Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Krake Microsoft

Hadmut
23.5.2017 20:56

Meine Güte, ist das übel.

Ich war vorhin mal im Elektronik-Markt. Wollte mal nach Notebooks gucken. Mein altes Reisenotebook müsste mal ersetzt werden (hat mal 220 Euro gekostet, nachträglich mit 8GB RAM und SSD aufgerödelt, tut seit fast 5 Jahren alles, was ich will, inzwischen macht der Akku aber langsam schlapp, das Gehäuse hat einen Riss und neueren Multimedia-Anforderungen ist es einfach nicht mehr gewachsen).

Ich gehe halt so zu der Tischreihe mit den Notebooks, vorbei an den Microsoft-Notebooks, die auf einem separaten Tisch davor deutlich besser sichtbar, auffälliger, schöner präsentiert sind, mich aber nicht interessieren. Die einzige Hardware, die ich von Microsoft häufiger kaufe, sind die Tastaturen, weil nur die das geteilte ergonomische Layout haben, das mir entgegenkommt. Dass ich sie häufiger kaufe, liegt daran, dass die Dinger nicht haltbar sind. Die Tasten und Kontakte nutzen sich ab.

Ich stehe also so vor den „normalen“ Notebooks und gucke, da kommt einer daher, der vorher am Microsoft-Tisch stand und sich langweilig.

Stellt sich so neben mich, guckt sehr dienstbereit, erwartet, dass ich ihn anspreche. Ich dachte erst, das wäre einer der Verkäufer des Elektronikmarktes, sehe aber, dass der ein Microsoft-Logo auf dem Hemd hat. Ich gucke ihn auch an, sage aber auch nichts. Er guckt erwartungsvoll, sagt aber nichts. Ich gucke erwartungslos und sage auch nichts.

Er spricht.

Er sagt, er sei von Microsoft, aber er würde mich nicht ansprechen wollen, sondern nur bereit stehen, falls ich Fragen hätte.

Ich gucke ihn an, werfe einen kurzen Blick auf den Microsoft-Tisch, wende ich mich wieder ab, nicke nur kurz ein leises knappes „Danke“ und wende mich wieder den normalen Notebooks zu. Ich dachte, das müsste genügen um zu signalisieren, dass ich nicht gedenke, ein Microsoft-Notebook zu kaufen.

Er spricht wieder.

Er sagt, er sei nicht etwa nur für Microsoft-Notebooks zuständig, sondern für alle Rechner mit Windows. Ich könne ihn zu allen Rechner alles fragen. Solange es um Microsoft geht.

Ich will aber nicht.

Ich sage ihm, er möge mir das bitte nicht übel nehmen, aber Windows runterzuwerfen wäre stets das erste, was ich mit Computern mache.

Er verkündet im Tonfall, mir die Abwegigkeit meiner Absichten darzulegen, dass ich hier in diesem Laden keinen Rechner ohne Windows finden werde. (Schon deshalb falsch, weil sie meines Wissens auch Macs, iPads und Android-Tablets haben.)

Ich entgegne ihm im Tonfall, dass er mir auf den Wecker gehe, dass ich ja sagte, dass ich mich darauf verstehe, Windows runterzuwerfen. Und das wäre ja wohl bei jedem Rechner noch möglich. Oder sei das jetzt fest reingebrannt?

Nein, das ginge nicht, hält er dagegen, denn bei praktisch allen Herstellern verliere man die Garantie, wenn man das Windows entferne. Garantieleistungen gäbe es nur, wenn auf dem Rechner das Original-Windows mit der Originalseriennummer drauf sei.

Mal abgesehen davon, dass das zumindest bei der Gewährleistung meines Wissens anders ist, finde ich das ziemlich derb, denn das heißt, dass man da

  • Keine Rechner ohne Windows bekommt,
  • und Windows nicht entfernen darf.

Zwar erzählte er noch was, dass man sich gleich eine Installations-DVD brennen müsse (die Rechner meines Interesses haben alle kein optisches Laufwerk mehr, das geht also so gar nicht, ich selbst verfüge allerdings noch über einen externen USB-Brenner), um das wieder installieren zu können, aber was nutzt einem das, wenn der Rechner kaputt ist (naja, Garantiefall eben…)?

Ich habe ihm deutlich gesagt, dass ich das für eine Unverschämtheit halte, und bin gegangen.

Erstens eine Unverschämtheit, dass sie einem Windows zwangsverkaufen.

Zweitens, dass das jetzt wohl gängige Praxis ist, jedem mit Garantieverlust zu drohen, der Windows entfernt.

Drittens, dass die da einen hinstellen, der die Leute stalkt, nervt, belästigt.

Warum machen die Kartellbehörden da nichts?