Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Ein Tritt in den Hintern und ein großer Innovationsschub

Hadmut
12.4.2020 23:18

Warum ich die Corona-Krise sogar gut finde.

Um noch einen draufzusetzen: Ich kann dieser Corona-Krise – neben den gewaltigen wirtschaftlichen Schäden und den vielen Toten, die ich natürlich sehe – allerhand Positives abgewinnen. Ich würde sogar sagen, es war allerhöchste Zeit.

Ich hatte es neulich schon angesprochen, dass es mich überaus begeistert und fasziniert, dass die Leute auf einmal wieder problem- und lösungsorientiert arbeiten, improvisieren, sich neu orientieren, überlegen, was wichtig ist und was nicht, worauf man verzichten kann, wie man das Notwendige herstellen kann. Ich kann mich nicht erinnern, seit der Dotcom-Blase wieder eine so kreative und produktive Zeit erlebt zu haben.

Erinnert mich ein bisschen auch daran, dass Forscher sagen, dass Tiere im Zoo intelligenter als in der Natur sind, weil sie Zeit für Langeweile haben und nachdenken. Und die Pfleger dafür sorgen, dass sie auch nachdenken müssen.

Gestern kam im Fernsehen etwas zur Apollo-13-Mondmission, bei der es (gestern) vor genau 50 Jahren zur Katastrophe kam, weil da im All irgendwas explodierte, und die es ohne Überlebenschance schafften, wieder gesund zur Erde zurückzukommen. Nach den Umständen eigentlich unmöglich, aber sie haben es geschafft. Irgendein sehr alter Mann (anscheinend einer der Astronauten von damals) sagte, dass sie es zwar nicht auf den Mond geschafft haben, aber das erfolgreiche Scheitern wohl der größte Erfolg der NASA war. Denn in der völlig ungeplanten Situation zeigte sich, zu welch außerordentlichen Leistungen Menschen in der Lage sind, wenn sie analysieren, kooperieren, improvisieren. Die Apollo-13-Rettung war eigentlich der größere Erfolg als die Mondlandung.

Ich habe schon oft geschrieben, für wie blöd ich unsere Gesellschaft halte.

In der Tat erschienen mir die letzten 20 Jahre wie eine gewaltige Verblödung.

Das hängt vielleicht auch mit meiner persönlichen Geschichte zusammen. Bis 1998 war ich in der Krypto-Forschung, quasi in einem Technologiekrieg, und bin dann 1998 in eine Firma gewechselt, die das Internet aufbaute, die Phase der Dotcom-Blase. Wir haben damals nicht nur massig Geld verbrannt (und sehr viel Spaß dabei gehabt), sondern auch eine hochinnovative Phase gehabt. Bis das 2002 geplatzt ist.

Seit 2002 wirkt das alles, vor allem Deutschland/Europa, wie intellektuelle Steinzeit, wie Finsternis und Ödnis auf mich.

Damit einher ging ja damals der Politschwenk nach links, erst Schröder, und dann noch die linke Lethargie Merkel, und dann diese grenzenlose Vollverdummung Feminismus/Gender/Frauenförderung. Sprachregeln, Anforderungen auf Null und so. Alles so unfassbar dumm, so korrupt, so verlogen.

Weil es uns zu gut ging, wir zu bequem waren. Dekadenz, wir konnten uns das Dumme einfach leisten.

Wir haben seit dem Technologie-Absturz 2002 eine Phase gehabt, in der es uns wegen des gut situierten Mittelstandes, vor allem Maschinen- und Fahrzeugbau, so gut ging, dass wir weitgehend auf Hirn verzichten und uns ganze Bataillone von Idioten leisten konnten, Feministen, Genderisten, Gleichstellungsbauftragte, all diese Ursula von der Leyens. Man hat die Wissenschaft beschimpft und bekämpft, und dafür die Dummen gefeiert und befördert – je dümmer umso besser, das Credo. Und weil wir nicht genug Dumme hatten, um das Dumme zum Gesellschaftsstandard zu machen, haben wir noch massig Analphabeten importiert, zur Verdünnung sozusagen. Ich habe das oft genug beschrieben, dass wir vor allem Links-Merkel-mäßig in einen regelrechten Dummenkult verfallen sind. Hirn galt nichts mehr, die Anbetung des Dummen war alles. Stichwort Frauenquote. Geradezu die Verachtung aller Befähigung, das Geschlecht zum ersten und einzigen Kriterium zu machen. Dieser Dummheitsschleim ergoß sich über die Republik, und Merkel gebar immer neue Dumme wie eine Termitenkönigin.

