Ansichten eines Informatikers

Blamabel: Die „Frankfurter Erklärung” von ARD und ZDF

Hadmut
3.11.2017 0:00

Da eskaliert gerade der Streit zwischen Presse und öffentlich-rechtlichem Rundfunk.

Oder: Wenn zwei sich streiten, schreibt der Blogger. 🙂

Passt prima an die Claus-Kleber-Blog-Artikel.

Heute las ich eine seltsame Meldung in der WELT: ARD- und ZDF-Journalisten wehren sich mit „Frankfurter Erklärung“

Bisschen indirektes Blabla aus der Meldung (später gab es noch eine Selber-Doof-Replik von Mathias Döpfner). Ich hatte mich gewundert, weil da drin „veröffentlicht” steht, ich die aber nirgends gefunden habe. Wo sollte die denn sein? Wo wurde die denn „veröffentlicht”? Warum sagt die WELT nicht, wo das veröffentlicht wurde?

Ich habe bei der Redaktion der WELT nachgefragt, und die haben es mir erklärt:

„Veröffentlicht” heißt hier: Die „Frankfurter Erklärung“ wurde Nachrichtenagenturen per E-Mail zugestellt als Pressemitteilung. Die „veröffentlichen” jetzt schon unter Ausschluss der Öffentlichkeit und machen das allein unter sich aus. Hätte die WELT nicht getöbert, hätten wir davon nie erfahren. Und dass sie überhaupt töbern, liegt vermutlich daran, dass es da gerade Zoff und Futterneid zwischen Presse und öffentlich-rechtlichem Rundfunk gibt. Freundlicherweise hat man mir den Text der „Veröffentlichung” auch mitgeteilt:

Frankfurter Erklärung

Von Journalisten zu Journalisten – eine Gegenrede über gestörte Bilder

Bei ihrer Herbsttagung in Frankfurt richten die Mitglieder der AGRA, der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Redakteursausschüsse, einen dringenden Appell an ihre ZeitungskollegInnen. Hintergrund ist eine seit Monaten laufende Kampagne einiger Print-Medien gegen die öffentlich-rechtlichen Sender. Die AGRA weist die Dauerkritik dieser deutschen Zeitungen an ihrer Arbeit entschieden zurück:

Liebe Kolleginnen und Kollegen in den Zeitungsredaktionen,

wir fühlen uns diskreditiert, wenn Sie uns als Staatsfunk bezeichnen und uns damit unterstellen, dass wir uns politisch steuern lassen. Das ist komplett abwegig. Wir fragen uns, warum Sie mit solchen Äußerungen unsere Arbeit verunglimpfen und sich damit selbst in die Nähe von Rechtspopulisten stellen. Sie bedienen ein Klima, das uns JournalistInnen der öffentlich-rechtlichen Medien an den Pranger stellen soll.

Können Sie uns mal erklären, warum wir als verantwortungsvolle JournalistInnen in diesen Zeiten nicht zusammenhalten gegen Fake News und populistische Parolen? Wer soll denn die Brücken bauen zwischen auseinander fallenden Teilen der Gesellschaft, wenn nicht wir JournalistInnen – sowohl in Zeitungen als auch öffentlich-rechtlichen Sendern als Vermittler von profund recherchierten Informationen?

Liebe Kolleginnen und Kollegen, fällt es Ihnen eigentlich nicht auf, dass Sie mit dieser Kampagne auch den Journalismus insgesamt beschädigen?

Für sachliche und konstruktive Kritik sind wir jederzeit offen!

Ihre öffentlich-rechtlichen KollegInnen von ARD, ZDF und Deutschlandradio

Da hat’s mich geschüttelt. Ich will’s mal kommentieren.

wir fühlen uns diskreditiert, wenn Sie uns als Staatsfunk bezeichnen

So?

