Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Der Identitätsdiebstahl der „MamaZirkus”

Hadmut
9.12.2019 12:46

Ich hatte doch über diesen garstigen Tweet zum Augsburger Feuerwehrmann berichtet.

Inzwischen heißt es, das sei Identitätsdiebstahl gewesen, Fremde hätten den Account der Frau gehackt und das gepostet, womöglich um ihr zu schaden.

Es Leser weist darauf hin, dass T-Online auch etwas dazu hat:

Unbekannte haben die Identität einer jungen Frau gestohlen, um in ihrem Namen den in Augsburg getöteten Feuerwehrmann auf unsägliche Art verächtlich zu machen. Die Frau hat eine Idee, wer die Beleidigungen und Todesdrohungen gegen sie losgetreten hat.

Am Sonntagabend konnte “MamaZirkus” nicht die Tränen zurückhalten. “MamaZirkus”, so nannte sich bisher eine junge Frau im Netz. Den Namen will sie aber vielleicht nie wieder hören, weil er seit Sonntag mit Hass und Verachtung verbunden ist: Unbekannte haben unter dem Namen und mit ihren Bildern ein weiteres Profil aufgebaut. […]

Wer könnte hinter der Aktion stecken?

“MamaZirkus” hat zu den Urhebern des Vorfalls eine Vermutung, für die es plausible Indizien gibt: Hinter der brutalen Fake-Aktion könnten Hater des “Drachenlords” stecken. Das ist das Pseudonym eines jungen Mannes, der Luftlinie etwa zehn Kilometer von ihr entfernt lebt. Er wurde mit seinen Videos und seinen Reaktionen auf Kritik zur Hassfigur und Zielscheibe zahlloser Attacken im Netz.

Ich verstehe den Zusammenhang nicht. Schon die Affäre Drachenlord ist mir nur sehr, sehr entfernt bekannt. Ich weiß, dass es unter dem Namen irgendeine Streitursache gibt, müsste aber auch erst nachlesen, um das nochmal zu verstehen. Ich weiß jetzt auch nicht aus dem Stand, ob das dort Linke gegen Rechte oder umgekehrt oder was überhaupt ist. Was aber hat das mit der Frau zu tun?

Bei den Hasskommentaren gibt es eine Verbindung

Zwischen Tweets gegen den Toten und den “Hatern” gibt es eine Verbindung: t-online.de liegt eine Liste vor, wer einen der empörenden Tweets geliked hat, bevor er gelöscht wurde. Die wenigen Likes kamen zum großen Teil von Nutzern, die sich früheren Tweets zufolge regelmäßig mit dem “Drachenlord” befassen. Auf eine Nachfrage reagierten sie zunächst nicht. In der Vergangenheit hatte auch eine angebliche “Antifa Emskirchen” mit absurden Tweets Hass auf die Antifa geschürt.

Aha.

Seltsam. Ausgerechnet T-Online hängt sich da voll ins Zeug, und da wissen wir ja, dass die linkslastig sind. Besteht da ein Zusammenhang?

Und stimmt das dann so?

Ich finde das immer erstaunlich, wenn einem die Leute schreiben, die erste Version, ja die war doch ein offenkundiger Fake, das hat man doch sofort gesehen, aber die zweite Version, die glauben wir sofort – weil dann das Weltbild wieder stimmt.

Ich finde es auch erstaunlich, wenn die Leute schreiben, das war Fake, also muss man es ignorieren. Wenn einer mit gefälschten Bankkarten Geldautomaten ausräumt, ist das auch „Fake” und man ignoriert es trotzdem nicht. Ich verstehe diese Geisteshaltung, zu sagen, es war Fake, also ist es eigentlich gar nicht passiert, nicht. Der Tweet war doch da. Das hat doch jemand geschrieben. Nach Lage der Dinge wohl jemand anderes, aber eben jemand.

Ich habe nur wenig oder kein Verständnis für den Standpunkt, man müsse sowas einfach generell ignorieren und gar nicht erst beachten. Es passiert aber doch. Ich kann ja auch nicht ignorieren, wenn einer erstochen oder erschlagen wird und das mit „aber das war doch rechtswidrig” oder „der Täter war mit gestohlenem Pass eingereist” begründen.

Ich kann auch nicht mit der Herangehensweise arbeiten, jeden Vorgang bis zur totalen Auflösung geklärt zu haben. Das kann ich vom Arbeitsaufwand her nicht leisten, ich kann es auch rechtlich nicht, weil ich nicht in der Rechtsposition bin. Ich habe gerade wieder eine Auskunftsklage gegen eine Berliner Einrichtung laufen, das macht nicht nur einen Haufen Arbeit, das dauert auch schon wieder Monate. Es ist schlicht nicht möglich, das alles auszurecherchieren, zumal die Frau ja keinen Klarnamen und kein Impressum angegeben hat. Soll ich bei jedem Tweet nachfragen „Haben Sie das wirklich geschrieben?” Und warum sollte eine Antwort „Ja” dann zuverlässiger sein?

Würde man so arbeiten, wie manche Leute erwarten, dürfte man nicht erwähnen, dass John F. Kennedy tot ist, weil man noch nicht weiß, wer’s war.

Es ist aber nun mal passiert, dass Leute sowas in die Welt gepumpt haben, also kann man auch darüber schreiben.

Übrigens scheint das generell eine Masche zu sein.

Neulich schon ist es passiert, dass ich von zwei Twitter-Accounts von Leuten, die mir sonst immer sehr nützlich schreiben, scheinbar übel angepöbelt wurde. Homograph Attack. Beide Accounts hatten ein kleines l (L) im Namen, und der Angreifer hat beide Accounts (einen davon identisch) nachgebildet, indem er das kleine l durch ein großes I ersetzt hatte, was bei dem verwendeten Font nahezu gleich aussieht.

Das könnte also öfter passieren.

Und ich bin der Auffassung, dass man das auch betrachten muss um herauszufinden, was dahintersteckt. Ob das einfach nur ein paar Idioten sind, oder ob es konzertierte Aktionen sind, um zum Punkt „niemand glaubt niemandem niemals nicht gar nichts mehr” zu kommen, typische Agitation.

Und nein, ich werde solche Fälle auch künftig nicht ignorieren. Es ist Krieg, und es ist zu betrachten, ob sowas Kriegshandlungen sind.