Das Credo, dass Wissenschaftler, Mediziner, Biologen nur fiese weise alte Männer sind, die das erfunden haben, um Frauen zu knechten, zu unterdrücken, zu diskriminieren ist sicherlich hart an der Kante des Allerdümmstmöglichen, aber es schickte sich an, zur Staatsreligion zu werden. Wir waren mitten auf dem Weg in einen Deppenstaat von Merkels Zuschnitt, wie man es aus „Idiocracy” kennt.

Man hat in die Universitäten, die Firmen, die Parteien flächendeckend Politoffiziere eingepflanzt, die für eine flächendeckende, gleichmäßige Verblödung sorgten. Die Universitäten bieten Studiengänge an, in denen man mit Bacheler, Master und Doktor in Dummheit abschließen kann, und die Regierung finanziert großzügig Professuren für Dummheit. Poststrukturalismus. Dem staatlich geprüften Dummen stehen die Karrierewege offen. Denn Geld war genug da.

Ich habe mich auf einen Corona-Newsletter einer Berliner Zeitung, der Morgenpost, gesetzt. Die schrieb heute morgen

Wer hätte es für möglich gehalten, dass Deutschland, dass andere Länder von heute auf morgen einen „Shutdown“ umsetzen, dass das öffentliche Leben nahezu still steht, dass die Wirtschaft so schnell einbricht und jetzt in größte Schwierigkeiten kommt, dass es in Deutschland kaum noch Flugbewegungen gibt. Oder wer hätte gedacht, dass man innerhalb weniger Tage den Umzug der Mitarbeiter ins Homeoffice organisieren kann – und alles funktioniert.
Wir alle erleben in diesen Tagen eine unglaubliche gesellschaftliche Veränderung, eine andere Wertschätzung der Gesundheits- und Pflegeberufe, auch eine große Solidarität. Und wir lernen gerade wieder den Wert der Freiheit, der freien Entscheidung kennen. Gut so.

Wir sind so faul, so bequem, so dekadent geworden, dass wir den Zwang brauchten, um unseren Hintern überhaupt nochmal aus dem Sessel zu erheben, das „Weiter so” zu beenden. Komischerweise waren ausgerechnet die, die sich selbst als „progressiv” feiern und andere als „konservativ” beschimpfen als die Wegbereiter des Dummen die, die jeden Fortschritt konterkariert, sabotiert, devaluiert haben.

Was wir erleben ist ein Kontrollverlust. Aber der Kontrollverlust der Dummen – vieles ist plötzlich gewissermaßen entfesselt. Entfesselt durch die faktische Notwendigkeit des Erforderlichen.

Klima

Das alles fing schon beim Klima an zu bröckeln. Einerseits braucht das Prinzip Greta all die Dummen, die ihr folgen. Greta, die perfekte Dummenqueen. Aber schon da war man plötzlich in der Bredouille, sich jetzt auf Wissenschaft berufen zu wollen. Eben noch hatte man Wissenschaft verteufelt, weil frauenausgrenzender willkürlicher Ausgrenzungszirkus, Wissen und Wirklichkeit gäbe es gar nicht. Und jetzt auf einmal sollten sich alle hinter die „Wissenschaft” stellen.

Und jetzt so plötzlich brauchen wir auf einmal die Biologen und Mediziner wieder. Eben noch waren sie die Teufel, die sich „Geschlecht” ausgedacht hätten, herrschte doch der Glaube, dass wir alle neutral und gleich geboren werden, Biologie gar nichts bedeute, und das dann alles nur Soziologische Erscheinungen sind. Der Dummentank Geistes- und Sozialwissenschaftler hatte sich immer tiefer in das Schimpfwort „Biologismen” gesoffen.

Und?

Hätte ihr noch einen von diesen staatlich verbeamteten Berufsidioten gehört, der Corona-Viren als „Biologismen” abtäte?

Auf einmal sind Biologie und Medizin wieder wer.