Was sind sie denn sonst? Sie heißen „öffentlich-rechtlich”, in den Steuerungsgremien und den Talkshows sitzen die Parteien, und sie werden aus staatlich gesteuerten Zwangsgebühren, die faktisch eine Steuer sind, bezahlt. Und sie sind in manchen Bundesländern vom Datenschutz ausgenommen und in anderen Gesetzen mit Sonderrechten ausgestattet. Sie beziehen Pensionen wie Beamte und werden nach öffentlichem Dienst bezahlt. Die ARD-Sendeanstalten existieren über Staatsverträge. Aber Staatsfunk wollen sie nicht sein.

Was, wenn nicht Staatsfunk, sind sie denn sonst?

und uns damit unterstellen, dass wir uns politisch steuern lassen. Das ist komplett abwegig.

Staatsfunk ist zunächst mal eine Feststellung, und nicht deshalb falsch, weil ARD und ZDF an das Faktum gleich eine Interpretation und Unterstellung anheften wollen.

Dann ist die Schlussfolgerung so erst mal begrifflich falsch. Denn „Staatsfunk” würde auf „durch die Regierung gesteuert” hinauslaufen. Politisch gesteuert ist ein weitreichenderer Begriff, denn politisch kann auch die Opposition oder ein privates Unternehmen sein, das muss mit Staat nichts zu tun haben.

Faktisch aber wäre die Unterstellung zutreffend. Es ist bekannt, dass in den Talkshows Parteien Quoten haben. In den Aufsichtsgremien sitzen die auch drin. Inhaltlich sind sie sowieso politisch gesteuert. Man muss sich nur mal überlegen, wie oft und ohne Unterlass die wegen Gender-Pay-Gap, Homoehe, Pegida, Flüchtlinge usw. getrommelt haben. Selbst können sie da nicht drauf gekommen sein, denn sie konnten es nie begründen oder herleiten. Sie sind politisch gesteuert.

Und wie ich schon erzählt habe: Ich habe das diverse Male persönlich miterlebt, wie Journalisten politisch gesteuert werden. Der Haken ist: Das ist so allgegenwärtig, dass die es schon gar nicht mehr merken und das für normal halten.

Wir fragen uns, warum Sie mit solchen Äußerungen unsere Arbeit verunglimpfen und sich damit selbst in die Nähe von Rechtspopulisten stellen.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Wer ARD und ZDF kritisiert, ist damit automatisch „Rechtspopulist”. Müssen die einen narzisstischen Dachschaden haben.

Warum die Presse das macht, ist doch klar, das hatten die doch geschrieben: Die glauben, dass ihnen die öffentlich-rechtlichen mit Textmeldungen im Internet das Geschäft abgraben. Man könnte aber auch sagen: Weil sie damit recht haben.

Sie bedienen ein Klima, das uns JournalistInnen der öffentlich-rechtlichen Medien an den Pranger stellen soll.

Ja, das ist auch der Zweck der Übung. Wenn man es ihnen normal sagt, kapieren sie es ja nicht.

Und von wegen „an den Pranger stellen”: Ich sag mal Rainer Brüderle, Jörg Kachelmann, Donald Trump, um nur mal spontan drei zu nennen. Wurden die nicht von den öffentliche-rechtlichen jahrelang an den Pranger gestellt? Ist Pranger gut, wenn man es selbst macht, aber schlecht, wenn man selbst an selbigem steht? Ist das Werfen mit faulen Tomaten genau dann und nur dann gerechtfertigt, solange man Werfer ist?

Können Sie uns mal erklären, warum wir als verantwortungsvolle JournalistInnen in diesen Zeiten nicht zusammenhalten gegen Fake News und populistische Parolen?

Das ist verbaler Auseinandersetzungston, aber wer so schreibt, der zeigt sprachliche Defizite.

Warum sollten „verantwortungsvolle Journalisten” (stInnen ist fehlerhaft) überhaupt „zusammenhalten”? Wem gegenüber stehen sie denn in der Verantwortung? Wem, wenn nicht dem Leser und dem Publikum? Steht eine Verantwortung gegenüber dem Leser und dem Publikum nicht diametral im Widerspruch zum „Zusammenhalten”?

