Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Wichtig wofür?

Hadmut
2.4.2020 13:50

Noch ein Detail:

Ich hatte es neulich schon mal zu den so häufig verwendeten Verben „brauchen” und „müssen” beschrieben: Wir brauchen und wir müssen gar nichts. Nicht als absolute, ungerichtete Verpflichtung.

Das steht auch sprachlich, wenngleich nicht zwingend im engeren grammatikalischen Sinne, immer mit einem „um zu”. Das muss nicht im selben Satz stehen, auch nicht explizit genannt sein, sich aus dem Kontext ergeben, aber gedanklich stehen brauchen und müssen immer in einem Zielzusammenhangstehen.

Sie müssen früher aufstehen, um rechtzeitig zur Arbeit zu erscheinen.

Sie müssen Ihrem Kind etwas zu essen geben, um es gesund und am Leben zu halten.

Es gibt kein „müssen” oder „brauchen” als solches. Auch wenn uns die Presse- und Politidioten ständig so einen Mist auftischen, wie „wir brauchen Diversität”, „wir brauchen die Frauenquote”, „wir müssen Häuser enteignen” … wofür brauchen wir die? Wozu müssen wir das tun?

Immer wenn einer sagt, dass wir etwas brauchen oder müssen, ohne zu sagen, wofür, und das nicht aus dem Kontext hervorgeht, ist etwas faul.

Dasselbe gibt nicht nur für Verben, sondern auch für entsprechende Adjektive und alles attributiv verwendete.

Wenn mir also Geisteswissenschaftler, Journalisten, Künstler und sowas daherkommen und betonen wollen, wie wichtig sie seien, können sie gleich wieder gehen, wenn sie nicht sagen, wofür sie wichtig sein sollen oder wollen.

Die Tage schrieb mir ein Musiker, sie seien doch so wichtig, weil es in der Quarantäne ohne Musik und Kinofilme doch auch stinklangweilig wäre. Star Trek Picard und so.

Sorry, wenn ich das mal so sage, aber: Ich genieße gerade die Stille. Nicht mehr zu hören als das Klappern meiner Tastatur beim Schreiben. Und das Fernsehprogramm ist seit Wochen so lausig, dass ich mich jetzt auch nicht erinnern könnte (abgesehen von der Dokumentation zu dem Rubikon-Projekt und der Crypto AG), irgendetwas Wichtiges oder Gutes gesehen zu haben.

Musik, ja gerne, aber in der Quarantäne-Zeit auch nur morgens zum Aufwachen und im Bad. Bevorzugt aber die Musik, 70er, 80er, 90er, die längst gemacht ist. Aktuelle Musiker liefern nicht viel, was mich interessierte. Notfalls würde ich unter Anwendung einer Gitarre, einer Klarinette und weiterer Werkzeuge im diesbezüglichen hiesigen Werkzeugschrank Geräusche selbst fertigen.

Star Trek Picard: Ja, gerne. Geht aber auch ohne. Genauer gesagt, habe ich es die letzten ca. 20 Jahre ganz gut ohne die Star Trek-Serien ausgehalten. Ist wie Pistazieneis. Ess ich auch gerne, aber ich fall nicht tot um, wenn ich es mal drei Jahre lang nicht esse.

Wer sich für wichtig hält und für sich wirbt, macht was falsch, denn wer wichtig ist, dem rennen sie die Bude von selbst ein. Wer werben muss, ist schon nicht so wichtig.

Wer beim Werben aber auch schon nicht sagen kann, wofür er wichtig sein will, der hat ein richtiges Problem.

Er hat dann nämlich etwas Wichtiges vergessen. Etwas, das wichtig gewesen wäre, um mich zu überzeugen.

Erstaunlich, dass man Geisteswissenschaftler über das Wesen der Wichtigkeit belehren muss. Wo sie doch immer in Anspruch nehmen, dass man sie dafür bräuchte, solcherlei zu verstehen.