Auf einmal wissen wir, dass Krankenschwestern, Verkäuferinnen und Friseurinnen, LKW-Fahrer, Klopapierhersteller und die Feuerwehr wichtig sind, während Gleichstellungsbeauftragte, Gender-Experten und Kulturwissenschaftler einen Wert unter Null haben. Sie haben keinen Wert, aber kaufen uns Nudeln und Klopapier weg. Keiner braucht sie.

Ist das nicht wunderbar?

Ich glaube, diese Corona-Krise ist das Beste, was uns gerade passieren konnte, um uns wieder etwas in Richtung Boden zurückzuholen, bevor wir völlig durchdrehen und spinnen.

Und auch um die EU mal wieder mit realistischeren Maßstäben zu betrachten.

Kreativität

Ich bin begeistert.

Darüber, was sich die Leute alles einfallen lassen. Um was zu verkaufen. Um die Kinder zu beschäftigten. Um Probleme zu lösen.

Ich habe beruflich schon seit Jahren – spätestens seit es in Berlin mal einen Ebola-Fehlalarm-mit-Quarantäne-Fall gab, aber eigentlich schon aus meiner früheren beruflichen Erfahrungen mit Schweine- und Hühnergrippe – gewarnt und gemahnt, sich auf längerfristiges Homeoffice vorzubereiten und einzurichten. Nicht alle sind mir darin gefolgt. Der ein oder andere sah das auch wie „Danisch erzählt wieder vom Krieg”. Als das hier losging, hätte ich ohne Schminke den Joker in Batman spielen können, weil ich tagelang das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht bekam. Genau, wie ich es prophezeit hatte, nur in XXL.

Das Grinsen wich einer großen Freude darüber, wie agil die auf einmal auf die Situation reagieren können, wie schnell und effektiv die improvisieren, sich anpassen, umstellen, an das Problem adaptieren. Wie schnell da alles, auch das Eingefahrene, plötzlich anders werden konnte und man auf ganz andere Weise trotzdem weitermachen konnte. Inzwischen diskutiert man, wie weit man hinterher dann überhaupt wieder zurückwill. Von Schaden und Problemen redet man nur am Rande, vieles wird als Gewinn angesehen. Auf einmal quellen die vor neuen Ideen und Lösungen schier über.

Wunderbar

Ich finde das wunderbar.

Endlich mal was los.

Endlich mal Bewegung in diese eingefahrenen Muster.

Natürlich, um die Toten ist es sehr schade, das ist bitter.

Aber gesellschaftlich muss man sagen, dass dieser Tritt in den Hintern das Hirn wieder in Gang gesetzt hat.

Vielleicht ist das auch ein zentraler Grund dafür, warum ich nicht in das Wehklagen, das Jammern aus Prinzip, das Zetern, Schimpfen und Klagen einstimmen will.

Ich empfinde die aktuelle Situation als kreativ, fruchtbar, gesund, angenehm, erfreulich. Ein Glück, dass uns das passiert ist, weil es die Maßstäbe wieder ein gewaltiges Stück von den Dummen weggerückt hat.

Ich glaube, dass wir uns als Gesellschaft in den letzten 3 Monaten drastisch verbessert haben. Und das vor allem deshalb, weil wir vieles von dem Schaden durch die Geistes- und Sozialwissenschaften und deren Dummenkult sehr schnell wieder zurückbewegt haben.

Hört auf!

Hört auf mit dem Gepinse, Gejammer, Selbstmitleid.

Leute schreiben mir empört, sie wüssten nicht mehr, wie sie ihre Familie ernähren sollten.

Seltsam. Noch vor kurzer Zeit, gerade erst ein paar Monaten, war das öffentliche Credo noch, dass wir ein so „reiches” und starkes Land sind, dass wir unbegrenzt Flüchtlinge, die ganze Welt nicht nur ernähren, sondern sogar mit Klopapier samt daran hängender Wohnung versorgen könnten. Und immerhin war das mehrheitsfähig, denn eine deutliche Mehrheit hat solche Parteien gewählt, die dafür stehen.

Das kann man durchaus tun. Ich will das an dieser Stelle nicht kritisieren, der Wähler ist der Souverän. Wenn man der Meinung ist, dass man das so haben will, und sich das demokratisch so wählt – dann ist das eben so. Geliefert wie bestellt.

