Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Antwort des NDR auf meine Anfrage zu „Fresse einschlagen”

Hadmut
28.1.2020 23:17

Der NDR hat mir geantwortet.

Ich hatte doch berichtet, dass jemand behauptet, dass einer vom NDR einen damit bedroht habe, ihm die Fresse einzuschlagen, das selbst auf Video aufgenommen und veröffentlicht habe, um den anzuprangern.

Ich hatte beim NDR mal anfragt, ob das so stimmt und was sie so dazu sagen.

Weil ich es als Presseanfrage gekennzeichnet hatte, darf ich dann auch aus der Mail zitieren.

Sehr geehrter Herr Danisch,

vielen Dank für Ihre Nachricht in Bezug auf die Vorwürfe gegen den NDR Journalisten Aimen Abdulaziz-Said.

Vorweg möchte ich Ihnen den Ablauf der Ereignisse kurz darstellen. Aimen Abdulaziz-Said ist rassistisch beleidigt worden und hat während einer Diskussion die Fassung verloren. Abdulaziz-Said hat das Gespräch per Video aufgezeichnet und in voller Länge auf seinem Twitter-Account veröffentlicht, nach kurzer Zeit jedoch wieder gelöscht, da er fand, dass er selbst wenig souverän reagierte. Das Video wurde zwischenzeitlich von einem Twitter-User gekürzt weiterverbreitet, sodass die Konversation aus dem Kontext gelöst dargestellt wird.

Als Direktorin des NDR Landesfunkhauses Hamburg sagt Sabine Rossbach dazu: „Der Norddeutsche Rundfunk steht für die Meinungsfreiheit und eine demokratische Willensbildung in unserer Gesellschaft. Diese Freiheit endet jedoch dort, wo die individuelle Meinung in offenen Rassismus übergeht und insofern verurteile ich offene Ausländerfeindlichkeit gegenüber den Kolleginnen und Kollegen des NDR klar. Gleichzeitig ist das aggressive Auftreten von Aimen Abdulaziz-Said, welches in dem bearbeiteten Video zu sehen ist, nicht tolerierbar. Dies habe ich bereits persönlich mit ihm besprochen.“

Ich danke Ihnen für Ihre Nachfrage.

Also auf mich wirkte das nicht, als hätte der die „Fassung verloren”, sondern ein allgemeines Benehmen noch nie erreicht. In unserer Zivilisation rechtfertigt auch eine Straftat, schon gar nicht eine Beleidigung, eine Selbstjustiz. Ich hätte die Konversation ja mal gerne im Ganzen gehört.

Was mir daran auffällt, ist, wie der NDR das abzuwiegeln und den Mitarbeiter als Opfer hinzustellen versucht, das halt die Fassung verloren habe ob der Beleidigung. (Ich wurde schon sehr wüst beleidigt, und es hat mich noch nie aus der Fassung gebracht.)

Beachtlich finde ich auch, dass der NDR mit zwar nicht mitteilt, was der andere Mann denn nun gesagt haben soll, und zu wem, aber dass es außerhalb der Minungsfreiheit und demokratischen Willensbildung gelegen haben soll. Das soll ich jetzt mal so glauben. Blind, taub, weil der NDR es so gewohnt ist, einem zu sagen, was man zu denken hat.

Eine Ausländerfeindliche Äußerung – ohne dass ich jetzt wüsste, was das denn war – wird „verurteilt”, und der Mitarbeiter damit verteidigt, und wegen der Drohung heißt es nur „nicht tolerierbar” – man habe mit ihm gesprochen.

Komischerweise heißt „nicht tolerierbar” sonst immer etwas ganz anderes. Wenn man andere nicht „toleriert”, heißt das in der Regel, dass man jeden Druck ausübt, damit er gefeuert wird und seine Existenz verliert.

Ich könnte mich auch nicht erinnern, dass man jemanden mit abweichender Meinung jemals zugestanden, dass er „die Fassung verloren”, und es bei einem Gespräch belassen habe. Bei allen, die man als „Rechts” einstuft (also alle außer ihnen selbst), muss es immer die größtmögliche Keule sein.

Es sind nicht die Maßstäbe, die mich so besonders ankotzen. Es sind die doppelten Maßstäbe.

Wer glaubt diesen Leuten noch etwas?