Und was hat das mit Fake-News zu tun? Die Presse hatte den Vorwurf erhoben, dass die Öffentlich-Rechtlichen ihnen mit ihrer Zwangsfinanzierung das Geschäft abgraben, wenn sie auch Texte veröffentlichen. Und die Antwort ist: Wir müssen zusammenhalten gegen Fake-News. Und gegen populistische Parolen? Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Was soll das für eine Antwort auf den Vorwurf sein?

Ich kann darin nur einen Sinn entdecken: Nämlich dass sie in staatlichem Auftrag agieren und damit beauftragt wurden, gegen „Fake News” und „Populismus” zu kämpfen. Das versuchen sie ja auch, etwa mit dem Faktencheck, zu dem sie neulich in Hamburg erläutert haben, dass das sauteuer ist, und sie dazu Redakteure von anderen Bereichen abziehen. Wer würde das freiwillig und in eigenem Interesse tun?

Ich kann die Antwort nur so verstehen: Wir machen, wozu uns der Staat beauftragt hat, also stört uns nicht dabei! Schnauze halten, Staatsräson!

Wer soll denn die Brücken bauen zwischen auseinander fallenden Teilen der Gesellschaft, wenn nicht wir JournalistInnen – sowohl in Zeitungen als auch öffentlich-rechtlichen Sendern als Vermittler von profund recherchierten Informationen?

Aha.

Solche „Brücken zu bauen” ist keine journalistische Tätigkeit und Aufgabe. Es ist eine politische, und fraglos ein Interesse der Bundesregierung, hört sich ja schon nach Merkel-Sprech an. Das heißt also ziemlich deutlich (und deshalb eben nicht öffentlich), dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk politische Aufgaben erfüllt oder es zumindest versucht. Eine journalistische Aufgabe läge genau im Gegenteil, nämlich das Auseinanderfallen zu entdecken, zu beschreiben, zu dokumentieren, und der Regierung vorzuhalten. Und nicht als ihr Reparaturkommando aufzutreten.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, fällt es Ihnen eigentlich nicht auf, dass Sie mit dieser Kampagne auch den Journalismus insgesamt beschädigen?

Ich glaube, dass die generelle Dummheit von Journalisten, das Verhalten von ARD und ZDF, und vor allem eine solche Erklärung den Journalismus viel mehr beschädigen. Ich glaube dagegen nicht, dass in dem Ansinnen der Verlage, öffentliche Konkurrenz loszuwerden, noch eine Schädigung läge.

Können Sie uns mal erklären… – Wie sollte man jemandem noch etwas erklären, der zu arrogant, zu überheblich, zu borniert und nicht zuletzt auch schlicht zu dumm ist, um noch zuzuhören?

Für sachliche und konstruktive Kritik sind wir jederzeit offen!

Ja klar, und ich bin James Bond.

Die sind für überhaupt nichts offen. Sonst hätten sie das Ding ja richtig veröffentlicht. Und ich habe es ja probiert. Wenn man versucht, die zu kritisieren, ist das Mikro weg, und hinterher fragen sie verwundert, warum man so hart fragt, aber geistig tut sich da gar nichts. Die sind überhaupt nicht mehr kritikfähig. Wozu auch? Ihr Geld kriegen sie ja auch so, und das reichlich. Da wäre Kritik nur hinderlich und abträglich.

Das Ding ist nicht nur von der Formulierung her hingerotzt, das ist hirnlos und dumm. Und es zeigt, dass das Gegenteil dessen, was sie behaupten, wahr ist. Nämlich dass sie sehr wohl politisch beauftragt sind. Da hat jemand überhaupt nicht nachgedacht. Das ist mehr so ein „Was fällt Euch ein, die heilige Inquisition anzuzweifeln!”

Der Text ist so richtig strunzdumm. Und wir müssen die bezahlen.