Wenn aber derselbe Souverän, der Wähler, nach nur drei Wochen schon jammert, er wisse nicht mehr, wie man die eigene Familie ernähren kann, dann frage ich mich, wie intelligent das eigentlich sein kann.

Vielleicht hat das damit zu tun, dass gestern noch Paradies angesagt war, heute dagegen Nudeln, Klopapier und Boden der Realität.

Ich habe derzeit ausreichende Vorräte an Klopapier. Aber ich stelle eben auch fest, dass ich in den Läden (ich bin allerdings nur noch sehr selten da, habe mich so auf ein- bis höchstens zweimal Einkaufen pro Woche eingeschränkt) seit längerer Zeit kein Klopapier mehr gesehen habe. Keine Küchenrollen. Keine Gummihandschuhe. Kein Desinfektionsmittel. Seife nur flüssig.

Die Realität ist, dass wir bereits daran scheitern, uns selbst mit Klopapier zu versorgen. Mir wäre nicht bekannt, dass man in die unbegrenzte Einladung an die Welt eine Fußnote angebracht hätte, dass man das Klopapier bitte selbst mitbringen solle.

Ich hatte es neulich schon erwähnt: Wir erleben gerade den Einsturz der Politlüge Sozialstaat. Einerseits erzählen sie uns lang und breit von Mindestlohn und Sozialstaat und Sozialleistungen und Hartz IV und so weiter. Andererseits spüren wir gerade überdeutlich, wieviele Funktionen unserer Gesellschaft in Billiglohnländer wie China oder Bangladesh ausgelagert sind. Der Sozialstaat ist eine Lüge, denn man zeigt uns nur den Teil, der nicht als Billiglöhner arbeiten soll, tut aber so, als wäre das der Staat. Unser Staat findet längst in China und Bangladesh statt. Und da fanden es viele, vor allem Linke, schon absurd, als man vor Jahren sagte, der Rechtsstaat würde am Hindukush verteidigt. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Aber unsere Atemmasken und Laborkittel und Medikamente werden in China hergestellt.

Schön, dass wir das mal merken, was für ein Schwindel das alles ist, was für eine verlogene Fassade der linke Sozialstaat und das Märchen vom reichen Deutschland ist. Das reiche Deutschland und eigentlich auch ganz Europa verschulden sich gerade so, dass die Währung das nicht halten kann. Wir werden in enorme Inflation rutschen, rutschen müssen. Weil man die Geldmenge drastisch erhöht und weil wir gar nicht in der Lage sein werden, diese Schulden jemals zu bezahlen. Wir üben gerade bedingungsloses Grundeinkommen und wir werden sehen, dass es zwangsläufig auf wertloses Geld hinauslaufen wird. Je mehr Geld man bekommt, ohne zu leisten, desto weniger wird es auch wert sein.

Zurück zu Klopapier und Billiglöhnern. Es ist nicht so, dass wir einen Mangel an Klopapier an sich hätten. Aber wir bekommen es nicht von den Zentrallagern in die Supermärkte transportiert, weil wir nicht genug Fahrer haben. So, wie wir unseren Spargel nicht vom Acker bekommen, sobald die Billiglöhner nicht mehr aus Ost- und Südeuropa kommen. Wir sind jetzt die Mindestlohngesellschaft, von der uns so vorgeschwärmt wurde, und prompt geht das Klopapier aus. Weil die Realität eben ist, dass man in der 40- oder weniger-Stundenwoche (die in meiner Jugend und Studienzeit von denselben erstritten wurde) auch nur leben kann, wenn man welche findet, die weniger verdienen, damit man sich deren Zuarbeit leisten kann. Die Wirtschaft funktioniert nicht mit Lohngleichheit und Sozialismus. Die Wirtschaft funktioniert nur über Lohnkaskaden und Ungleichheit. Kapitalismus, wenn man so will. Weil jeder von denen lebt, die mehr Geld bekommen als er, und dafür die ernährt, die weniger bekommen als er. Das hat ganz gut funktioniert, solange man verschiedene Währungen hatte und die verschiedenen Einkommensklassen auf verschiedene Länder verteilt waren, aber mit Einheitswährung, Globalisierung, Mindestlohn, offenen Grenzen, Migration, kurz all den linken Segnungen, funktioniert das eben nicht mehr. Eigentlich schön, dass wir das mal empirisch-experimentell beobachten können. Da kann man sich als Blogger jahrelang den Mund fusselig reden und die Finger wund schreiben. Und Corona schafft’s in einem Monat.

