokratischen Parteien gewahrt wird.”

Man wird künftig nicht mehr fragen dürfen:

Dem Vernehmen nach wollen verschiedene Gruppen aus Zivilgesellschaft und Wissenschaft noch in diesem Monat konkrete Vorschläge veröffentlichen, was ein Verhaltenskodex umfassen könnte. Vielleicht öffnet das den Weg zu einer breiter getragenen Selbstverpflichtung.

Wenn die erst Kanzlerin ist…

Was glaubt Ihr, welches Ausmaß die Flaschinformation durch Presse und Rundfunk erst annehmen wird, wenn die mal Kanzlerin ist.

Hätte auch nur ein einziger da je erwähnt, warum ich den Lebenslauf und die Abschlüsse nachprüfe?

Wer wählt sowas?