Gesundung

Ich weiß, viele Leser werden mich dafür hassen, aber: Ich finde so eine Realitsfastenkur für Charakter und Gesinnung durchaus gesund.

Ich hatte es ja neulich auch schon geschrieben: Unsere Politiker sind wahrlich nicht die Hellsten. Aber Ihr habt Euch die gewählt. Ihr wolltet die so haben.

Ich frage Euch mal: Wieviele Parteien setzen ihre Kandidatenlisten so zusammen, dass alle wichtigen Berufe darin vertreten sind?

Na?

Welche Parteien werben damit, dass sie Epidemiologen, Feuerwehrleute, Soldaten, Informatiker und so weiter und so fort als Kandidaten haben?

Meines Wissens gar keine.

Aber genug Parteien werben damit, dass sie Geschlechterparität wollen, immer Männlein und Weiblein paarweise. Oder Frauenstatut, wenn keine Frau mehr etwas zu sagen weiß, soll auch kein Mann mehr reden dürfen. Selbst wenn er Epidemiologen oder sowas ist.

Jetzt habt Ihr das mal bar auf der Hand, was für Schwachsinnsvereine Ihr so wählt um Euch regieren zu lassen. Dann müsst Ihr auch hinnehmen, dass die damit gerade überfordert sind. Im Prinzip müsstet Ihr jetzt hinnehmen, dass die Mediziner und Biologen, die man in den letzten Jahren aus Staatsmitteln bezahlt dauerbeleidigt und -beschimpft hat, beleidigt sind und gar nichts mehr machen, und die Politik ihr Röckchen hebt um ihr Qualitätsmerkmal Südpol zu zeigen.

Ich finde das gut, dass wir da mal einen Stresstest haben.

Und anstatt mir bergeweise Beschwerden zu schicken, dass ich gerade nicht mit der Axt auf die einschlage, solltet Ihr Euch lieber mal Gedanken machen und aufschreiben, was schief läuft. Schreibt halt mal selber und lasst nicht immer nur mich schreiben.

Denn viele werfen mir gerade vor, dass ich irgendwelche wichtigen Fragen nicht stellte. Das ist aber der falsche Zeitpunkt. Diese Fragen stellt man vor der nächsten Wahl.

Ich habe vorhin geschrieben, dass ich a posteriori niemanden dafür verantwortlich mache, was er a priori nicht besser wissen konnte. Das ist eine systematische Angelegenheit.

Aber ich werde zum gegebenen Zeitpunkt dem Souverän, also dem Wähler, unter die Nase reiben, dass er sich erst Inkompetenzkultparteien als Regierung wählt und sich dann beschwert, dass sie ihm zu inkompetent ist. Das größere Problem als der inkompetente Politiker ist nämlich der Wähler, der ihn gewählt hat. Und das war a priori abzusehen, dass diese Politiker damit überfordert sind.

Man kann in dieser Situation nicht, wie so viele Leser das gerade von mir verlangen, nur auf die Politik einschlagen. Das Problem ist der Wähler, der sich diese Leute als Regierung gewählt hat. Jetzt sind wir gerade in der Krise und jetzt müssen wir da mit denen durch, die wir dahingesetzt haben. Deshalb halte ich das für verfehlt, jetzt noch durch Störfeuer den Stresslevel zu erhöhen. Das ist so in einer Krise.

Aber wir werden danach, hinterher, in jeder Hinsicht die Frage stellen, was wir anders machen müssen. „Lessons Learned” heißt das im Business-Gequatsche, ist aber keine schlechte Frage.

Und der erste, der sich der Verantwortung stellen muss, ist der Wähler, der Laienparteien wählt. Das muss jetzt eben so laufen, wie es läuft, das ist gerade nicht zu ändern. Aber zur nächste Wahl wird man fragen müssen, ob der Wähler daraus irgendwas gelernt hat, oder denselben Fehler wieder macht.